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Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter - Kapitel 47
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1980
publisherC. H. Beck Verlag
addressMünchen
isbn3-406-07951-2
titleGeschichte der Stadt Athen im Mittelalter
pages3-16
created20011106
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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Sechstes Kapitel

Karl von Anjou erwirbt die Hoheitsrechte auf Achaia. Isabella Villehardouin vermählt sich mit dessen Sohne Philipp. Die Angeloi in Arta und Neopaträ. Helena Angela vermählt sich mit Wilhelm de la Roche. Euböa. Die dalle Carceri. Licario und die Byzantiner. Siege des griechischen Kaisers. Johann von Athen wird gefangen nach Konstantinopel geführt. Seine Freilassung. Das Haus Brienne. Vermählung Hugos von Brienne mit Isabella de la Roche. Tod des letzten Villehardouin. Karl von Anjou, Regent Achaias. Tod des Herzogs Johann. Sein Nachfolger Wilhelm. Die sizilianische Vesper und ihre Folgen. Tod des Herzogs Wilhelm von Athen.

1.

Der Fürst von Achaia war kaum in sein Land zurückgekehrt, als Scham und Reue ihn verleiteten, den mit dem Kaiser Michael geschlossenen Vertrag zu brechen, zumal der Papst Urban IV., ein Franzose, nicht zögerte, seinen Eid als erzwungen zu erklären. Ein langer verheerender Krieg im Peloponnes war die Folge dieses Treubruchs. Die griechische Bevölkerung und die Slavenstämme erhoben sich gegen die verhaßten Franken. Selbst türkische Reiterscharen kämpften in Morea erst im Solde der Byzantiner, dann Wilhelms II. Sie deuteten das zukünftige Schicksal Griechenlands an.

Die Lage Villehardouins verschlimmerte sich, weil Venedig, durch Genua um seine privilegierte Stellung im byzantinischen Reich gebracht, beide durch diplomatische Unterhandlungen mit dem Kaiser wiederzugewinnen suchte. Genuesische Geschlechter, die Embriaci, Gattilusi und Zaccaria, schalteten jetzt auf Lemnos und Metilino, und der ganze Handel des schwarzen Meeres war in den Händen ligurischer Kaufleute. Selbst dem Kaiser wurden die Genuesen verdächtig; aufgrund geheimer Verbindungen ihres Podesta in Konstantinopel mit dem Könige Manfred von Sizilien verwies er sie aus der Hauptstadt. Am 8. Juni 1265 gelang es den Gesandten des Dogen, mit Michael VIII. einen Vertrag abzuschließen, wonach die Republik sich verpflichtete, den Fürsten von Achaia seinem Schicksal zu überlassen und sogar Euböa insoweit aufzugeben, als sie versprach, die Eroberung dieser Insel durch den Kaiser nicht zu hindern. Dafür gewährleistete er ihr den ruhigen Besitz ihrer Kolonien im Peloponnes, in Negroponte und Kreta.Treuga Michaelis Paleologi Imp. cum Raynerio Geno duce Venet. a.D. 1265, die 8. m. Junii. Tafel u. Thomas III, 62 ff. Der Doge bestätigte jedoch diese Artikel nicht; erst drei Jahre später schloß Venedig einen nicht sehr günstigen Waffenstillstand mit dem Kaiser.

Das Schwanken der venezianischen Politik setzte Villehardouin in nicht geringe Verlegenheit. Um so willkommener war es ihm, daß in Süditalien ein neues französisches Königreich entstand, welches in die Verhältnisse Griechenlands einzugreifen entschlossen war. Karl von Anjou, vom Papste auf den Thron Siziliens berufen, überwand im Februar 1266 den König Manfred in der Entscheidungsschlacht bei Benevent; sodann bemächtigte er sich des Erbes der Hohenstaufen. Nachdem er ein Jahr später Korfu, Durazzo und andre Gebiete Albaniens, die epirotische Mitgift Helenas, der Witwe des erschlagenen Manfred, an sich gebracht hatte, schuf er sich dort die praktische Grundlage für seine kühnen Absichten auf die Herrschaft im Orient. Alsbald konnte er auch legitime Ansprüche auf die Hoheitsrechte über Morea und ganz Griechenland geltend machen, da er sie von dem aus Byzanz vertriebenen lateinischen Kaiser erworben hatte.

Der flüchtige Balduin II. hatte zum Zweck seiner Wiederherstellung in Konstantinopel die Höfe Europas durchwandert, um sie für eine Unternehmung zu seinen Gunsten zu gewinnen. Allein die Kreuzzugsbullen Urbans IV. und seine dringenden Mahnungen an die Mächte des Abendlandes blieben ohne Erfolg. Balduin wandte sich endlich an den neuen König beider Sizilien, den ehrgeizigsten und unternehmendsten Fürsten seiner Zeit. Am 27. Mai 1267 schloß er zu Viterbo mit Karl von Anjou und dem Papste Klemens IV., dem Nachfolger Urbans, einen Vertrag. Der Exkaiser trat dem Könige seine Rechte auf Achaia für immer ab, indem er sich selbst Konstantinopel, eine Reihe von Inseln und ein Drittel aller noch durch die Waffen des Anjou zu machenden Eroberungen vorbehielt.Urkunden bei Du Cange, Hist. de Cp. I, p. 455ff. Villehardouin, der bei diesem Akt durch seinen Kanzler Leonardo von Veruli vertreten war, anerkannte notgedrungen seinerseits die Abtretung der Oberhoheit Achaias an einen fremden König, dessen Macht den tief erschütterten griechischen Frankenstaaten nachhaltigen Schutz versprach. Das Bündnis Balduins mit Karl sollte durch die künftige Vermählung seines Sohnes Philipp mit Beatrice, der jungen Tochter des Königs, besiegelt werden.Sie wurde erst am 15. Okt. 1273 in Foggia vollzogen, und bald darauf starb Balduin II. Die Hoffnungen des Exkaisers, sich oder seinen Sohn auf dem Throne Konstantinopels wiedereingesetzt zu sehen, wurden freilich nicht erfüllt. Die Romfahrt Konradins und die Folgen des wenn auch verunglückten Einbruchs dieses letzten Hohenstaufen in das Königreich Neapel verhinderten den Kriegszug des Anjou nach dem Orient. Die Venezianer, auf deren Bündnis Karl rechnete, zogen es vor, im Jahre 1268 einen Waffenstillstand mit dem byzantinischen Kaiser abzuschließen, der ihnen einen Teil ihrer Handelsmonopole zurückgab und den Besitz ihrer Kolonien in der Levante bestätigte.

Michael VIII. gewann auch den Papst für sich. Als er auf dem Konzil zu Lyon im Jahre 1274 das diplomatische Spiel der kirchlichen Union durch seine Abgesandten geschickt in Szene setzte, war Gregor X. um so williger, die ihm selbst gefährliche Macht des Königs Karl dadurch zu schwächen, daß er seinen Absichten auf den Orient hemmend entgegentrat. Aus dem Traktat zu Viterbo ging jedoch als geschichtliche Tatsache die Lehnshoheit Karls und seines Hauses über Achaia hervor und die Einmischung der Anjou in die Angelegenheiten Griechenlands. Das fränkische Morea huldigte dem mächtigen Beherrscher Neapels und Siziliens, »dessen Sprache und Geschlecht französisch waren, und dessen Reich diesem Lande nahe lag«.Livre d. l. Cq., p. 269. Fortan mußte sich auch der Herzog von Athen, wenigstens dem Prinzip gemäß, zu seinem Lehnsmanne bekennen, und zwar nicht bloß für Argos und Nauplia. Unzweifelhaft hat Karl auch die Hoheitsrechte über das athenische Herzogtum, welche die Villehardouin beanspruchten, mit dem Fürstentum Achaia als verbunden angesehen, obwohl in den Verträgen zu Viterbo Athens mit keinem Wort gedacht worden war. Der geographische Begriff Achaia wurde überhaupt auch auf das eigentliche Hellas ausgedehnt.

Villehardouin selbst hatte bereits Gelegenheit gehabt, durch die Tat zu beweisen, daß er ein Vasall des Königs geworden sei, denn er, der Schwager Manfreds und der unglücklichen Helena, war dem Aufgebote Karls gefolgt, als es galt, dem Angriff Konradins zu begegnen. Er hatte ihm geholfen, die Schlacht bei Tagliacozzo zu gewinnen, an welcher er mit 400 moreotischen Rittern teilnahm. Unter diesen befanden sich die Barone Gottfried von Karytena, der Großkonnetabel Jean Chaudron, Geoffroi von Tournay, Herr von Kalavrita, aber die Chronik Moreas nennt dabei weder Johann von Athen noch irgendeinen seiner Lehnsmannen.

Das athenische Herzogtum blieb während langer Zeit von den Kriegsstürmen, welche den Peloponnes heimsuchten, kaum berührt. Zwar hatte der Fürst von Achaia, als er den Frieden mit dem Kaiser brach, auch den Herzog Guido aufgefordert, ihm Hilfstruppen zu schicken, doch dieser hatte ihm keine Folge geleistet.Griech. Chronik von Morea, p. 168. Die Regierung Johanns, eines zwar gichtbrüchigen, aber tatkräftigen Mannes, dem sein Bruder Wilhelm, der Herr von Levadia, zur Seite stand, war eine sehr glückliche. Wenn uns auch die damaligen Zustände der Stadt Athen nicht bekannt sind, so ist es doch unzweifelhaft, daß sie sich im Vergleich mit ihrer Verkommenheit zur Zeit des Michael Akominatos in einer besseren Lage befand. Sie hieß damals in der Vulgärsprache bereits Satines oder Setines; doch findet sich diese Namensverstümmelung nicht in öffentlichen Urkunden noch auf den herzoglichen Münzen.Dem ersten offiziellen Gebrauch des Vulgärnamens begegne ich in den ›Judicum Venetorum Decisiones in causis piratarum‹ 1278, Tafel u. Thomas III, p. 178: »item Georgio Dalphino habitatori Satines«. Es ist bekannt, daß dieser Name aus εις ’Αθήνας zusammengezogen ist.

Minder vom Glücke begünstigt als das Haus der La Roche war das berühmte und größere der Villehardouin. Wilhelm II. hatte keine männlichen Erben, nur aus seiner Ehe mit Anna Angela zwei Töchter, Isabella und Margarete. Diese jüngere hatte er zur Dame der Baronie Akowa oder Mategriffon gemacht, die er der rechtlichen Erbin Margarete von Neuilly, einer Waise und Witwe, aus Habgier entzog. Auf das ungroßmütigste behandelte er die edle Tochter seines Marschalls, die sich für ihn geopfert hatte. Während ihrer Abwesenheit als Geisel des in Konstantinopel gefangenen Fürsten war ihr durch den Tod ihres Oheims Gautier de Rosieres das Lehen Mategriffon zugefallen; da sie nicht in Person ihr Erbe einfordern konnte, zog es der Fürst nach dem Buchstaben des Lehnsgesetzes ein und überließ ihr davon aus Gnaden nur einen Bruchteil.Sie vermählte sich nach dem Tode ihres ersten Gemahls Guisbert de Cors mit Wilhelm II. von Verona, Dreiherrn Euböas, dann um 1276 mit Johann von St. Omer, dem sie als Erbtochter des Marschalls von Achaia diese Würde mitbrachte. Den merkwürdigen Lehnsprozeß erzählt ausführlich die Chronik von Morea.

Das an Umfang geschmälerte, durch die unablässigen Angriffe der Griechen von Sparta her hart bedrängte Fürstentum Morea mußte mit der Hand der ältesten Tochter Villehardouins auf ein fremdes Herrscherhaus übertragen werden. Der Kaiser Michael hatte ihm den Vorschlag gemacht, Isabella seinem Sohne Andronikos zu vermählen, welcher dann nach dem Tode Wilhelms Achaia beherrschen sollte. Eine solche Verbindung würde den ganzen Peloponnes mit dem griechischen Reiche wieder vereinigt, dieses selbst stärker und lebenskräftiger gemacht und Griechenland viele Verwirrungen erspart haben. Unglücklicherweise kam der treffliche Plan nicht zur Ausführung; die fränkischen Barone Moreas verwarfen ihn, und Karl von Anjou konnte ihn niemals zulassen. Wilhelm hatte auch keine andere Wahl als die Vereinigung seines Landes mit der Krone dieses Königs, welcher auf der Höhe seiner Macht stand, der naturgemäße Protektor der Franken in Griechenland war und den Gedanken nicht aufgab, das zerstörte Lateinerreich in Konstantinopel herzustellen. Da er bereits in Epiros und Korfu festen Fuß gefaßt hatte, so mußte ihm viel daran liegen, sich auch Achaias zu versichern. Der Fürst selbst trug die Hand seiner Tochter dem jungen Sohne Karls, Philipp, an, und der König ging darauf ein, unter der Bedingung, daß Achaia für immer beim Hause Anjou verbleibe. Da die Verlobten noch Kinder waren, wurde ihre Vermählung erst am 28. Mai 1271 zu Trani vollzogen.

In demselben Jahre veranlaßte der Tod des Despoten Michael von Epiros dynastische Veränderungen in Nord-Griechenland, die später für das Herzogtum Athen von großer Wichtigkeit wurden. Die Länder Epiros, Akarnanien, Ätolien und die ionischen Inseln erbte Nikephoros I., der legitime Sohn Michaels, während sich sein Bastard, der Sebastokrator Johannes I. Dukas Angelos, aus Südthessalien oder Großwlachien, der ozolischen Lokris und der Phthiotis zwischen Olymp und Parnaß ein eigenes Fürstentum gründete.Nikephoros Gregoras IV, c. 9, gibt den Umfang beider Gebiete an. Zu seiner Hauptstadt machte er das unter den steilen Felsenwänden des Öta gelegene, stark befestigte Neopaträ (la Patria von den Franken genannt), das alte, durch seine thessalischen Zauberkünste berechtigte Hypate am Sperchios, wo einst Achill über die Myrmidonen geherrscht hatte.Pachymeres lib. I, p. 83. Die barbarische Bearbeitung der Ilias von Konstantin Hermoniakis im 12. Jh. scheint thessalischen Ursprungs zu sein. Sathas, Le Roman d'Achille, Annuaire de l'Assoc. des études grecques, XIII, 1879, p. 435.

Da sein Vater Michael erst mit Manfred, seinem Schwiegersohne, innig verbunden gewesen war, dann aber die Oberhoheit des Anjou anerkannt hatte, setzte auch Johannes diese Beziehungen zu Neapel fort. Er schloß Handelsverträge mit dem Könige Karl und lehnte sich überhaupt an die Franken an, besonders an den Herzog von Athen, um sich dadurch dem griechischen Kaiser gegenüber zu stärken, von dem bereits sein Vater bekriegt und dem Untergange nahegebracht worden war. Die epirotische Dynastie gebot über fruchtbare Länder und kriegstüchtige Völker, welche sich stark genug machten, nach politischer Selbständigkeit zu streben. Sie nahm auch einen nationalgriechischen Charakter an, indem sie das heilige Banner der orthodoxen Kirche erhob, von der die Palaiologoi durch ihre Unterwerfung unter den Papst abgefallen waren. Die Despoten von Epiros und Thessalien unterstützten den Widerstand des griechischen Volks und Klerus gegen die vom Kaiser proklamierte Union. Ihre Höfe wurden die Zufluchtsstätten der verfolgten und protestierenden Geistlichkeit.

Michael VIII. sah sich von den Angeloi ernstlich bedroht. Er konnte das Werk der Wiederherstellung des byzantinischen Reichs nicht fortsetzen, ohne den Trotz jener Despoten zu brechen und seiner Machtsphäre ihre Länder zu unterwerfen. Deshalb schickte er im Jahre 1275 seinen eigenen Bruder Johannes und den General Synadenos mit einem ungewöhnlich starken Heer zuerst nach Thessalien. Eine Flotte unter dem Befehl des Admirals Philanthropenos sollte dasselbe zur See unterstützen. Der Sebastokrator wurde hierauf in Neopaträ eingeschlossen. Es gelang ihm indes, nachts in der Verkleidung eines Bauern die Stadt zu verlassen und durch die Linien der Belagerer hindurchzukommen, worauf er ein Kloster erreichte, mit Hilfe des Abts durch die Thermopylen gelangte und weiter nach Theben und Athen eilte. Hier gab er sich dem Herzog zu erkennen und beschwor diesen, ihm zu seiner Rettung Hilfstruppen zu leihen. Johann de la Roche muß ein hohes Vertrauen in das Glück oder Genie des Mannes gesetzt haben, der sich mit so kühnem Wagnis zu ihm begeben hatte, während seine Hauptstadt von Feindesscharen umringt war. Er ging auf die Anträge des Sebastokrators ein. Zwar schlug er selbst, weil krank und leidend, die ihm dargebotene Hand von dessen Tochter Helena aus, aber er bewog seinen Bruder Wilhelm, sie mit einer reichlichen Mitgift thessalischer Städte anzunehmen.Pachymeres lib. IV, p. 328.

Mit 300 wohlausgerüsteten Rittern, unter denen sich auch die Herren von St. Omer befanden, geleitete der Herzog in Person den Fürsten Thessaliens in sein Land zurück, um das von 30 000 Griechen, Kumanen und Türken umlagerte Neopaträ zu entsetzen.Nikephoros Gregoras IV, c. 9, p.119, erzählt, daß der Herzog dem Sebastokrator 500 Mann gab, alle auserlesene Athener. Die byzant. Geschichtsschreiber sagen nichts davon, daß der Herzog mitzog, doch dies weiß Marin Sanudo. Beim Anblick dieser feindlichen Massen rief er seinem bangenden Schützlinge das Wort eines Alten zu: »Viele Leute, aber wenige Männer.«πολὺς λαός ολίγοι άνθρωποι: Marin Sanudo, Ist. d. R., p. 121. Ich glaube, daß dies Wort dem Herodot VII, c. 210, entlehnt ist, wo sich Xerxes vor den Thermopylen überzeugt, daß seine Scharen πολλοὶ μὲν άνθρωποι ει̃εν, ολίγοι δὲ άνδρες. Doch konnte sich dieser Ausspruch des Herzogs einfach aus der Lage der Dinge selbst ergeben. Er stürzte sich mutig auf das feindliche Lager, zersprengte das große Heer des Palaiologos und gewann den herrlichsten Sieg. Die Stadt Neopaträ wurde entsetzt, der fliehende Feind aber genötigt, aus Thessalien abzuziehen. Der dankbare Johannes Angelos hielt sein Versprechen: Er vermählte Wilhelm de la Roche mit seiner Tochter Helena und übergab ihm als Mitgift die Städte Zeitun, Gravia, Gardiki und Sidirokastron.

So verschwägerte sich, gleich dem Hause Villehardouin, auch die herzogliche Familie Athens mit demselben epirotischen Dynastengeschlecht. Wenn auch diese Verbindung nur durch politische Ursachen veranlaßt war, so bewies sie doch die fortschreitende Annäherung der Franken an die Griechen. Die lateinische Kirche gestattete gemischte Ehen in der Regel nur unter der Bedingung des Übertritts der griechischen Frau zum katholischen Bekenntnis, aber es ist doch nicht glaublich, daß sich die Prinzessin Helena dieser Bedingung unterwarf. Denn auch bei der einige Jahre später vollzogenen Vermählung des Prinzen Philipp von Tarent mit Thamar, der Tochter des Despoten Nikephoros I. von Epiros, des Bruders des Sebastokrators Johannes, sicherte sich die Griechin ausdrücklich ihren Kultus.Pachymeres lib. V, p. 450. Im übrigen nahmen die fränkischen Barone in Griechenland, wie Ramon Muntaner einmal bemerkt hat, ihre Frauen vorzugsweise aus Frankreich. Nur aus unrechtlichen Verbindungen von Lateinern und Griechinnen entstammte überall in der Levante ein Mischgeschlecht, welches den Namen der Gasmulen erhielt.

Der glänzende Tag von Neopaträ machte den Herzog von Athen zu einem großen Manne; er dehnte jetzt seinen Machteinfluß bis zum Othrys aus. Und doch erfuhr auch er nur drei Jahre später den Unbestand des Glücks, als er in die Verhältnisse Euböas verflochten wurde.

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