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Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter - Kapitel 41
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1980
publisherC. H. Beck Verlag
addressMünchen
isbn3-406-07951-2
titleGeschichte der Stadt Athen im Mittelalter
pages3-16
created20011106
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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3.

Während es dem lateinischen Kaisertum zum Verderben gereichte, daß Balduin keine Dynastie begründete, konnten die beiden Fürsten in Athen und Andravida ihre Herrschaft in ihrem eigenen Hause vererben. Als Gottfried Villehardouin am Ende des Jahres 1218 starb, hinterließ er sein Land seinem kraftvollen Sohne Gottfried II., welcher mit Agnes von Courtenay, der Tochter des verunglückten Kaisers Peter, vermählt war.Gottfried I. hatte von seiner Gemahlin Elisabeth de Chappes die Söhne Gottfried II., Wilhelm II. und eine Tochter, die mit Hugo von Karytena vermählt war. Stammtafel der Fürsten Achaias bei Hopf (Chron. Gréco-Romanes, p. 469).

Der Megaskyr Otto hatte sich am Ende des Jahres 1207 mit Isabella vermählt, der Erbtochter Guys von Ray in Burgund.»Qui uxoratus est«, sagte von ihm Innoz. III. in einem Brief an den Erzb. von Larissa, 20. Febr. 1208, lib. XI, ep. 244. Vom Hause La Roche waren auf seine Einladung manche Mitglieder aus Burgund nach Theben und Athen herübergezogen. Seine Schwester Sibylle, die Dame de Flagey, Gemahlin des Jacques de Cicons, kam mit ihrem jungen Sohne Otto.Guillaume, Hist. des Sires de Salins, p. 65. Dann erschienen die Söhne seines Bruders Pons von Flagey und deren Schwester Bonne.In einem Spruch des deutschen Kaisers Heinrich VI. zugunsten des Herzogs Eudes III. von Burgund, Frankf. 27. April 1193, ist unter den Zeugen Poncius de Roche. Plancher, Hist. de Bourgogne I. Preuves, n. 138. Du Cange, Hist. de Cp., I, p. 53. Diese burgundische Sippschaft brachte neues Leben nach dem Herrenhof in Theben oder Athen, und sie alle wollten durch Güter und Verbindungen in dem fremden Lande reich werden. Der Megaskyr machte schon im Jahre 1211 einen seiner Neffen zum Herrn von halb Theben, da derselbe in jungen Jahren sein Gefährte auf dem Kreuzzuge gewesen war.Guillaume, p. 83.

Es kam nach Theben auch ein Zweig des Hauses der Kastellane von St. Audemar (St. Omer) und Grafen von Falkenberg in Flandern, welches schon längst im Orient berühmt geworden war. Denn drei Ritter desselben, Wilhelm, Hugo und Gottfried, hatten sich unter den Fahnen Bouillons hervorgetan; Hugo war in Palästina zum Prinzen von Galiläa geworden, und Gottfried gründete im Jahre 1118 mit Hugo Payens den Templerorden in Syrien. Die Macht des in der Geschichte Nordfrankreichs und Flanderns namhaften Geschlechts der St. Omer vermehrte später Wilhelm, der Gemahl Idas, einer Schwester des Jacques d'Avesnes. Seine Söhne Jacques und Nikolaus hatten mit diesem, ihrem Oheim, den Grafen Balduin von Flandern auf dem lateinischen Kreuzzuge begleitet und bei der Erstürmung Konstantinopels tapfer mitgekämpft. Sie waren dann, wie Avesnes selbst, dem Markgrafen von Montferrat auf seiner Kriegsfahrt nach Griechenland gefolgt. Bonifatius gab ihnen Lehen in der alten Doris, namentlich den Ort Gravina, wo sie eine Burg erbauten.Louis Moland, Saint-Omer dans la Morée, Esquisse de la Domination française dans la Grèce, au Moyen-Age, Paris 1855, p. 53. Diese kleine Schrift entbehrt leider der wissenschaftlichen Grundlage. Sie gingen mit Jacques d'Avesnes nach Euböa und scheinen auch dort Güter erworben zu haben. Wenigstens war Nikolaus von St. Omer schon im Jahre 1210 ein so angesehener Dynast, daß er das Konkordat von Ravennika mitunterzeichnete. Gleich Ravano, dem Herrn Negropontes, zog er den Templern gehörige Ländereien ein, so daß der Papst Innozenz ein Breve gegen ihn erließ.Raynald 1210, n. 29. Er heißt in diesem Breve »N... de Sancto Amiro«. Die beiden Brüder Nikolaus und Jacques verdankten wohl den größten Teil ihrer Besitzungen der Mitgift ihrer Frauen, und daß sie so erlauchte Verbindungen eingehen konnten, zeugt für ihren ritterlichen Ruhm und persönlichen Wert. Nikolaus vermählte sich mit Margaretha, der Witwe des Königs Bonifatius von Thessalonike, und sein Bruder Jacques mit der Witwe Gottfrieds I. von Achaia. Es war dann dieses Jacques Sohn Abel (Bela), der sich mit dem Hause La Roche verband und das Geschlecht der St. Omer Thebens gründete, die in der Geschichte Athens und Achaias eine sehr glänzende Stellung erhielten.Über die St. Omer: Chron. Balduini Aveniensis Toparchi Bellimontis sive hist. gen. Comit. Hannoniae, ed. Jacob Baro le Roy, Brüssel 1722, p. 43 ff. Danach Buchon, Rech. hist. II, 495ff. Besser die Stammtafel bei Hopf, Chron. Grec.-R., p. 477. A. Giry, Les Chatelains de St. Omer (Bibl. de l'école des chartes, vol. 35 u. 36, 1874, 1875).

Ritterliche Verwandte, tapfre Freunde und Lehnsmannen umgaben demnach den Megaskyr, und in seinen beiden heranwachsenden Söhnen Guido und Otto standen ihm die Erben bereit. Um so mehr mußte es überraschen, als er den Entschluß faßte, nach Frankreich heimzukehren, ohne dazu wie Champlitte durch dringende Ursachen genötigt zu sein. Der mannhafte Krieger, welcher Byzanz hatte erobern helfen und dann durch Tatkraft und Glück der Gründer einer Herrschaft mit dem großen Namen Athen geworden war, kehrte im Jahre 1225 mit seiner Gemahlin und seinen Kindern nach Burgund zurück.Urkunden zeigen, daß der Megaskyr nicht schon 1223 Griechenland verließ. Im Sept. 1223 absolviert der Papst Otto de Rocca und Gottfried Villehardouin. Am 5. Dez. 1224 schreibt der Papst dem Otto de Rocca, »domino Athenarum«, wegen der dem bedrängten Konstantinopel zu leistenden Hilfe. Pitra, Anal. noviss. I, p. 224ff., p. 229. Da er den Besitz schöner griechischer Länder für den seiner Lehen in Frankreich hingab, so mußten jene keinen zu hohen Wert für ihn haben, oder die Heimatliebe war in ihm stärker als der fürstliche Ehrgeiz. Vielleicht auch war ihm das Leben unter den Griechen gründlich verleidet, deren wenn auch nur passiver Widerstand ihn ermüdete, während der Streit um die Grenzen der weltlichen und geistlichen Gewalt nicht zur Ruhe kam. Der Sire Athens schied mit solcher Mißachtung von seiner eigenen Schöpfung, daß er sie nicht einmal einem seiner Söhne bewahrte, sondern seinem Neffen zum Geschenk machte. Dies war Guy oder Guido de la Roche, der Sohn des Pons.Nach Dunod, a.a.O., p. 104, trat derselbe seinem Oheim dafür seine Güter in Burgund ab.

Otto schiffte sich mit seiner Familie nach Burgund ein, wo manche Verwandte seines Hauses lebten.Ich bemerke vorübergehend Fr. Oliverius de Rupe, »praeceptor domorum miliciae Templi in Francia«. Akt v. Juli 1228, Archives de l'Orient latin, 1884, II, p. 1, p. 162. Dort starb er vor dem Jahre 1234. Sein zweiter Sohn Otto stiftete die angesehene Familie der Herren von Ray, die erst im 17. Jahrhundert erloschen ist. übrigens blieben die burgundischen La Roche und Ray eine Zeit lang in Verkehr mit Athen, dessen Herrschaft sie hatten entsagen müssen. Mitglieder des Hauses besuchten daselbst ihre fürstlichen Vettern, und ein Urenkel des ersten Megaskyr begnügte sich sogar mit der bescheidenen Stelle eines Praecentors der athenischen Marienkirche.Guillaume, p. 72, bemerkt das von Gauthier de Ray 1282. Hopf I, S. 275, führt Enkel des Megaskyr Otto an, welche nach Griechenland kamen.

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