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Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter - Kapitel 29
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1980
publisherC. H. Beck Verlag
addressMünchen
isbn3-406-07951-2
titleGeschichte der Stadt Athen im Mittelalter
pages3-16
created20011106
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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Achtes Kapitel

Tod des Kaisers Manuel. Tyrannische Regierung des Andronikos. Die Normannen erobern Thessalonike. Mißverwaltung der Strategen von Hellas. Akominatos als Anwalt Athens. Sturz des Andronikos. Lobrede des Akominatos auf Isaak Angelos. Empörung der Serben und Bulgaren. Entthronung des Isaak Angelos. Denkschrift des Akominatos an Alexios III. Bedrückungen Athens durch die kaiserlichen Prätoren. Verzweifelte Lage des Akominatos in Athen.

1.

Unterdes war Konstantinopel der Schauplatz schrecklicher Ereignisse geworden, welche an die Zeiten des römischen Tiberius erinnern konnten. Die Lebenskräfte, die das gealterte Reich von den drei großen Komnenen empfangen hatte, waren mit dem am 24. September 1180 gestorbenen Kaiser Manuel versiegt. Beim Hingange dieses bewunderten Herrschers durfte sein Lobredner Eustathios ausrufen, daß die große Kaisersonne versunken sei und die Erde nur noch von dem umflorten Monde beleuchtet werde; denn als dieses Gestirn erschien ihm die schöne Kaiserinwitwe Maria von Antiochia, welche den Schleier nahm. Sie führte trotzdem die Regierung für ihren unmündigen Sohn Alexios mit ihrem Günstlinge, dem Protosebastos gleichen Namens, gestützt auf die in Konstantinopel angesiedelten Lateiner aus Pisa, Genua und Venedig, deren Zahl damals etwa 60 000 betrug.Eustathios, De Thessalonica urbe a Latinis capta, c. 29. Die Gegenpartei rief aus Kleinasien in die Stadt den durch seine Abenteuer und wilden Leidenschaften berühmt gewordenen Komnenen Andronikos, einen Enkel Alexios' I. Er bemächtigte sich der Gewalt im Frühjahr 1182. Es geschah bei dieser Umwälzung, daß seine paphlagonischen Krieger und die Griechen der Hauptstadt, von Nationalhaß gegen die Fremdenkolonien entflammt, ein entsetzliches Blutbad unter ihnen anrichteten. Dieser Haß war begreiflich. Schon Manuel I. hatte die Venezianer einmal aus der Hauptstadt und dem Reiche verbannt, und Cinnamus, der davon berichtet, zeichnet bei dieser Gelegenheit den unerträglichen Hochmut jener ehemaligen »Vagabunden und Bettler, die sich in den Staat der Romäer eingenistet«.Als Schmarotzer oder Trichinen, wie er sich heute wahrscheinlich ausdrücken würde (lib. V, p. 283ff.) Die Franken in Konstantinopel wurden zu Tausenden niedergemetzelt oder zu Sklaven gemacht, ihre Quartiere und Kirchen verbrannt, ihre Güter geplündert. Sie nahmen eine schreckliche Rache, und Eustathios urteilte mit Recht, daß aus diesem Lateinermorde das byzantinische Unglück herstammte.C. 28, a.a.O. Im September 1184 bestieg Andronikos als Alleinherrscher den Thron, nachdem er die kaiserliche Mutter und ihren Sohn umgebracht hatte: ein frevelvoller, im Blute schwelgender Tyrann, aber großer politischer Ideen fähig, der Cesare Borgia im byzantinischen Reich.

Schon ein Jahr später rächten die Normannen jenes Blutbad, als der König Wilhelm II. von Sizilien, von der Gegenpartei des Andronikos zur Intervention ermuntert, die Absichten seiner Vorfahren auf den Orient wiederaufnahm. Mit zweihundert Schiffen und einem großen Landheer belagerten die Sizilianer die reiche Handelsstadt Thessalonike, die sie am 24. August 1185 erstürmten, mit mehr als türkischer Barbarei verwüsteten und ausmordeten. Zeuge dieser Schrecken und dann ihr Milderer war der edle Erzbischof Eustathios.Er hat diese Ereignisse (in seinem Berichte ›De Thessalonica... capta‹) genau beschrieben; daraus schöpfte Niketas seine Darstellung (in den ersten Kapiteln der Regierung des Andronikos). Die in Thessalonike von den Normannen begangenen Greuel wiederholten sich Szene für Szene im »Sacco di Roma«. Was aber stand dem unseligen Konstantinopel bevor, wenn sich die Rachlust der Lateiner auf dieser Weltstadt selbst entladen konnte!

Griechenland blieb diesmal von der Wut der Normannen verschont, doch war es von Truppenaushebungen, von Schiffssteuern und Erpressungen der kaiserlichen Verwalter tief erschöpft. In den immer größeren Bedrängnissen, beim Sinken der Reichsgewalt und dem wachsenden Willkürregiment der Befehlshaber in den Provinzen, hat Michael Akominatos das Elend Athens zu mildern gesucht. Die Leiden der Bevölkerung waren in allen Teilen des Reichs schon unter Manuel schwer geworden, als dieser Kaiser, um seine Kriege gegen die Serben, Ungarn und Türken zu bestreiten, die Provinzen nicht nur mit Steuern belastete, sondern die verderbliche Einrichtung traf, das Kriegsvolk, welches zuvor seinen Sold aus dem Fiskus empfangen hatte, auf Kosten der Städte und Dörfer erhalten zu lassen. Die Truppen quartierten sich dort ein, durch kaiserliche Freibriefe dazu ermächtigt, und sie entrissen dem Bürger und Landmann die Früchte seiner Arbeit, selbst sein Besitztum, so daß die unglücklichen Bewohner zu ihren Sklaven wurden oder die Flucht ergriffen oder selbst unter die Soldaten sich einreihen ließen.Niketas, De Manuele Comneno VII, c. 5.

Die Strategen, Prätoren oder Proprätoren von Hellas und dem Peloponnes – denn diese beiden Themen waren auch in jener Zeit zu einem gemeinschaftlichen Verwaltungsgebiete vereinigt – nahmen dort etwa die gebietende Stellung ein, welche ehedem die Exarchen in Ravenna gehabt hatten. Sie hielten einen Hof von militärischen und zivilen Beamten, die alle von der Provinz ernährt werden mußten.Rambaud, a.a.O., p. 199ff. Bleisiegel solcher Proprätoren von Hellas und dem Peloponnes bei Lambros, Athen am Ende des 12. Jh., p. 25. Wenige dieser Gewalthaber erwarben sich die Liebe der Hellenen, wie der milde und gerechte Alexios Bryennios Komnenos, der Sohn des Cäsar Nikephoros und der Prinzessin Anna, welcher nach dem Jahre 1156 die griechischen Städte regierte. Die meisten streuten, nach dem Ausdruck des Erzbischofs Michael, über Griechenland, wie einst die flüchtige Medea über Thessalien, das Gift des Verderbens aus.Akominatos I, p. 177. Sein Lob des Bryennios I, p. 336. Leider wissen wir nicht, wodurch dieser Prätor der Wohltäter Athens geworden war. Schon im elften Jahrhundert war ein Bryennios Stratege von Theben, Zeitgenosse des hl. Meletios (Neos Paradeisos, Ven. 1872, p. 12).

Die Landesbischöfe begrüßten solche kaiserlichen Vizekönige beim Antritt ihrer Prätur oder bei ihren Reisen in den Provinzen mit herkömmlichen überschwenglichen Lobreden. Sie hoben ihre Tugenden zu den Sternen empor und nannten einen jeden von ihnen den ersehnten Messias Griechenlands. In seinem Enkomion auf Nikephoros Prosuch, den Prätor von Hellas und dem Peloponnes, welcher nach Athen kam, als Andronikos I. noch Mitkaiser des jungen Alexios war, rief ihm Akominatos die schmeichlerischen Worte zu: »Mein Attika und die einst goldene Stadt Athen empfangen dich als ein erflehtes Göttergeschenk.«I, p. 146. Dann ließ er Athen in Person den Prätor anreden, in derselben rhetorischen Figur, wie Symmachus und andere römische Oratoren die alternde Roma in der letzten Kaiserzeit hatten reden lassen und noch später der Volkstribun Cola di Rienzo und Petrarca sie als trauernde Witwe vor ihren Gewalthabern auftreten ließen.

»Du siehst«, so sprach im Jahre 1183 das unglückliche Athen, »wie mich, die Gepriesene der Städte, die Zeit vernichtet hat. An die Reste, welche sie mir übrig ließ, haben sich viele Leiden geheftet; ich bin zu einem kleinen und unbewohnten Orte hingeschwunden, der nur noch an seinem Namen und seinen ehrwürdigen Trümmern kenntlich ist. Ich Unselige war einst die Mutter aller Weisheit, die Führerin zu aller Tugend. Ich habe in vielen Schlachten zu Land und See die Perser besiegt, und jetzt überwältigen mich wenige Piratenbarken; alle meine Seegestade werden ausgeraubt. Ich habe aus der Hand des Herrn den Kelch getrunken und verschmachte vor Hunger, Durst und Armut. Jammer drinnen und draußen peinigt mich; mich machen kinderlos das Korsarenschwert und die Furcht vor meinen Steuereinnehmern. Reiche mir, die ich am Boden liege, die Hand, flöße der Sterbenden neues Leben ein, damit ich dich dem Themistokles, dem Miltiades und dem gerechten Aristides beizähle.«

Der geistreiche Bischof hatte den schönen Gedanken, den Strategen daran zu erinnern, daß es im alten Athen einen Altar des Erbarmens (’Ελέου βωμός) gegeben habe, und er ermahnte ihn, diesen wieder aufzurichten. Er schloß seine Rede mit einem Gebet an die Parthenos Gottesmutter, welche er die Retterin Athens (σώτειρα ’Αθηνω̃ν) nannte; und als solche galt den Athenern die Jungfrau Maria oder Atheniotissa, wie den Römern im Mittelalter der Apostel Petrus als Retter galt.

Die griechischen Bischöfe nahmen noch immer, wie zur Zeit Justinians, dem Staate gegenüber eine gesetzlich so angesehene Stellung ein, daß sie die berufenen Advokaten ihrer Stadtgemeinden waren. Wenn sich Briefe der Bischöfe von Korinth, Theben und Neopaträ erhalten hätten, so würden sie ähnliche Beschwerden aufweisen. Nach dem Tode des edlen Eustathios hat Akominatos der unglücklichen Stadt Thessalonike die Klage in den Mund gelegt, daß sie fortan die Beute der Steuereinnehmer, dieser menschenfressenden Tiere, sein müsse, da sie ihr großer Hirt nicht mehr beschirme.I, p. 300.

Gleiche Klagen richtete der Erzbischof Michael an den neuen Prätor Drimys, als dieser Athen besuchte.I, p. 157. Die Bedrückungen der byz. Beamten widerlegen die Ansicht, daß Athen dem Erzb. Michael »en propre fief« gehört habe, was Sathas aus der ganz allgemeinen Phrase οικει̃ον λάχος seines Bruders Niketas folgert. Mon. Hist. Hell. VII, p. LV. Als später Sguros Athen besetzte, sagte ihm der Erzb., daß er nur mit geistlichen Dingen zu tun habe: τὰ δὲ πρὸς τὸν ιερέα τη̃ς πόλεως ουδὲν ότι μὴ τὰ πάντα θεοφιλη̃ καὶ πνευματικὰ... urbs capta, p. 801. Er verglich ihn mit dem Stadtgründer Theseus, denn die Bevölkerung war durch Nahrungslosigkeit und ihre Folge, die Auswanderung, so herabgeschwunden, daß sie einer Neugründung durch Kolonisation zu bedürfen schien. Und schon in seinem ersten Briefe aus Athen hatte Michael das hungernde Volk mit den Vögeln verglichen, die von Ort zu Ort wandern, ihr Futter zu suchen.Über diese Entvölkerung II, p. 12; II, p. 42, u. Hypomn. an Alexios III., I, p. 307: τὸ όριον τω̃ν ’Αθηνω̃ν, πάλαι του̃ πλήθους τω̃ν εποίκων αυτου̃ διὰ τὰς αλλεπαλλήλους επηρείας εκκενούμενον αεὶ, νυ̃ν κινδυνεύει καὶ εις αυτὴν περιστη̃ναι τὴν... ερημίαν σκυθικήν. – Die Zeit, so sagte er jetzt jenem Prätor, hat Athen alles geraubt, selbst die Sprache. Sprachlos ist die Mutter der Weisheit geworden, die einst mit dem Ruhme der Stoa und der peripatetischen Schule die Welt erfüllte, wo Perikles der Olympische hieß, wo Demosthenes, Lysias, Xenophon und Isokrates die Grazien und Sirenen besiegt hatten. Er selbst fühle sich in der Wüste Athens unglücklich; auf der Felsenburg sitzend, vernehme er nur die Echo, die ihm den leeren Schall seiner Worte zurückgebe. Von der geschwundenen Herrlichkeit alter Zeiten nicht zu reden, so habe Athen selbst die Form einer Stadt verloren: »Die Mauern liegen nieder, die Häuser sind zerfallen, der Landmann ackert auf den Wohnstätten; wie einst Theben von den Makedoniern, so ist sie von ihren Verwüstern mißhandelt worden. Barbarischer als die Perser hat die Zeit und ihr Bundesgenosse, der Neid, das Glück Athens zerstört.« Er wiederholt die Worte des Propheten über Babylon: »Herden weiden nicht in ihr, nur wilde Tiere; Geister hausen in ihr, Skorpione und Igel wohnen in ihren Hallen.«

Seine Rede geht dann in eine schwülstige Lobpreisung des Kaisers Andronikos über. Dieser gewaltige und furchtbare Mann, ein Proteus von allen Formen, wie ihn Eustathios genannt hat, verdiente in mancher Hinsicht den Dank des Volks. Er schonte dasselbe und züchtigte seine Peiniger, die ränkevollen, raubgierigen Magnaten; er räumte mit blutiger Hand als ein Würgengel unter den Adelsgeschlechtern auf, um dem Bürgertum und Bauernstande Luft zu machen, so daß zu seiner Zeit, nach dem Geständnis des Geschichtsschreibers Niketas, die Städte emporblühten und die Landschaften hundertfache Frucht gaben. Andronikos hätte der Reformator des Reiches werden können, wenn dessen sich zersetzender Organismus überhaupt noch zu heilen war.Selbst Niketas, der die Grausamkeit und Lasterhaftigkeit des Andronikos mit den Farben Suetons geschildert hat, rühmte ihn als Befreier des gepeinigten Volks (lib. II, c. 3ff.). Seine Ehrenrettung hat zuerst Fallmerayer versucht, Geschichte des Kaisertums Trapezunt, S. 25ff.

Indes fand er, infolge der Verheerung Thessalonikes durch die Normannen, welche dann Konstantinopel selbst bedrohten, in einer Palastrevolution am 12. September 1185 seinen furchtbaren Untergang. Mit ihm endete die ruhmvolle Dynastie der Komnenen in Byzanz, worauf unerwartete Ereignisse folgten, die das wehrlos gewordene Reich zur Beute der Franken machten.

Wie sich einst der Papst Gregor der Große durch diplomatische Berechnungen seines Vorteils hatte verführen lassen, dem Mörder des Kaisers Maurikios, dem verworfenen Phokas, zu schmeicheln, ganz so verführte jetzt die Not den Erzbischof Michael, den Mörder und Nachfolger des Andronikos, den unwürdigen Isaak Angelos als gottgesandten Rettungsengel und Befreier der Welt in den Himmel zu erheben. Er verglich ihn mit Harmodios und Aristogeiton; so mächtig und dauernd war der Eindruck der Tat jener alten Tyrannenmörder, daß sie selbst noch im 12. Jahrhundert ein heiliger Erzbischof Athens zu feiern wagte. Er suchte jetzt aus der Mythologie und der Bibel alle Schreckensgestalten hervor, um denselben Andronikos, den er zuvor dem Salomo gleichgestellt hatte, als ein Ungeheuer zu brandmarken. Nur mit Scham kann man diese byzantinischen Flecken auf dem sonst reinen Charakter eines edlen Mannes sehen.

Im Anfange des Jahres 1187 ging er selbst als Vertreter Athens nach Konstantinopel, um den neuen Gebieter zu der in Thessalien vollbrachten Besiegung der Normannen zu beglückwünschen, welche übrigens nicht seine Tat, sondern das Werk des tapfern Generals Branas war. So wurde der grause Fall Thessalonikes durch den Untergang des sizilianischen Landheeres gerächt, das von diesem und der Normannenflotte bedrohte Konstantinopel befreit und Isaak Angelos vom Glück mit unverdienten Lorbeern gekrönt.

Die Sitte, Lobreden auf Kaiser zu halten, hatte sich als ein Teil der antiken Redekunst mit der ganzen Überschwenglichkeit einer gesunkenen Literatur aus dem kaiserlichen Rom auf die Byzantiner vererbt. Wenn uns heute solche Posaunenstöße höfischer Schmeichelei anwidern, so konnten sie keinem Griechen jener Zeit anstößig sein, denn sie waren eine stilgemäße Förmlichkeit.Es ist daher nicht vollkommen richtig, was Paparrigopulos über M. Akominatos gesagt hat, l'archevêque d'Athènes faiblissait moralement dès qu'il se trouvait en présence du pouvoir impérial...« Bulletin de Corresp. hellén. II, 1878, p. 345.

Die Verherrlichung des Despotismus in offiziellen Ansprachen des Senats durch Hofpoeten und Redner erhielt sich, solange das griechische Reich bestand, als oratorische Blüte der Knechtschaft und jenes prunkvollen orientalischen Zeremoniells, mit dem sich das Kaisertum umgeben hatte. Die schamlose Lobrede, welche Nikephoros Gregoras noch im 14. Jahrhundert an den Kaiser Andronikos II. Paläologos richtete, muß uns heute lächerlich erscheinen, aber jener zu seiner Zeit gefeierte Philosoph nahm dieselbe voll stolzen Selbstgefühls als Muster der Redekunst in sein Geschichtswerk auf.Hist. Byz. VIII, c. 8. Ebenso schamlos waren die Reden des Michael Psellos auf den Kaiser Konstantin Monomachos, den er gleich vorweg mit dem Anruf »Kaiser Sonne« begrüßte, und andere Enkomien desselben Fürsten der Philosophen auf Romanos Diogenes.Lobrede des Psellos in Bd. V der Bibl. Gr. des Sathas. ’Ω βασιλευ̃ ήλιε! Es ist der »Roi Soleil«, wie sich Ludwig XIV. nennen ließ. – William Fischer bemerkt sehr richtig, daß der Begriff »Byzantinismus«, mit dem wir uns gewöhnt haben, den höfischen Knechtssinn zu bezeichnen, überall angetroffen worden ist, vorzüglich auch an den deutschen Höfen des 18. Jahrhunderts (Ein Wort über den Byzantinismus, Cottasche Zeitschr. für Gesch. u. Politik V, 1888). Selbst ein ehrwürdiger, wahrheitsliebender Mann, gleich Eustathios, schlug denselben byzantinischen Ton an, wie seine Rede an Manuel I. beweist, die er verfaßte, als er zum Metropoliten von Myra erwählt worden war. Ohne den Phrasenschwall seiner langatmigen Beredsamkeit würde unter andern die Grabrede dieses berühmten Bischofs von Thessalonike auf denselben Kaiser für uns ein literarisches Meisterstück sein können; sie unterscheidet sich indes in nichts von dem Wortpomp seines Schülers Michael.Die zuerst bezeichnete Rede des Eustathios bei Tafel, De Thessal., p. 401ff.; die ›laudatio funebris‹ in Tafels ›Eustathii opuscula‹, p. 196ff., verdeutscht in desselben ›Komnenen und Normannen‹. Eine bisher unedierte Lobrede auf den Kaiser Manuel von Niketas Akomin. im Rec. des Histor. des Croisades (Paris 1881): Histor. grecs, II, p. 737ff. Dieser hatte übrigens den Freimut, in seiner Ansprache an Isaak Angelos die Klagen über das Elend der Stadt Athen zu wiederholen, die so verarmt sei, daß sie nicht einmal das übliche Huldigungsgeschenk, einen goldenen Kranz, aufzubringen vermöge.I, p. 211. Ellissen und nach ihm Hopf sahen in diesem Kranz den ganzen Steuerbetrag des verarmten Athen; allein er war nur ein seit alters hergebrachtes Ehrengeschenk. Lambros, Athen am Ende etc.

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