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Geschichte der Kunst des Altertums

Johann Joachim Winckelmann: Geschichte der Kunst des Altertums - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Kunst des Altertums
authorJohann Joachim Winckelmann
year1964
firstpub1764
publisherHermann Böhlaus Nachfolger
addressWeimar
titleGeschichte der Kunst des Altertums
pages398
created20170709
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Perseus tötet Medusa
Metope vom Tempel C in Selinunt

 

Zweites Stück

Von dem Stile etrurischer Künstler

Nach den gegebenen vorläufigen Kenntnissen des ersten Stücks dieses Kapitels von den äußeren Umständen und Ursachen der etrurischen Kunst, von der Abbildung ihrer Götter und Helden, und nach der Anzeige der Werke der Kunst führe ich die Betrachtung des Lesers zu den Eigenschaften und Kennzeichen der Kunst dieses Volks und ihrer Werke, das ist zu dem Stil der etrurischen Künstler, wovon dieses zweite Stück handelt.

 
Prinzipielles

Hier ist allgemein zu erinnern, daß die Kennzeichen zum Unterschiede des etrurischen und des ältesten griechischen Stils, welche außer der Zeichnung von zufälligen Dingen, als von Gebräuchen und von der Kleidung möchten genommen werden, trüglich sein können. Die Athenienser, sagt Aristides, machten die Waffen der Pallas in eben der Form, wie ihnen die Göttin dieselbe angegeben hatte: man kann aber von einem griechischen Helme der Pallas oder anderer Figuren auf keine griechische Arbeit schließen. Denn sogenannte griechische Helme finden sich auch auf unstreitigen etrurischen Werken, wie ihn eine Minerva hat auf dem mehrmal angeführten dreieckigen Altare der Villa Borghese und auf einer Schale mit etrurischer Schrift in dem Museo des Collegii St. Ignatii zu Rom.

 
Periodisierung

Der Stil der etrurischen Künstler ist sich selbst nicht beständig gleichgeblieben, sondern hat wie der ägyptische und griechische verschiedene Stufen und Zeiten, von den einfältigen Gestaltungen ihrer ersten Zeiten an bis zu dem Flor ihrer Kunst, welche sich endlich nachher durch 98 Nachahmung griechischer Werke, wie sehr wahrscheinlich ist, verbessert und eine von den ältern Zeiten verschiedene Gestalt angenommen hat. Diese verschiedenen Stufen der etrurischen Kunst sind wohl zu merken und genau zu unterscheiden, um zu einem Systema in derselben zu gelangen. Endlich, nachdem die Etrurier eine geraume Zeit den Römern untertänig gewesen, fiel ihre Kunst, welches sich an neunundzwanzig Schalen von Erz in dem Museo des Collegii St. Ignatii zu Rom zeigt, unter welchen diejenigen, deren Schrift sich der römischen Schrift und Sprache nähert, schlechter als die älteren gezeichnet und gearbeitet sind. Aus diesen kleinen Stücken aber ist weiter nicht viel Bestimmtes anzugeben, und da der Fall der Kunst kein Stil in derselben ist, so bleibe ich bei den vorher gesetzten drei Zeiten.

Wir können also drei verschiedene Stile der etrurischen Kunst, wie bei den Ägyptern, setzen, den ältern, den nachfolgenden und drittens denjenigen, welcher sich durch die Nachahmung der Griechen verbessert hat. In allen drei Stilen wäre zuerst von der Zeichnung des Nackenden und zum zweiten von bekleideten Figuren zu reden: da aber die Bekleidung in ihren Arten von der griechischen nicht sehr verschieden ist, so können einige wenige Anmerkungen, welche besonders über dieselben und über ihren Schmuck zu machen wären, zu Ende dieses zweiten Stücks zusammengenommen werden.

 
Der ältere Stil

Die Eigenschaften des ältern und ersten Stils der etrurischen Künstler sind erstlich die geraden Linien ihrer Zeichnung, nebst der steifen Stellung und der gezwungenen Handlung ihrer Figuren, und zweitens der unvollkommene Begriff der Schönheit des Gesichts. Die erste Eigenschaft besteht darin, daß der Umriß der Figuren sich wenig senkt und erhebt, und dieses verursacht, daß dieselben dünn und spillenmäßig aussehen (obgleich Catullus sagt, der dicke Etrurier), weil die Muskeln wenig angedeutet sind; es fehlt also in diesem Stile die Mannigfaltigkeit. In dieser Zeichnung liegt zum Teil die Ursache von der steifen Stellung, vornehmlich aber in der Unwissenheit der ersten Zeiten: denn die Mannigfaltigkeit in Stellung und Handlung kann ohne hinlängliche 99 Kenntnis des Körpers und ohne Freiheit in der Zeichnung nicht ausgedrückt und gebildet werden; die Kunst fängt wie die Weisheit mit Erkenntnis unser selbst an. Die zweite Eigenschaft, nämlich der unvollkommene Begriff der Schönheit des Gesichts, war wie in der ältesten Kunst der Griechen auch bei den Etruriern. Die Form der Köpfe ist ein länglich gezogenes Oval, welches durch ein spitziges Kinn kleinlich scheint; die Augen sind entweder platt oder schräg aufwärts gezogen und liegen mit den Augenknochen gleich.

Diese Eigenschaften sind eben dieselben, welche wir bei den ältesten ägyptischen Figuren bestimmt haben, und hierdurch wird stückweise deutlicher, was im ersten Kapitel von alten Skribenten von der Ähnlichkeit der ägyptischen und etrurischen Figuren angezeigt worden. Man hat sich die Figuren dieses Stils als einen einfältig geschnittenen Rock aus geraden Teilen vorzustellen, bei welchem, die ihn machten und trugen, eine Zeitlang blieben; jene künstelten nicht, und diesen war es zur Bedeckung genug; der erste hatte eine Figur so gezeichnet, und andere zeichneten ihm nach. Es war auch ein gewisser Schlag von Gesichtern angenommen, wovon man um so weniger abging, da die ersten Bilder Gottheiten waren, von denen eine jede der anderen ähnlich sehen sollte. Die Kunst war damals wie ein schlechtes Lehrgebäude, welche blinde Nachfolger macht und nicht zweifeln noch untersuchen läßt; und die Zeichnung, wie des Anaxagoras Sonne, welche die Schüler wie ihr Meister für einen Stein hielten, wider alle empfindliche Augenscheinlichkeit. Die Natur hätte die Künstler lehren sollen, aber die Gewohnheit war ihnen zur Natur geworden, und daher war von dieser die Kunst verschieden.

Dieser erste Stil findet sich in vielen kleinen Figuren von Erz, und einige sind den ägyptischen vollkommen ähnlich durch die an den Seiten dicht anliegenden herunterhängenden Arme und durch die parallel stehenden Füße. Die Statue in der Villa Mattei nebst der erhobenen Arbeit in der Villa Albani haben alle Eigenschaften dieses Stils. Die Zeichnung des Genius im Palaste Barberini ist sehr platt und ohne besondere Andeutung der Teile. Die Füße stehen in gleicher Linie, und die hohlen Augen sind platt geöffnet und etwas aufwärts gezogen. Das Gewand an der Statue in der Villa Mattei und an den Figuren des 100 erhobenen Werks kann nicht einfältiger gedacht werden, und die nur eingeschnittenen Falten sind wie mit einem Kamme gezogen. Ein aufmerksamer Beobachter des Wesentlichen in den Altertümern wird diesen ersten Stil auch an einigen andern Werken finden, die nicht an gleichberühmten und gewöhnlich besuchten Orten in Rom stehen; z. E. an einer männlichen Figur, welche auf einem Stuhle sitzt, auf einer kleinen erhobenen Arbeit in dem Hofe des Hauses Capponi.

 
Übergangsformen

Diesen Stil aber verließen die etrurischen Künstler, da sie zu größerer Wissenschaft gelangten, und anstatt daß sie, wie die ältesten Griechen, in den ersten Zeiten mehr bekleidete als nackte Figuren scheinen gemacht zu haben, so fingen sie an, das Nackte mehr vorzustellen. Denn es scheint aus einigen kleinen Figuren in Erz, welche nackend sind bis auf die Scham, die in einem Beutel steckt, welcher mit Bändern um die Hüfte gebunden ist, daß man es wider den Wohlstand gehalten habe, ganz nackte Figuren vorzustellen.

Wenn man aus den ältesten geschnittenen Steinen der Etrurier urteilen wollte, so würde man glauben, der erste Stil sei nicht allgemein, wenigstens nicht unter Steinschneidern, gewesen. Denn an den Figuren auf Steinen ist alles knollig und kugelmäßig, welches das Gegenteil von den angegebenen Kennzeichen des ersten Stils wäre: eins aber widerspricht dem andern nicht. Denn wenn ihre Steine wie jetzt mit dem Rade geschnitten worden, wie der Anblick selbst zu geben scheint, so war der leichteste Weg, im Drehen durch Rundungen eine Figur auszuarbeiten und hervorzubringen; und vermutlich verstanden die ältesten Steinschneider nicht, mit sehr spitzigen Eisen zu arbeiten: die kugeligen Formen wären also kein Grundsatz der Kunst, sondern ein mechanischer Weg in der Arbeit. Die geschnittenen Steine ihrer ersten Zeiten aber sind das Gegenteil ihrer ersten und ältesten Figuren in Marmor und in Erz, und es wird aus jenen offenbar, daß die Verbesserung der Kunst mit einem starken Ausdrucke und mit einer empfindlichen Andeutung der Teile an ihren Figuren angefangen habe, welches sich auch an einigen Werken in Marmor zeigt; und dieses ist das Kennzeichen der besten Zeiten ihrer Kunst. 101

Um welche Zeit sich dieser Stil völlig gebildet, läßt sich nicht bestimmen, es ist aber wahrscheinlich, daß es mit der Verbesserung der griechischen Kunst zu gleicher Zeit eingetroffen sei. Denn man kann sich die Zeit vor und unter dem Phidias wie die Wiederherstellung der Künste und Wissenschaften in neueren Zeiten vorstellen, welche nicht in einem einzigen Lande allein anfing und sich in andere Länder ausbreitete, sondern die ganze Natur der Menschenkinder schien damals in allen Ländern rege zu werden, und die großen Erfindungen taten sich mit einmal hervor. In Griechenland ist dies von besagter Zeit in allerlei Arten von Wissenschaften gewiß, und es scheint, daß sich damals auch über andere gesittete Völker ein allgemeiner Geist ergossen, welcher sonderlich in die Kunst gewirkt, dieselbe begeistert und belebt habe.

 
Der zweite Stil

Wir gehen also von dem ersten und älteren etrurischen Stile zu dem nachfolgenden und zweiten, dessen Eigenschaften und Kennzeichen sind teils eine empfindliche Andeutung der Figur und deren Teile, teils eine gezwungene Stellung und Handlung, die in einigen Figuren gewaltsam und übertrieben ist. In der ersten Eigenschaft sind die Muskeln schwülstig erhoben und liegen wie Hügel, die Knochen sind schneidend gezogen und allzu sichtbar angegeben, wodurch dieser Stil hart und peinlich wird. Es ist aber zu merken, daß die beiden Arten dieser Eigenschaft, nämlich die starke Andeutung der Muskeln und der Knochen, sich nicht beständig beisammen in allerhand Werken dieses Stils finden. In Marmor, weil sich nur göttliche Figuren erhalten haben, sind die Muskeln nicht allezeit sehr gesucht; aber der strenge und harte Schnitt der Muskeln der Wade ist an allen. Überhaupt aber kann man als eine Regel festsetzen, daß die Griechen mehr den Ausdruck und die Andeutung der Muskeln, die Etrurier aber der Knochen gesucht; und wenn ich nach dieser Kenntnis einen seltenen und schön geschnittenen Stein beurteile und einige Knochen zu stark angegeben sehe, so wäre ich geneigt, denselben für etrurisch zu halten, da er im übrigen einem griechischen Künstler Ehre machen könnte. Es ist derselbe zu Anfang des dritten Stücks des folgenden Kapitels gesetzt und stellt den Theseus vor, wie er die Phäa erschlagen hat, 102 wovon Plutarchus meldet. Dieser Carniol befand sich noch vor zwanzig Jahren in dem königlichen Farnesischen Museo zu Capo di Monte in Neapel, ist aber seit der Zeit entwendet worden, wie es vorher und nachher mit anderen schönen Steinen daselbst ergangen ist. In dem Stoschischen Museo ist eben diese Vorstellung in Carniol geschnitten. Jener Stein kann dem Leser zugleich als ein Exempel dienen von der Zweifelhaftigkeit in Entscheidung zwischen etrurischen und zwischen griechischen Arbeiten des älteren Stils. Die zweite Eigenschaft kann nicht unter einen einzigen Begriff gefaßt werden: denn gezwungen und gewaltsam ist nicht einerlei. Dieses geht nicht allein auf die Stellung, die Handlung und auf den Ausdruck, sondern auch [auf] die Bewegung aller Teile; jenes kann zwar von der Handlung gesagt werden, ist aber auch in der rauhesten Stellung. Gezwungen ist das Gegenteil von der Natur und gewaltsam von der Sittsamkeit und von dem Wohlstande. Das erste ist eine Eigenschaft auch des ersten Stils, das zweite aber dieses Stils insbesondere. Das Gewaltsame der Stellung fließt aus der ersten Eigenschaft: denn um den gesuchten starken Ausdruck und die empfindliche Andeutung zu erhalten, setzte man die Figuren in Stände und Handlungen, worin sich jenes am sichtbarsten äußern konnte, und man wählte das Gewaltsame anstatt der Ruhe und der Stille, und die Empfindung wurde gleichsam aufgeblasen und bis an ihre äußersten Grenzen getrieben.

Man könnte auf die Figuren dieses Stils sowohl als des ersten in gewissem Maße deuten, was Pindarus vom Vulcanus sagt, daß er ohne Grazie geboren sei. Überhaupt würde dieser zweite Stil, verglichen mit dem griechischen von guter Zeit, anzusehen sein wie ein jungen Mensch, welcher das Glück einer aufmerksamen Erziehung nicht gehabt, und dem man den Zügel in seinen Begierden und Aufwallung der Geister schießen lassen, die ihn zu aufgebrachten Handlungen treiben, wie dieser, sage ich, gegen einen schönen Jüngling sein würde, bei welchem eine weise Erziehung und ein gelehrter Unterricht das Feuer einschränken und der vorzüglichen Bildung der Natur selbst durch ein gesittetes Wesen eine größere Erhobenheit geben wird. Dieser zweite Stil ist auch, wie man jetzt redet, maniriert zu nennen, welches nichts anderes ist als ein beständiger Charakter in allerlei Figuren: denn Apollo, Mars, Herkules und Vulcanus sind auf ihren Werken in der Zeichnung nicht verschieden. 103 Da nun einerlei Charakter kein Charakter ist, so könnte man auf etrurische Künstler das, was Aristoteles an Zeuxis tadelt, deuten, nämlich, daß sie einen Charakter gehabt haben; und dieses erklärt zugleich das bisher nicht verstandene Urteil des Weltweisen von den Künstlern.

Die angegebenen Eigenschaften dieses Stils sind noch jetzt in gewissem Maße dieser Nation überhaupt eigen, welche auf Kleinigkeiten geht; und dieses zeigt sich in ihrer Schreibart, welche sehr gesucht und gekünstelt ist und trocken und dürre erscheint gegen die reine Klarheit der römischen; sonderlich aber offenbart es sich in der Kunst. Der Stil ihrer alten Künstler blickt noch jetzt hervor in den Werken ihrer Nachkommen und entdeckt sich unparteiischen Augen der Kenner in der Zeichnung Michelangelos, des größten unter ihnen: daher sagt jemand nicht ohne Grund, daß, wer eine Figur dieses Künstlers gesehen habe, habe sie alle gesehen. Es ist auch dieser Charakter unwidersprechlich eine von den Unvollkommenheiten eines Daniel von Volterra, Pietro von Cortona und anderer. Die besten römischen Künstler hingegen, Raffael und dessen Schule, welche mit jenen aus einer Quelle geschöpft haben, kommen in der Leichtigkeit ihrer Figuren den Griechen allezeit näher.

Das, was ich über diesen Stil gesagt habe, kann deutlicher zum Beweis in ihren Werken gezeigt werden an einem bärtigen Mercurius auf dem Borghesischen Altare, welcher wie ein gewaltiger Herkules muskuliert ist, sonderlich aber am Tydeus und Peleus. Die Schlüsselbeine am Halse, die Rippen, die Knorpel des Ellenbogens und der Knie, die Knöchel der Hände und der Füße sind so hervorliegend angegeben als die Röhren der Arme und der Schienbeine; ja es ist die Spitze des Brustknochens am Tydeus sichtbar gemacht. Die Muskeln sind alle in der heftigsten Bewegung auch am Peleus, wo sich weniger Grund als in jenem dazu findet; am Tydeus sind auch die Muskeln unter dem Arme nicht vergessen. Die gezwungene Stellung zeigt sich auf dem . . . runden Altare im Campidoglio und in mehr Figuren auf dem in der Villa Borgehese. Die Füße der vorwärts gestellten Götter sind parallel geschlossen und derjenigen, die im Profil sind, in gerader Linie einer hinter dem anderen. Die Hände sind überhaupt ungelehrt und gezwungen, und wenn eine Figur mit den zwei vorderen Fingern etwas hält, so stehen die andern gerade und steif 104 voraus. Die gewaltsame Stellung des Tydeus hat mehr Grund, als des Peleus; aber in diesem ist sie, um zu dem starken Ausdrucke der Teile zu gelangen. Bei einer so großen Wissenschaft und Kunst der Ausarbeitung, welche sich in diesen Steinen zeigt, sollte es diesen Künstlern nicht an höheren Begriffen der Schönheit in den Köpfen gefehlt haben, und gleichwohl ist hier das Gegenteil: der Kopf des Tydeus ist nach der gemeinsten Natur genommen, und die Augen sind ungewöhnlich groß; der Kopf des Peleus aber ist verdrehter als dessen Körper und hat nicht einmal eine erträgliche Bildung.

 
Der dritte Stil

Von dem dritten Stile würde in einer abgesonderten Abhandlung von der etrurischen Kunst mehr zu sagen sein, und dasjenige, was der griechischen Kunst eigen ist, welche in diesem Stile nachgeahmt worden, würde zu besserem Verständnisse auf die Figuren in demselben angewendet werden können: dieses aber wäre in einer allgemeinen Untersuchung der Kunst aller Völker, welche diese Schrift begreift, überflüssig. Einige der vornehmsten Werke der Kunst dieses Volks, welche ich aus ihrer letzten Zeit glaube, sind oben angezeigt worden; nämlich die drei Statuen aus Erz in der Galerie zu Florenz. Es scheinen auch unter andern Begräbnisurnen vier aus Alabaster von Volterra, bei dieser Stadt im Jahre 1761 gefunden, welche in der Villa Albani stehen, aus dieser Zeit zu sein. Es sind dieselben nur drei Palme lang und einen Palm breit; daher dieselben nur zur Verwahrung der Asche können gedient haben. Auf dem Deckel derselben liegt die verstorbene Person, halb Lebensgröße, mit aufgerichtetem Leibe, welcher sich auf einen Arm stützt, vorgestellt: drei von denselben halten eine Schale und eine ein Trinkhorn. Die Füße dieser Figuren sind wie abgesägt, weil sie auf dem Deckel nicht Raum hatten.

 
Fragen der Bekleidung

Von der etrurischen Kleidung habe ich nichts als dieses zu erinnern. An Figuren in Marmor ist der Mantel niemals frei geworfen, sondern allezeit in parallele Falten gelegt, die entweder senkrecht oder in die Quere gehen; einen freien Wurf der Mäntel aber sieht man an zweien 105 unter den fünf griechischen Helden: folglich kann aus jenen Werken nicht allgemein geschlossen werden. Die Ärmel des weiblichen Unterkleides sind oft in ganz kleine gekniffene Falten gebrochen, nach Art der italienischen Chorhemden (Rocchetti) der Kardinäle und der Canonici einiger Kirchen: oder in Deutschland kann man sich von dem, was ich bedeuten will, einen Begriff machen an den runden Laternen von Papier, die in solche Brüche gelegt sind, um dieselben aufziehen und zusammendrücken zu können. Eben dergleichen Ärmel hat auch eine männliche Figur, nämlich die angezeigte Statue in der Villa Albani. Die Haare sind an den meisten männlichen Figuren sowohl als weiblichen dergestalt geteilt, daß die, welche von dem Scheitel heruntergehen, hinten gebunden sind, die anderen fallen in Strippen über die Achseln vorn herab, nach dem Gebrauche der älteren Zeiten auch bei andern Völkern. Dieses ist im vorigen Kapitel bei den Ägyptern angezeigt und wird auch im folgenden von den Griechen bemerkt.

 

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