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Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler

Albert Ruppersberg: Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler - Kapitel 6
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler
authorAlbert Ruppersberg
year1923
firstpub1923
publisherGebr. Hofer
addressSaarbrücken
titleGeschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler
pages190
created20171230
sendergerd.bouillon@t-online.de
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4. Der Bergbau in der Grafen- und Fürstenzeit.

Die Bedeutung Dudweilers beruht auf seinen Kohlengruben, die im Jahre 1357 zuerst als Lehen der Edelleute Simon und Friedrich von Saarbrücken vorkommen.Jungk, Regesten Nr. 1625. Diese Gruben wurden anfangs im Tagebau von den Kohlengräbern ausgebeutet, die dafür eine geringe Abgabe bezahlten. Über diese Kohlengräberei kam es zu Streitigkeiten zwischen den Gemeinden von Dudweiler und Sulzbach. Der Oberamtmann und die Räte des Grafen Philipp III. entschieden diesen Streit im Jahre 1586 durch eine Verordnung und regelten das Fuhrwesen. Die Kohlen von Dudweiler hatten höheren Wert als die von Sulzbach. Sie wurden mit 24 Batzen für das Fuder – 30 Zentner – bezahlt, während die von Sulzbach nur 12 Batzen galten. Für jede Fuhre mußte dem Meier zu Dudweiler ein Batzen Zoll bezahlt werden. Zur Handhabung der Ordnung sollte jährlich zu Martini (10. November) ein Zunftmeister gewählt werden. In Dudweiler war Hans Tiele Zunftmeister, er erhielt für seine Mühe 2½ Gulden aus dem gemeinen Säckel.Haßlacher, Steinkohlenbergbau S. 43 ff. Die Steinkohlen von Dudweiler und Sulzbach fanden schon im 16. Jahrhundert weit in die Pfalz hinein Absatz, wie aus einem Vertrag des Grafen Philipp III. mit dem Pfalzgrafen Wolfgang vom Jahre 1549 hervorgeht.

Der 30jährige Krieg brachte auch den Kohlenhandel ins Stocken. Im Jahre 1684 wurde den Zunftgenossen der Dudweiler und Sulzbacher Kohlengruben eine neue Ausfertigung ihres Zunftbriefes vom 12. November 1586 zugestellt, »weil das versiegelte Original ihnen aus Handen kommen«. Im Jahre 1730 forderte die Gemeinde Dudweiler unter Berufung auf ihr altes Recht und Herkommen sowie auf ihren Kohlengräber-Zunftbrief die uneingeschränkte Kohlenförderung; sie wurde aber 32 dahin belehrt, daß »der Steinkohlenbergbau von der Landesherrschaft herrührt«. Aus demselben Jahre wird berichtet, daß bei Dudweiler die meisten Gruben der Grafschaft, nämlich 16, sich befanden, und zwar 8 auf Dudweiler Bann und 8 außerhalb, in denen 76 Kohlengräber beschäftigt waren. Doch »wühlten sie ein jeder für sich und niemand zum Vorteil den Berg um und vergruben sich«. Sie werden als liederliche Leute geschildert, die den Ackerbau vernachlässigten, sich an den Trunk gewöhnt hatten und ihren Verdienst den Wirten sogleich wieder zu lösen gaben.Diese Trunksucht bekämpfte später die fürstliche Regierung durch einen Erlaß vom 12. Juni 1784, durch welchen den Wirten bei willkürlicher Strafe untersagt wurde, den Dudweiler Untertanen Wein, Bier oder Branntwein zu verabreichen. Dieses Verbot wurde jedoch nach 14 Tagen wieder aufgehoben, nachdem die Gemeinde versprochen hatte, »die in Trunkenheit oder sonst unordentlichem Leben betretenen Gemeindeglieder zur Bestrafung beim Oberamt anzuzeigen, auch solches nach gemeiner Ordnung selbst zu ahnden«. Die Gesamtförderung aus den Dudweiler Gruben betrug damals 523 Fuder. Das Fuder (30 Zentner) kostete auf der Halde 2 Gulden. Das Grubenholz erhielten die Kohlengräber unentgeltlich aus den herrschaftlichen Waldungen; so brauchten die Dudweiler Gruben jährlich an 100 Eichen. Die Gemeinde Dudweiler zahlte dafür einen jährlichen Zins von 12 Gulden und lieferte außerdem die Steinkohlen zur Hofschmiede; dazu wurde von jedem verkauften Wagen Kohlen das Batzengeld (2 Albus oder 4 Kreuzer) erhoben. Dies Batzengeld war damals für 18 Gulden jährlich auf 3 Jahre admodiiert (in Pacht gegeben). Die Lieferung von Kohlen zur Hofschmiede war, da keine Herrschaft in Saarbrücken wohnte, mit 20 Gulden abgelöst worden. Diesem Zustand machte Fürst Wilhelm Heinrich ein Ende, indem er alle Gruben der Grafschaft für herrschaftliche Rechnung übernahm. Im Anfang des Jahres 1751 wurden sämtliche Kohlengräber über ihre Berechtigung zur Kohlengewinnung vernommen und ihnen der Beschluß des Fürsten mitgeteilt; die nachweislich aufgewandten Kosten sollten ihnen nach Bewilligung ersetzt werden. Die Dudweiler Gruben wurden auf 1127 Gulden abgeschätzt und dieser Betrag an Meier und Gericht daselbst ausbezahlt. Der Betrieb wurde nun so eingerichtet, daß die Gräber »zur Halbschied« weiter gruben, d. h. sie erhielten für ihre Arbeit die Hälfte der Förderung, während die andere 33 Hälfte dem Landesherrn zufiel, der das Grubenholz lieferte, die Anlagekosten von neuen Gruben bestritt und die Bergbeamten besoldete. Die Kohlenausbeute wurde auf 8000 Fuder festgesetzt. Die Untertanen hatten einen Vorzugspreis (6 Gulden das Fuder). Die unbefugte Eröffnung von Gruben und der Kohlenverkauf wurde im Jahre 1754 mit 1000 Talern Strafe bedroht. Es begann nun erst die bergmännische Ausbeutung der Kohlengruben, wenngleich der Betrieb anfangs noch recht einfach war. Aus den früheren Kohlengräbern bildete sich allmählich ein geschlossener Bergmannsstand mit besonderen Rechten und Freiheiten.

Bis dahin waren die Steinkohlen nur zum Schmieden und Kalkbrennen benutzt worden; als Hausbrand hat sie erst Fürst Wilhelm Heinrich eingeführt. Um den Kohlenabsatz zu heben, erließ er im Jahre 1765 an die Meier (Bürgermeister) und Geistlichen eine Anweisung, »welcher Gestalt die Steinkohlen zur Erwärmung der Stuben und Behältnisse füglich und nützlich angewendet werden können«.

In früheren Zeiten holten sich die Bewohner von den zu Tage tretenden Flözen ihren Bedarf an Kohlen nach Belieben. Nach Einführung eines geregelten Betriebes hörte dies auf, dafür wurden seit dem Jahre 1766 den Untertanen geringhaltige Steinkohlen für den Kalk- und Hausbrand zum Förderpreis (2 bis 3 Kreuzer für den Zentner) bewilligt. Dies ist der Ursprung der sogenannten Berechtigungskohlen. Der Preis für einen Zentner wurde später auf 4 Kreuzer oder einen Batzen erhöht, weshalb sie auch Batzenkohlen genannt wurden. Die Berechtigung wurde durch die französische Regierung im Jahre 1803 auf ein Fuder von 30 Zentnern jährlich zum Hausbrand und ½ Zentner zum Kalkbrennen festgesetzt. Die preußische Regierung bestätigte im Jahre 1819 diese Bestimmung. Bei der Einführung des neuen Gewichts im Jahre 1858 wurden an Stelle der 30 Zentner alten Gewichts 31 Zollzentner gesetzt. Der Preis war im Juli 1919 auf 2,16 Mk. für den Zentner gestiegen. Die Bergleute beziehen außerdem die sogenannten Deputatkohlen (50 Zentner, Unverheiratete 25 Zentner) zu ermäßigtem Preise.

»Der Dudweiler Bann ist unstreitig die gesegnetste Gegend des Landes an Steinkohlen,« so schrieb der Hofkammerrat Heuss im Jahre 1769. 34

Die ergiebigste Grube war die Landgrube am brennenden Berg; hier wurden auf ein Lachter 180 Zentner Kohlen, jährlich im ganzen 1650 Fuder, gewonnen. Der erwähnte brennende Berg schließt ein Kohlenflöz in sich, das wahrscheinlich durch Selbstentzündung in Brand geraten ist. Diese Entzündung gab Anlaß zu einer eigenartigen Industrie. Man fand nämlich in dem oberhalb des Brandfeldes liegenden Schiefer Stücke von kalziniertem Alaun, der wohl durch Regengüsse aus dem gerösteten Schiefer ausgelaugt war. Im Jahre 1691 erteilte die Gräfin Eleonore Klara dem Christian Jebel aus Böhmen die Erlaubnis, »die Materie zu Alaun und Kupferwasser zu graben«, und gestattete ihm und seinen Genossen Paulus Bucklisch, Johann Siegfried Eisenbeiss und Johann Martin Eisenbeiss später, ein Alaunwerk anzulegen und dazu die Kohlengrube zu benutzen, wofür er das siebente Pfund Alaun an die Herrschaft abliefern sollte. Aber schon im nächsten Jahre verlieh Graf Ludwig Kraft einem Belgier, Girard Hauzeur aus Verviers, einen Erbbestandsbrief auf 20 Jahre mit der Erlaubnis, gegen 500 Taler Pacht und Abgabe von 2 Zentnern Alaun eine Alaunsiederei zu erbauen. Der Belgier kaufte nun den Beständern Jebel und Genossen ihre Hütte mit Zubehör für 3000 Gulden ab. Er scheint seine Pachtzeit ausgehalten zu haben. Am 10. Juli 1716 wurde die Alaunsiederei wieder an Wolfgang Christian »Jäppel« aus Neunkirchen verpachtet, der von Alaun, Vitriol und Schwefel den Zehnten, mindestens aber jährlich 25 Zentner Alaun abliefern sollte. Graf Friedrich Ludwig (1723–1728) erlaubte dem Handelsmann Jörg Bernhard Meyer von Neunkirchen, im Walde zwischen Dudweiler und Sulzbach Alaun zu sieden. Jeppel starb im Jahre 1754 im Elend im Hospital zu Saarbrücken.

Nach einem Bericht vom Jahre 1728 gab es damals bei Dudweiler zwei Alaunhütten, die jährlich über 600 Zentner Alaun lieferten und gegen 600 Fuder Steinkohlen (wöchentlich für 6 Gulden auf jeder Hütte) verbrauchten. Auf beiden Hütten zusammen waren 14 bis 15 Arbeiter mit je 10 Albus Tagelohn und ein Meister mit 3 Gulden 15 Albus Wochenlohn beschäftigt. Der Zentner Alaun wurde in Straßburg zu 10 Gulden verkauft, wovon jedoch bis 2 Gulden für Fracht und Zoll abgingen. Der Betrieb war damals dem Hüttenfaktor Koch in Neunkirchen 35 überlassen, scheint aber bald nachher wieder auf landesherrliche Rechnung übernommen worden zu sein.

Nachdem von 1753 bis 1762 die Alaungewinnung an eine Generalfirma verpachtet worden war, erbaute Fürst Wilhelm Heinrich im Jahre 1765 ein neues Alaunwerk, das 21 000 Gulden kostete und zusammen mit der älteren Alaunhütte im Jahre 1767 846 Zentner Alaun herstellte und 4369 Gulden einbrachte, im folgenden Jahre allerdings nur 692 Zentner, die an die Kaufleute Schmidtborn und Haldy in Saarbrücken für 5957 Gulden abgesetzt wurden. Da die Kosten aber 4051 Gulden betrugen, so blieb nur ein Überschuß von 1906 Gulden.

Den Alaun benutzte man zur Herstellung von Farben und Salmiak. Da das unterirdische Feuer von dem Orte, wo man den Alaunschiefer gewann, sich abgezogen hatte, so suchte man es durch einen Stollen an die geeignete Stelle zu leiten.Haßlacher, Entwickelung des Steinkohlenbergbaues 1904, S. 90 ff.

Brennender Berg

Dieser brennende Berg hat eine besondere Berühmtheit durch den Besuch Goethes im Sommer (27.–29. Juni) des Jahres 1770 erlangt.Wahrheit und Dichtung, 10. Buch. Goethe besuchte Saarbrücken von Straßburg aus, wo er studierte, mit seinen Freunden Engelbach und Weyland und stieg bei dem Präsidenten von Günderrode ab, der eine Zeitlang eine Besitzung in Dudweiler hatte.

Goethe selbst erzählt: »Wir hörten von den reichen Dudweiler Steinkohlengruben, von Eisen- und Alaunwerken, ja sogar von einem brennenden Berge, und rüsteten uns, diese Wunder in der Nähe zu beschauen. – Unser Weg ging an den Rinnen hinauf, in welchen das Alaunwasser heruntergeleitet wird, und an dem vornehmsten Stollen vorbei, den sie die Landgrube nennen, woraus die berühmten Dudweiler Steinkohlen gezogen werden. Sie haben, wenn sie trocken sind, die blaue Farbe eines dunkel angelaufenen Stahls, und die schönste Irisfolge (Regenbogenfarben) spielt bei jeder Bewegung über die Oberfläche hin. Die finsteren Stollengründe zogen uns jedoch um so weniger an, als der Gehalt derselben reichlich um uns her ausgeschüttet lag. Nun gelangten wir zu offenen Gruben, in welchen die gerösteten Alaunschiefer ausgelaugt wurden, und bald darauf überraschte uns, obgleich vorbereitet, ein seltsames Begegnis.« 37

»Wir traten in eine Klamme und fanden uns in der Region des brennenden Berges. Ein starker Schwefelgeruch umzog uns; die eine Seite der Höhle war nahezu glühend, mit rötlichem, weißgebranntem Stein bedeckt; ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen empor, und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen. Ein so zufälliges Ereignis – denn man weiß nicht, wie diese Strecke sich entzündete – gewährt der Alaunfabrikation den großen Vorteil, daß die Schiefer, woraus die Oberfläche des Berges besteht, vollkommen geröstet daliegen und nur kurz und gut ausgelaugt werden dürfen. Die ganze Klamme war dadurch entstanden, daß man nach und nach die kalzinierten Schiefer abgeräumt und verbraucht hatte. Wir kletterten aus 38 der Tiefe hervor und waren auf dem Gipfel des Berges. Ein anmutiger Buchenwald umgab den Platz, der auf die Höhle folgte und sich ihr zu beiden Seiten verbreitete. Mehrere Bäume standen schon verdorrt, andere welkten in der Nähe von anderen, die, noch ganz frisch, jene Glut nicht ahneten, welche sich auch ihren Wurzeln bedrohend näherte.«

»Auf dem Platze dampften verschiedene Öffnungen, andere hatten schon ausgeraucht, und so glomm dieses Feuer bereits zehn Jahre durch alte verbrochene Stollen und Schächte, mit welchen der Berg unterminiert ist. Es mag sich auch auf Klüften durch frische Kohlenlager hindurchziehen; denn einige hundert Schritte weiter in den Wald gedachte man bedeutende Merkmale von ergiebigen Steinkohlen zu verfolgen; man war aber nicht weit gelangt, als ein starker Dampf den Arbeitern entgegendrang und sie vertrieb. Die Öffnung ward wieder zugeworfen, aber wir fanden die Stelle noch rauchend.« (Der Verschönerungsverein von Dudweiler hat im Jahre 1908 eine Tafel zur Erinnerung an Goethes Besuch in der Klamme (Schlucht) anbringen lassen.)

Goethe-Gedenktafel am brennenden Berg, angebracht vom Verschönerungsverein Dudweiler

Vierzehn Jahre später hat der Fürstlich Nassau-Usingische Hofkammerrat Christian Friedrich Habel in seinen Beiträgen zur Naturgeschichte und Ökonomie der Nassauischen Länder (Dessau 1784) den brennenden Berg beschrieben. Er sagt folgendes (S. 10 ff.):

»Auf dem Berge, welcher der brennende genannt wird, werden gegenwärtig drei nebeneinander liegende Steinkohlenflötze, Landgrube, Warme Grube und Bernesser Grube, betrieben. Außer diesen erwähnten Kohlenflötzen sind auf diesem Berge und in der Dudweiler Gemarkung noch zwölf andere von verschiedener Mächtigkeit, allein keine mehr als die angeführten im Betrieb. Das eine Flötz, Landgrube genannt, worauf gegenwärtig das Feuer steht, setzt quer über das Gebirge von Dudweiler nach dem Sulzbacher Tal, von Morgen gegen Abend in das Blieskastelische (Gegend von St. Ingbert) und in die Nassauische Grafschaft Ottweiler und fällt donlegig ein. Es ist 14 Schuh mächtig, wovon die guten Kohlen, die gewonnen werden, gegen 10 Schuh mächtig und die Bühnenkohlen 4 Schuh stark, weil die Schiefer, so darüber liegen, etwas mürbe sind und 39 anstehen bleiben, ungeachtet sie zu verschiedenem Gebrauch können angewendet werden.«

»Die alten Einwohner von Dudweiler, denen es frei stund, dieses unterirdische Produkt, womit von der gütigen Vorsehung keine Provinz in Deutschland so reichlich als das Nassau-Saarbrückische bedacht worden, nach Gefallen zu nutzen und zu verkaufen, fingen ungefähr vor 200 Jahren an, da dieses Flötz bis zu Tag mit seinen Blumen ansetzte, Steinkohlen von der Landgrube zu gewinnen. Dieses ist auch unter allen Gruben in dem Fürstentum das älteste Werk, was betrieben worden. Die Konsumtion derselben blieb aber noch sehr lange geringe und ganz unbeträchtlich und würde es vielleicht noch länger geblieben sein, wenn der vortreffliche Fürst Wilhelm Heinrich, der es an keinen Kosten fehlen ließ, was zu der Aufnahme seines beim Antritt seiner Regierung ganz verwilderten Landes was beitrug, nicht durch unzählige Versuche und Proben, die ihm wohl an 80 000 Gulden gekommen, ihren Gebrauch und Nutzen gezeigt hätte.«

»Die ehemaligen Untertanen dieser Gegend, die noch nichts vom Bergamt wußten, keine bergmännischen Regeln kannten, nur auf ihre Zeit dachten und der Vorsicht die Zukunft überließen, setzten vorzüglich auf diesem Flötz ein und arbeiteten so lange darin, als es die Wetter, Wasser, Länge und Bequemlichkeit der Förderstrecken und die von allzu großen Weitungen und zu schwachen Kohlenmitteln etc. herrührenden Brüche verstatteten. Sie blieben also meistens auf der Oberfläche mit einer Art von Gewühl stehen, welches auch bis zur preiswürdigen Regierung Wilhelm Heinrichs fortdauerte, der nach einer gewissen Vergütung und Vorzug der besitzenden Untertanen auch dieses Kohlenflötz zu dem Bergregal zog und die Kohlengruben regelmäßig oder bergmännisch betreiben ließ. Dieses geschieht unter dem Feuer her vermöge eines Stollens, der gegenwärtig 212 bis 220 Lachter lang ist und 4 Schemel mit 11 Arbeitern hat, wovon jeder 3 Lachter in die Breite bearbeitet wird und noch zwei in die Höhe gegen das Feuer und zwei Schemel nach der Sohle zu, alle vorangeführter Breite, nebst ihren erforderlichen Kohlenmitteln und Bergfestungen könnten aufs neue nach Dudweiler zu, so man es nötig hat, vorgerichtet werden.« 40

»Man fragt nun oftmalen, ob das Feuer auf diesem Flötz von selbst, durch die unterirdischen entzündlichen oder brennbaren Schwaden oder Wetter, oder durch Menschen ausgekommen sei. Ich habe bei meinem Aufenthalt im Saarbrückischen hinter die Wahrheit zu kommen gesucht und von den ältesten Leuten in Dudweiler, da nichts davon im Archiv vorzufinden ist, die an 50 Jahr auf diesem Berg gearbeitet, als eine übereinstimmende Erzählung und gewisse Tradition vernommen, daß vor 120 Jahren das Feuer durch einen Hirten aus Dudweiler sei angegangen. Dieser habe Feuer auf einem in der Halde vom Landgruber Kohlenflötz gestandenen Stock gemacht; das Feuer sei von diesem in den Raum oder Risch nieder in die alte Arbeit darunter gegangen, wozu ein heftiger Wind behülflich gewesen wäre.«

»Bis hierher waren die Einwohner von Dudweiler unbesorgt. Als es aber in die alte Arbeit kam, wurde es ihnen erst bange, es möchten ihnen alle Gruben in Brand geraten. Man führte Wasser herbei und löschte; je mehr man aber Wasser zuschüttete, um so viel stärker wurde der Brand. Man ließ das Feuer also brennen, weil man sich nicht zu helfen wußte. Und wer hätte denken sollen, daß es für die Folge gut war, daß man nicht helfen konnte?«

»Es nahm seinen Anfang oberhalb dem jetzigen Landgruben-Stollen auf der Seite des Berges, der sich nach Dudweiler zu verflächet, zog allmählich den sanften Berg hinauf durch die alten Arbeiten und überwältigte nach und nach die schwachen Mittel und Kohlenbänke. Es dauerte auf 100 Jahre, bis das Feuer über den Berg, der sich auf jener Seite nach dem Sulzbacher Tal zu verflächet, kam. Inzwischen hatte man darauf gedacht, aus diesem Brand, der einige Kohlen verzehrte, auch wieder Nutzen zu ziehen. Man fand die Schieferlagen, welche das Dach von den Landgruben-Kohlen ausmachten, sehr alaunhaltig. Man wußte dazumal noch nicht, daß aller Tonschiefer in seiner Mischung eine Alaun-Erde enthielte. Man entdeckte in dem vom Feuer gerösteten Schiefer Stücke von kalziniertem Alaun, der sich vermutlich durch Regengüsse aus dem gerösteten Schiefer ausgelaugt, zusammengesetzt und durch eine geschwinde Ausdünstung erzeugt hatte. Dieses machte, daß man nun aus 41 dem vom brennenden Berg selbst kalziniertem Schiefer Alaun zu sieden trachtete, welches auch in der Folge ganz zu stande gekommen und bisher glücklich fortgesetzt wird.«

»Man suchte also nur das Feuer, da es einmal da war, geschickt zu leiten, sowohl daß der Brand fortdauerte als auch daß die Schiefer gehörig geröstet wurden. Da sich das Feuer sehr von dem Orte, wo man die gerösteten Schiefer gewann, abzog und in die Teufe ging, so senkte man gleich über der Höhe des Berges, wo er sich nach Sulzbach verflächet, vor ungefähr 20 Jahren einen Schacht nach dem Feuer. Man erhielt aber dadurch nicht den gewünschten Zweck. Man legte daher einen Stollen auf der Gegenseite des Berges, nach Sulzbach zu, auf eben diesem Flötz an, um in das Feuer zu kommen und demselben etwas Luft und Zug zu verschaffen, da es zu Tag allzu schwach für die Röstung des Alaunschiefers war, und kam mit dem Stollen oberhalb dem Feuer her. Das Feuer kam unten aus des Stollens Sohle herauf, ungeachtet diese schon 6–7 Lachter Seigerteufe einbrachte, und zwar so schnell, wiewohl die Hitze in Betreibung des ganzen Stollens stark war, daß etliche Mann von den Schwaden gleich niederfielen und mit Not von den anderen noch zurück konnten gezogen werden. Das Feuer schlug gleich hierauf zum Stollen mit einer erstaunlichen Heftigkeit heraus und bei 6–8 Lachter in die Höhe, wozu die vielen Kohlen, die man in diesem Stollen hatte liegen lassen, vieles mögen beigetragen haben. Dieses dauerte so lange, bis das Dachgestein vom Feuer mürbe wurde und zusammenstürzte. Weil das Feuer jetzo zwischen ganzen Kohlen stand, in welche es, da sie sehr derb und fest sind, nicht gar weit eindringen kann, so hielt es sich sehr lange daselbst, bis es nach und nach die Kohlenmittel, so die Alten gelassen, überwältigte und durchdrang. Gleich unter diesen waren alte Gruben, worin es seit 6–7 Jahren beinahe bis in das Sulzbacher Tal über die Strenger Grube fortgegangen. Dieses ist auch die Ursache, daß man den obersten Stollen und Schemel von dieser Seite verlassen, weil er sehr warme Wetter hatte, der Schwefel aus den Kohlen häufig ausschlug und man befürchtete, daß man das Feuer durch die Betreibung mehr herbeiziehen möchte, auch die warmen Wetter nicht vertreiben konnte. Man ist aber schon weit unter 42 dem ersten Feuer, das am Sulzbacher Tal sein Ausgehendes hat, hergefahren und hat vor der Hand nicht davon zu befürchten.«

Unter Wilhelm Heinrichs Nachfolger Ludwig ging der Ertrag der Alaunhütten zurück; sie lieferten in den 8 Jahren von 1779 bis 1786 einen Ertrag von nur 8400 Gulden, mithin jährlich im Durchschnitt nur 1050 Gulden. Im Jahre 1786 wurde denn auch die Alaungewinnung auf 25 Jahre an Joh. Peter Sauernecker und Genossen aus Frankfurt verpachtet, die in Sulzbach eine chemische Fabrik angelegt hatten. Unter der französischen Regierung wurden die Alaunhütten im Jahre 1796 an den Bürger Vopelius in Sulzbach auf 9 Jahre für 60 fr. jährlich verpachtet.

Am 1. Juni 1807 erhielt Karl Philipp Vopelius, Besitzer der Preußischblau- und Ammoniakfabrik zu Sulzbach und Pächter der Alaunhütten zu Dudweiler, durch kaiserliches Dekret die Erlaubnis, in einem näher bestimmten Umkreis von 3 km und 36 qkm Alaunerze zu gewinnen gegen eine jährliche Gebühr von 600 fr. und gegen Verzicht auf die Rechte an den bisher gepachteten Gebäuden. Er durfte Kohlen nur zu seinem eigenen Gebrauch gewinnen und außerdem die mit dem Alaunschiefer zusammen abgebaute und die aus den Gruben geförderte Kohle benutzen. Diese Kohlenförderung wurde aber im Jahre 1808 wieder eingestellt, da die Bergwerksverwaltung durch Vertrag auf 6 Jahre sich verpflichtete, die Vopelius'schen Hütten mit Grieskohlen zum Preise von 3 fr. für das Fuder zu versorgen. Die zwei Alaunfabriken in Dudweiler und St. Ingbert zählten im Jahre 1809 92 Arbeiter und brachten 68 441 kg Alaun im Werte von 47 000 fr. und 10 000 kg Vitriol im Werte von 2000 fr.Delamorre, Annaire du département de la Sarre pour l'an 1810.

Noch im Jahre 1820 werden 3 Alaunsiedereien bei Dudweiler erwähnt. Im Jahre 1813 wurden in der Grube Dudweiler-Sulzbach 5376 Fuder durch eine mittlere Belegschaft von 71 Mann gefördert. Die Kohlenpreise betrugen 40 bis 50 ctm. für den Zentner. Im Jahre 1814 hatte Vopelius die Förderung wieder aufgenommen, aber im Jahre 1843 ging die Alaunschiefergrube durch Kauf für 15 000 Taler an den preußischen Staat über. Damit hörte die Gewinnung von Alaunschiefer auf. Jährlich waren etwa 1000 Fuder in dieser Grube gefördert worden. 43

Aus den Jahren 1767–1769 sind uns Rechnungen über den Absatz der Kohlen erhalten. Danach wurden im Jahre 1767 von

        den Dudweiler Gruben verkauft und erlöst
66585½ Ztr. 6866 Guld. 14 Alb. 7 Pfg.
An Besoldungskohlen und zur Probe an Faktor Staudt (Alaunwerk) und Rußfabrikant Cunz von Dudweiler und Sulzbacher Kohlen 1794    " 209 " 18 "
Aus dem Magazin in Dudweiler verkauft 4592    " 837 " 9 "
Desgl. an den Kaufmann Röchling 49090    " 9217 " 26 "
Desgl. an Burbacher Kohlen 4301    " 358 " 12 " 1 "
An gnädigste Herrschaft 641    " 53 " 12 " 1 "
Der Gesamtverkauf betrug 285838    " zu 30689 " 12 " 2 "
Die Ausgaben betrugen 11538 " 26 " 2 "
Überschuß 19130 " 15 " 7 "
Im Jahre 1768 betrug der Überschuß 21265 " 13 " 7 "
Im I. Halbjahr 1769 betrug der Überschuß 10337 " 28 " 7 "

Die Einnahme der Bergkasse von den Dudweiler Gruben betrug in den Jahren 1777–1781 im Durchschnitt nur 6615 Gulden; an Ausgaben für Förderungskosten u. a. werden 2479 Gulden 16 Albus 7 Pfg. aufgeführt. Danach war der Bergbau unter dem Fürsten Ludwig sehr zurückgegangen.

Die Ausbeutung der Kohlengruben war in jener Zeit noch recht wenig entwickelt. In Dudweiler – Sulzbach arbeiteten im Jahre 1773 in 13 Stollen nur 29 Arbeiter. Im Jahre 1767 wurden 2219 Fuder gefördert, aus denen 6866 Gulden erlöst wurden. 1768 war die Förderung auf 3141 Fuder gestiegen, die 9518 Gulden einbrachten. Die Technik des Grubenbaues vervollkommnete sich in dieser Zeit etwas; die Förderung ging jedoch sehr langsam von statten, da die Arbeiter in der Sprengung mit Pulver noch wenig geübt waren. Auch fehlte es an geschickten Markscheidern, um die Strecken nachzumessen und aufzunehmen. Der mittlere Jahresverdienst eines Bergarbeiters betrug 120 bis 130 Gulden. Die Schicht dauerte in der Regel 8 Stunden, über Tag 12 Stunden. Zum Zwecke der Krankenunterstützung 44 bestanden schon früher sogenannte Bruderladen oder Bruderbüchsen unter den Bergleuten. Durch fürstliche Verordnung vom 17. Mai 1769 wurde eine Bruderbüchse für die Bergleute sämtlicher landesherrlicher Gruben eingerichtet, in welche jeder Arbeiter von 1½ Gulden Verdienst je 1 Kreuzer beitragen mußte; außerdem flossen die Strafgelder in diese Kasse. Aus derselben wurde freie Kur und Arznei und ein Krankengeld von 30 Kreuzern wöchentlich gewährt, nötigenfalls auch weitere Unterstützungen. Die Kasse besoldete 4 Ärzte und Landchirurgen (2 in Saarbrücken und je einen in Ottweiler und Neunkirchen) mit 20 bis 55 Gulden jährlich. Die Apotheke in Saarbrücken erhielt ein jährliches Pauschquantum von 100–120 Gulden. Falls die Einnahmen der Kasse nicht ausreichten, leistete die fürstliche Kasse einen Zuschuß. Diese Bruderbüchse ist der Grundstock, auf dem sich die großartigen und segensreichen Einrichtungen des Saarbrücker Knappschaftsvereins aufgebaut haben. Die Hauptbergbeamten waren der Berginspektor und der Bergkassierer. Unter dem Berginspektor standen 7 Steiger, dazu waren eine Anzahl Kontrolleure oder Gelderheber angestellt. Dudweiler war damals der Sitz der obersten Bergbehörde, des hochfürstlich Nassau-Saarbrückischen Bergamts.

Bemerkenswert ist, daß unter Fürst Wilhelm Heinrich bereits der Versuch gemacht wurde, zum Schmelzen der Eisenerze an Stelle von Holzkohlen »ausgezogene Steinkohlen« (Koks) zu verwenden. Auf diesen Gedanken kam man infolge der erschreckenden Abnahme der Wälder. Doch diese Versuche gelangen nicht völlig; das Steinkohleneisen erreichte nicht die Güte des Holzkohleneisens, und Wilhelm Heinrichs Nachfolger Fürst Ludwig (1768–1793), wandte der Industrie nicht dieselbe Teilnahme zu wie sein Vater. So fand denn Goethe im Jahre 1770 die Reihe der Koksöfen bei Dudweiler kalt liegen und mußte die Klagen des »Kohlenphilosophen« Stauf (richtig: Staudt) über die Regierung anhören, die auch die Harzhütte verfallen ließ. – Auch von einem Versuch, ein Erzbergwerk bei Dudweiler anzulegen, geben uns die Akten Kunde. Im Jahre 1746 erboten sich der Kaiserliche Posthalter Johann Philipp Imich zu Saarbrücken und Johann Niklas Kunz von Eschringen, bei der Alaunhütte bei Dudweiler auf eigene Kosten ein Erzbergwerk aufzutun, und 45 erhielten einen Erbbestandsbrief gegen die Verpflichtung, den zehnten Pfennig an die Herrschaft abzuliefern. Bei dieser Unternehmung waren auch einige Leute von Dudweiler beteiligt, nämlich der Meier Johann Velten, Clos Schmitt und Konrad Gribel.

Der Erbbestandsbrief wurde am 18. Januar 1746 aufgesetzt, und am 20. März des folgenden Jahres erhob sich, wie es in dem Bericht heißt, Serenissimi Hochfürstliche Durchlaucht selbst, um das Bergwerk in hohen Augenschein zu nehmen, nahm aber nichts als Verwirr- und Irrungen unter den Arbeitern wahr. Darauf wurde eine Untersuchung angeordnet und der Beständer Imich vernommen. Dieser sagte aus, sein Genosse, der Uhrmacher von Eschringen, habe verschiedene Proben von dem ausgearbeiteten Erz gemacht, welche teils ein wenig Silber, teils Blei, teils Schwefelkies, teils ein wildes Antimonium enthalten hätten, sodaß nach solchen Proben nicht viel zu erhoffen gewesen sei. Inzwischen habe der frühere Laborant Färber, der schon vorher einige Proben von dem Erz für gnädigste Herrschaft gemacht, sich wieder eingefunden und um Aufnahme in ihre Gesellschaft gebeten. Er wollte Geld zu dem Unternehmen hergeben und das Werk auf jede Weise fördern. Er habe dann auch laboriert und geschmolzen, Proben gebracht und sie damit 19 Wochen hingehalten. Schließlich aber seien sie dahinter gekommen, daß diese Proben nicht von dem Erz des Bergwerks herrührten, sondern von Erz, das Färber bei sich hatte, und dies wurde ihnen von einem Goldschmied in Mannheim, der 6 Wochen in dem Bergwerk arbeitete, bestätigt. Die Beständer verlangten nun von Färber Schadenersatz und erwirkten, daß er in Haft genommen und durch den Kammerregistrator Kneip Haussuchung bei ihm gehalten wurde. Dabei wurden verschiedene Säckchen mit Blei- und Silbererz gefunden. Es wurde schließlich ein Vergleich dahin geschlossen, daß Färber sich zum Schadenersatz bereit erklärte und die Beständer sein Erz als Pfand in Verwahrung nehmen sollten. Darauf wurde Färber seiner Haft entlassen, und damit hatte das Silberbergwerk bei Dudweiler sein Ende erreicht. 46

 


 

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