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Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler

Albert Ruppersberg: Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler - Kapitel 30
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler
authorAlbert Ruppersberg
year1923
firstpub1923
publisherGebr. Hofer
addressSaarbrücken
titleGeschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler
pages190
created20171230
sendergerd.bouillon@t-online.de
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25. Camphausen.

Die Camphausenschächte wurden im Jahre 1871 als Tiefbauanlage angeschlagen und dem damaligen Finanzminister Otto von Camphausen zu Ehren benamt. Die Grube erhielt Anschluß an die Fischbachbahn, die am 15. Oktober 1879 dem Betrieb übergeben wurde, nachdem die Kohlenverladung von den Camphausenschächten schon früher begonnen hatte. Die Grube bildete mit den 1872 angeschlagenen Kreuzgräben-Schächten (Grube Brefeld) seit dem Jahre 1879 die Berginspektion XI, die von den Bergwerksdirektoren Leybold 1890–1896, Gante 1896–1901, Schantz 1901–1907 und Jordan 1907 bis 1918 geleitet wurde.

Die Inspektion förderte:

im Jahre 1890 mit 1028 Arbeitern 222 227 Tonnen
im Jahre 1895 mit 2624 Arbeitern 566 971 Tonnen
im Jahre 1900 mit 3141 Arbeitern 795 852 Tonnen
im Jahre 1902 mit 3200 Arbeitern 803 061 Tonnen.

In Camphausen allein wurden im Jahre 1902 1740 Beamte und Arbeiter beschäftigt, die durch 2 Schächte 447 663 Tonnen förderten. Es wurden 8 Flöze abgebaut; die Abbautiefe betrug 567 m. Außer den 2 Förderschächten war 1 Wasserschacht und 3 Wetterschächte in Betrieb. Seitdem hat die Grube mit 630 m die zweitgrößte Fördertiefe der Saargruben erreicht. In der Grube wurden 30 Pferde verwendet. Die Verpflegung der meist auswärts in Dudweiler und Herrensohr wohnenden Bergleute wird durch einen heizbaren Speisetransportwagen sehr erleichtert.

Camphausen ist eine Bergmannskolonie. Im Jahre 1880 hatte diese erst 3 Häuser und 16 Einwohner. Die Grube ist von schönen Anlagen und wohnlichen Beamten- und Arbeiterhäusern umgeben. Seit dem Jahre 1898 besteht eine eigene evangelische Schule, in der seit dem 1. Januar 1914 für die evangelischen 189 Gemeinde-Mitglieder Sonntags Gottesdienst gehalten wird. Die katholischen Kinder besuchen die Schule in Fischbach.

Grube Camphausen.

Camphausen hat eine traurige Berühmtheit erlangt durch das furchtbare Grubenunglück, das sich in der Nacht vom 17. zum 18. März 1885 hier ereignete. Es war das größte Grubenunglück, welches den Bergbau des Saargebietes bis jetzt betroffen hat; 181 Bergleute fanden durch Entzündung von schlagenden Wettern ihren Tod.

Grabdenkmal der bei dem Grubenunglück in Camphausen umgekommenen Bergleute auf dem alten Friedhof in Dudweiler

Am Abend des 17. März waren 216 Bergleute mit 3 Steigern zur Nachtschicht in die Grube eingefahren. Um Mitternacht erfolgte eine furchtbare Explosion; das Feuer schlug zum Förderschacht I heraus und zerstörte die Förderschale. Die giftigen Schwaden, von denen die Grube erfüllt war, verhinderten zunächst die Einfahrt. Erst gegen Morgen gelang es, durch den Förderschacht II an die Unglücksstelle vorzudringen, die noch immer von giftigen Gasen erfüllt war. Der Berginspektor Dr. Saftig war einer der ersten, die in die Grube einfuhren und das Rettungswerk 190 begannen, obwohl sie durch die giftigen Gase fast ohnmächtig wurden. Es gelang nach und nach, 42 Bergleute noch lebend an das Tageslicht zu bringen; 176 wurden nur als Leichen geborgen, 4 starben im Lazarett zu Sulzbach. Die Verunglückten hinterließen 141 Witwen und 499 Waisen.

Tausende von Menschen umstanden die Unglücksstelle, unter ihnen die jammernden Angehörigen der Verschütteten, zum Teil noch in Ungewißheit über das Schicksal ihrer Väter, Gatten und Söhne, da die Leichen furchtbar entstellt und teilweise unkenntlich waren. Die Leichen der Verunglückten wurden nach ihren Heimatsorten gebracht und dort begraben. Allgemein war das Mitgefühl mit den Opfern ihrer Pflichterfüllung und ihren Angehörigen. Der Kaiser bewilligte sofort 3000 Mk. als erste Hilfe für die Hinterbliebenen aus seinem eigenen Vermögen. Der Minister Maybach sprach im Abgeordnetenhause mit großer Teilnahme von dem traurigen Vorfall und stellte Staatshilfe in Aussicht, die später auch gewährt wurde. Der Vaterländische Frauenverein und verschiedene Ausschüsse in den Städten forderten zu Sammlungen auf, die ein reiches Ergebnis hatten. Besonders erwähnenswert ist das Verhalten der Arbeiter der Lüttgensschen Eisenbahnwagenfabrik in Malstatt. Diese hatten von den Fabrikbesitzern ein Geschenk von 200 Mk. zur Feier von Kaisers Geburtstag (22. März) erhalten. Die braven Arbeiter beschlossen, diesen Betrag den Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute zuzuwenden und fügten als Ergebnis einer Sammlung noch 177 Mk. hinzu.

Bei den Rettungsarbeiten hatten sich besonders Berginspektor Dr. Sattig, der Obersteiger Becker, der Fahrsteiger Kirschner und die Steiger Gerstner und Kuhnen ausgezeichnet. Sie erhielten auch die verdiente Anerkennung. 9 Bergbeamte und 10 Bergleute erhielten die Rettungsmedaille am Bande durch den Vorsitzenden der Bergwerksdirektion, Geheimrat Eilert, überreicht, der selbst bald nach dem Unglück in die Grube eingefahren war. Ein Steiger und 14 Bergleute wurden durch öffentliches Lob ausgezeichnet. Die Ursache des Unglücks ist nicht aufgeklärt worden.

Die Grube hatte vorher schon eine regelmäßige Tagesförderung von 1200 Tonnen erreicht, als das Unglück hereinbrach und den Betrieb der Grube stillegte. Erst im Anfang der neunziger Jahre konnte der Betrieb wieder in vollem Umfange aufgenommen werden.

 


 

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