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Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler

Albert Ruppersberg: Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler - Kapitel 28
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler
authorAlbert Ruppersberg
year1923
firstpub1923
publisherGebr. Hofer
addressSaarbrücken
titleGeschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler
pages190
created20171230
sendergerd.bouillon@t-online.de
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23. Jägersfreude.

Der Name Jägersfreude kommt davon her, daß der Fürst hier ein Jagdschloß hatte, bei dem die Jagdgesellschaft sich zu den Parforcejagden versammelte. Ihre erste Besiedelung verdankt aber diese Stelle einer industriellen Unternehmung. Im Jahre 1718 erhielt ein Unternehmer namens Johann Bregenzer von der Herrschaft die Erlaubnis, bei Dudweiler eine Eisenschmelze anzulegen. Doch in einer Stiftsrechnung im Jahre 1721 ist bereits von einer Schmelze am Schiedeborn die Rede; damit kann nicht ein erst drei Jahre vorher angelegtes Werk gemeint sein, sondern eine ältere Schmelze. Nach Haßlacher (Beiträge zur älteren Geschichte des Eisenhüttenwesens S. 15) wurde schon um das Jahr 1680 ein Schmelzofen am Schiedeborn angelegt zur Verhüttung der im Sulzbachtale gewonnenen Eisenerze. Die Schmelze bestand aber nur etwa 12 Jahre. Die Arbeiter zogen teils auf die Fischbacher Schmelze, teils in das Dorf Dudweiler.

Im Jahre 1739 ließ die Regierung den Weiher bei der alten Schmelze wiederherstellen und betrieb das Werk auf eigene Rechnung. Um das Jahr 1750 wurde Eisenblech (Platinen) dort gehämmert; daher kommt die heute noch übliche Ortsbezeichnung »der Blechhammer«. Als Beständer werden zuerst Moses Plein und Comp. genannt, 1758 Wilhelm Loth von St. Ingbert, 1760 Bernhard Israel und Josua Levi, 1766 Herz Beer, Hofagent.

Am 25. April 1762 verlieh Fürst Wilhelm Heinrich dem Geheimen Rat und Kammerpräsidenten Freiherrn von Günderrode das neuerbaute herrschaftliche Haus in DudweilerDen jetzigen Nassauer Hof. mit Scheuer, Stallung, Hofbering und Garten nebst dem dazu gehörigen Ackerland und Wiesen auf dem Schiedborn sowie den im Dorfe Dudweiler gelegenen Weiher auf 6 Jahre in Erbbestand. Dazu gehörte Weide auf Dudweiler und Sulzbacher Bann für 300 Schafe, 172 oder 250 Hämmel, mit denen der Beständer den Dudweiler Bann an 4 Tagen und den Sulzbacher Bann an 2 Tagen bestreichen lassen könnte, ferner 8 Fuhrochsen mit Wagen, Pflügen und anderem Geschirr, das auf 5 Morgen eingesäete Sommerkorn und den auf 20¾ Morgen eingesäeten Hafer, 5 Klafter Buchen- und 8 Klafter Eichenstämme zum Brennen, 200 Wellen, 90 Zentner Steinkohlen, eine Klafter Buchen- und Eichenholz, 4 Eichen-, Birken- oder Erlenstämme mit der Erlaubnis, ein Hofhaus mit Scheuer und Stallung auf dem Schiedeborn zu bauen. Die Kosten für den Bau des Hofhauses und die Ausstockung jenseits des Schiedeborns und der Chaussee nach dem Platinenhammer zu sollten ihm vergütet werden. Dafür sollte der Beständer in den drei ersten Jahren je 500 Gulden und in den 3 letzten Jahren je 600 Gulden an die Fürstliche Kellerei entrichten.

Aus dem Inventar ersehen wir, daß 2 siebenjährige Ochsen, ungefähr 11 Zentner wiegend, auf 100 Gulden, ein paar sechsjährige Ochsen, 8 Zentner wiegend, auf 75 Gulden und ein paar neunjährige Ochsen, 9 Zentner wiegend, auf 86 Gulden veranschlagt waren.

Diese Verleihung hatte Beschwerden der Gemeinde Dudweiler über die ihr entzogene Hirtenwiese (zwischen Maldissen Wiese und dem neuen Bruch) und das beeinträchtigte Weiderecht zur Folge. Als Ersatz erhielt sie nach wiederholten Vorstellungen im Jahre 1771 die Rodhecken an der Hirschbach von der Regierung zugewiesen. Der Präsident von Günderrode gab einen Teil des Gutes dem Salomon Alexander in Afterbestand und behielt sich nur 6 Morgen Ackerland vor. Er kaufte in Gemeinschaft mit seinem Schwager Geheimrat von Stalburg das ganze Gut zehnten- und frondenfrei als freiadliges Hofgut (im ganzen 298¾ Morgen) mit dem Weiher im Jahre 1764 von dem Fürsten für 11 000 Gulden. Nach dem Tode seines Vaters kaufte Fürst Ludwig im Jahre 1769 das Gut für 14 000 Gulden zurück und verkaufte es an demselben Tage für dieselbe Summe an das Stift St. Arnual, das beträchtliche Forderungen an die fürstliche Rentkammer hatte. Das Stift verpachtete das Gut auf 15 Jahre an den Hofagenten Beer und Genossen, die Beständer des Platinenhammers, gegen einen jährlichen Zins von 560 Gulden. 173

Eine eigenartige Wendung erfuhr die Lage des Hofgutes durch das persönliche Eingreifen des Fürsten Ludwig. Wir lesen in den Akten:

»Actum Saarbrücken den 24ten May 1771. Declarierten Serenissimi Hochfürstliche Durchlaucht in Höchster Person auf fürstlicher Regierung, wie höchstdieselbe den Entschluß gefaßt vor das zum Stifts-Hofgut in Dudweiler bisher gehörig gewesene Haus, welches sie an sich erkaufen wollten, ein anderes vollkommenes Hofhaus an den Platinenhammer dergestalt aufbauen zu lassen, daß das Stift gänzlich damit zufrieden sein sollte.«

Der Stiftsamtmann Hofrat Isenbeck war mit dem Plan einverstanden, da das zum Dudweiler Hof gehörige Haus zwar schon groß und wohl gebaut, aber keineswegs für ein Hofhaus eingerichtet sei, weil Scheuer und Futterboden zu klein seien. Der Fürst schenkte nun das Hofhaus seiner Geliebten, der Frau von Dorsberg, die im Jahre 1774 den Hofmarschall von Maldiß heiratete. Am 15. Oktober 1771 wurde zwischen dem Stift und der Frau von Dorsberg ein Tauschvertrag abgeschlossen, daß die letztere das Hofhaus mit den Nebengebäuden, dem Garten und dem Weiher erhalten sollte unter der Bedingung, daß sie ein neues Hofhaus auf dem Schiedborn erbauen lasse und der Pächter des Dudweiler Hofgutes für etwaigen Schaden haften solle. Die Beständer des Dudweiler Hofes wurden aber alsbald aus dem Hofhaus verdrängt, ohne daß die Ersatzbedingung erfüllt wurde, und es kam deshalb zu einem Rechtsstreit. Die Frau von Dorsberg gab das Hofhaus dem Fürsten zurück, dieser aber schenkte es ihren Kindern, indem er sich die Nutznießung vorbehielt. Die Beständer des Platinenhammers bezahlten nun die ausgemachte Pachtsumme nicht, und die Hofgüter lagen öde da. Es kam schließlich im Jahre 1776 zu einem Vergleich, nach dem das Stift die Beständer, nachdem sie auf allen Schadenersatz verzichtet und von dem rückständigen Pachtgeld im Betrag von 2800 Gulden die Summe von 1100 Gulden bezahlt, von dem Pachtvertrage entband, der Fürst die Schenkung rückgängig machte und die zur Schuldentilgung eingesetzte Kaiserliche Administrationskommission dem Stift die ihm noch zustehenden 1700 Gulden ausbezahlte. Das Stift trat außerdem das in 174 Dudweiler gelegene Hofhaus mit Garten und Weiher gegen ebensoviel Gebäude, Garten und Weiher auf dem Platinenhammer ab.

Die Wohnung des Faktors auf dem Platinenhammer wurde zur Wohnung für einen fürstlichen Jäger eingerichtet; damals hat der Fürst wohl dem Haus den Namen »Jägersfreude« beigelegt, wie er auch sein Gestüt in Dudweiler »Ludwigsfreude« nannte.

Das Stift St. Arnual richtete nun auf dem verlassenen Werk eine Schäferei ein und verpachtete den Hof mit der Weide auf dem Dudweiler und Sulzbacher Bann im Jahre 1777 an Herrn Gouvy senior auf 6 Jahre für 500 Rheinische Gulden. Da den Herden des Stifts jedoch durch richterliches Erkenntnis das Recht bestritten wurde, den Dudweiler Bann zu bestreichen,Siehe Geschichte von Dudweiler im Kapitel »Fürst Ludwig und die französische Revolution«. so kaufte die Herrschaft im Jahre 1782 den Hof für 12 549 Gulden von dem Stift zurück und verpachtete von dem Jägersfreuder Hof, wie er jetzt genannt wurde, das Fabrikgebäude mit Arbeiterwohnung und Weiher für 162 Gulden 15 Albus auf 9 Jahre an die Gebrüder Gouvy, die dort ein Stahlhammerwerk anlegten. Der Jägersfreuder und der Neuhäuser Hof wurden für 337 Gulden 15 Albus auf 9 Jahre an Balthasar Schlachter verpachtet. Im Jahre 1797 wurden die ehemals Nassau-Saarbrückischen Hütten für 13 500 Franken an die Gesellschaft Equer verpachtet. Nach Ablauf der Pachtzeit wurde das Werk im Jahre 1806 von der französischen Regierung versteigert, und die Gebäude gingen in Privatbesitz über.

Grube Jägersfreude

Den Grubenbau bei Jägersfreude finden wir zuerst im Jahre 1766 in einem Bericht des Berginspektors Jakobi erwähnt. Es heißt dort von der »Plattiner Grube«: »Nur der Fehler ist darinnen, wie bei allen Gruben, nämlich daß solche nicht söhlig auf den Streichen, sondern auf dem Steigen mit der Hauptfeldstrecke in die Höhe gebrochen und ausgelenkt werden.« Im Jahre 1767 wurden auf dem Platinenhammer 141 Fuder und 23 Zentner Kohlen für 355 Gulden 15 Albus verkauft, an Besoldungskohlen 15 Fuder 16 Zentner zu 38 Gulden 25 Albus; im Jahre 1768 wurden 158 Fuder 25 Zentner für 298 Gulden 27 Albus 7 Pfg. verkauft. Es befand sich nur ein Stollen hier; mit der Förderung waren nur 2 Arbeiter beschäftigt. Der 175 Grubenbetrieb wurde daher bald eingestellt und erst im Jahre 1808 wieder eröffnet. Man legte nicht weit von dem Sulzbach einen Stollen an, aus welchem man durch einen Querschlag rechts und links 5 Flöze aufschloß. Im Jahre 1813 wurden in Jägersfreude 2706 Fuder und 3 Doppelzentner gefördert; die Belegschaft betrug 34 Mann. Das Fuder kostete im Jahre 1817 3 Taler 3 Groschen, 1822 3 Taler 7 Groschen 6 Pfg. Die Förderung hob sich unter der preußischen Verwaltung, nachdem im Jahre 1817 zwei neue Stollen Pauline und Karoline angelegt worden waren, deren Namen auf die später angelegten Schächte übergingen. Zwei Flöze und Schächte wurden zu Ehren des Fürsten Hardenberg und seiner Gemahlin Charlotte benannt. Die Förderung betrug

im Jahre 1835: 5940 Fuder 8 Zentner mit 71 Arbeitern,
" " 1840: 10215 " 0 " " 109 "
" " 1850: 8574 " 20 " " 119 "

176 Um das Jahr 1850 wurde Pferdeförderung eingeführt. Die Eröffnung der Saarbrücker Bahn im Jahre 1852 wirkte auf den Grubenbau günstig ein. Die Förderung betrug

1855: 314 499 Zollzentner = 10 483 Fuder mit 112 Arbeitern,
1860: 324 450 " = 10 815 " " 121 "

Die Grube gehörte seit dem Jahre 1861 zur Berginspektion IV (Dudweiler). Hier wurden auch die Berechtigungskohlen für Saarbrücken ausgegeben.

Der Boden von Jägersfreude ist von dem Grubenbau und alten Erzstollen durchzogen.

Im Jahre 1802 hatte Jägersfreude 4 Feuerstellen und 48 reformierte Einwohner, im Jahre 1820 16 Feuerstellen und 80 Einwohner. Im Jahre 1843 zählte man 24 Wohnhäuser und 166 Einwohner, von denen 94 katholisch und 72 evangelisch waren. Im Jahre 1880 wurden 85 bewohnte Häuser, 104 Haushaltungen und 604 Einwohner gezählt. Im Jahre 1901 gab es 577 Katholiken und 481 Evangelische. Die Gesamtzahl der Bewohner hatte sich im Jahre 1908 auf 1122 vermehrt.

Der kleinere auf der linken Seite des Sulzbaches gelegene Teil von Jägersfreude gehört zu der Stadt Saarbrücken (Ortsteil St. Johann), der andere zu der Gemeinde Dudweiler.

Die Zahl der Katholiken in Jägersfreude und Herrensohr betrug im Jahre 1912 3809 Seelen. Im Jahre 1920 wurde die katholische Gemeinde Jägersfreude, die bisher nach Herrensohr eingepfarrt war, selbständig und dem Pfarrvikar Reiter unterstellt. Die evangelischen Bewohner gehören zu der Gemeinde Herrensohr.

Da sich in der Nähe von Jägersfreude ein ausgedehntes Lager von Puzzuolan-Erde vorfand, so legten die Fabrikanten Schenkelberger und Schulz im Jahre 1859 in der Nähe des Bahnhofs von Dudweiler eine Fabrik an, die Schamotte-Röhren und Tonplatten anfertigte.

Zwischen Jägersfreude und St. Johann bestand ursprünglich eine Schulgemeinschaft. Da die Volksschulen in St. Johann damals Simultanschulen waren, so erklärte sich im Jahre 1874 der Gemeinderat von Dudweiler unter bestimmten Bedingungen mit dem Antrag des Stadtrats von St. Johann einverstanden. auch die 2 Klassen in Jägersfreude in Simultanklassen zu verwandeln. 177 Auch wurde beschlossen, daß der neue Friedhof in Jägersfreude ein Simultanfriedhof werden solle. Diese Schulgemeinschaft wurde durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von St. Johann vom 9. September 1886 und durch Beschluß des Gemeinderates von Dudweiler vom 25. Juli 1887 aufgelöst, und die Gemeinde Dudweiler verpflichtete sich, bis zum 1. Oktober 1889 entweder eine eigene Schule in Jägersfreude zu errichten oder die Kinder von Jägersfreude nach Herrensohr einzuschulen. Die Gemeinde Dudweiler erhielt die Hälfte des Ankaufspreises des Bauplatzes mit 810 Mk. und die Hälfte der Baukosten mit 11 535,35 Mk. herausbezahlt, ebenso ihren Anteil an dem Schulgerät vergütet. Die Aufnahme des Ortsteils Jägersfreude-St. Johann in die Gemeinde Dudweiler wurde von dieser abgelehnt.

Im Jahre 1911 wurde mit dem Bau eines 12klassigen Schulhauses in Jägersfreude, das 180 000 Mk. kostete, begonnen. Der Staat bewilligte einen Zuschuß von 15 000 Mk. Auch Räume für Haushaltungsunterricht sowie ein Schul- und Volksbad wurden eingerichtet. 178

 


 

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