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Geschichte der Gartenkunst. Zweiter Band

Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst. Zweiter Band - Kapitel 3
Quellenangabe
authorMarie Luise Gothein
titleGeschichte der Gartenkunst. Zweiter Band
publisherEugen Diederichs
year1997
isbn34240136761
firstpub1926
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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X. England im Zeitalter der Renaissance

Bietet schon Frankreich heute nur noch geringe Spuren von Gärten aus der Zeit der Renaissance, so betreten wir in England ein Land, das gerade um der Liebe willen, die das ganze Volk nun schon seit Jahrhunderten der Pflege des Gartens entgegenbringt, uns nur selten und vereinzelt die Möglichkeit gibt, an Ort und Stelle noch ein Bild der früheren Entwicklung zu erhalten. Lebhaftes Interesse an der jeweiligen Zeitströmung, wie große Mittel der Besitzer, die häufig in ununterbrochener Familienerbschaft Haus und Garten Jahrhunderte lang innehatten, haben diesem oft von Generation zu Generation ein völlig verändertes Aussehen gegeben. Und das bewußte Zurückgreifen auf ein altes Stadium hat dann in neuerer Zeit meistens nur eine willkürliche Neuschöpfung im älteren Stile hervorgebracht. Das ist fast durchweg der gegenwärtige Stand einer schwer übersehbaren Fülle schöner englischer Gärten, denen die Blüte heutiger Gartenpflege und die moderne Neigung zum alten Stil oft einen verführerischen, aber täuschenden Reiz altvererbter Kunst gibt. Was die Beurteilung, wenigstens für den englischen Renaissancegarten, noch besonders erschwert, ist der Mangel bildlicher Darstellungen; das XVI. und XVII. Jahrhundert bietet für England nur ganz vereinzelte Bilder oder Stiche. Erst im letzten Viertel des XVII., im Anfang des XVIII. Jahrhunderts führt die Flut der Kupferstecher, die damals mit einer geradezu verblüffenden Kunstfertigkeit Abbilder der Natur und aller menschlichen Künste auf die Kupferplatte zauberten, auch nach England vom Auslande her eine Reihe von Künstlern, denen sich einige wenige Engländer angeschlossen haben. Für die Renaissancezeit werden wir nur in etwas entschädigt durch vielfache literarische Überlieferung, die manche glückliche Schilderung aufbewahrt, die auch den Garten Englands lebendig in die große Entwicklung einreihen läßt.

Die Zeit, in der Italien schon eine hohe Blüte entfaltete, wo Frankreich in freudigem Eifer des Lernens seine ersten Werke im Wetteifer mit seinem Vorbild schuf, sah England noch so erschöpft von den verheerenden Bürgerkriegen, daß die ersten erkennbaren Spuren einer bedeutenderen Gartenkunst erst im zweiten Jahrzehnt des XVI. Jahrhunderts sich zeigen. Heinrich VII. nahm die innere Kräftigung und Verwaltung des Landes so ganz in Anspruch, daß er nicht Zeit und Lust hatte, sein Augenmerk auf den Kontinent und sein Können zu richten. Und doch war auch für Egland nur von dorther die neue Anregung zu erwarten. Es wird zwar von einer Reihe königlicher Gärten berichtet, deren Erbschaft sein Sohn Heinrich VIII. 1509 antrat. Im Tower von London, in Baynard Castle, Westminster, Woodstock und einer ganzen Reihe von andern Schlössern Alicia Amherst, The History of Gardening in England, 2 1896, p. 94. werden Gärten mit eignen Gärtnern unterhalten. Der größte Teil davon wird noch reiner Nutzgarten gewesen sein, und die kleinen Ziergärten waren die mittelalterlichen Schloßgärten, die sich in dem Jahrhundert der Unruhe wenig verändert haben können. Der Garten, den Jakob I. von Schottland in Windsor Castle schildert, wo er von 1413 bis 1424 gefangen gehalten wurde, kann uns unbedenklich auch noch 100 Jahre später als Vorbild gelten. In Minnesängerweise wählt der gefangene Fürst seine Ausdrücke: neben dem Turme liegt der schöne Garten, in allen Ecken sind Lauben angebracht, aus Lattenwerk, von Wacholder beschattet. Weißdornhecken schützen die Wege vor allen Blicken Außenstehender, und von den Zweigen erfüllt der Gesang der Nachtigall den ganzen Garten, so daß seine Mauern davon widerklingen The Kinge's Quair by King James I. of Scotland, modernised by Mackean, 1886, p. 11, v. 31 f. Der erste, der mit vollem Bewußtsein sich der neuen Kunst, die von jenseits der Alpen nun auch über den Kanal drang, zuwandte, war der Kardinal Wolsey, Heinrichs VIII. allmächtiger und vielgeliebter Kardinalminister. Wolsey war auf der Höhe seines Ruhmes, sein junger, festfroher und noch den lichten Seiten des Lebens zugekehrter König vertraute ihm vollkommen, in frohem Tatendrang wollte er auch nach außen hin seiner Macht durch prächtige Bauten Ausdruck geben. Schon hatte er in York Place, dem späteren Whitehall, seiner Londoner bischöflichen Residenz, bedeutende Änderungen auch in den Gärten gemacht. Nun aber wollte er sich auch ein Landhaus erbauen. Die Umständlichkeit, mit der die Frage der Lage behandelt wird – es heißt, daß er den Rat der bedeutendsten Ärzte von London und sogar den der Gelehrten von Padua eingeholt habe – zeigt, wie wenig man damals um 1514 noch daran hatte denken mögen, sich ein Haus zu erbauen, das nicht im Schutze der Städte oder seiner eigenen festen Lage sich erhob. Wolsey wählte endlich Hampton Court, »den gesundesten Platz innerhalb 20 englischen Meilen von London« Ernest Law, The History of Hampton Court Palace in Tudor times, 1883, vol. I-III., auf dem hohen Themseufer südlich der Hauptstadt. Es verstand sich ganz von selbst, daß das Äußere dieses Lustschlosses noch mit Türmen und Zinnen gekrönt und mit Wassergräben umgeben wurde. Der englische Privatbau hat sich darin ähnlich wie in Frankreich erst spät, und hier nur auf kurze Zeit, von seinen gotischen Traditionen entfernt. Aber selbst die mittelalterliche Wohnweise legte man nur sehr langsam ab, noch um die Mitte des Jahrhunderts sitzt der Adel, besonders im Norden, in seinen festen Schlössern, hinter Mauern, Türmen, von Gräben und Zugbrücken geschützt Leland, The Itinerary in or about the years 1525-48, ed. by L. S. Smith, 1907, Part I, p. 6.. Doch wenn man auch traditionell noch an den Befestigungsgräben des Mittelalters festhielt – bis heute haben sich hier und dort seltene Beispiele erhalten – so wurden diese Gräben hier wie in Frankreich bald nur ein lebendig wirkendes Schmuckmotiv der Umgebung des Hauses. Häufiger aber als dort schüttete man sie zu, als sie im Zeitbewußtsein aufgehört hatten, ein Schutz des Hauses zu sein, da man sie in dem feuchten Klima als ungesund empfand. Wolsey ließ mit fieberhaftem Eifer an seinem Schlosse bauen, Hunderte von Arbeitern schafften täglich, so daß schon 1516 das Haus so weit fertig war, daß der Kardinal seinen Herrn zum erstenmal darin bewirten konnte. Für Jahre blieb nun Hampton Court ein Mittelpunkt heiterer Feste, besonders der Maskenscherze, die Heinrich vor allem bevorzugte. Mehr als einmal überraschte der König seinen Günstling mit einer hinter Masken verborgenen Gesellschaft, unter der die Klugheit des Wirtes schnell den königlichen Gast erkennen mußte. Shakespeare verlegt in seinem »Heinrich VIII.« eine solche Szene in Wolseys Stadtpalast nach York Place; in Hampton Court aber war man noch freier und hatte den Vorzug schönerer Gärten voll Lachens, Musik und fröhlichen Getümmels. Wenn der Staatsmann aber einsam war, dann liebte er, seine Pläne und Gedanken über die Leitung des Staates, der ihm anvertraut war, auf langen Spaziergängen in diesen Gärten zu klären und zu befestigen. So tritt er aus Cavendish' Versbiographie uns entgegen, »meine Galerien sind schön, lang und breit, um darin zu wandeln, wenn es mir am besten gefällt ... in meinen anmutigen Gärten, die mit starken Mauern umgeben sind, in denen Bänke sind, um darauf zu sitzen und zu ruhen, mit Beeten so zierlich ausgelegt, daß man es nicht schildern kann, mit Lauben und Alleen, so angenehm und lieblich, die mit ihren Düften alle bösen Dünste zurückdrängen« G. Cavendish, Life of Cardinal Wolsey, 2 vols., 1825, s. Law, a. o. O., I, p. 49, p. 89/90.. Diese Gärten lagen südöstlich zwischen Haus und Themse (Abb. 343), während sich auf der andern Seite Obst- und Gemüsegärten erstreckten E. Law, History of Hampton Court I, p. 49 (Ansicht aus der Vogelperspektive).. Nördlich hatte der Kardinal zu beiden Seiten der großen Landstraße zwei Parks, den einen mit einer Mauer, den andern mit einem Holzzaun umfangen lassen, im ganzen ein Gebiet von 2000 acres. Aber Wolsey hatte nicht auf die Dauer die Kraft, das Übermaß des Herrscherbewußtseins bei Heinrich zu zügeln. Der König entwuchs schnell seiner Leitung. Wolseys Ehrgeiz und unerhörte Prachtliebe, die er ganz besonders auf seinen Reisen nach seinem Landhause zur Schau stellte, hatte ihm alles, was selbst danach strebte, zu Feinden gemacht. Er mußte fallen, sobald es diesen gelang, den König, dessen Wille ihn einzig hielt, dazu zu bringen, seinen Günstling einmal mit ihren Augen, d. h. mit Eifersucht und Neid, anzuschauen. Hampton Court sollte die ungezügelte Begierde des Königs besonders reizen. Wolsey suchte dem kommenden Sturme vorzubeugen, indem er seinen fürstlichen Landsitz dem König schenkte. Eine Anekdote, die in die Zeit vor 1526 verlegt wird, erzählt, daß auf Heinrichs unwilligen Ausruf: »Warum müssen sich Untertanen so prächtige Paläste erbauen«, der Kardinal schlagfertig geantwortet habe, »um sie ihrem Herrscher zu schenken«. Doch lebte der Kardinal bis zu seinem endgültigen Sturze im Jahre 1529 in Hampton Court.

Abb. 343
Hampton Court, die Blumengärten nach ihrer Umgestaltung im XVII. Jahrh.

Nach Triggs

Nach Wolseys Tode hatte es der König außerordentlich eilig, den von ihm so beneideten Landsitz einzunehmen, und von nun an ist dies Schloß eng mit Heinrichs Leben verbunden. Das Leben fast aller seiner Frauen spielte sich dort ab, und noch heute bannt die Sage Catharine Howards ruhelos verängstigten Geist in seine Räume. Zuerst sorgte der König, daß überall das Wappen des Kardinals herabgerissen und dafür das der Tudor eingemeißelt wurde. Der König, der alle Art von Sport leidenschaftlich liebte, ließ gleich an der Nordseite eine geschlossene Ballspielbahn und einen geschlossenen Tenniscourt anlegen. Die Spiele, besonders das Tennisspiel, waren von Frankreich nach England eingeführt Strutt, The Sports and Pastimes of the People of England, enlarged ed. 1903 by Ch. Cox, p. 42., dort aber bald außerordentlich populär geworden. Die Regierung freilich sah sie mit sehr ungünstigen Augen an, da man wohl mit Recht fürchtete, daß das Volk sich von der Pflege des dem Staat nützlichen Bogenschießens abbringen lassen würde, doch halfen alle Beschränkungen nichts. Noch im Jahre 1541 wurde das Spielen auf öffentlichen Plätzen auf das strengste verboten und auch innerhalb der privaten Gärten nur gestattet, wenn ihre Besitzer sich eine Lizenz von 100 £ jährlich erwarben. Natürlich legten sich die Reichen ebenso wie der König selbst diese Spielplätze überall in ihren Gärten an. Der König hatte auch den erzbischöflichen Stadtpalast Wolseys, unbekümmert, daß er eigentlich dem Erzbistum York gehörte, eingezogen und ihm den Namen White Hall, den er von nun an trägt, beigelegt; auch hier wurde als erstes eine »bowling alley« gepflanzt. Diese Spielplätze waren teils bedeckte Räume, teils offene, mit Rasen belegte und mit Hecken eingesäumte Plätze, sie spielen von nun an im englischen Garten eine bedeutende Rolle.

Haus und Gärten von Hampton Court erhielten unter dem Könige ein weit prächtigeres Gesicht. Die eigentlichen Lustgärten blieben weiter in ihrer Lage vor der Südwestfront des Hauses mit dem schönen Blick nach der Themse zu. Diese Aussicht konnte man, außer von den Fenstern des Hauses, von einem Aussichtshügel, im Englischen »mound« genannt, genießen, der am Ende des Hauptziergartens, damals Königsgarten genannt, lag. Die Aussichtshügel haben wir schon öfter kennen gelernt; in den nordischen Ländern blieben sie ihrer ursprünglichen Bedeutung lange treu und haben sich daher hier auch weit länger erhalten. In England zeugt noch vielfach der Name von mound pleasant, der haften blieb, auch wo der Hügel verschwunden ist, von ihrer Verbreitung. Leland spricht in seinem Reisebuche über England um die Mitte des XVI. Jahrhunderts häufig von ihnen. Im Baumgarten von Wreshill Castle in Yorkshire waren augenscheinlich mehrere solcher Schneckenberge mit »opere topiario« umwunden mit Stufen, die wie die Windungen einer Muschel ohne Mühe auf die Spitze führten Leland, Itinerary, a. o. O., p. 53.. Ob in England noch Olivier de Serres Verlangen, solche Hügel als botanische Gärten anzulegen, befolgt wurde, ist nicht bekannt. Der mound in Hampton Court schloß den heute »privy garden« genannten Ziergarten ab. Heckenumsäumte Wege führten schneckenförmig empor. Oben befand sich eine Laube oder mindestens ein Ruheplatz. Ein wappentragender Löwe war sein besonderer Schmuck. Im Garten selbst waren die Beete in verschlungenen Mustern angelegt, »knotted beds« heißt der technische Ausdruck. Sie waren angefüllt mit den Gartenblumen jener Zeit, Veilchen, Primeln, Nelken, Minze und anderen duftenden Blumen; »hundert Rosen zu 4 d das hundert, sweet Williams, das Hundert zu 3 d«, werden einmal für diesen Garten angeschafft. Aber neben den geometrischen Mustern bildete man auch Tiergestalten ganz in antiker Weise; Stephen Hawes schildert in seinem Gedichte »Der Zeitvertreib des Vergnügens« aus dem Beginn des XVI. Jahrhunderts einen Garten, der wundervoll in verschiedenen verschlungenen Beeten von erstaunlicher Größe angelegt war: »springende Löwen erhoben sich, prächtig aus Kräutern von süßem Dufte gemacht, und verschiedene Drachen, merkwürdig ähnlich mit großem Geschick aus verschiedenen Blumen, von Flora in mancherlei Farben verfertigt« Hawes, Pastime of Pleasure, chap. XVIII.. Umgeben waren die einzelnen Beete von Zäunen verschiedener Art, im Königsgarten von liegenden grün-weiß gestrichenen Pfählen, wie ein Bild der königlichen Familie in Hampton Court auf seinem Seitenflügel zeigt (Abb. 344).

Abb. 344
Hampton Court, Gartendetails

Nach dem Gemälde im Museum Hampton Court

Hier sehen wir in dem Garten auch einen Lieblingsschmuck des Königs, den er im Übermaße überall anbrachte: Wappentiere, auf grün-weiß gestrichenen Pfählen errichtet. Die Rechnungen wissen von dieser Zier, die auch in den Obstgärten überall aufgestellt wurde, sehr viel zu erzählen Amherst, History of Gardening, p. 93. Wo nichts weiter bemerkt, wird nach der 2. Ausgabe zitiert.. Die holzgeschnitzten Tiere im Garten zu Gaillon waren wohl von ähnlicher Beschaffenheit. Aus den Rechnungen erfahren wir auch, daß zwischen den Beeten kleine Kieswege führten und hier und dort kleine Erhöhungen angebracht waren, auf denen bronzene Sonnenuhren aufgestellt waren. Die Wappentiere selbst waren vergoldet und hielten aufrechtsitzend kleine Banner. Der Königsgarten war nach hinten zu wahrscheinlich hinter dem Hügel durch zwei Gartenhäuser abgeschlossen, die durch eine Galerie miteinander verbunden waren. Ähnlich wie dieser wird wohl auch der Garten in seiner Bepflanzung ausgesehen haben, der noch heute am stärksten alte Züge bewahrt, der sogenannte Teichgarten (Abb. 345). Es war ein vertieftes Parterre mit seitlichen Terrassenumgängen, die den Rasenbänken in mittelalterlichen Gärten entsprachen. In der Mitte war ein großes Bassin als Fischbehälter, um das wieder die Wappentiere auf ihren Stangen saßen. Die heutige Bepflanzung, obwohl sie altmodisch und anmutig wirkt, gehört einer späteren Zeit an. So sehr diese Gärten, als die ersten Renaissancegärten in England, auch bewundert wurden, waren sie doch noch sehr klein und bescheiden. Mit vielen Dingen mußte man sich kümmerlich genug behelfen, besonders am Wasser fehlte es, und man nahm bezahlte Arbeiter, die nachts das Wasser aus der Themse herauftrugen, um nur die Bassins damit zu füllen. Die Baumgärten auf der andern Seite des Hauses waren größer, man pflanzte dort auch anderes als Obstbäume, da in den kleinen Blumengärten Bäume überhaupt keinen Platz fanden. In den Baumgärten befanden sich Lusthäuser, sie waren vielleicht, da man sie Türme nannte, auf die Mauer aufgesetzt. Ebenso wie in Frankreich sind diese Gärten überall von kleinen Kanälen durchzogen, über die zierliche Brücken, mit den unvermeidlichen Wappentieren geschmückt, führen. Die hohen Backsteinmauern, die um die einzelnen Teile dieser Baumgärten errichtet sind, waren mit Schlingpflanzen bezogen, die so zierlich an die Mauer geheftet waren, daß sie sie ganz bedeckten und dadurch die Bewunderung ausländischer Besucher erregten Cellius, Zwei Reisen des Herzogs von Württemberg, f. 18.. Diese Nutzgärten mit ihren hohen Mauern, später für Spalierobst gebraucht, sind ein auffallender Zug, den die Küchengärten in Egland noch heute bewahrt haben, meist das einzige, was sich wirklich aus der alten Zeit herübergerettet hat.

Abb. 345
Hampton Court, Teichgarten

Phot.

Man schied damals Zier- und Obstgärten noch nicht so, daß man etwa allen Schmuck nur den ersteren zugewandt hätte. Der Obst- oder besser Baumgarten war der schattige und daher für Spaziergänge gewählte Ort. Leland in seiner Beschreibung Englands weiß noch um die Mitte des Jahrhunderts mehr von den »orchards« zu berichten, wo »die Wege mit operibus topiariis begleitet sind«, als von anderen Gärten Leland, Itinerary, p. 53.. Auch in der amtlichen Aufnahme von Thornbury aus dem Jahre 1526 legt man auf den Baumgarten weit größeres Gewicht. Thornbury gehörte dem unglücklichen Herzog von Buckingham, der als einer der ersten sich das Mißfallen Heinrichs zuzog und die unvorsichtige Heftigkeit seines Temperamentes auf dem Schaffot büßen mußte. Die amtlichen Schätzer seiner eingezogenen Güter fanden in Thornbury, an der Südseite neben der inneren Befestigung liegend, einen Garten, von schönen Galerien umgeben, durch die man oben und unten von den Zimmern des Schlosses zur Kirche gehen konnte Amherst, History of Gardening, p. 84.. Dieser »privy garden«, entsprechend dem giardino secreto des italienischen Gartens, verrät sich schon durch seine Lage als der mittelalterliche Schloßgarten. Er kann nicht viel Kostbarkeiten geboten haben, da er weiter nicht erwähnt wird. Auf der Ostseite aber lag ein schöner Garten, zu dem man auch durch die Galerien oder auf »Privatwegen« hingelangen konnte, der also jedenfalls weiter vom Schlosse ablag. Es war ein Obstgarten voll junger Sprößlinge, mit Früchten wohl versehen, mit vielen Rosen und anderen Annehmlichkeiten. In diesem Garten sind viele Alleen, um sich im Freien zu ergehen. Rings um ihn führen in ziemlicher Höhe andere schöne Wege mit Ruheplätzen, gedeckt mit Dorn und Ahorn. Also auch hier liefen ringsum Terrassen, um die doppelte Aussicht in den Garten und darüber hinaus zu haben. Nach außen waren diese Terrassen erst mit einem Lattenzaun und um diesen wieder von Gräben und lebendigen Hecken abgeschlossen. Aus dem Baumgarten gelangte man durch mehrere Pforten zu verschiedenen Plätzen eines neu angelegten Parkes. Ein ähnliches Bild wie in den frühen Gärten Frankreichs entfaltet sich hier vor uns: verschiedene Gartenstücke, der Blumengarten von Galerien umgeben und durch solche mit dem Schloß verbunden, jenseits ein größeres Gartenstück als Baum- und Fruchtgarten, von erhöhtem Umgang und Gräben eingefriedigt. Diese Gärten müssen wir uns noch ganz klein vorstellen. Noch am Anfange des XVII. Jahrhunderts empfiehlt der Theoretiker Gervase Markham Gervase Markham, The English Husbandman, 1635, chap. XV., eher kleine Gärten anzulegen, »große Käfige«, meint er, »machen den Vogel um kein bißchen besser«. Noch war man in England lange nicht so weit gekommen, den Garten gleich bei dem Bau eines neuen Schlosses als Hauptsache anzusehen. Heinrich VIII., der immer aufs neue mit Eifersucht und heimlicher Bewunderung auf seinen glänzenden königlichen Bruder jenseits des Kanals, auf Franz I., schaute, beschloß im Wetteifer mit dem Wunderschloß Chambord an der Loire einen Bau zu errichten, den er schon durch den Namen über alles hinausheben wollte Nunsuch: Gentleman's Magaz., 1837, Aug., p. 135 ff.. »Nunsuch« (Abb. 346) – Ohnegleichen – nannte er es in Kalifengesinnung, und der glänzende Bau wuchs im Jahre 1538 unter der Leitung eines Italieners empor. Aber in England beschränkt sich der italienische Einfluß in der Architektur ebenso wie in Frankreich nur auf die Ornamente. An seinen gotischen Grundformen hielt auch England im Profanbau zäher und fruchtbarer denn irgendein anderes Land fest. Heinrich ließ das Schloß bei seinem Tode 1547 noch unvollendet zurück. Von Gärten hören wir noch nichts, nur zwei große Parks ließ der König einfrieden. Unter der Königin Maria war der Bau seiner Zerstörung nahe. Während ihrer freudlosen Regierung schien das Leben am Hofe keine Neigung zu heiterer Geselligkeit zu haben. Maria selbst liebte zwar die Blumen. Wenn sie als Prinzessin im Hampton Court ihren kleinen Bruder Edward besuchte, der dort seinen Kinderhofstaat hielt, überreichte ihr der Gärtner jedesmal einen Blumenstrauß, und die Rechnungen ihrer Privatbörse verzeichnen stets das Fünf-Shillingstück Law, Hampton Court I, p. 207., das der Mann dafür erhielt – ein kleines Genrebild, das der traurigen Gestalt dieser Frau einen kleinen, rührenden Zug verleiht. Nunsuch entging dem Verderben nur, weil es Fitz Allan, der Graf von Arundel, kaufte. Er war einer der hervorragendsten Freunde der Kunst und Wissenschaft seiner Zeit. Seine Bibliothek und seine Sammlungen waren weithin berühmt. Nunsuch wurde erst unter ihm zu dem Glanze erhoben, den der König erstrebt hatte. Er hat auch erst die Gärten angelegt und sie zu einer »Perle des Reiches« gemacht Nunsuch: Gentleman's Mag., 1837, p. 138..

Abb. 346
Nunsuch, Schloß

Nach Braun und Hogenberg

Elisabeth, bei aller ihrer Neigung zur Glanzentfaltung, teilte den Ehrgeiz ihres Vaters nicht, auch in ihren Bauten und Gärten immer die erste ihres Reiches zu sein und sich von niemand unter ihren Großen übertreffen zu lassen. Das Verhältnis der Königin zu ihrem Adel war darin ein völlig anderes geworden. Es war gefährlich gewesen, des Königs Eifersucht zu erregen; sein Herrscherbewußtsein ertrug es schwer, einen Untertan zu dulden, der sich mit größerem Glanze umgab als er selbst. Elisabeth dachte darin anders, sie ermutigte ihren Adel, fortwährend zu bauen, ja sie reizte ihn dazu durch ihre Besuche. Wohl war es Ehre und Stolz, einen Besuch Elisabeths zu empfangen, aber gar manchem, der nicht über unerschöpfliche Schätze gebot, preßte solch ein Besuch wie eine harte Steuer Seufzer aus. Die Königin reiste mit ihrem Gefolge, das »gleich einem Heuschreckenschwarm alle Vorräte aufzehrte«, und wie mancher mußte sich danach lange Entbehrungen auferlegen. Nunsuch liebte die Königin ganz besonders, es mochte wohl ein leises Bedauern dazukommen, wenn sie bei ihren Besuchen dachte, daß es königlicher Besitz gewesen war, doch ließ sie, nach ihrer Art, Arundel alles bis zur Vollendung führen, und erst nach seinem Tode kaufte sie das Schloß zurück. Es blieb in den letzten Jahren ihrer Regierung ihr Lieblingssitz. Ihre Jagden, die sie zu großen Festzügen zu gestalten liebte, fanden in dem wildreichen Park von Nunsuch ihr schönstes Genügen. Noch in ihrem siebenundsechzigsten Jahre sah man sie jeden zweiten Tag zur Jagd reiten, und hier hat sie auch ihr Leben beschlossen. Einen neuen Zuwachs haben die »köstlichen Gärten, die Wäldchen mit allerlei Baumverschnitt, die Wiesen und Spaziergänge, so von Bäumen beschattet, als hätte das Vergnügen sie zu ihrem Sitz gewählt, um dort mit der Gesundheit zu wohnen« Hentzner, Itinerarium Germaniae, Galliae, Angliae, Italiae, 1612, Sept. 1598., durch sie nicht erhalten. Paul Hentzner sieht die Gärten auf seiner Reise im September 1558. Er rühmt insbesondere die vielen Säulen und Pyramiden von Marmor, ferner zwei Springbrunnen, der eine rund, der andere als Pyramide, auf der wasserspeiende Vögel sitzen, gestaltet. Den Ziergarten umschloß auf drei Seiten der Hofbau, die vierte war durch eine hohe Backsteinmauer abgeschlossen. Die Einteilung ist die bekannte in viereckige Beete, von Hecken umsäumt, die in der zweiten Hälfte des Jahunderts meist an Stelle der alten Holzgitter traten. Die Alleen ringsum bestanden zum großen Teil noch aus Fruchtbäumen, auch die Wasserscherze fehlten nicht, wie »eine Pyramide, die die Vorübergehenden näßt«. In einem Wäldchen rühmt Hentzner einen schönen Aktäonbrunnen.

Welch einen Pomp und verschwenderische Pracht die Großen entfalteten, wenn die Königin sie mit ihrem Besuche beehrte, hat uns die geschwätzige Feder eines kleinen Hofbeamten, Robert Laneham, aufbewahrt. Er schildert in einem Briefe an einen Londoner Freund die Feste von Kenilworth, die der Liebling der Königin, Lord Leicester, zu Ehren ihres Besuches 1575 veranstaltete. Walter Scott hat diese Aufzeichnung in seinem Roman poetisch eingekleidet. Die Königin hatte dem Günstling Kenilworth im fünften Jahre ihrer Regierung geschenkt; Leicester hatte dem mittelalterlichen Schloß, das ein besonders breiter Graben umgab, einen neuen Flügel hinzugefügt, den er mit kostbarem Hausrat anfüllte; »zu diesem«, erzählt Laneham, »kommt Seiner Gnaden ausgezeichneter Plan eines Gartens, der einen Acker oder mehr umfaßt und nach Norden liegt. Darüber, dicht entlang der Schloßmauer, ist eine hübsche Terrasse, 10 Fuß hoch und 12 breit, ganz eben, und frisch mit dichtem Gras bedeckt, das auch an dem Hang wächst. Auf dieser sind in gewissen gleichen Abständen Obelisken, Kugeln und weiße Wappentiere, alles von Stein, auf kunstvollen Postamenten aufgestellt, die einen schönen Anblick gewähren. Hierzu kommt an beiden Enden je eine Laube, duftend von süßen Blüten und Bäumen. Der Gartengrund darunter ist von Grasalleen durchzogen, an beiden Seiten gerade abgestochen, und einige zur Abwechslung von Sand nicht zu leicht oder zu weich oder staubig, sondern sanft und fest, angenehm darauf zu gehen, wie am Seeufer, wenn das Wasser sich zurückgezogen hat. Dann ist er geziert mit vier gleichen, in richtigen Proportionen angelegten Parterres, in der Mitte jedes erhebt sich auf einem Würfelpostament, 2 Fuß hoch, genau geformt eine Pyramide, 15 Fuß hoch und symmetrisch durchbohrt; darauf als Abschluß eine Kugel von 10 Zoll Durchmesser, und jede mit dem Postament von unten bis oben aus einem Stück von Porphyr gehauen und mit großer Kunst und Vorsicht hierher gebracht und aufgerichtet. Weiter war mit vielen Kosten und in großem Stile Duft und Schönheit verbreitet durch blühende Pflanzen, frische Kräuter und Blumen, die in Farben und Menge eine köstliche Abwechlsung zeigten, weiter Fruchtbäume mit Äpfeln, Birnen und reifen Kirschen überschüttet ... Ein Garten, so angelegt, daß man oben auf dem lieblich schattigen Terrassenwege in der Sommerhitze den angenehm erfrischenden Wind um sich fühlt oder die angenehme Kühle der Springbrunnen darunter. Köstliche Erdbeeren und Kirschen und andere Früchte kann man von ihren Stengeln pflücken und kosten« Kenilworth Festivities comprising Robert Lanham's Letter describing the Pageantry and Gascoignes Masques represented before the Queen Elizabeth at Kenilworth Castle 1571, ed. by I. Merridan, 1825.. Nicht genug kann er die Aussicht auf Feld und Flüsse über Blumen und Bäume und den Gesang der Vögel preisen. »Ein Paradies, dem zwar die vier schönen Ströme fehlten, dafür aber auch der verhängnisvolle Baum.« »Gewiß«, schließt er, »ein Zeugnis eines höchst edlen Sinnes, der in dieser Weise alles wohl anordnen konnte.« Das ist die plaisance, in der Walter Scott die Königin mit Leicester in vertrautem Gespräche wandeln läßt Walter Scott, Kenilworth chap. 34.. Seine Dichterphantasie führt ihn zu weit, wenn er von Terrasse zu Terrasse, von Parterre zu Parterre uns leitet. Wir können die Lage dieses Schloßgartens mit seiner Grasterrasse und den vier Hauptbeeten darunter noch heute, nördlich vor das Schloß gelagert, feststellen. Die Fruchtbäume, die damals in Italien längst in den Obstgarten verbannt waren, sind hier noch ein Schmuck des Ziergartens.

Die bedeutendsten Gärten seiner Zeit hatte sich Elisabeths langjähriger, klug umsichtiger Premierminister William Cecil Lord Burleigh bei seinem Schlosse Theobalds angelegt, das westlich von London im heutigen Herfordshire gelegen ist. Burleigh hatte sich, wie er selbst sagte, nur ein kleines Haus erbauen wollen, aber die häufigen Besuche der Königin zwangen ihn, es mehr und mehr zu erweitern, so daß eines der stattlichsten Schlösser seiner Zeit daraus wurde. Der nüchternen, klaren Umsicht Lord Burleighs ist es gelungen, was keinem Minister der Königin gelang, seinen Nachkommen ein großes Vermögen zu hinterlassen, »ein Vermögen, nicht durch Raub und Unterdrückung, sondern durch die regelmäßigen Einkünfte und durch Sparsamkeit erworben« Hume, History of England V, chap. 93.. Bei all seiner Sparsamkeit aber liebte es Burleigh, wie sein Biograph erzählt, leidenschaftlich, Gärten, Fontänen und Spaziergänge anzulegen Life of Burleigh, anon., first printed by Peck: Desiderata Curiosa, 1779, vol. I, ch. XVIII, p. 26., die in Theobalds mit großen Kosten auf das schönste und angenehmste ausgeführt wurden, so daß man in den Alleen wohl zwei (englische) Meilen wandern konnte, ehe man ihr Ende erreichte. Eine ganze Reihe von Schilderungen ergänzen sich hier glücklich, wenn sie auch verschiedenen Zeiten angehören Hentzner, Itinerarium, 1598, Sept.; Cellius, Reisen des Herzogs von Württemberg. 1604, f. 31; Voyages célèbres et remarcables par le Sieure A. de Mandelslo, trad. par Wickfort, 1640.. Um das Schloß lagen eine ganze Reihe von Gärten, die, für sich ummauert, untereinander in keiner Beziehung standen. Die Südfront des Hauses schaute auf den Hauptgarten, der eine ganz anders große Ausdehnung wie der in Kenilworth hatte, da er 7 acres betrug. Die Backsteinmauern, die ihn von drei Seiten umgaben, hatten durch die leuchtend violette Farbe, die die Ziegel in England schnell annehmen, eine auffallende Schönheit. Anfangs, als Hentzner Hentzner, a. o. O., nennt diese Halle, in der Gemälde hängen, seltsamerweise Xystus. ihn 1598 sieht, muß noch der Garten fast ganz von einem Graben umgeben gewesen sein, der so breit war, daß man darauf fahren konnte. Später wurde dieser zugeschüttet, wenigstens hört man nichts mehr davon. Auf den Garten schaute eine Halle, in der die Bilder der englischen Könige gemalt waren Cellius, Reisen des Herzogs von Württemberg, f. 31.. Eine andere Halle wird als Grotte geschildert: »Aus einem Felsen strömt eine Quelle in ein Wasserbecken, das von zwei Sklaven festgehalten wird. An der Decke ist der Zodiakus dargestellt, wo Sonne und Mond sich bewegen, auf jeder Seite ahmen sechs Bäume die künstliche Rinde, die Blätter und Vogelnester auf das natürlichste nach« Hentzner, a. o. O., Sept. 1598.. Das Parterre des Gartens war in neun Beeten ausgelegt, die von Hecken umgeben waren. Eine Reihe schöner Alleen begleiteten auch dieses Parterre, sein Schmuck war ein Springbrunnen aus weißem Marmor mit Säulen und Pyramiden aus Holz. Ein Labyrinth hatte in der Mitte eine kleine Erhebung, der Venusberg genannt, »einer der schönsten Orte der Welt« Voyages de Mandelslo, a. o. O.. Am Ende des Gartens lag ein Gartenhaus, das vorne ein Halbrund bildete, in dem die Marmorbilder der zwölf römischen Kaiser aufgestellt waren; die andere Seite war von einem Bassin umgeben, das teils ein Fischbehälter war, in der heißen Jahreszeit aber als kühles Bad benutzt wurde. Ein Brückchen führte von hier zu einem andern kleinen Sommerhaus Hume, History of England V, App. 3..

Hentzner kann das Haus selbst nicht besichtigen, da er es gerade am 8. September 1598, dem Begräbnistag seines Erbauers, besucht. Manches glänzende Fest hatte dieser Garten gesehen, oft war die Königin mit aller Pracht von Burleigh empfangen worden; selbst als sie kam, um den durch häusliche Verluste Tiefgebeugten wieder aufzurichten. Zu diesem Besuche 1591 dichtete George Peele, einer der Vorgänger Shakespeares, eine Maske: Ein Gärtner redet die Königin an: »Als die Hügel abgetragen und der Grund geebnet, teilte ich ihn (den Garten, der ihm anzulegen beauftragt ist) in vier Abteilungen, in der ersten bildete ich ein Labyrinth, doch dieses nicht aus Hopfen und Thymian, sondern aus den Blumentugenden, Grazien und Musen, die Euere Majestät umschweben« George Peele, Speeches held at Theobalds 1591: »The Gardener speaks«.. George Peele hat hier in den Eingangsworten seiner Maske das immer gleiche Bild des Durchschnittsgartens im England des XVI. Jahrhunderts gezeichnet: wenn möglich ganz eben, ein Quadrat, dies Quadrat durch Wege in vier weitere geteilt. Das Bild solch eines kleinen Gartens findet sich häufig in den Gartenbüchern jener Zeit wiedergegeben. Diese Literatur ist damals in England inhaltlich noch mager genug. Meist bieten die Verfasser wenig mehr als eine Zitatensammlung aus antiken und einigen wenigen modernen Werken, die oft gedankenlos abgeschrieben sind. Wenn Andrew Borde Andrew Borde, The boke for to learn a man to be wyse in buylding etc., 1540. und Thomas Hill Thomas Hill, The profitable arte of Gardening, 1568, und eine Reihe von ähnlichen Werken, die viele Auflagen erlebten; s. The Hon. Mrs. E. Cecil (A. Amherst), The History of Gardening, 3 1910, S. 332 ff., der letztere ein besonders fruchtbarer Schriftsteller dieser Zeit, die Ost- und Nordseite des Hauses als die geeignete für den Garten empfehlen, so betont schon der spätere Gervase Markham Gervase Markham, The English Husbandman, newly revised, 1635., daß dies nur aus italienischen Schriftstellern ohne Überlegung und Anpassung an die lokalen Verhältnisse übernommen sei. Die beigefügten Holzschnitte erzählen, welchen Wert man namentlich auf die Umzäunung legt, die noch immer zwei- bis dreifach ist (Abb. 347), wie Hecken und Lauben gezogen werden (Abb. 348), wie die »knotted beds« als verschlungene Bänder ihren Namen verdienen, wie der Baum meist den ornamentalen Mittelgrund des Labyrinthes bildet, und manch anderen kleinen Zug. Das ist der Garten, wie er uns in Shakespeares Stücken hier und dort in flüchtiger Andeutung entgegentritt: die zierlich verschlungenen Beete Loves Labor's lost I, 1, 249, 32; Measure for Measure IV, 1, 28 u. V, 212., die Backsteinmauern Richard II., III, 4, v. 34, 56., das Gartenhaus Twelfth Night II, 4, v. 18., wo die zu schnell sprossenden Triebe verschnitten werden, wo alles sich unterordnen, alles gleich gezogen und beschnitten sein muß Twelfth Night II, 4, v. 18., die Laube von Buchsbaum, in der sich die Lauscher herrlich verbergen können.

Abb. 347
Hausgarten mit Umzäunung

Stich nach Thomas Hill

Zur Zeit Königin Elisabeths wurde dieser einfache Grundplan durch die Einführung neuer Pflanzen sehr bereichert, war es doch das Zeitalter der Entdeckungen und Seefahrer. Mit Eifer wandte man sich damals der Blumenzucht zu. Als Harrison 1586 die Holinshedsche Chronik neu auflegte, fügte er einen begeisterten Passus über die Einführung fremder Kräuter, Pflanzen und Früchte, die täglich aus Indien, Amerika, den Kanarischen Inseln und allen Teilen der Welt nach England gebracht wurden, hinzu. »Gibt es doch fast keinen Edelmann oder Kaufmann, der nicht einen großen Vorrat dieser Blumen hat, die allmählich so mit unserem Boden vertraut werden, daß wir sie als einen Teil unserer Gewohnheiten ansehen ... Ich habe in manchen Gärten 300 oder 400, wenn nicht mehr Arten gesehen, von deren Namen man vor 40 Jahren noch keine Ahnung hatte. Schauen wir nur die Gärten neben unsern Häusern an, wie wunderbar ist ihre Schönheit, und nicht nur in Blumen, die Columella ›terrena sidera‹ nennt ..., sondern auch mit seltenen medizinischen Kräutern, die man in diesen 40 Jahren gesammelt hat, so daß für die Besitzer im Vergleich mit den heutigen die alten Gärten nur Düngerhaufen und Moräste sind. Es ist kaum glaublich, wie die Kunst der Natur täglich hilft in Farbe, Verdoppelung und Vergrößerung unserer Blumen. So einsichtig und geschickt sind unsere Gärtner heutzutage, daß sie meinen, sie könnten mit der Natur umspringen und ihr den Lauf der Dinge vorschreiben, als wenn sie ihre Herrscher wären ...« Und stolz schließt er: »ich weiß wohl, daß in den alten Zeiten die Gärten der Hesperiden um ihrer Schönheit willen solchen Ruf besaßen, aber wenn es möglich wäre, daß ein unparteiischer Richter vergleichen könnte, er gäbe zweifellos unseren heutigen Gärten den Preis« New Shakespeare Soc. I, p. 332 ff..

Abb. 348
Hausgärtchen

Stich nach Thomas Hill

Dieses allen Ländern gemeinsame botanische Interesse bildete damals ein starkes Verkehrsband, sowohl innerhalb des Landes wie mit den anderen Nationen; wir werden das besonders in Deutschland beobachten. Fürsten, Adel und Gelehrte sahen sich hier auf einem Boden gemeinsamer Interessen. Zuerst waren es auch in England die Gelehrten, die sich besondere botanische Gärten für die Zucht ausländischer medizinischer Kräuter anlegten; so besaß am Ende des XVI. Jahrhunderts John Gerarde, der Verfasser mehrerer Pflanzenbücher, in Holborn einen berühmten botanischen Garten. Eine originelle Gärtner- und Gelehrtenfamilie waren die Tradescants; aus Holland unter Elisabeth eingewandert, haben sie sich ein großes Verdienst um die Akklimatisierung fremder Pflanzen in England erworben. Vater und Sohn reisten im Auftrage Lord Salisburys, des Sohnes Lord Burleighs, in den überseeischen Ländern; aber auch eigener Forscherdrang trieb sie immer wieder hinaus, ihr eigener Garten war eine Sehenswürdigkeit, der von dem König und der Königin besucht wurde und noch bis 1749 existierte. Ihre Grabschrift nennt sie »durch Natur und Kunst gewandert, wie ihre erlesene Sammlung an allem, was selten im Land, See und Luft ist, zeigt« Amherst, History of Engl. Gardening, 2, p. 176.. Diese Sammlung bildet den Grundstock des Oxforder Ashmoleon Museums. Auch in England aber folgten die öffentlichen botanischen Gärten erst viel langsamer nach, der Oxforder wurde 1632 um die gleiche Zeit wie der Jardin des plantes in Paris gegründet.

Im Anfang des XVII. Jahrhunderts beginnt das Interesse für den Garten über die praktische Anlage einerseits und die theoretische Anleitung von Fachmännern andrerseits in die schöne Literatur überzugreifen. Es ist wohl bemerkenswert, daß in England der bedeutendste, weitschauendste Geist seiner Zeit, der aber weder Gärtner noch Architekt ist, Francis Bacon, diese Richtung der Gartenförderung zuerst eingeschlagen hat. Auf diesem Wege, der von dem nun nicht mehr ruhenden Eifer literarischer Dilettanten geebnet wird, rollt die Entwicklung der englischen Gartenkunst weiter und führt ein Jahrhundert später zu der Revolution des Gartenstiles.

Bacon schreibt seinen Essay Bacon, Essay on Gardens. über die Gartenkunst als eine seiner geistvollen, ganz von persönlichen Anschauungen getragenen Plaudereien. Sein Zweck war, über die vorhandenen Gärten hinaus ein Vorbild in gereinigtem Geschmack zu entwerfen; doch hält sich sein durchaus gegenständlicher, praktischer Sinn in den Grenzen des für jene Zeit Möglichen und verfolgt einen ausgesprochen erzieherischen Zweck: Der homerischen Forderung, die an der Spitze steht, daß der Garten immer etwas Blühendes aufweisen müsse, folgt gleich eine Liste von Pflanzen, die methodisch nüchtern jedem Monat seine Blüten zuerteilt. Sein Garten ist ausdrücklich ein fürstlicher genannt, und in der Tat sind die dreißig acres, die er für die ganze Anlage empfiehlt, für jene Zeit eine sehr bedeutsame Ausdehnung. Wir müssen uns erinnern, daß der Garten in Kenilworth einen acre, der große Garten in Theobalds sieben hatte. Immerhin behält auch Bacon für seinen eigentlichen Ziergarten nur zwölf, da er den ganzen in drei Teile zerfallen läßt: Das Haus soll, wie der vorausgehende Essay über Baukunst verlangt, nach dem Garten zu offene Galerien haben; diese Forderung Bacons hat sich in seiner heimischen Baukunst wenig durchgesetzt. Keiner der Stile, die das englische Landhaus beherrscht haben, hat die offene Veranda ausgebildet; der Engländer tritt noch heute aus dem geschlossenen Raum ins Freie und sitzt auch im Freien. Nächst dem Hause soll nun ein Rasenplatz angelegt werden, den eine Baumallee in der Mitte und bedeckte schattige Gänge zu beiden Seiten durchschneiden. »Nichts ist dem Auge so angenehm wie ein schön und kurz gehaltener Rasen.« Bacon zieht ihn einem Parterre vor, denn die verschlungenen Figuren, in verschiedener Erde ausgelegt, gelten ihm als Spielerei, die man oft genug beim Zuckerbäcker auf Torten sieht. Der Hauptgarten bildet den mittleren Teil der Anlage; er ist genau viereckig und hat eine kostbare Umzäunung von Lattenwerk, zuerst unten Bögen, darüber eine gerade Vergitterung, auf der über jedem Bogen ein Glockentürmchen mit einem Vogelkäfig angebracht ist, während dazwischen kleine Figuren stehen, die Glastafeln tragen. Diese Umzäunung erhebt sich auf blumenbesetzter Böschung um den vertieften Hauptgarten. Zu beiden Seiten außerhalb der Umzäunung sind mehrere Alleen von verschiedenen Bäumen, darunter auch Fruchtbäumen, gepflanzt; Hecken säumen die Wege ein; an der Mauer, am Anfang und Ende, liegt ein kleiner Hügel (mound), um die Aussicht über die Mauer zu genießen. In diesen Alleen kann man sich ergehen, wenn man Schatten haben will, denn der Hauptgarten muß nicht buschig, sondern ganz offen und luftig sein, höchstens dürfen zu beiden Seiten lichte Alleen von Fruchtbäumen und zierliche Lauben angebracht sein. Breite stattliche Wege durchschneiden diesen Teil; die Beete sind von ganz niederen Hecken mit kleinen Pyramiden umgeben. Bacon für seinen Teil liebt es nicht, Wacholder oder »ähnlichen Gartenstoff in Figuren zu schneiden, das sind Kindereien«. Das Zentrum bildet ein kreisrunder, 30 Fuß hoher Schneckenberg mit breiten, bequem hinaufführenden Wegen; oben krönt ihn ein schönes Banketthaus mit hübsch verzierten Kaminen. Wasser ist sowohl als Springbrunnen in künstlichen Formen wie als Badebassin ein großer Schmuck; doch ist die Hauptsache, das Wasser immer klar zu halten, stehendes Wasser verdirbt alles. Der Schmuck von marmornen oder vergoldeten Statuen mag gut sein, steht aber für ihn erst in zweiter Linie. Der dritte Teil wird von dem, was Bacon »the heath«, die Heide, nennt, eingenommen. Dieser Teil ist halb so groß wie der Hauptgarten und soll, so viel als möglich, wie eine natürliche Wildnis gestaltet sein. »Bäume möchte ich keine haben, nur einiges Dickicht von sweet briar und Geißblatt und einigen wilden Wein darunter. Der Boden soll mit Veilchen, Erdbeeren und Primeln besetzt sein, und zwar ohne Ordnung, hier und dort. Ich liebe auch kleine Haufen, wie Maulwurfshügel, einige mit Thymian, andere mit Nelken, noch andere mit Gamander besetzt, die dem Auge eine schöne Blüte zeigen, wieder andere mit Veilchen, mit Erdbeeren, mit Himmelschlüsseln, mit roten Rosen, mit roten Bartnelken, einige mit Bärenklau und ähnlichen niederen Blumen, süß duftend und angenehm. Einige können kleine Büsche haben von Rosen, Wacholder, Stecheiche und ähnlichem. Aber diese Büsche müssen beschnitten werden, um sie nicht außer der Ordnung wachsen zu lassen.«

Man muß diese Schilderung eines englischen Idealgartens mit einem der großen italienischen jener Zeit vergleichen, um zu sehen, wie die beiden Hauptfaktoren des südlichen Gartens, die Steinarchitektur, die Garten und Haus erst wirklich zusammenfaßt, und die allbelebende Sprache der Wasserkünste, die eine so wichtige Vermittlung zwischen Architektur und Pflanzenwelt spielt, hier ganz zurücktreten. Ja, alles was Bacon in seinem Garten als Schmuck empfiehlt – meist ist es Schreiner- und Glaserarbeit – trägt einen unleugbar barbarischen Charakter, was um so mehr auffällt, wenn man es mit seinem vornehmen, alles Kleinliche und Spielerische ablehnenden Geschmack in Plan und Anordnung der Pflanzen vergleicht. Hier herrscht Rhythmus und vornehme Ruhe, die ein Garten der Wirklichkeit damals wohl selten in dem Maße gehabt haben wird. Der sehr hohe künstliche Hügel in der Mitte muß allerdings das große Parterre ungünstig unterbrochen haben, wieviel schöner hätte hier ein monumentaler Brunnen gewirkt. Glücklich aber sind die erhöhten Seitenalleen als Umrahmung des mittleren Gartens. Der Eingang mit dem kurzgeschorenen Rasen weist der englischen Gartenkunst ihren Weg, denn gerade in der erfolgreichen Behandlung ihres unerreicht schönen Rasens lag und liegt eine der wirksamsten Schönheiten englischer Gartenhaltung. Der ganz neue und überraschende Gedanke Bacons, der augenscheinlich damals in der Wirklichkeit kein Vorbild hatte und auch vereinzelt blieb, ist die Anlage der Heide, die bei aller Anmut doch eine große Raumverschwendung scheint. Erst die neueste Gartenkunst in England hat, und dann immer nur für kleine Gartenteile, die Anregung solcher Heidegärten aufgenommen und ausgestaltet.

Ein eigenartiges Seitenstück zu diesem Gartenentwurf liefert ein anderes literarisches Denkmal jener Tage: Am heiligen Dreikönigsabend 1613 führten die Juristen von Grays Inn in White Hall ein Maskenspiel auf zu Ehren der Hochzeitsfeier des Grafen Somerset Amherst, a. o. O., 132; Maske of Flowers printed by N. D. for Rob. Wilson, 1614.. Die Bühnenanweisung schildert einen Garten »von seltsamer Schönheit«, der mit dem Bacons mehr als einen Berührungspunkt bietet: die vier Quartiere, in die der ganze Garten eingeteilt ist, sind von Wegen umgeben, aber hier steht im Zentrum der Kreuzungshauptalleen ein prächtiger Neptunsbrunnen. Der Gott schüttet mit seinem Dreizack Wasser in eine Schale, die von drei Figuren, die auf einer Säule stehen, gehalten wird. Außer einer Backsteinmauer, die mit Fruchtbäumen bepflanzt ist, hat dieser Garten noch eine zierliche innere Umzäunung mit Balustraden, auf denen Statuen, Löwen und Einhorn von Gold und Silber stehen, die hier als Fackelhalter dienen. Die großen Vierecke sind mit Hecken von Zypressen und Wacholder umsäumt, mit Blumen bepflanzt und mit Pyramiden geschmückt. An allen vier Ecken stehen große Töpfe mit Nelken. Am Ende des Gartens erhob sich der mound, so ansteigend, daß die Stufen Erdbänken; mit Rasen bedeckt, glichen. Auf der Spitze steht eine dreibogige Laube, mit Rosen und Jelängerjelieber bezogen und mit Türmen geschmückt. Darüber ragen die Wipfel eines Obstgartens. Daß die Blumen künstlich mit versteckten Lichtern beleuchtet, die Baumwipfel und die Mauern nur gemalt sind, ist nur die notwendige Bühnenzutat zu einem Garten, der ganz der Wirklichkeit nachgebildet ist. Auch der stufenförmige mound am Ende des Gartens findet sich damals häufig und hat sich auch heute noch hier und dort erhalten, z. B. in dem sonst ganz veränderten Garten von Rockingham Amherst, a. o. O., p. 80..

Als Jakob I. 1603 den englischen Thron bestieg, war auch in seinem Stammlande Schottland der Einfluß der italienischen Renaissance in den Gärten spürbar geworden. Ja, in gewisser Beziehung waren Schottlands Schlösser, die zum größten Teile auf Berghöhen lagen, von denen das Gelände steil niedersteigt, mehr geeignet, von dem italienischen Terrassenbau zu lernen als die englischen. Ein wirklich klares Bild von den schottischen Renaissancegärten zu erhalten, ist bei der sehr mageren Überlieferung fast unmöglich, jedoch hat der Zwang des Terrassenbaues mit seinen festen, schwer zu beseitigenden architektonischen Grundlinien manche dieser nordischen Gärten besser vor dem Vertilgungskrieg des XVIII. Jahrhunderts bewahrt. Und wenn auch die heutigen Gärten, die sich dieser alten Spuren rühmen, nichts weiter als diesen Terrassenbau erhalten haben, so kann doch ein Schloß wie Drummond Castle in Perthshire Latham, Gardens old and new II, p. 1 f. in seinen Terrassen, deren hohe Stützmauern elegante Rampentreppen durchbrechen, in den Toren, die am Ende der Terrasse hinausführen, den Einfluß Italiens nicht verleugnen. Und kleinere Gärten in den benachbarten nördlichen Grafschaften, wie der von Barncluith in Lanarkshire Latham, Gardens old and new II, 216 f., erinnern in der Anordnung der schmalen fünf Terrassen über dem hohen Ufer des Avonflusses, in dem seitlichen Treppenaufgang, dem Abschluß mit einem anmutigen Gartenhäuschen, zu dem halbrunde Treppen heraufführen, noch mehr an manche der frühen italienischen Villen. Schottlands Gärten haben später durch die wachsende Neigung für die immergrünen Taxushecken, die, im XVII. Jahrhundert eingeführt und ausgezeichnet akklimatisiert, zum Teil noch das XVIII. Jahrhundert überdauert haben, sich noch mehr den italienischen Gärten genähert. Allerdings darf man sich nicht durch das Aussehen der heutigen Gartenhaltung zum Glauben verführen lassen, wirklich das alte Bild der Gärten zu sehen, wie sie im Anfang des XVII. Jahrhunderts waren.

König Jakob war selbst ein großer Gartenfreund, und als englischer König nahm er regen Anteil an der Einführung fremder Pflanzen. Den Schlössern und Gärten gegenüber bekundete er sein Interesse allerdings in der souveränen Weise seiner Vorfahren. Es ist zu allen Zeiten für einen Untertanen ein gefahrvolles Unternehmen gewesen, seinen König zu Gaste zu haben. Burleighs Sohn, der erste Graf von Salisbury, bewirtete im Sommer 1606 Jakob und dessen Gast, den König von Dänemark, mit auserlesenen Festen auf seinem Stammgut Theobalds. Ben Jonson verherrlichte dem fremden Gast zu Ehren diesen Besuch mit einem seiner Maskenspiele, einer lateinischen Ansprache der Horen. Jakobs Augen aber blendete der Glanz, und sein Verlangen, diesen schönen Landsitz sein eigen zu nennen, wurde unwiderstehlich. Salisbury machte gute Miene zum bösen Spiel und ging auf den angebotenen Tausch von Theobalds gegen Hatfield House, damals königlichen Besitz, ein. Schon ein knappes Jahr darauf, am 22. Mai 1607, zogen die neuen Herren mit großem Pomp in Theobalds ein, und wieder feierte Ben Jonsons Muse dieses Fest Ben Jonson, An Entertainment of King James and Queen Anne at Theobalds, when the House was delivered up with the possession to the Queen by the Earl of Salisbury. The 22nd of May 1607.: der trauernde Genius des Hauses wird der neuen Herrin, der Königin Anna, zugeführt, der Glanz und die Schönheit der Herrscherin wandelt seine Trauer in Freude. Aber Ben Jonson war ein schlechter Prophet, wenn er auf des Genius Frage, was denn den alten Herrn vertrieb, den Sprecher Merkur antworten läßt:

»Gewinn nicht, Not nicht, auch nicht Eitelkeit
Ein neues Dach, ein höheres Haus zu bauen.
Zu viel war mit dem Hammer er geschäftig,
Als daß dorthin ihn Neigung weitertriebe.«

Denn Lord Salisbury hatte der Väter Heim kaum den Rücken gedreht, als er mit unverminderten Kräften sich in Hatfield daran machte (Abb. 349), »ein neues Dach, ein höheres Haus zu bauen«.

Abb. 349
Hatfield House, Garten und Labyrinth

Nach Triggs

Damals entstand fast ganz die prächtige Residenz, die noch jetzt von den Nachkommen seines Erbauers bewohnt wird. Der größere Teil der heutigen Gärten gehört zwar einer neuen Anlage an, die sich aber, nur auf größerem Fuße, glücklich dem alten Stil angepaßt hat. Alle östlichen Gärten, die von der Hausterrasse in ein Parterre führen, von dem man zuerst das »bowling green«, dann noch tiefer liegend ein Labyrinth und jenseits einen anmutigen Teichgarten sieht, der eben wieder neu angelegt wird, sind ziemlich neuen Datums. Nur die westlichen Gärten haben mindestens in den Hauptlinien das alte Aussehen behalten (Abb. 350): Ein Viereck von ungefähr 250 Fuß ist ringsum von einem aus Lindenzweigen geschnittenen Bogengang eingeschlossen. Das Parterre ist von einer niederen Hecke umgeben und hat inmitten seiner Bandornamente einen einfachen hübschen Brunnen. Ein noch kleinerer Rosengarten, der vor den heutigen Ställen liegt, stammt vielleicht noch aus der königlichen Zeit, denn in diesen Ställen ist ein Teil des Elisabethanischen Hauses verbaut.

Abb. 350
Hatfield House, der alte Garten

Nach Triggs

Selbstverständlich waren dieses nicht die einzigen Gärten. In den Rechnungen des Hausarchivs Amherst, a. o. O., p. 131. ist von einem prachtvollen marmornen Neptunsbrunnen die Rede, den Salomon de Caus für 113 £ herstellte, ein anderer Franzose, Simon Sturtivant, sollte ein großes Wasserwerk entwerfen, an dessen Ausführung ihn der Tod des Grafen 1612 hinderte. Am Fuße des Abhangs lag ein Garten, der mit Blumenlauben und Alleen geschmückt war; von diesem »Talgarten« und von Schmuckbrücken, die über den Fluß führen, sprechen ebenfalls die Rechnungen. Jenseits des Flusses lag ein großer Weingarten, den der Graf, der von größter Unternehmungslust beseelt war, angelegt hatte. Auch an der von Jakob begünstigten Einführung des Maulbeerbaumes beteiligte sich der Graf eifrig. Der Maulbeerbaum war schon in Königin Elisabeths Zeit in England wohlbekannt – einer Tradition zufolge sollen die vier schönen alten Bäume im Westgarten von Hatfield von Elisabeth gepflanzt sein. Auch Shakespeare kennt den Maulbeerbaum genau:

»und neigt den Kopf
Demütig nieder, wie die reifste Maulbeere,
Die kein Berühren aushält«

sagt Volumnia zu Coriolan (III, 2). Der Graf von Salisbury war es auch, der Tradescant als seinen Gärtner hinausschickte und aus Holland, Belgien, Frankreich, Italien Früchte und Blumen in seinen Gärten anpflanzen ließ. Hatfield House ist in seiner ganzen Anlage ein glänzendes Beispiel eines großen englischen Landhauses jener Zeit: vor dem dreiflügeligen Hause liegt ein mit Balustraden und schönem Gitterwerk abgeschlossener Vorhof, durch den ursprünglich der Hauptzugang zum Hause führte: ein gepflasterter breiter Weg zwischen Rasenstücken auf beiden Seiten. Hinter dem Hause liegt hier erst der Wirtschaftshof, in andern Häusern meist direkt der Garten, den häufig nach beiden Seiten breite Terrassen überragen.

Eine ganz ähnliche Anlage finden wir auch in Montacute (Abb. 351) in Somersetshire, das am Ende des XVI. Jahrhunderts erbaut wurde und ebenfalls heute noch von der Familie des Gründers Sir Edward Philips bewohnt wird.

Abb. 351
Montacute, Lageplan

Nach Triggs

Von dem gastfreien Sinne des Erbauers zeugen zwei Inschriften; an der Eingangstüre lesen wir: »Euch, meine Freunde«, während das Gartentor die Worte trägt: »Durch dieses weit offene Tor tritt niemand zu früh ein und kehrt niemand zu spät zurück.« Das Haus hat heute wie Hatfield seinen Haupteingang auf die entgegengesetzte Seite verlegt. Ursprünglich gelangte man auch hier durch den schönen Vorhof, dessen balustradengekrönte Mauern einen Platz mit einem Bassin umschließen, in das Haus. Auf der Balustrade stehen Obelisken und in der Mitte zwei zierliche Pavillons. In den Ecken aber erheben sich, den Eingang flankierend, zwei besonders schöne Gartenhäuser. Neben Vorhof und Haus läuft seitlich eine breite Terrasse, und von dieser führen Stufen in den Ziergarten, ein vertieftes Parterre, das ringsum von erhöhten Gras- und Kieswegen überschaut wird. In der Kreuzung der Wege liegt der größte Schmuck des Gartens, ein Bassin mit einer Balustrade in edlen Renaissanceformen (Abb. 352). Der einfache Schalenbrunnen mit Springwasser erhebt sich aus der Mitte. Das Parterre ist heute mit Rasenstücken ausgelegt, mit Buchspyramiden besetzt, eine Bepflanzung, die einer späteren Zeit angehört; ursprünglich werden geometrische Buchsmuster mit Blumen diese Stelle vertreten haben. Auf der andern Seite des Hauses liegt da, wo man sonst die Küchen- und Baumgärten erwarten könnte, ein 350 × 150 Fuß großer Rasenplatz, heute mit wenigen großen Bäumen bepflanzt – vielleicht war ursprünglich hier das »bowling green« inmitten von Baumalleen.

Abb. 352
Montacute, Fontäne und Blick auf die höhere Terrasse

Nach Triggs

Ein anderer Garten hat nur noch die Außenlinien seiner Anlage erhalten, diese aber als ein Zeichen, wie lebendig jetzt, am Ende des XVI. Jahrhunderts, der italienische Einfluß sein konnte. Hadden Hall Leyland and Latham, Gardens old and new, ed. Country Life II, 43. (Abb. 353) in Derbyshire, der Sitz der Rutlands, ist seit dem Beginn des XIX. Jahrhunderts völlig verlassen. Das Haus, das den verschiedensten Bauperioden angehört, bildet einen großen unregelmäßigen Komplex, an dessen Seiten die Gärten, dem Hang des Hügels angepaßt, in vier Terrassen emporsteigen. Die höchste bildet einen breiten Rasenstreifen, mit einer Baumreihe auf jeder Seite. Diese Bepflanzung ist ein ursprünglich echt englisches Renaissancemotiv, eine seitliche Treppe führt auf die erste Parterreterrasse, auf die man direkt aus dem Hause gelangt; alte Taxusbäume bezeichnen die Ecken des Parterres, eine Balustrade am vorderen Abschluß läßt eine Treppe durch, die in das Hauptparterre führt, das vertieft neben dem Hause liegt. Dieses ist mit sehr hohen Mauern gegen die untersten zwei unregelmäßigen Terrassen abgestützt, die sich um den Fuß des Hügels als Küchen- und Obstgärten anlehnten.

Abb. 353
Hadden Hall, Zedern auf der oberen Terrasse

Nach Latham

Unter den ersten Stuarts nahm die Gartenentwicklung ihren ruhigen ununterbrochenen Gang. Man begann damals wieder eifrig auf Frankreich zu schauen, Hof und Adel fingen an, französische Gartenbaumeister zu rufen. Eine der interessantesten Erscheinungen unter den Künstlern dieser Zeit ist Salomon de Caus. Er war ein aus der Normandie gebürtiger Ingenieur und Architekt, der auf mannigfachen Reisen, hauptsächlich in Italien, seine Kenntnisse besonders in der Wasserkunst vervollkommnete. Als Zeichenlehrer der königlichen Kinder Elisabeth und Heinrich Friedrich zog Jakob I. den unterrichteten Mann an seinen Hof. Der junge Prinz von Wales wohnte in den letzten Jahren vor seinem frühen unvorhergesehenen Tode im Jahre 1612 in Richmond. Sein unruhiger, lebhafter Geist, der alles Leben, alle Übungen im Freien liebte, veranlaßte Salomon de Caus, verschiedene Gartenentwürfe für Richmond herzustellen, vor allem aber auch eine Reihe ingeniöser Erfindungen für Wasserkünste zu machen, um des jungen Schülers »edle Wißbegierde zu stillen, die immer etwas Neues zu kennen bestrebt war«. Damals auch machte de Caus die Erfindung, durch Dampfexpansion in Springbrunnen Wasser in die Höhe zu treiben, was ihm die Ehre eintrug, unter die Entdecker der Dampfmaschine gerechnet zu werden. Als Brunnenarchitekt erhielt er auch sonst Aufträge im Lande, wie von Lord Salisbury für Hatfield House. Von dem Zustand der Gärten von Richmond um jene Zeit wissen wir leider wenig. Mit dem Tode des jungen Thronerben im Jahre 1612 wurde zudem seiner Tätigkeit in England ein Ende gesetzt. Seine Schülerin Elisabeth berief ihn nach ihrer Vermählung mit dem Pfalzgrafen Friedrich nach Heidelberg, wo sich ihm mit der Schöpfung des Schloßgartens erst das große Feld seiner Tätigkeit öffnete. Er ließ aber in England einen Sohn Isaac zurück, den im Jahre 1615 der Graf Pembroke nach Wilton House in Wiltshire berief, wo er einen der bedeutendsten Gärten Englands in jener Zeit schuf. Der Sohn teilte mit dem Vater die literarische Neigung, die eigenen Werke in Stich und Schilderung bekannt zu machen. Ebenso wie der Heidelberger wurde auch der Garten von Wilton House (Abb. 354) gleich bei seiner Entstehung in 24 Kupfern ausführlich geschildert und diese unter dem Titel »Hortus Pembrochianus« veröffentlicht Isaac de Caus, Hortus Pembrochianus, 1615..

Abb. 354
Hortus Pembrochianus

Stich von I. de Caus

Das 1000 Fuß lange, 400 Fuß breite Gartenstück ist in drei hintereinander liegende, von breiten Wegen durchschnittene Anlagen zerlegt. Die erste bildet die Parterres, kunstvoll von niederen Hecken umsäumte Beete, immer je vier von einer Fontäne mit je vier Wasserstrahlen und mit einer Marmorstatue in der Mitte zusammengehalten. Die Bezeichnung »gestickte Parterres« zeigt, daß diese Art der Parterreanlage damals aus Frankreich schon herübergekommen war. Vielleicht hatte sie Isaac de Caus selbst in Frankreich gesehen, wahrscheinlich aber hatte die neue Kunst André Mollet, der Sohn von Claude, der damals auch in Jakobs I. Dienste trat, herübergebracht. Dies Parterre de broderie war augenscheinlich auch nur in Buchs ohne Blumen ausgelegt, da Isaac zur Seite noch die Blumenparterres besonders unterscheidet. Am Ende dieses Teiles ist eine schmale niedere Terrasse, »um das Parterre besser überschauen zu können«. Darauf folgen zwei große Bosketts, die von dem Flusse Nadder, der hier 44 Fuß breit ist, durchflossen sind; und zwar bemerkenswerterweise, ohne daß man seinen Lauf geändert hätte. Doch nimmt man auch in der Anlage der regelmäßigen Wäldchen, in deren Mitte je eine Statue der Flora und des Bacchus stehen (Abb. 355), keine Rücksicht auf ihn. Zu beiden Seiten dieser Bosketts sind zwei 300 Fuß lange bedeckte Gänge. Der breite Weg in der Mitte überschreitet den Fluß in stattlicher Brücke, die später mit Löwen geschmückt wurde. Am Ende der Bosketts befinden sich auf jeder Seite des Weges zwei große Wasserbassins, mit Säulen in der Mitte, die auf ihren Wasserstrahlen Kronen tanzen lassen. Die dritte Abteilung zeigt konzentrisch ovale Wege, mit Kirschbäumen bepflanzt, um Rasenstreifen, in der Mitte des Weges steht der Borghesische Fechter, »die berühmteste Statue des Altertums«, wie de Caus meint. Auf beiden Seiten sind wieder bedeckte Gänge mit Pavillons in den Kreuzungspunkten. Endlich ist am Ende in der ganzen Breite des Gartens eine Terrasse aufgemauert, die mit Balustraden versehen ist. In der Mitte führen die Bogen in eine Grotte, Marmorstatuen und Nischen zwischen den Pfeilern gliedern die Futtermauer. Im Innern zeigt sie die uns schon vielfach bekannte Grottenarchitektur, die ein Entwurf von Inigo Jones sein soll. Zu beiden Seiten der Grotte führen Stufen mit einem Geländer, auf dem Seeungeheuer das Wasser herabspeien, zur Terrasse empor. Hier liegt über der Grotte ein großes Wasserbassin mit einem Springbrunnen, Einzelheiten, die an den Heidelberger Garten erinnern. Von diesen Gärten ist gar nichts mehr übrig geblieben. Die Pembrokes haben jedesmal die neueste Gartenmode mitgemacht. Grotte, Terrasse, Parterre, alles ist verschwunden, der Fluß in seinem Laufe verlegt und mit einer klassizistischen Brücke überspannt. Der malerische Gartenstil hatte alles ausgelöscht, bis im XIX. Jahrhundert eine neue Welle des architektonischen Stils hier wieder eine neue kleine regelmäßige Anlage gebracht hat.

Abb. 355
Hortus Pembrochianus, Boskett

Stich von I. de Caus

Auch Karl I. förderte die Gartenkunst ebenso wie seine Gattin. Unter ihm wurde im Jahre 1632 der erste öffentliche botanische Garten in Oxford gegründet, und zwar als eine Stiftung des Earl of Danby (Abb. 356). Das ganze Terrain, das fünf acres groß ist, wird an zwei Seiten von einem Kanal umflossen. Innerhalb läuft eine Mauer mit drei monumentalen Eingangstoren, die Inigo Jones zugeschrieben werden; an der Innenmauer ist Spalierobst gepflanzt. Das große Viereck ist nach einfachstem Plan angelegt, je vier Beete sind von einem bezogenen Lattenzaun zu einem »Quarter« zusammengefaßt; dafür zog man hier schon im Jahre 1648 1600 verschiedene Pflanzen. Eine einfache Orangerie bewahrte die Topfpflanzen im Winter Rose Standish Nichols, English Pleasure Gardens, p. 170/171.. Man hatte damals gerade erst angefangen, Warmhäuser zu bauen, sie waren besonders seit der Einführung der Orange notwendig geworden. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts war diese in England noch eine Seltenheit, die sich nur einige fürstliche Gärten gestatteten.

Abb. 356
Botanischer Garten in Oxford

Nach »Delices de la Grande Bretagne«

Sir William Temple sagt ausdrücklich, daß im Garten von Moore Park in Herfortshire, den er um 1655 zuletzt sieht, die Galerien, die das Hauptparterre umgaben, sich gut zur Aufbewahrung von Orangen, Myrten usw. geeignet hätten, »wenn dieser Teil der Gärtnerei damals so in Aufnahme gewesen wäre wie heutzutage« Sir William Temple, The Garden of Epicurus, 1685.. Er schreibt 1685, aber dieser »höchst vollkommene, schöne Garten«, den er vor 30 Jahren zum letztenmal gesehen hat, scheint ihm noch für seine Zeit das beste Vorbild, und in der Tat schildert er hier einen durchaus typischen, mittleren Garten aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts: Er liegt an einem nicht steilen Hügelhang, auf dem sich das Haus erhebt; die lange Hausfront, wo die besten und meistbenutzten Zimmer liegen, sieht auf den Garten; das große Wohnzimmer öffnet sich unmittelbar auf eine Kiesterrasse, die etwa 100 Schritt lang und entsprechend breit sein mochte. Am Rande stehen in weitem Abstand Lorbeerbäume, »die die Schönheit von Orangen ohne Frucht und Blüte haben«. Drei Steintreppen führen in ein sehr großes Parterre, dieses ist durch Kieswege in Vierecke geteilt und mit zwei Fontänen und 8 Statuen geschmückt. Am Ende der Hausterrasse liegen zwei Sommerhäuser und an den Seiten des Parterres breite Galerien mit Steinbogen, die auch in zwei Sommerhäusern enden und die als Schattenwege des Parterres dienen. Über diesen Bogengängen sind zwei mit Blei gedeckte und mit Balustraden umsäumte Terrassen. Der Zugang zu diesen luftigen Wandelwegen ist in den beiden Sommerhäusern am Ende der ersten Terrasse angebracht. Von der Mitte des Parterres führt eine hohe Treppe zu beiden Seiten einer Grotte in den niederen Garten, der ganz mit Fruchtbäumen bepflanzt ist, in verschiedenen Vierecken um eine Wildnis (so nannte man damals ein von verschlungenen Wegen durchschnittenes Boskett). »Wenn der Hügel hier nicht zu Ende gewesen wäre und die Mauer durch eine Landstraße begrenzt, hätte man auch einen dritten Garten mit allerlei Grün anlegen müssen, doch war dieser Mangel durch einen Garten auf der anderen Seite des Hauses ersetzt, der schattig und wild, mit rauhem Fels und Wasserwerk geschmückt war.«

Dieser Entwicklung des Gartens drohte um die Mitte des Jahrhunderts eine scharfe Krisis. Die Revolution, die den König des Thrones und Lebens beraubte, seine Familie und den royalistischen Adel des Landes verwies, bedrohte auch ihren Besitz und vor allen Dingen die Lustgärten mit völligem Verderben. Nicht daß Cromwell und seine Partei der Gärtnerei an sich abhold gewesen wären. Die Nutzgärtnerei wurde in diesen Jahren auf das höchste gefördert. Ein gewisser Hartlib, ein Pole von Geburt, erhielt von Cromwell eine jährliche Pension von 100 £, da er für den Fortschritt des Ackerbaus sehr viel tat und vor allem die Gärtner ermutigte, große Handelsgärtnereien anzulegen, die damals, außer unmittelbar um London, noch sehr selten waren Amherst, History of Gardening, p. 180.. Gewinn mußte der Boden bringen, die Arbeit nüchtern und verständig sein, auf diesem Gebiete wie überall, wo diese ernsten, aller Freude und allen Festen abholden Männer zu befehlen hatten. Der Lust- und Ziergarten war etwas völlig Unnötiges, was besser ganz von der Erde zu verschwinden hatte, besonders alle, die dem verhaßten Königsgeschlecht gehört hatten. Theobalds, Nunsuch, Hampton Court und Wimbledon waren damals die wichtigsten königlichen Schlösser. Eine Kommission wurde hingesandt, um auf dem ganzen Besitz das Inventar aufzunehmen und abzuschätzen, und dieser amtlichen, sachlichen und übersichtlichen Schätzung verdanken wir ein selten klares Bild der königlichen Gärten jener Zeit. Hampton Court entging dem Schicksal der übrigen, da der Protektor es für sich und seine Familie als Wohnsitz erkoren hatte. Man hatte daher den Befehl, es wie die andern königlichen Schlösser zu parzellieren und zu verkaufen, »einstweilen offen gelassen, bis das Parlament sich wieder damit abgeben würde«. Nunsuch wurde zwar aufgenommen und unter den Hammer gebracht, entging aber noch durch einen halben Zufall der Zerstörung; nur die Bäume wurden meist »von jenen zerstörenden und habsüchtigen Rebellen, die einen der schönsten Landsitze Seiner Majestät verunglimpften«, wie Evelyn 1665 berichtet Evelyn, Diary, 1665., abgehauen. Aber was hier dem Geist des Commonwealth noch entgangen, brachte eine schlimmere Habsucht zu Falle. Karl II. schenkte nach der Restauration den Landsitz seiner Maitresse, der Countess of Castelmaine – und diese hatte vom Parlament die Methode gelernt: sie verkaufte und parzellierte den alten Königssitz. Theobalds aber, das vor der Revolution in all seinem Glanze stand, verschwand damals mit allen seinen Gärten vom Erdboden. Das gleiche Schicksal traf den Lieblingssitz der Königin Henriette, Wimbledon. Es ist wie eine Ironie des Schicksals, daß das Bild dieses Gartens, der die höchste Blüte der Kunst um die Mitte des Jahrhunderts in England darstellt, mit minutiöser Anschaulichkeit geschildert, nur in der amtlichen Schätzung zum Zwecke seiner völligen Zerstörung festgehalten ist Amherst, History of Gardening in England, Appendix p. 315 ff., Parlamentary Surveys, N. 72. Survey of Wimbledon. (Abb. 357): »Vor dem Hause erstreckt sich, wie in Hampton Court, Moore Park und in den andern Gärten, ein breiter, 190 Ellen (yard) langer Kiesweg, der aber hier, da der Garten aufsteigt, schon auf der Höhe des ersten Stockwerkes liegt. Aus dem Mittelzimmer führt eine Brücke direkt hinein auf einen ziegelgepflasterten Weg, der das in vier Abteilungen angelegte Parterre der untersten Terrasse durchschneidet und zu einem Aufgang von zehn Stufen zur oberen Terrasse führt. Der vertiefte Teil vor dem Erdgeschoß, über den die Brücke führt, ist in drei kleinen Grasstücken ausgelegt, von denen eins eine Voliere mit drei Türmchen, Bassin und Bäumen zeigt, die oben mit einem Drahtgitter überspannt ist, so daß man von der Brücke dem Spiel der Vögel unten zuschauen konnte; ein Holzpfad führt auch direkt über das Drahtnetz. Feigenbäume, die in diesem vertieften Hofe gegen die südliche Mauer des Hauses gepflanzt sind, verleihen diesem Teil einen weiteren Schmuck. Der Breite der Ostfassade des Hauses entsprechend und auf gleicher Höhe mit ihr liegt der Orangengarten; denn Wimbledon gehört zu den wenigen Gärten der Zeit, die in England schon einen solchen haben.

Abb. 357
Garten von Wimbledon, Grundriß

Nach Beschreibung der Parlamentsbeamten

In seinen vier mit Buchs eingefaßten Beeten zog man ausgewählte Blumen, und die Mitte schmückte eine Marmorfontäne in einem mit Kiesel gepflasterten Becken. Auch die Wege sind gepflastert, an einer Seite steht ein kleines Sommerhaus, an der andern die Orangerie. Nach dem höher liegenden großen Garten schließt ihn ein Zaun ab, man konnte zu ihm direkt durch ein Gartenhaus steigen, das in der Ecke des großen Kiesweges liegt und in der unteren Etage sich nach dem Orangengarten öffnet. Auch am westlichen Ende der Kiesterrasse liegt ein entsprechendes Gartenhaus, und zwar schaut dieses auf den Artischockengarten, der westlich vom Hause liegt. Betreten wir nun den Parterregarten, so liegen zu beiden Seiten des gepflasterten Weges je vier Beete, die von einer Diana- und einer Nymphenfontäne in Marmor zusammengehalten werden. Sie sind von hübschen, weiß angestrichenen Lattenzäunen umgeben, in den Ecken mit Holzsäulen versehen, was den Garten schmückt und hebt, innerhalb dieser Lattenzäune sind Zypressen wohl angeordnet, von außen umgibt sie ein Streifen auserwählter Blumen. In zwei Ecken dieser Zäune stehen kleine Steinfiguren von guter Arbeit. Die Beete sind mit Buchs geometrisch angelegt, mit Blumen bepflanzt, die Zwischenräume mit flandrischen Ziegeln gepflastert. Von der westlichen Dianafontäne führt eine steinerne Vogeltränke direkt in das Vogelhaus. Die beiden anderen squares zur Seite enthalten je vier Rasenparterres mit einem runden Stück in der Mitte, auf dem ein Zypressenbaum steht. Die obere Terrasse führt zunächst in den Obstgarten, der in sechs Grasalleen mit verschiedenen Reihen von Fruchtbäumen bepflanzt ist, dann folgt eine breite Rasenterrasse, die von Linden auf der einen Seite, Ulmen und Zypressen auf der andern bestanden ist und die ganze Breite des hier 230 Ellen betragenden Gartens abschließt. An jedem Ende liegt ein rundes Gartenhaus, das östlich sich auf eine Parkallee öffnet, die zu dem Parktore hinleitet, westlich in einen Weg, mitSykomoren bepflanzt, der durch den Kirchhof auf das Kirchentor zuführt. In der Mitte der Grasterrasse läuft ein Kiesweg auf ein stattliches Tor zu, das den Garten nach dem dahinter liegenden Weinberge abschließt. Östlich von dem Wege liegt das Labyrinth, westlich die sogenannte ›wilderness‹ mit 18 verschlungenen, in das Baummassiv eingehauenen Wegen. Den hintersten Abschluß bildet wieder noch ein verschwiegener, von hohen Hecken umsäumter Privatweg, der auf jeder Seite durch eine kleine Laube abgeschlossen ist. An allen Mauern wächst Spalierobst und edler Wein. Der Weingarten selbst ist in Dreiecken angelegt und hat wieder noch zwei Sommerhäuser.«

Wenn man diese Schilderung liest, so glaubt man, daß eine wirkliche Liebe und Sympathie für die Schönheiten dieses Gartens die Federn der Beamten des Parlaments geführt hat, und doch ist Ziel und Ergebnis der neun Unterzeichneten nur eine zahlenmäßige Abschätzung, und das Ende der unerbittliche Hammer. Kleine Besitzer teilten die mit unendlicher Mühe hergestellten Anlagen unter sich; diese lehrte man, nachdem alle die Herrlichkeit zertrümmert war, wie sie durch Gemüsebau den Boden nutzbringend anlegen konnten.

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