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Geschichte der Gartenkunst. Erster Band

Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst. Erster Band - Kapitel 2
Quellenangabe
authorMarie Luise Gothein
titleGeschichte der Gartenkunst. Erster Band
publisherEugen Diederichs
year1997
isbn34240136761
firstpub1926
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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[Vorworte]

Vorwort zur ersten Auflage

Im Mai 1904 habe ich auf dem Neuphilologentag zu Köln in einem Vortrage über die Entstehung des englischen Landschaftsgartens die ersten Früchte der Studien, aus denen dieses Buch entstanden ist, niedergelegt. Damals war in Deutschland wohl nicht nur einem philologischen Publikum eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Gegenstande der Gartenkunst etwas Fremdes. Auch Kunsthistoriker wandten ihr nur gelegentliches Interesse zu: und Jakob von Falkes für seine Zeit sehr verdienstliches Buch: »Der Garten, seine Kunst und Kunstgeschichte« (1884), war für weitere Kreise wohl ganz verloren, da sein Erscheinen mit dem Tiefstand einer leer und gedankenarm gewordenen Kunst zusammenfiel. In den letzten zehn Jahren aber hat sich, von England beeinflußt, mit einer starken Wandlung des Gartenstiles nach der Richtung des architektonisch gebundenen Gartens auch die Aufmerksamkeit der führenden und ausübenden Künstler, der Laien und auch der Gelehrten steigend auf diesen Zweig der so lange vernachlässigten Kunst gerichtet. In den letzten Jahren beschäftigen sich alle Kunstzeitschriften eifrig mit der Frage der modernen Gartengestaltung. Einige Monographien, wie besonders Hugo Kochs »Sächsische Gartenkunst« (1910), wurden mir zu freudig begrüßten Vorarbeiten, die ich sonst überall sehr vermißt habe. Vor drei Jahren erschien dann als erste zusammenfassende Arbeit in deutscher Sprache das Buch »Der Garten« von August Grisebach, das sich »eine Geschichte seiner künstlerischen Gestaltung« nennt, aber von der entwicklungsgeschichtlichen Darstellung durch die Jahrhunderte fast ganz absieht, die Entwicklung erst bei dem »Lust- und Wurzgarten im Mittelalter« beginnen läßt, dafür einen beachtenswerten Versuch bringt, die einzelnen Typen herauszuschälen.

Das Ausland, besonders England, hat eine von Jahr zu Jahr sich mehrende Literatur auf diesem Gebiete zu verzeichnen, die jedoch in erster Linie nur ein wundervolles Anschauungsmaterial vermittelt. Ich habe diese Werke, besonders H. J. Triggs, »Gardens in England and Scotland« (1902) und »The Art of Garden Design in Italy« in Text und Anmerkungen besprochen. Das noch während des Druckes erschienene letzte Werk von Triggs, »Garden Craft in Europe«, bietet ebensowenig wie der Band von Fouquier, »De l'art des jardins du XV e au XX e siècle«, eine auf selbständiger Forschung beruhende Darstellung. Weit besser ist hierin das Buch von Alicia Amherst, »A History of Gardening in England« (1896), das zwar die eigentliche Gartenkunst nur in zweiter Linie behandelt, aber auf seinem Gebiet eine Reihe selbständiger Untersuchungen bietet. Die zweite Auflage (1910) bringt zudem eine noch vermehrte schätzbare Bibliographie der englischen Gartenschriftsteller bis zum Jahre 1830. Ich selbst habe davon abgesehen, an dieses Werk eine ausführliche Bibliographie anzuschließen; die hauptsächlichsten Werke sind in den Anmerkungen erwähnt. Im übrigen ist die Gartenliteratur so reich und zerstreut, daß eine besondere kritische Bearbeitung in bezug auf ihre Abhängigkeit wünschenswert sein würde.

Für eine aufbauende Darstellung dieser Kunst ist eine kritische Quellenuntersuchung die ganz unerläßliche Vorbedingung. Das Material ist für jede Epoche ein andersartiges und höchst ungleiches und mußte bald aus weitzerstreuten literarischen Nachrichten, bald aus Beschreibungen, Akten, Rechnungen, bald aus Gemälden, Zeichnungen und Stichen her ausgeschöpft werden. Ich habe bei der Darstellung auf das entwicklungsgeschichtliche Moment besonderen Wert gelegt, auf den Nachweis, wo die Typen zuerst auftreten, welchen Weg sie nehmen, welche Wandlung sie durchgemacht haben. Es zeigte sich dabei eine überraschende Kontinuität vom Altertum bis zur Neuzeit. Das Studium der erhaltenen Gärten, die ich auf wiederholten, durch mehr als ein Jahrzehnt ausgedehnten Reisen kennen zu lernen mich bemühte, ist besonders schwierig, da bei der Leichtigkeit, sie umzugestalten, auch das Vorhandene wie ein verderbter Text immer erst durch Vergleich mit alten Abbildungen und Nachrichten in seinem ursprünglichen Zustande wiederhergestellt werden mußte. So erst war es möglich, jedes einzelne in das große Bild der Gesamtentwicklung an richtiger Stelle einzureihen. Anderseits aber konnte dies Gesamtbild erst zu lebendiger Geschichte der Kunst werden, wenn die bedeutendsten Gärten in ihrer Wirkung als individuelle Kunstwerke möglichst lückenlos erfaßt wurden. Denn wenn in der Kunst überhaupt, so zeigt sich besonders auf unserm Gebiete, wie künstlerisches und gesellschaftliches Leben sich aufs innigste durchdringen. Die Kunstgeschichte selber wird hier zu einem Stück Geschichte der Gesellschaft. Alle großen geistigen Strömungen haben auch irgendwie an das Schicksal des Gartens gerührt, und die bedeutendsten Gestalten der Weltgeschichte erscheinen als seine Pfleger und Förderer oft in ganz neuer Beleuchtung. Für das Verständnis der andern Künste aber, zumal der Villenbaukunst, dann aber auch der Skulptur in wichtigen Zeiten, ist der Garten bestimmend und bestimmt von größter Bedeutung.

Für den ganzen ersten Teil meiner Arbeit, die Entwicklung bis zum europäischen Mittelalter, sah ich mich ohne jede nennenswerte Vorarbeit. Hier aber hätte ich mein Ziel nicht erreichen können ohne die freundliche Beratung einer Reihe von hervorragenden Gelehrten. Für den ägyptischen Garten bin ich vor allem Hermann Ranke zu warmem Danke verpflichtet, für den asiatischen gewährte mir Carl Bezold einige wichtige Fingerzeige, für den griechischen war mir die Beratung meines Freundes Georg Karo unschätzbar. Alfred v. Domaszewksi hat dem römischen Garten sein Interesse zugewandt. Der Darstellung des Islams gewährte Carl F. Becker seine hilfreiche Unterstützung, Friedrich Sarre und Ernst Herzfeld stellten mir hier Materialien freigebig zur Verfügung. Albrecht Haupt verdanke ich die besten Grundlagen für den portugiesischen Garten. Für die Darstellung des Mittelalters und der Renaissance hat mich Paul Clemens' unermüdliche Freundschaft oft gefördert, Erich Frank sage ich auch hier Dank für die treue sorgsame Hilfe bei dem schwierigen Lesen der Korrektur. Das Register ist selbständig durch Paul Reiner hergestellt. Fördernde Hilfsbereitschaft fand ich in zahlreichen Bibliotheken Europas, besonders in der Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe, der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums in Berlin und in der Bibliothèque d'art et d'archéologie in Paris. Auch den Herren der Bibliothek in Heidelberg möchte ich für die immer liebenswürdige Bereitschaft mir zu helfen danken. Vor allem aber gebührt mein Dank der Königlich Preussischen Akademie des Bauwesens, die die vorliegende Arbeit in die Reihe der von ihr unterstützten Publikationen aufgenommen hat und durch ihre Freigebigkeit die reichere Ausstattung mit Illustrationen, die für ein solches Werk unentbehrlich ist, erst ermöglicht hat. Dem opferwilligen Entgegenkommen des Verlegers spreche ich gern meinen Dank aus.

Das Buch wendet sich an Leser mannigfacher Art; dem Archäologen und Kunsthistoriker wie dem Kulturhistoriker im weitesten Sinne möchte es dienen, der Einzelforschung, die nun hoffentlich auf dem lange vernachlässigten Gebiete einsetzen wird, die Wege ebnen. Ihre beste Frucht aber würde diese langwierige Arbeit darin tragen, wenn es ihr vergönnt wäre, fördernd in das lebendige Leben einzugreifen. Den Laien möchte sie an der Liebe vergangener Zeiten zu den Gärten die eigene Neigung neu entzünden, und wenn die Gärten schaffenden Künstler von heute wieder anknüpfen an den architektonischen Garten, der in jahrtausendlanger Verzweigung ihnen hier vorüberziehen soll, so muß ein Verständnis seiner lebendigen Wandlung ihnen zur Förderung ihres eigenen Werkes werden. Mögen sie hier nicht sowohl ein Ideenmagazin der großen Vorbilder der Vergangenheit finden, als vielmehr reichste Befruchtung für ihre Schöpfungen der Gegenwart!

Heidelberg, September 1913
M. L. Gothein

Vorwort zur zweiten Auflage

Seit mehreren Jahren ist die erste Auflage der Geschichte der Gartenkunst vergriffen; ich hoffe, das Buch hat auf seinem Wege die Wirkung ausgeübt, die das frühere Vorwort ihm gewünscht hat. Eine Neuausgabe mußte natürlich warten, bis wieder einigermaßen geordnete wirtschaftliche Zustände in Deutschland dies möglich machten, und ich danke dem Herrn Verleger, daß er die erste Gelegenheit benutzt hat, um diese zweite Auflage herzustellen.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, den Text der ersten Auflage ohne wesentliche Veränderung abdrucken zu lassen. Es war meine Absicht gewesen, ein Stück Geschichte zu schreiben, nicht ein Handbuch zu geben. Die Prüfung der in den letzten zehn Jahren erschienenen Literatur, besonders auf dem Gebiete des italienischen Gartens, der wohl am meisten Bearbeiter angelockt hat, zeigte mir, daß eine wirklich durchgreifende Änderung des Textes nicht nötig ist, daß es vielmehr genügte, wenn die Anmerkungen durch Zusätze und neue Literaturangaben erweitert wurden. Allerdings war es mir nicht möglich, die Neuerscheinungen der andern beiden für dies Thema wichtigen europäischen Länder, England und Frankreich, in gleicher Weise wie die italienischen, d. h. an Ort und Stelle in den Bibliotheken dieser Länder, durchzusehen; ein solches Studium war mir, besonders in Frankreich, bisher noch nicht möglich. Für die Geschichte des deutschen Gartens hat die Einzelforschung im letzten Jahrzehnt mancherlei neues wichtiges Material beigebracht, aber auch hier glaube ich, daß meine zusammenfassende Darstellung durch diese Erweiterung nicht berührt ward und daß ich mich auf vereinzelte Hinweise beschränken durfte.

Auf dem Gebiete der außereuropäischen Länder war eine Neubearbeitung des Textes, bis auf eine große Lücke, von der gleich die Rede sein soll, noch weniger nötig; doch ist natürlich auch hier neues Material, soweit es mir zugänglich, in den Anmerkungen benutzt worden. Eine Lücke ist allerdings schon seit Jahren von mir hier schmerzlich empfunden worden, sie klafft dort, wo der Garten Indiens seine Stelle finden sollte. Der vornehmlichste Grund für diesen Mangel lag darin, daß bei der ersten Bearbeitung mir die Literatursprache der Inder, das Sanskrit, noch nicht zugänglich war. Dieses Studium aber zeigte mir bald, daß hier eine reiche, von mir übersehene Quelle der Gartendarstellung floß. Ich schrieb damals gleich eine Monographie, die auch die spätere, von mir hier nicht behandelte islamisch-indische Kunst der Groß-Moghuls, die noch in einer Reihe historischer Gärten lebendig zu uns spricht, umfaßte. Von Anfang an war diese Monographie als eine Ergänzung meines Buches gedacht; da ich aber nicht auf eine so schnell erscheinende Neuauflage hoffen konnte, so folgte ich der Aufforderung von Professor Dagobert Frey in Wien, sie in der von ihm herausgegebenen Serie »Die Baukunst« zu veröffentlichen, wo sie unter dem Titel »Indische Gärten« eben erscheint.

Nachdem ich mich einmal für den unveränderten Neudruck des Textes dieses vorliegenden Werkes entschieden hatte, machte das fast gleichzeitige Erscheinen der Monographie und dieser zweiten Auflage es mir auch leichter, von einer Einarbeitung dieses neuen Materials in die Geschichte der Gartenkunst abzusehen. Ich möchte daher alle, die sich für die indische Gartengestaltung interessieren, bitten, dieses Büchlein als ein Ergänzungsheft der größeren Arbeit anzusehen.

Es versteht sich von selbst, daß neben den Anmerkungen auch der Text genau auf Irrtümer und sonstige Fehler durchgesehen wurde. Eine lang geplante Reise nach Indien hat mich verhindert, selbst mehr als die Korrektur des ersten Bandes zu überwachen. Doch weiß ich auch die Korrekturen des zweiten Bandes in den besten Händen und danke Herrn Professor Salin und Fräulein Dr. Gertrud Bettmann in Heidelberg für diese freundschaftliche Mühe. Auch den andern bewährten Freunden, die mich auf neues Material für die Ergänzungen aufmerksam gemacht haben, spreche ich meinen herzlichsten Dank aus.

Banjoemas, Java (Niederländisch-Indien), im Juni 1925
Marie Luise Gothein

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