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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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3. Anklage und Hinrichtung des Vasco Nuñez. Die Eroberer Peru's, Francisco Pizarro und Diego de Almagro. Ihr Charakter.

Vasco Nuñez schickte nun sogleich einen seiner Freunde nach Spanien, um dem Könige Nachricht von der wichtigen Entdeckung zu geben und ihm eine große Summe Gold und die schönsten Perlen zu überbringen. Der Hof erkannte die Verdienste Vasco's freudig an und hätte sie vielleicht auch belohnt, wenn nicht bereits zwei Monate früher, als die Kunde von dem schlimmen Betragen Vasco's durch die Klagen des von ihm vertriebenen Enciso nach Spanien gelangte, zur Rettung der Colonie Pedrarias de Avila, ein am Hofe sehr beliebter Edelmann, zum Statthalter von Darien ernannt und eiligst dorthin gesendet worden wäre. Bei ihm befand sich Enciso als Oberrichter. Als der Statthalter mit seiner Flotte, welche zweitausend Mann Kriegsvolk an Bord hatte, bei Santa Maria landete und von Seiten Vasco's Nuñez einen hartnäckigen Widerstand erwartete, war er nicht wenig überrascht, als dieser ihm alsbald entgegenkam und erklärte, daß er sich in allem den Befehlen des Königs unterwerfe. Nicht weniger war er erstaunt über die Einfachheit des berühmten Mannes, welcher in einem Wamse von Baumwolle, schlechten Beinkleidern und Schuhen aus Binsen einherging und in einer elenden, mit Baumblättern bedeckten Hütte wohnte. Aber grade diese schlichte Lebensart und sein gerades Benehmen hatten ihm sowohl die Liebe der Colonisten als auch der Indianer im höchsten Grade erworben, und es wäre ihm ein leichtes gewesen dem Statthalter die Landung und den Eintritt in seine glückliche Colonie zu verwehren. Pedrarias war nun zwar überaus froh, so leicht zum wirklichen Besitze der ihm übertragenen Stelle zu gelangen, sah aber mit unverkennbarem Neid die hohe Achtung, welche Vasco Nuñez genoß und beschloß seinen Untergang. Man klagte ihn des Hochverrathes und vieler anderer Verbrechen an und verurtheilte ihn zum Tode. So fiel das Haupt eines der tapfersten Männer, welche Spanien in der neuen Welt zählte, und der sicher Peru entdeckt und erobert und vielleicht auch glücklich gemacht hätte, im Jahr 1517.

Noch unter Pedrarias bot der unglückliche Vasco Nuñez alle seine Kräfte auf, um seine Entdeckungen in der Südsee fortzusetzen und ersprießlich zu machen, brachte europäische Schiffe stückweise über das Gebirge von Darien, kreuzte zuerst auf dem Südmeere, besuchte die Perleninseln und segelte jenseits des Golfs San Miguel zwanzig Seemeilen weit an der Küste hin; aber ein anderer sollte die Früchte seiner Bemühungen ernten. Pedrarias, welcher die Wichtigkeit der Entdeckungen in der Südsee recht gut einsah und wohl auch gern von den übrigen Statthaltern der westindischen Colonien und somit von der spanischen Regierung selbst weniger abhängig seyn mochte, gab sich alle Mühe, die schlechte Lage der Colonie Santa Maria dem Hofe darzuthun, und erhielt auch endlich die Erlaubniß, sie an die Küste der Südsee zu versetzen. So entstand im Jahr 1518 Panama. Von hier aus schickte er mehrere Abenteurer auf Entdeckungen aus, keinen aber mit besonderem Erfolge, bis endlich drei entschlossene Männer, welche sich in Panama niedergelassen hatten, sich mit Ernst und größerer Umsicht zur Entdeckung und Eroberung des weiter südlich gelegenen Landes vereinigten und von Pedrarias die Erlaubniß dazu erhielten.

Diese Männer waren Francisco Pizarro, Diego de Almagro und Hernando de Lucca. Sie schlossen und beschworen auf eine unter sie zu vertheilende Hostie einen Vertrag, nach welchem sie das Unternehmen in der Weise wagen wollten, daß Pizarro die Expedition anführen, Almagro die Bedürfnisse herbeischaffen und Hernando de Lucca bestimmte Geldzuschüsse leisten solle. Hernando de Lucca, ein reicher Priester, kommt bei dem ganzen Unternehmen nicht mehr in Betracht, und wir können uns daher auf die Mittheilung einiger Nachrichten über Herkunft und Charakter der beiden eigentlichen Entdecker und Eroberer beschränken.

Francisco Pizarro, im Jahr 1475 zu Truxillo in der Provinz Estremadura geboren, war der natürliche Sohn eines spanischen Edelmannes und hütete in seiner Jugend auf den Gütern seines Vaters die Schweine. Irgend ein nicht näher bezeichnetes Vergehen bewog ihn das väterliche Haus, in welches er nicht mehr zurückzukehren wagte, zu verlassen und sich nach Amerika, welches damals alle Abenteurer unwiderstehlich anlockte, einzuschiffen. Er diente hier mit Auszeichnung unter Vasco Nuñez, machte den ersten Zug über das Gebirge, auf welchem die Südsee entdeckt wurde, mit, besuchte später die Perleninseln und einen großen Theil der nahen Küste und war also zum Anführer einer Entdeckungsexpedition vollkommen geeignet. – Diego de Almagro war von so niedriger Herkunft, daß man seine Familie nicht einmal kennt; seinen Namen führte er von dem spanischen Orte Almagro in der Provinz Cuenca, wo er um das Jahr 1463 geboren wurde. Er widmete sich dem Kriegsdienste und ging, um sein Glück zu machen, frühzeitig nach der neuen Welt, wo er sich bald durch seine Tapferkeit, Ausdauer in den größten Gefahren und Klugheit einen Namen erwarb und mit Pizarro bekannt wurde. Die späteren Schicksale dieser beiden Männer bilden zum Theil den Inhalt der vorliegenden Schrift, und wir theilen hier nur noch die gelungene Charakterschilderung derselben, welche den gleichzeitigen spanischen Historiker Augustin de Zarate zum Verfasser hat, mit. »Beide, sagt dieser seiner Unparteilichkeit wegen geachtete Schriftsteller,Historia del descobrimento y conquista de la Provincia del Peru, lib. IV. cap. 9. waren kühne, tapfere Männer von entschiedenem Charakter, von starkem Körperbau und geeignet die größten Mühseligkeiten zu ertragen, dabei gut und bereit jedem gefällig zu seyn, und wenn es auch zu ihrem eigenen Nachtheil geschehen mußte. In ihren Neigungen hatten sie große Aehnlichkeit miteinander, ganz besonders aber in ihrer Lebensweise; beide waren nicht verheurathet, obschon der von ihnen, welcher am jüngsten starb, fünfundsechzig Jahre alt wurde. Beide fanden großen Geschmack am Kriegführen, obschon sich der Präsident (Diego de Almagro), wenn keine Gelegenheit zum Kampfe vorhanden war, auch gern mit Handelsspeculationen beschäftigte. Beide begannen im vorgerückten Alter die Eroberung Peru's und erduldeten viele Mühseligkeiten, obschon der Marquese (Pizarro) deren weit mehr ertragen mußte als der Präsident, denn während der erstere meistens auf der Entdeckungsreise begriffen war, hielt sich der letztere zu Panama auf, um für die Bedürfnisse zu sorgen. Beide hatten einen hohen Sinn, der stets weiter strebte und fortwährend an großen Plänen arbeitete, dabei waren sie dem Mitleid sehr zugänglich und gegen ihre Leute sehr freundlich. Sie waren beide in der That gleich freigebig, obschon der Präsident in dieser Beziehung den Vorrang zu behaupten schien, denn er liebte es wenn man über seine Gaben sprach und sie rühmte, während der Marquese das Ausposaunen seiner Freigebigkeit verschmähte, indem er bei seinen Wohlthaten mehr die Bedürftigkeit des Empfängers als den Ruhm den er dadurch gewinnen konnte, im Auge hatte, wie am klarsten aus einem Beispiele hervorgehen mag. Einem Reiter war das Pferd gefallen; Pizarro ging in den Ballsaal, wo er diesen anzutreffen glaubte, und steckte eine Goldplatte, welche fünfhundert Pesos wog, in den Busen, um sie ihm mit eigener Hand zu geben. Er fand ihn noch nicht daselbst und ließ sich unterdessen auf eine Partie Ball ein, welche er, ohne sein Wamms auszuziehen, spielte, weil er die Goldplatte weder sehen lassen noch aus dem Busen ziehen wollte. Er spielte so über drei Stunden, bis der Reiter kam; er nahm nun diesen auf die Seite und gab ihm die Goldplatte mit dem Bemerken, daß er ihm gern dreimal so viel gegeben hätte, wenn er nicht die durch sein Ausbleiben verursachte Pein hätte ertragen müssen. Man könnte noch viele ähnliche Fälle, wo er seine Wohlthaten verheimlichte, anführen; wie er denn diese überhaupt fast immer mit eigener Hand spendete, um sie nicht bekannt werden zu lassen. Daher kam es denn auch, daß der Präsident stets als freigebiger galt, weil er es trefflich verstand seine Gaben in ein vortheilhaftes Licht zu stellen. Jedenfalls war aber ihre Freigebigkeit gleich, denn da nach ihrem Gesellschaftsvertrag alles Erworbene gemeinschaftliches Eigenthum war, so gab ja jeder von allem was der andere gab, sobald er es wußte, die Hälfte. Wie wenig geizig sie beide waren, beweist schon zur Genüge die Thatsache, daß sie, obschon ihr Erwerb während ihres Lebens das Besitzthum manches Königs weit überstieg, doch so arm starben, daß von ihrem Vermögen kaum die Bestattungskosten bestritten werden konnten. Beide hatten ein weit größeres Vergnügen daran, ihren Dienern und Leuten Gutes zu erweisen, sie zu erheben und zu bereichern und sie aus der Gefahr zu retten. Besonders ging der Marquese in dieser Beziehung fast etwas zu weit, wie folgender Vorfall darthun mag. Als er eines Tages über den Fluß, welcher den Namen La Baranca führt, setzte, wurde einer seiner indianischen Diener von dem Stamme der Yanaconas von dem reißenden Strome mit fortgerissen, der Marquese schwamm ihm sogleich nach, ergriff ihn an den Haaren und rettete ihn glücklich, aber nur mit großer Lebensgefahr, denn die Fluthen stürzten so wüthend dahin, daß nicht leicht einer der tapfersten Leute seines Heeres dieses Wagstück unternommen hätte. Als einige Hauptleute diese Verwegenheit tadelten, erwiederte er ihnen, sie wüßten nicht, wie sehr man auch einen Diener lieb gewinnen könne. Der Marquese regierte länger und ruhiger, Don Diego war ehrgeiziger und strebte stets nach Macht und Oberherrschaft; beide waren nicht eitel und hielten fest an ihren alten Gewohnheiten; die Art und Weise sich zu kleiden war bei ihnen stets dieselbe, in der Jugend wie im Alter, besonders sah man den Marquesen nie anders als in einem langen Rocke von schwarzem Tuche, der ihm bis auf die Knöchel herabreichte und über den Hüften geschlossen anlag, in weißen Stiefeln von starkem Leder, mit einem weißen Hute und einem Schwert und Dolch nach alter Art. Manchmal legte er an Festtagen auf das Zureden seiner Diener ein Kleid von Marderpelz an, welches ihm der Marquese del Valle (Hernando Cortez) aus Neuspanien geschickt hatte, warf es aber, sobald er aus der Messe kam, wieder ab und blieb im Unterkleide. Am Halse trug er gewöhnlich ein Tuch, um sich den Schweiß vom Gesichte zu trocknen, weil er zur Friedenszeit den größten Theil des Tages mit dem Kugel- oder Ballspiele hinbrachte. Beide Feldherren wußten mit der größten Geduld Mühseligkeiten und Hunger zu ertragen; besonders zeigte der Marquese in allem eine merkwürdige Ausdauer, sogar bei den erwähnten Spielen, so daß es ihm wenige junge Männer gleich thaten. Ueberhaupt fand er am Spiele größeres Gefallen als der Präsident, und beschäftigte sich oft ganze Tage mit dem Ballspiele, ohne sich darum zu bekümmern, wer der Mitspielende war; und mochte dieß nun ein Matrose oder ein Pächter seyn, so verlangte er von diesem doch nie andere Rücksichten als solche, die ihm als Statthalter gebührten. Nicht leicht war irgend ein Geschäft vermögend ihn vom Spiele abzurufen, besonders wenn er verlor; nur wenn ihm ein Aufstand der Indianer angezeigt wurde, eilte er davon, legte seine Rüstung an, ergriff Speer und Schild und eilte durch die Stadt an die Stelle, wo die Unruhen waren, mit solcher Hast, daß seine Leute die größte Mühe hatten ihm zu folgen. Beide Feldherren waren so tapfer und gewandt im Kriegführen gegen die Indianer, daß jeder von ihnen sich nicht scheute allein hundert indianische Kriegsleute anzugreifen. Beide zeigten auch in allen Angelegenheiten, sie mochten den Krieg oder die Verwaltung betreffen, viel Einsicht und ein richtiges Urtheil, was wirklich zu bewundern ist, da sie ohne alle gelehrte Bildung waren und nicht einmal lesen oder ihren Namen unterzeichnen konnten, was ihnen übrigens bei ihrer Geschäftsführung hinderlich und oft auch nachtheilig war. Obschon sie nun beide ihren vielen guten Eigenschaften und ihrem Benehmen nach als wahrhafte Edelleute betrachtet werden müssen, so hätte doch bei den Alten dieser Mangel an Bildung als Zeichen einer niedrigen Herkunft gegolten. Der Marquese hatte übrigens ein so großes Vertrauen auf seine Diener und Freunde, daß er unter alle Berichte und Ausfertigungen, sie mochten nun seine Statthalterschaft oder die Tribute der Indianer betreffen, nur zwei Zeichen setzte, zwischen welche sein Secretär Antonio Picado den Namen Francisco Pizarro schrieb. Beide waren so zugänglich und freundlich gegen ihre Leute und die Bürger, daß sie oft allein von Haus zu Haus gingen, um die Einwohner zu besuchen, und bei dem ersten besten der sie einlud speisten. Beide waren auch gleich enthaltsam und mäßig im Essen und Trinken und im Umgang mit dem andern Geschlechte, besonders mit den Spanierinnen, denn sie hielten dieß nicht für thunlich, ohne ihre Bürger, deren Weiber oder Töchter sie waren, beleidigen zu müssen. Im Umgange mit den Peruanerinnen war der Präsident zurückhaltender, denn es ist nicht bekannt, daß er mit einer oder der andern ein Kind erzeugt hätte; der Marquese hingegen lebte in sehr vertraulichem Umgange mit einer Schwester Atabaliba's, welche ihm einen Sohn, der den Namen Gonzalo führte und in seinem vierzehnten Jahre starb, und eine Tochter, welche Francisca hieß, gebar; mit einer andern Indianerin aus Cuzco erzeugte er ebenfalls einen Sohn, der den Namen Francisco erhielt. Der Präsident hatte zwar ebenfalls einen Sohn (welcher Diego hieß und den Marquese ermorden ließ), aber von einer Indianerin von Panama. Beide wurden für ihre Verdienste von Sr. Majestät belohnt, denn Don Francisco Pizarro erhielt den Titel Marquese, die Statthalterschaft von Neucastilien und den Santiago-Orden, Don Diego de Almagro die Statthalterschaft von Neutoledo und den Titel Präsident. Besonders hatte der Marquese eine solche Achtung und Ehrfurcht vor dem Namen Ihrer Majestäten, daß er in vielen Dingen, wo er ohne weiteres aus eigner Machtvollkommenheit hätte handeln können, sich zurückhielt, indem er sagte, Se. Majestät solle ihm nicht nachsagen, daß er zu weit gegangen sey. Öfter stand er bei der Einschmelzung des Goldes und Silbers von seinem Sitze auf, um kleine Stückchen, welche beim Zerschlagen des königlichen Antheils davonsprangen, aufzuheben, wobei er bemerkte, er würde das königliche Eigenthum mit dem Munde aufsammeln, wenn er nicht anders könne. Selbst in der Todesart hatten beide Männer gleiches Schicksal, denn der Präsident wurde von einem Bruder des Marquesen und der Marquese von dem Sohne des Präsidenten ermordet. Der Marquese war fortwährend eifrigst darauf bedacht, seine Eroberungen zu erweitern und das erworbene Land durch Anbau zu heben. In der Stadt Los Reyes (Lima) baute er sehr schöne Häuser und an dem an ihr vorüberströmenden Flusse zwei Mühlen. Zur Aufführung dieser Bauten benützte er jede freie Stunde und gab den Bauleuten alles an, wie er es zu haben wünschte. Auch verwandte er große Sorgfalt auf die Erbauung der Hauptkirche dieser Stadt, so wie der beiden Klöster des heil. Dominicus und von der Gnade, welchen er auch hinreichende Existenzmittel anwies.«

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