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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 47
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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2. Religion der Eingebornen in der frühesten Zeit. Gottheiten. Menschenopfer. Grausamkeit der Bewohner der Antis.

Um die Bewohner dieses Landes, ihre Sitten und Religionsgebräuche genauer kennen zu lernen, müssen wir zwei Zeiträume unterscheiden, nämlich einen ersten in welchem sie noch nicht von den Incas beherrscht wurden, und einen zweiten in dem sie unter diesen Königen standen. In dem ersten Zeitraum war ein Theil der Indianer etwas besser als zahmes Vieh, in dem andern aber ärger als die wildesten Thiere. Diesem Zustande entsprach auch ihre Religion. Als Götter gelten ihnen die gemeinsten und erbärmlichsten Dinge und die Zahl derselben war unermeßlich, da nicht nur jedes Volk, jede Provinz, jeder Ort, sondern sogar jedes Viertel, jede Straße, jedes Haus seine eigene Gottheit hatte. Nur diese Gottheit, glaubten sie, welche man ausschließend verehre, würde auch dem Verehrer allein in der Noth helfen, während die andern Gottheiten, die von andern verehrt würden, sich auch nur um diese bekümmerten. Auf diese Weise mußten sich die Götter bis ins Unendliche vermehren und alle Naturgegenstände unter ihre Zahl aufnehmen. Man verehrte alle Arten Kräuter Pflanzen, Blumen, Bäume, hohe Berge, Höhlen, tiefe Abgründe, Kiesel und andere farbige Steine, welche man an den Flüssen findet wie den Jaspis. In der Provinz, welche jetzt Porto viejo heißt, erwies man besonders dem Smaragd göttliche Ehre. An andern Orten wurden Thiere angebetet entweder wegen ihrer Unbändigkeit wie der Tiger, der Löwe und der Bär (vor denen man sich wenn man ihnen begegnete niederwarf, um sich ohne an Flucht oder Gegenwehr zu denken auffressen zu lassen), oder wegen ihrer Scheuheit wie der Affe und der Fuchs, oder wegen ihrer Treue und Anhänglichkeit wie der Hund, oder wegen ihrer Schnelligkeit wie der Luchs, oder wegen ihrer Größe wie der Vogel, welchen sie Condor nennen. Von diesem sowohl als auch von dem Adler leiten sogar manche Stamme ihre Herkunft ab. Andere Stämme verehrten den Falken wegen seines leichten Fluges und seiner Gewandtheit im Beutemachen, den Uhu wegen der Schönheit seiner Augen und seines Kopfes und die Fledermaus wegen der Schärfe ihrer Augen, welche auch in der Nacht sehen, was ihnen höchst merkwürdig ist. Auch die gräulichen grausamen Schlangen, welche man bei den AntisDie Antis oder Andes erstrecken sich von den Gränzen von Cuzco bis zu denen von Tarma und bestehen aus mehreren Stämmen. findet und die 25 bis 30 Fuß lang und dicker als der Schenkel eines Menschen sind, hielt man für Götter, und wo sich keine großen Schlangen aufhielten, wohl auch kleineres Gethier dieser Art, wie Eidechsen und Kröten. Überhaupt möchte im ganzen kein Thier anzutreffen seyn, sey es auch noch so abscheulich und schmutzig, welchem man nicht göttliche Ehre erwies und zwar einzig und allein um sich von jedem andern in der Gottesverehrung zu unterscheiden, keineswegs aber weil man von dieser oder jener Gottheit einen besondern Vortheil erwartete. Uebrigens gab es doch auch schon in dieser Zeit unter den Indianern viele Stämme, welche mit mehr Ueberlegung ihre Götter wählten und nur solche Gegenstände anbeteten, die ihnen Nutzen brachten. So verehrten manche die Wasserquellen und großen Flüsse, weil sie ihre Saaten fruchtbar machten; andere die Erde welche sie Mutter nannten, weil sie ihnen Nahrung spendete; andere die Luft, weil der Mensch, wie sie sagten, nur durch das Einathmen derselben leben könne, und wieder andere das Feuer weil es sie erwärmte und ihnen zur Bereitung ihrer Speisen diente. Manche Stämme erwiesen einem Hammel göttliche Ehre, weil dieses Thier in zahlreichen Heerden in ihrem Gebiete vorhanden war, andere der großen mit Schnee bedeckten Gebirgskette wegen ihrer Höhe, ihrer erstaunlichen Ausdehnung und der vielen Flüsse, welche von ihr herabkommen und das Land bewässern, andere dem Mais oder Sara (wie er in der Landessprache heißt), weil er ihnen als Brod diente, und wieder andere anderen Getreidearten und Hülsenfrüchten, die gerade in ihrer Gegend am besten gediehen.

Die Bewohner der Küste verehrten außer diesen Gottheiten insgesammt auch das Meer, welches sie Mamacocha nannten, was in ihrer Sprache »Mutter Meer« heißt und wodurch angedeutet werden soll, daß es an ihnen Mutterstelle vertrete, weil es sie durch seine Fische erhält. Besonders große und allgemeine Verehrung zollte man dem Wallfische seiner Größe und Unförmlichkeit wegen. Außer diesen allgemeinen Gottheiten der Küste verehrte man in den einzelnen Provinzen auch noch die Fische, welche darin am häufigsten gefangen wurden. Nach der Sage der Eingeborenen lebt der erste Fisch einer jeden Gattung in der Oberwelt (wie sie den Himmel nennen); von ihm gehen alle Nachkommen derselben Gattung aus und er schickt zur bestimmten Zeit eine Menge seiner Kinder zur Nahrung der Völker. Faßt man alles über die Götterverehrung der Peruaner Gesagte zusammen, so geht daraus hervor, daß sie nicht nur die vier Elemente jedes für sich, sondern auch alles daraus zusammengesetzte, mochte es nun so schlecht und schmutzig seyn als es wollte, anbeteten. Uebrigens gibt es einige Stämme (wie die Chirihuaner und die Bewohner des Vorgebirges Pasau an der nördlichen und südlichen Gränze Peru's), welche durchaus keine Neigung verspüren irgend einen Gegenstand, sey er niedrig oder erhaben, des Vortheils wegen oder aus Furcht anzubeten; sie lebten damals und leben noch jetzt wie wilde Thiere und wie das Vieh, weil die Lehren und der Unterricht der Incas nicht bis zu ihnen gelangten.

Mit der Rohheit der Götterverehrung der Peruaner stimmte die Abscheulichkeit und Grausamkeit ihrer Opfer überein, denn außer den gewöhnlichen Dingen, wie Thiere und Früchte, opferten sie auch Menschen jedes Alters und Geschlechts, welche sie in den Kriegen, die sie mit einander führten, gefangen nahmen. Manche Stämme trieben ihre Unmenschlichkeit so weit, daß sie nicht nur die gefangenen Feinde, sondern auch im Nothfall ihre eigenen Kinder opferten. Allen Opfern ohne Unterschied, Männern, Weibern, Jünglingen und Kindern schlitzten sie den Leib auf, schnitten Herz und Lunge heraus und besprengten mit dem Blute, ehe es kalt wurde, den Götzen, welcher das Opfer verlangte. Lunge und Herz beschauten die Wahrsager um zu sehen ob das Opfer angenehm war oder nicht; in beiden Fällen verbrannten sie Herz und Lunge zur Befriedigung des Götzen und verzehrten die übrigen Theile des Geopferten mit dem größten Behagen und Heißhunger und mit stets gleicher Lust und Munterkeit, und wenn es auch ihr eigenes Kind war.

»Die Bewohner der Antis (Andes), erzählt Blas Valera,Der Bericht dieses spanischen Missionars ist nicht auf unsere Zeit gekommen und schon Garcilasso de la Vega standen nur noch einzelne Bruchstücke desselben zu Gebot. essen Menschenfleisch, sind wilder als Tiger, kennen weder Gott noch Gesetz und wissen nicht was Tugend ist; ebensowenig haben sie irgend ein Götzenbild oder was einem solchen ähnlich sieht, sondern beten nur den Teufel an, wenn er sich ihnen unter der Gestalt eines Thieres oder einer Schlange zeigt und mit ihnen spricht. Wenn sie im Kriege oder auf irgend eine andere Weise einen Gefangenen machen und erfahren daß er ein gemeiner armer Mann ist, so zerreißen sie ihn in Stücke und schenken diese ihren Freunden und Dienern, um sie zu verzehren oder auf der Fleischbank zu verkaufen. Ist es aber ein angesehener Mann, so versammeln sich die Vornehmsten mit ihren Weibern und Kindern, entblößen ihn wie wahre Diener des Teufels, binden ihn lebendig an einen Pfahl und schneiden ihn mit Messern und Scheermessern aus Feuerstein in Stücke, wobei sie nicht ganze Glieder auf einmal ablösen, sondern das Fleisch an den Theilen wo es am dicksten ist, wie an den Waden, Schenkeln, Hinterbacken und feisten Stellen der Arme, herausschneiden. Mit dem Blute besprengen sich Männer, Weiber oder Kinder und alle verzehren das Fleisch höchst gierig, ohne es vorher zu kochen oder zu braten oder auch nur zu kauen; sie würgen es in ganzen Stücken hinunter, und so sieht das unglückliche Schlachtopfer sich lebendig von andern auffressen und in ihrem Magen begraben. Die Weiber, noch unmenschlicher als die Männer, bestreichen die Warzen an ihren Brüsten mit dem Blute des Zerfleischten, damit es ihre Kinder mit der Milch einsaugen. Diess ganze Verfahren betrachten sie als ein Opfer und setzen es mit großer Lust und Freude so lange fort bis der Mensch völlig todt ist. Alsdann hören sie auch auf von seinem Fleische und von seinen Eingeweiden zu essen, denn nur bis dahin gilt das Fest und die Lust zur Ehre der höchsten Gottheit, und deßhalb schätzen sie auch nur bis dahin das Fleisch ganz besonders hoch und verzehren es als eine heilige Sache. Wenn der Unglückliche während seiner Marter ein Zeichen des Schmerzes im Gesichte oder am Körper verräth oder eine Wehklage oder einen Seufzer hören läßt, so zerschlagen sie die Knochen, wenn sie das Fleisch abgegessen haben, in Stücke und werfen sie sammt den Eingeweiden mit großer Verachtung auf das Feld oder in einen Fluß; zeigt er sich aber während der Qual muthig, unerschütterlich und trotzig, so trocknen sie, wenn sie das Fleisch nebst allen Eingeweiden verzehrt haben, die Knochen sammt den Sehnen an der Sonne, legen sie auf die Gipfel der Hügel, verehren sie als Götter und bringen ihnen Opfer.

»Dieses sind die Götzen dieses grausamen wilden Volkes, welches aus dem mexicanischen Gebiete herkam, Panama und Darien bevölkerte und sich von da aus in den weiten Berggegenden, welche auf der einen Seite bis zum neuen Königreiche Granada und auf der andern bis nach Santa Marta reichen, ausbreitete.«

Andere indianische Stämme waren bei ihren Opfern nicht so grausam, und obschon sie Menschenblut vergossen, so hatte dieß doch nie den Tod zur Folge, sondern sie ließen nur Blut aus den Armen und Beinen je nach der Wichtigkeit des Opfers, und bei den größten Feierlichkeiten ließ man es zwischen der Nasenwurzel und den Augenbrauen. Dieses Blutlassen war überhaupt bei den Indianern in Peru auch noch zur Zeit der Incas sehr gewöhnlich sowohl bei Opfern als auch bei Krankheiten, besonders bei heftigem Kopfschmerz. Auch noch andere Arten von Opfern waren bei den Indianern in den verschiedenen Provinzen üblich, im allgemeinen bestanden sie aber aus Thieren, als Hammeln, Schafen, Lämmern, Kaninchen, Krähen und andern Vögeln, Feldfrüchten, Pflanzen, wohlriechendem Holze und andern Erzeugnissen ihres Landes. Sie richteten sich darin ganz nach ihrer Ueberzeugung, daß dieses oder jenes der Gottheit wohlgefällig sey. Waren z.B. ihre Götter Vögel oder fleischfressende Thiere, so opferten sie ihnen was sie diese am liebsten und häufigsten fressen sahen.

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