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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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III.

Das Land und seine Bewohner.Nach Garcilasso's de la Vega Primera Parte de los Commentario reales, que tratan de el origen de los Incas, de su idolatria leies y govierno en paz y en guerra. Lisboa 1609. Fol. und öfter, zuletzt Madrid 1800. 12.

1. Der Name Peru. Umfang des Landes.

Es haben zwar schon wißbegierige Spanier die Reiche der neuen Welt, als Mexico, Peru und andere Gegenden dieses Erdtheils beschrieben, kein Bericht ist aber so erschöpfend als man verlangen darf. Dieß gilt besonders von den Schilderungen der Merkwürdigkeiten Peru's, über welche ich als Eingeborener der Stadt Cuzco, eines andern Roms in jenem Reiche, vollständigere und gründlichere Auskunft geben kann als alle Schriftsteller vor mir. Diese berühren zwar freilich viele und merkwürdige Dinge des erwähnten Reiches, fassen sich aber in ihrer Beschreibung so kurz, daß selbst mir die bekanntesten nicht recht verständlich sind. Deßhalb unterzog ich mich von der Liebe zu meinem Vaterlande angefeuert, der Abfassung dieses Werks, aus welchem man einen klaren und genauen Begriff von dem Zustande des Landes vor der Ankunft der Spanier, von den Sitten und der Religion seiner Bewohner, von ihrer Verwaltung im Frieden und im Kriege, so wie von ihren Königen erhalten wird.

Eine allgemeine Benennung für das ganze Land hatten die Eingeborenen nicht, wohl aber eine besondere für jede Provinz; der Name Peru verdankt den Spaniern und einem Zufalle seinen Ursprung. Zu der Zeit nämlich als der Statthalter Nuñez de Balboa auf der Südsee Schiffe ausschickte um neue Länder zu entdecken, kam eines derselben weiter als die andern und zwar bis unter die Linie. Während es dicht am Gestade hinsegelte, bemerkte es einen Indianer, welcher an der Mündung eines der vielen Flüsse, welche an dieser Küste in das Meer fallen, fischte. Die Spanier setzten sogleich mit der möglichsten Vorsicht in einiger Entfernung von dem Indianer vier ihrer Leute ans Land. Sie wählten zu diesem Wagestücke gute Läufer und Schwimmer damit ihnen die Beute weder zu Land noch zu Wasser entgehen möge. Nach dieser Vorkehrung liefen sie mit dem Schiff so dicht vor dem Indianer vorüber, daß seine Augen darauf fallen mußten und er den ihm gelegten Hinterhalt nicht bemerken konnte. Als der Indianer das Schiff mit vollen Segeln, einen an dieser Küste so völlig fremden und nie gesehenen Gegenstand, gewahrte, war er vor Erstaunen starr, und während er überlegte, was das wohl seyn möge was an ihm vorüberlief und in tiefen Gedanken stand, ergriffen ihn die ausgeschickten Häscher, ehe er sie bemerkte und brachten ihn zur großen Freude der ganzen Mannschaft an Bord. Nachdem die Spanier die Furcht des Wilden, welche ihm ihre von der seinigen so ganz verschiedene Tracht und ihre Bärte einflößten, durch freundliche Behandlung einigermaßen verscheucht hatten, fragten sie ihn durch Zeichen und Worte, in welchem Lande sie sich befänden und wie es heiße. Der Indianer nahm zwar aus ihren Gesichtszügen und aus den Zeichen, die sie ihm wie einem Stummen vormachten ab, daß sie ihn etwas fragten, verstand aber nicht was sie ihn fragten. Da er nun fürchtete, man würde ihm, wenn er nicht antworte, ein Leid zufügen, erwiederte er auf eine Frage »Beru«, und auf eine andere »Pelu«, womit er sagen wollte: ich heiße Beru und wohne an dem Fluß, denn Pelu bedeutet in der Sprache jenes Küstenstrichs einen Fluß überhaupt. Die Spanier, welche meinten er habe sie verstanden und antworte auf ihre Fragen, schmolzen nach ihrer Gewohnheit, alle indianischen Namen zu verderben, beide Wörter zusammen und nannten von dieser Zeit (1516) an das Land Peru.

Zu der Zeit als die Spanier dieses Reich zum erstenmale betraten, hatte es folgende Grenzen: gegen Norden stieß es an den Fluß Ancasmayu (Rio Esmeraldas), welcher Quiri von Pastu scheidet und fast unter der Linie hinströmt, der Name bedeutet in der Landessprache »blauer Fluß«. Die südliche Grenze bildete der Fluß Mauli, welcher, ehe er zu dem Küstenstriche Arauco gelangt, das Königreich Chile von Osten nach Westen durchströmt und mehr als vierzig Grade von der Linie nach Süden hin entfernt ist.Der Mauli mündet unter 34° 50' S. B., der Esmeraldas unter 5° 1' N. B. Die Entfernung zwischen diesen beiden Flüssen beträgt zu Land ungefähr 1300 Meilen, von denen 750 auf das eigentliche Peru, welches sich vom Flusse Ancasmayu bis nach Chichas, der letzten Provinz von Charcas, erstreckt und 550 auf das Königreich Chile, welches von da his zum Flusse Maule reicht, kommen. Oestlich wird Peru von einer weder Menschen noch Thieren und nicht einmal Vögeln zugänglichen mit Schnee bedeckten Bergkette begränzt, welche von Santa Marta (am mexicanischen Golfe) bis zur Magalhaensstraße hinzieht und bei den Indianern den Namen Ritisuyu (Schneegürtel) führt; westlich wird es in seiner ganzen Länge von dem Ocean bespült. Das Land ist von Osten nach Westen sehr schmal; seine größte Breite bei der Stadt Truxillo beträgt 120, seine geringste bei dem Hafen Arica 70 Meilen.

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