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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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38. Mühevolle Rückkehr des Expeditionscorps nach Quito.

Pizarro war über den Verrath Orellana's sehr aufgebracht, denn abgesehen davon daß er ihn in große Verlegenheit setzte, erlitt er dadurch einen großen unbeschreiblichen Verlust; es befand sich nämlich auf der Brigantine eine Menge Gold und Silber und einige Edelsteine. – Als Pizarro an der Stelle, an welcher seinem Befehle gemäß Orellana die Canots zurücklassen sollte, ankam und sie nicht fand, sah er sich gezwungen mit vieler Mühe andere Canots bauen zu lassen, um mit seinen Leuten über den Nebenfluß setzen zu können. – Als sie den Ort, wo die Brigantine warten sollte, erreichten, erfuhren sie durch einen Spanier, der sich selbst durch Drohungen zum Verrathe an Pizarro nicht zwingen ließ, daß Orellana abgefahren sey, um auf eigene Hand Entdeckungen zu machen; er habe sich von der Schiffsmannschaft zum Anführer erwählen lassen und die ihm von Pizarro übertragene Stelle niedergelegt. – Pizarro gerieth jetzt in eine sehr schlimme Lage. Der Verlust der Brigantine erschwerte die Herbeischaffung der Lebensmittel unglaublich, und er besaß überdieß fast keine Gegenstände mehr, die als Anlockungs- und Tauschmittel für die Indianer dienten, wie Spiegel, Korallen und dergleichen Kleinigkeiten. Eine tiefe Niedergeschlagenheit bemächtigte sich seiner Mannschaft, und es blieb ihm nichts anderes übrig als den Rückweg nach Quito anzutreten, der mehr als 400 Meilen betrug. Der Weg war so schwierig, so mit Waldung und Gestrüppen versperrt und führte durch so öde Gegenden, daß sie fast die Hoffnung verloren jene Stadt wieder zu erreichen und fest glaubten sie würden in den zu übersteigenden Gebirgen durch Hunger umkommen. Wirklich fanden vierzig den Tod, ohne daß man ihnen Hülfe leisten konnte; unter dem Jammerrufe nach Lebensmitteln lehnten sie sich an die Bäume und fielen vom Hunger überwältigt todt zur Erde. Die Ueberlebenden empfahlen sich der Gnade Gottes und setzten so gut es ging ihren Weg fort. Es war nicht derselbe auf welchem sie gekommen waren, weil man auf diesem bei seiner schlechten Beschaffenheit keine Lebensmittel angetroffen hatte; sie schlugen deßhalb auf gut Glück einen andern ein, der jedoch nicht besser als der erste war. Sie sahen sich deßhalb gezwungen die Pferde, die noch übrig waren, zu tödten; zugleich verzehrten sie die Hunde welche sie bei sich hatten. Nach ungeheuren Leiden gelangten sie endlich in die Gegend von Quito; man hatte hier, noch ehe sie eintrafen, ihre Ankunft erfahren und die Einwohner von Quito beeiferten sich ihnen über 50 Meilen mit allem Nothwendigen, besonders Fleisch und Kleidern, entgegen zu eilen. Mit welcher Freude sie die letztern und mehr noch die Lebensmittel empfingen, bedarf keiner Beschreibung. Pizarro und seine Leute gingen fast völlig nackt, denn durch den beständigen Regen und die Beschwerden der Reise waren ihre Kleider gänzlich zerrissen und verfault; sie hatten nur noch Thierfelle, um sich damit vorn und hinten zu bedecken und einige verfaulte alte Stiefeln. Ihre Degen waren ohne Scheide und gänzlich vom Roste zerfressen. Am ganzen Leibe, an den Füßen, Hauben, Beinen waren sie von den Dornen und Gesträuchen, durch welche sie sich Bahn brechen mußten, zerrissen und geschunden, mit einem Worte ihr Aeußeres war so verändert, ihre Gesichter waren so bleich und abgemagert, daß man sie kaum wieder erkennen konnte. Sie erzählten, daß sie unter allen Dingen nichts mehr vermißt hatten als das Salz; auf einem Wege von 200 Meilen fanden sie auch nicht ein Körnchen. Als sie endlich in dem Gebiete von Quito angelangt waren und Hülfe erhalten hatten, küßten sie die Erde zum Zeichen der Freude, und dankten Gott daß er sie aus so großer Gefahr gerettet hatte. Sie stürzten mit solcher Eile und solchem Heißhunger über die Lebensmittel her, daß man sich gezwungen sah ihrer Gierde Einhalt zu thun und ihnen nur wenige Speise zu geben, bis sich ihr Magen wieder an die gewöhnlichen Lebensmittel gewöhnt hatte. – Als Pizarro und seine Hauptleute sahen, daß man nur für sie Kleider und Pferde mitgebracht hatte, so wollten sie keinen Gebrauch davon machen, um vollständige Gleichheit zu beobachten und die nämlichen Mühseligkeiten wie der geringste bis ans Ende zu ertragen; sie rückten des Morgens in Quito ein und eilten zuerst in die Messe, um Gott nochmals zu danken, daß er sie aus so vielen Leiden errettet hatte.

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