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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 43
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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37. Expedition nach Canela, Entdeckungen. Fahrt des Hauptmanns Orellana auf dem Amazonenstrome.

Während Hernando nach Spanien segelte und Francisco die Landesangelegenheiten in den neu eroberten Provinzen ordnete, unternahm Gonzalo einen Eroberungszug in das Land Canela, das östlich von Quito liegt und große Reichthümer versprach. Er verließ Quito mit 100 Mann Fußvolk, eben so viel Reitern und 4000 Indianern. Auf ihrem Marsche wurden sie eines Tages von einem schrecklichen Erdbeben, das von einem fürchterlichen Ungewitter und Hagel begleitet war, heimgesucht; die Erde öffnete sich an verschiedenen Stellen, so daß das ganze Heer in nicht geringe Angst versetzt wurde. Dann zogen sie über hohe Berge, auf denen eine so große Kälte herrschte, daß mehrere der sie begleitenden Indianer erfroren. Da das Heer Mangel an Lebensmitteln litt, so machte er in einem Lande, Zumaco genannt, welches sich am Abhange eines Vulcanes hinzieht halt. Die Truppen fanden hier Lebensmittel in Ueberfluß und konnten sich von den ausgestandenen Mühseligkeiten erholen. Sie blieben hier zwei Monate, es regnete während dieser Zeit ununterbrochen Tag und Nacht, so daß sie kaum ihre Kleider trocknen konnten. Pizarro ließ im Lande Zumaco den größten Theil seiner Truppen zurück und zog mit den kräftigsten und muthigsten seiner Leute auf dem Wege, dem ihm die Indianer zeigten, weiter. Nicht selten geschah es daß ihn diese, um ihn von ihrem Lande fern zu halten, falsch in Bezug auf geographische Lage berichteten. Trotz aller Schwierigkeiten aber gelangte er ins Land Coca, welches sich an einem großen Fluß hinzog. Er blieb hier anderthalb Monate um die Ankunft der Truppen, die er in Zumaco zurückgelassen hatte, zu erwarten. Sein Aufenthalt zu Coca war ein ganz friedlicher, denn der dortige Indianerhäuptling suchte ein Freundschaftsverhältniß mit Pizarro anzuknüpfen; es kam zu Stande und wurde gewissenhaft gehalten. Nachdem Pizarro alle seine Leute um sich gesammelt hatte, gab er Befehl zum Aufbruch; sie gingen längs dem Flusse weiter und kamen in eine Gegend wo er einen Wasserfall von mehr als 200 Klafter Höhe bildet. Sein Sturz verbreitet ein so betäubendes Geräusch, daß man es sechs Stunden weit hört. Nach einigen weiteren Tagemärschen fanden sie, daß sich das Wasser des Stromes zwischen sehr enge Felsen einpreßte; das Bett war kaum 20 Fuß breit, die Felsenwände die es einschlossen waren so hoch wie der Wasserfall und ungemein steil. Die Spanier hatten 50 Stunden an diesem Flusse zurückgelegt ohne einen geeigneten Uebergangsort außer der ebengenannten Stelle zu finden. Doch hier machten ihnen die Indianer den Uebergang streitig, bis sie endlich durch die Schützen in die Flucht gejagt wurden. Man schlug nun eine hölzerne Brücke und bewerkstelligte glücklich den Uebergang; darauf zog man durch dichte Waldungen bis in ein Land das den Namen Guema führte; es war flach und morastig und von Flüssen durchschnitten, bot aber keine andern Lebensmittel als einige wilde Früchte, mit denen man sich begnügen mußte. Endlich erreichte man ein anderes mittelmäßig bevölkertes Land und bekam hier einige Lebensmittel. Die Indianer dieser Gegend waren in Baumwollstoffe gekleidet; die der andern Landstrecken aber durch welche die Spanier gekommen waren, gingen nackt, sey es wegen der ständigen großen Hitze oder weil sie keine Stoffe zu Kleidern besaßen. Die Männer hatten nur einen Lappen aus Baumwolle vor die Schamtheile gebunden, welcher zwischen den Beinen durchging und mit Schnüren an einen Gürtel befestigt war. Eben solche Lappen trugen auch die Frauen. Gonzalo ließ hier eine Brigantine bauen, theils um auf ihr Lebensmittel herbeizuschaffen, theils um das Gepäck und die Kranken leichter fortzubringen. Ueberdieß war das Land so mit Wald bedeckt und so von Wasser überschwemmt, daß sie sich weder mit ihren Messern noch Aexten einen Weg bahnen konnten und gezwungen waren fast stets im Wasser zu waten. Nur mit großer Mühe wurde die Brigantine zu Stande gebracht, sie mußten Oefen erbauen um darin das Eisen, das sie bedurften, glühend zu machen. Sie verwendeten die Hufeisen der gefallenen Pferde, denn es stand ihnen kein anderes zu Gebot. Pizarro befahl allen seinen Leuten ohne Ausnahme an der Arbeit Theil zu nehmen und arbeitete selbst, um mit gutem Beispiele voranzugehen, mit der Axt und dem Hammer. Statt des Peches wandten sie Gummi an, das sie aus einigen Bäumen zogen, statt des Wergs die alten Mäntel der Indianer und die zerrissenen halbverfaulten Hemden der Spanier; jeder beeiferte sich das zu dem Baue beizutragen was er vermochte, so daß sie endlich das Schiff zu Stande brachten und auf ihm bequem ihr Gepäck fortschaffen konnten; außerdem verfertigten sie mehrere Canots, die der Brigantine folgten. – Nun ging der Marsch wieder weiter. Die Spanier mußten über große Sumpfstrecken, die sich zu beiden Seiten des Flusses ausdehnten, setzen. Dann kamen sie wieder in ungeheure Urwälder, durch welche sie kaum mit ihren Schwertern und Aexten sich einen Weg bahnen konnten. War es zu schwierig den Weg auf der einen Seite des Flusses fortzusetzen, so gingen sie auf das andere Ufer vermittelst der Brigantine über; dabei war ihr Marsch so eingerichtet, daß die welche auf dem Flusse in der Brigantine fuhren und die welche am Ufer marschirten, stets an derselben Stelle Halt machten um auszuruhen und stets beisammen zu bleiben. Sie hatten bereits 200 Meilen stromabwärts zurückgelegt und keine andere Nahrung als wilde Früchte und einige Wurzeln angetroffen. Pizarro gab daher seinem Hauptmann Francisco de Orellana Befehl mit 50 Mann auf der Brigantine vorauszufahren, um Lebensmittel aufzusuchen. Im Fall er solche fände, sollte er die Brigantine beladen und das Gepäcke an einer Stelle zurücklassen, wo sich, wie man erfahren hatte, 20 Meilen von ihrem jetzigen Standorte zwei große Flüsse vereinigten; zugleich gab Pizarro ihm die zwei Canots mit dem Befehl sie an einem Nebenflusse zurückzulassen, über den Pizarro mit seinen Leuten setzen mußte. Orellana schiffte sich mit seiner Mannschaft ein und wurde von dem Strome in kurzer Zeit bis zur bezeichneten Stelle, wo die Flüsse sich vereinigten, fortgetragen. Da er jedoch, an ihr keine Lebensmittel fand und die Schwierigkeit den Strom wieder hinaufzufahren erwog, weil er sehr reißend war und er vielleicht zu dem Rückwege, den er abwärts in drei Tagen gemacht, eine nicht zu bestimmende Zeit brauchte, faßte er den Entschluß sich dem Laufe des Stromes zu überlassen und dahin zu fahren, wohin ihn sein gut Glück führen würde. Außer der Schwierigkeit seiner Rückkehr lag diesem Schritte ein böser aufrührischer Wille zum Grunde; es geht dieß am augenscheinlichsten aus dem Umstande hervor, daß er sogar die beiden Canots mitnahm und über mehrere seiner Begleiter, die ihn die Vorschriften Pizarro's nicht zu übertreten baten, in großen Zorn gerieth. Unter denen welche ihm Vorstellungen machten, drang keiner mehr in ihn als Gaspar de Carbajal, ein Dominicanermönch, und die Folge davon war, daß ihn Orellana mit Worten und Thätlichkeiten mißhandelte. Orellana setzte seine Fahrt auf dem Flusse fort, mußte aber bisweilen am Ufer landen und gegen die ihm den Weg versperrenden Indianer manchen gefährlichen Kampf bestehen, denn diese griffen ihn häufig in ihren Canots auf dem Flusse selbst an, und da die Spanier auf der Brigantine aus Mangel an Raum im Kampfe gehindert waren, so blieb ihnen kein anderes Mittel, als ans Land zu gehen um die Feinde zu vertreiben. Nach einer langen Fahrt kamen sie endlich in eine Gegend, wo die Indianer sich friedlicher zeigten und ihnen bereitwillig jeden Dienst, der in ihrer Macht stand, leisteten. Orellana ließ hier eine zweite Barke bauen, weil sich alles was dazu erfordert wurde, daselbst vorfand. – In einer weiten stromabwärts gelegenen Gegend mußte er wieder einen Kampf gegen die Indianer bestehen; jedoch gelang es ihm auch diese zu schlagen. Von diesen Indianern erfuhr er, daß einige Tagreisen weiter sich ein Land befände, das nur von Weibern bewohnt werde; sie verstünden es trefflich Krieg zu führen und vertheidigten sich tapfer gegen ihre Nachbarn. – Dann setzte er seine Fahrt fort, bis er an der Mündung des Flusses am Meere anlangte; dieser Fluß war der Maranon oder Amazonenfluß; den erstern Namen erhielt er, weil der Seefahrer, der ihn zuerst vom Meere her entdeckt hatte, sich so nannte. Von der Mündung des Amazonenflusses segelte hierauf Orellana auf einem andern Schiffe nach Spanien; erstattete hier dem König von seiner Entdeckung Bericht, mit dem Vorgeben, er habe sie auf seine Kosten und auf eigene Gefahr gemacht; zugleich sagte er, es befinde sich an den Ufern des großen Flusses ein Land, in welchem nur Weiber wohnten, weßhalb man dieß Land gewöhnlich das Land der Amazonen und den Fluß den Amazonenfluß nannte. Er bat zugleich den König ihm die Statthalterschaft in diesem Lande und das Recht es erobern zu dürfen zu übertragen. Seine Bitte wurde ihm gewährt; er sammelte über 500 Mann, fast lauter ausgesuchte kräftige Leute, und schiffte sich mit ihnen zu Sevilla ein. Da seine Fahrt jedoch nicht glücklich war und großer Mangel an Lebensmitteln unter der Schiffsmannschaft eintrat, so zerstreute sich der größte Theil seiner Leute auf den canarischen Inseln, und er sah sich in kurzer Zeit fast gänzlich verlassen. Er starb auf der Reise und seine ganze Expedition löste sich in nichts auf.

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