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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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35. Pizarro zieht gegen ihn. Vergebliche Unterhandlungen.

Sobald Pizarro in Los Reyes wieder eingetroffen war, ließ er die Trommel rühren, um neue Aushebungen zur Verstärkung seiner Truppen zu machen; er sagte es laut, daß sie zu seiner Vertheidigung gegen Don Diego de Almagro dienen sollten, der sich empört habe. In wenigen Tagen sammelte er über 700 Mann Fußvolk und Reiterei; unter den ersten, befand sich eine Anzahl Hackenbüchsenschützen, die ihm der Hauptmann Pedro de Bergaro aus Flandern zugeführt hätte; bisher war die Zahl dieser Schützen in Peru nicht groß genug gewesen um ganze Compagnien aus ihnen zusammenstellen zu können; Pizarro bildete jetzt deren zwei aus ihnen. Während Pizarro mit diesen neuen Rüstungen sich beschäftigte, war es Gonzalo Pizarro und Alonzo de Alvarado gelungen, sich ihre Freiheit zu verschaffen und mit mehr als 70 Mann zu dem Statthalter zu gelangen, sie führten zugleich Gabriel de Rojas, den Befehlshaber Diego's de Almagro in Cuzco, als Gefangenen mit sich. – Ihre Ankunft verursachte Pizarro eine außerordentliche Freude und diente seinen Truppen zur Ermuthigung. Als nun seinerseits Almagro die Kunde von der Flucht der Gefangenen und den großen Streitkräften Pizarro's vernahm, beschloß er zu versuchen ob nicht ein Übereinkommen zu Stande gebracht werden könne. Wirklich ließ Pizarro sich durch dessen Abgesandte bewegen die Entscheidung der Sache in die Hände zweier Mönche von dem Orden der Gnade zu legen. Diese schlichteten den Streit dahin, daß vor allem Hernando Pizarro in Freiheit gesetzt, Cuzco an den Statthalter zurückgegeben und dem Könige von Spanien über alle betreffenden Verhältnisse Bericht erstattet werden solle, damit dieser die ganze Sache definitiv entscheiden möchte. Dann schlugen sie eine Zusammenkunft zwischen dem Statthalter und Almagro vor um ihre Angelegenheiten zu verhandeln; sie sollte in dem Dorfe Mala zwischen beiden Herren stattfinden und jeder sollte von zwölf Reitern begleitet werden. Beide machten sich zu dieser Zusammenkunft auf den Weg, doch Gonzalo Pizarro, der weder auf den Waffenstillstand noch auf die Worte Almagro's Vertrauen setzte, zog seinen Bruder sogleich mit allen Truppen nach um sich heimlich in die Nähe von Mala aufzustellen und gab dem Hauptmann Castro den Befehl mit 90 Schützen sich an einer mit dichtem Schilfe bewachsenen Stelle am Wege, den Almagro kommen mußte, in Hinterhalt zu legen. Wenn er sähe, daß Almagro mit einer größern Zahl von Kriegsleuten als die Convention bestimme, heranzöge, so solle er seine Leute feuern lassen um ihm dadurch ein Zeichen zu geben, auf das er so schnell als möglich herbeieilen wolle. – Als Don Almagro Chiucha verließ, um sich in Begleitung von zwölf Reitern nach Mala zu begeben, ertheilte er Rodrigo Orgonos seinem Generallieutenant den Befehl stets auf der Hut zu seyn und alle Truppen bereit ;u halten, wenn allenfalls Pizarro feindliche Absichten gegen ihn im Schilde führe. Als Pizarro und Almagro einander sich näherten, umarmten sie sich feurig; kaum hatten sie aber einige Worte gewechselt, die mit ihren Angelegenheiten in gar keiner Berührung standen, als einer der Reiter, die den Almagro begleitet hatten, ihm die Worte ins Ohr sagte: »Ihr werdet gut thun euch zurückzuziehen, ich erinnere euch daran als treuer Diener.« Er hatte nämlich die Ankunft des Gonzalo Pizarro erfahren. Almagro darüber erschrocken ließ sogleich sein Pferd vorfuhren; einige von dem Gefolge Pizarro's suchten diesen, als sie sahen daß Almagro im Begriff stand sich zurückzuziehen, zu überreden, er möge seinen Gegner festnehmen lassen, weil dieß mit Hülfe der Schützen unter Castro leicht ausführbar wäre. Doch er gab dieß nicht zu; er hatte sein Wort gegeben und wollte es getreulich halten; ja er konnte sich nicht einmal überreden daß Almagro sich zurückziehen würde, ohne irgend eine Uebereinkunft bezüglich dessen weßhalb sie zusammengekommen waren, getroffen zu haben. – Almagro eilte indessen von dannen und hielt die Aussage des Reiters, der ihn gewarnt hatte, beim Anblicke der im Hinterhalt liegenden Schützen für eine unbezweifelte Wahrheit. Als er in seinem Lager angekommen war, beklagte er sich, Pizarro habe ihn gefangen nehmen wollen und alle Gründe, mit denen sich Pizarro zu rechtfertigen suchte, fanden bei ihm kein Gehör. Endlich willigte er in einen neuen Vertrag ein: er ließ Hernando Pizarro unter folgenden Bedingungen frei: der Statthalter solle Almagro ein Schiff stellen, damit er seine Vorstellungen nach Spanien an den König absenden und Antwort von diesem erhalten könne; beide sollten bis neue Befehle von Seiten Seiner Majestät einträfen mit einander in Frieden bleiben und nichts gegen einander unternehmen, Rodrigo Orgonos widersetzte sich der Freilassung Hernando Pizarro's aus allen Kräften; er war nämlich Zeuge der schlechten Behandlung gewesen, die Pizarro in seiner Gefangenschaft erfahren hatte und fürchtete deßhalb, er würde sich, sobald er in Freiheit sey, dafür zu rächen suchen; seine Ansicht war deßhalb, man solle Pizarro enthaupten. Diego de Alvarado rieth dagegen ihn frei zu geben. Sein Rath drang durch und Hernando Pizarro wurde in Freiheit gesetzt. Almagro gab ihm sogar seinen Sohn und einige Reiter als Bedeckung bis ins Lager seines Bruders mit. Doch kaum hatte Pizarro die Stadt Cuzco verlassen, als Almagro bereute ihn freigegeben zu haben und man glaubt, er hätte ihn sicher wieder ins Gefängniß zurückbringen lassen, wenn sich Pizarro nicht durch die größte Eile aus seinem Bereiche ins Lager seines Bruders gerettet hätte. So standen die Dinge, als Befehle von dem Könige von Spanien im Lager Pizarro's eintrafen: sie enthielten die Weisung, daß jeder der beiden Statthalter Pizarro und Almagro auf das Land sich beschränken sollte, das er entdeckt und erobert und in welchem er bereits zu der Zeit, in welcher ihnen dieser Befehl zukomme, eine Niederlassung gegründet habe; keiner sollte in dem Gebiete des andern etwas bis auf weitere königliche Entscheidung unternehmen. Pizarro schickte diese Befehle an Almagro mit der Bitte, er möge das Land, das er (Pizarro) entdeckt und in welchem er seine Colonien angelegt habe, räumen. Almagro gab hierauf zur Antwort: er sey bereit den Befehlen Seiner Majestät zu gehorchen und sich genau an den Ausdrücken derselben zu halten, durch welche bestimmt würde daß jeder im Besitz der Länder und Niederlassungen verbleiben solle, in welchen er sich zur Zeit der Mittheilung des Befehls befände; er bitte deßhalb Pizarro ihn diesem gemäß in Ruhe und in friedlichem Besitze des Landes, über welches er im Augenblick gebiete, zu lassen, bis es Seiner Majestät gefalle anders darüber zu verfügen. –Pizarro ließ ihm erwiedern: er habe zuerst die Stadt Cuzco und die umliegende Gegend erobert, er habe dieß Land zuerst entdeckt und Niederlassungen daselbst angelegt, Don Diego de Almagro habe ihm mit Arglist diese Besitzungen entrissen, er habe sie deßhalb dem Befehle des Königs gemäß zu räumen, thue er dieß nicht, so würde er ihn mit Gewalt daraus vertreiben. Da Diego de Almagro friedlichen Worten kein Gehör schenkte, so setzte sich Francisco Pizarro mit allen seinen Streitkräften gegen ihn in Bewegung. Almagro zog sich gegen Cuzco hin und verschanzte sich auf dem Berge Guantara; zugleich ließ er alle Verbindungen des ohnehin schwierigen Weges, der zu ihm führte, zerstören. Hernando Pizarro folgte ihm mit einigen Truppen und es gelang ihm in einer Nacht auf einem geheimen Wege den Berg zu ersteigen und sich einen Durchgang mit seinen Schützen zu erzwingen; er nahm auf dem Berge eine so vortheilhafte Stellung, daß Almagro zur Flucht sich genöthigt sah. Da er krank war, zog er voraus und übergab Rodrigo Orgoños das Commando über die Nachhut. Auf seinem Rückzüge nach Cuzco ließ er alle Brücken abbrechen, damit der Feind ihm nicht folgen könne. In Cuzco blieb Almagro über zwei Monate, hob neue Mannschaft aus, sammelte Munition, ließ Kanonen gießen und versäumte nichts, was er zu einem langen Kampfe für nothwendig hielt.

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