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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 39
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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33. Die Eroberung Chili's. Empörung der Indianer. Belagerung der Stadt Cuzco.

Er hatte in allem 560 Mann Fußvolk und Reiter bei sich und machte einen Marsch von 250 Meilen unter beständigen Eroberungen bis in die Provinz Chicoana. Von da aus zog er noch 150 Meilen weiter bis in das Land Chili. Hier machte er mit der Hälfte seiner Truppen Halt und beorderte die andere Hälfte unter Gomez de Alvarado zu fernern Eroberungen; dieser drang zwar noch 60 Meilen weiter vor, aber anhaltender Regen und die winterliche schlechte Jahreszeit bewogen ihn wieder zu Don Diego zurückzukehren. Die Spanier hatten auf diesem Marsch von Cuzco bis Chili unglaubliche Beschwerden zu ertragen; denn außer dem Hunger und Durst den sie leiden, und den beständigen Strapazen die sie ertragen mußten, hatten sie häufig mit den Indianern, die aus der Ferne mit großer Geschicklichkeit und Kraft ihre Pfeile gegen sie abschossen, zu kämpfen; diese Indianer hatten einen hohen Wuchs und waren in Bären- oder Seehundfelle gekleidet. Am meisten schadete jedoch den Spaniern die große Kälte, die sie beim Uebergange über einige Schneegebirge zu vernichten drohte. Ein Hauptmann und mehrere Soldaten fanden hier auf elende Weise den Tod. In der That ist die Kälte auf diesen Bergen so fürchterlich, daß Don Diego 5 bis 6 Monate später, als er von Chili nach Cuzco zurückkehrte, an mehreren Stellen die Leichen der auf seinem Hermarsche Erfrorenen aufrecht an die Felsen gelehnt fand. Sie hielten noch die Zügel der gleichfalls erfrorenen Pferde in den Händen; das Fleisch war so frisch, als wenn Menschen und Pferde erst vor wenigen Augenblicken vom Tode überrascht worden wären. Auch aß man auf dem Rückmarsch das Fleisch der erfrornen Pferde. – Dann kam man wieder in Gegenden und Einöden, in welchen kein Schnee lag und deßhalb Mangel an Wasser herrschte. Um ihm abzuhelfen füllte man Schläuche von Lamafellen mit Wasser und ließ dieselben von Lamas schleppen.

Wir müssen hier im Vorbeigehen eine sonderbare Nachricht erwähnen, welche den Spaniern von den Einwohnern Chili's mitgetheilt wurde und die an die Geschichte der Amazonen erinnert. Die Indianer erzählten nämlich, daß 50 Meilen von ihrem Lande ein anderes zwischen zwei großen Flüssen liege, das nur von Frauen bewohnt werde, sie duldeten keine Männer unter sich außer zu gewissen Zeiten, um Kinder von ihnen zu empfangen. Brächten sie Söhne zur Welt, so schickten sie dieselben ihren Vätern zu, die Mädchen dagegen behielten sie bei sich um sie zu erziehen; sie würden von einer Königin, welche den Namen Gabaymilla (Goldhimmel) führe, regiert und stünden unter der Oberhoheit eines benachbarten Fürsten.

Während die Spanier auf solche Weise ein neues ausgedehntes Reich eroberten, brach unter den Indianern in Cuzco und andern Städten eine Empörung aus, welche so stark und allgemein war daß die Spanier nothwendig der Vernichtung geweiht zu seyn schienen und es ihnen nur durch die größten Anstrengungen, durch feste Entschlossenheit und ungebeugten Muth gelang, die Indianer aufs neue zu unterwerfen.

Schon zur Zeit als Don Diego de Almagro Cuzco verließ, um die Eroberung Chili's zu beginnen, hatte der Inca Mango mit dem Inca Paulo und seinem Bruder Villacma eine Verschwörung zur Ermordung aller Spanier angestiftet. Er selbst hatte es übernommen, Don Diego und dessen Kriegsgefährten zu überfallen und niederzumachen. Die Verschwörung wurde glücklicherweise entdeckt und der Inca Mango eine Zeit lang auf die Festung von Cuzco gefangen gesetzt. Doch ließ man ihn später wieder los in der Hoffnung durch ihn noch mehr Gold aus dem Lande ziehen zu können; man glaubte nämlich fest, er wisse wo die Schätze der Indianer verborgen seyen und behandelte ihn deßhalb mit einer gewissen Freundlichkeit, jedoch hielt man ihn beständig unter scharfer Aufsicht. Hernando Pizarro gestattete ihm sogar in das Land Yucaia zu gehen um daselbst einem gewissen Feste beizuwohnen, weil der Juca versprach, er werde freiwillig zurückkehren und ihm die Statue seines Vaters Guaynacaba in Lebensgröße und von gediegenem Gold mitbringen. Dieses Fest war aber nichts anders als die Verabredung des Ausbruches der Verschwörung, die er früher angezettelt hatte; er ließ sogleich einige Spanier, die in den Minen arbeiteten, so wie alle welche er auf den Landstraßen oder mit dem Feldbau beschäftigt antraf, ermorden; zugleich schickte er einen seiner Hauptleute mit beträchtlichen Streitkräften nach Cuzco. Die Festung wurde von ihnen unversehens angegriffen und genommen. Die Spanier hatten große Mühe, sie wieder in ihre Gewalt zu bringen, was ihnen erst nach einer Belagerung von sieben Tagen gelang. Juan Pizarro wurde dabei durch einen Steinwurf an den Kopf getödtet; er hatte an dem Tage, an welchem er fiel, wegen einer Verwundung am Kopfe keinen Helm aufsetzen können. Der Tod dieses tapfern Spaniers war ein großer Verlust für seine Landsleute, denn er war in der Kriegsführung gegen die Indianer sehr erfahren. – Der Inca Mango war indessen mit allen seinen Streitkräften herangerückt, um die Stadt Cuzco anzugreifen. Er hielt sie über acht Monate belagert und ließ sie an jedem Vollmondstage von verschiedenen Seiten stürmen. Doch Hernando Pizarro vertheidigte den Platz mit heldenmüthiger Tapferkeit, obschon er und seine Leute sich gezwungen sahen Tag und Nacht unter den Waffen zu bleiben. – Mit jedem Tage gestaltete sich ihre Lage mißlicher, denn die von Mango Capac angestiftete Verschwörung hatte einen fast allgemeinen Aufstand der Indianer zur Folge. Als Hernando Pizarro und die mit ihm eingeschlossenen Spanier diese Nachricht erhielten, zweifelten sie fast nicht mehr daß bereits auch der Statthalter und alle ihre übrigen Landsleute ermordet seyen, sie verteidigten sich daher wie Verzweifelte, die keine Hoffnung mehr auf menschliche Hülfe setzten. Ihre Zahl verminderte sich von Tag zu Tag in den häufigen Gefechten, die sie mit den Indianern zu bestehen hatten, einmal sogar wagte sich Gonzalo Pizarro mit 20 Reitern bis zum See Chinchero, der fünf Meilen von Cuzco liegt; hier wurde er von einer so großen Anzahl Indianer angegriffen, daß er trotz der tapfersten Gegenwehr in deren Hände gerathen wäre, wenn nicht Hernando Pizarro und Alonzo de Toro mit einem Theile der Reiterei ihm zu Hülfe geeilt wären und ihn befreit hätten. Sie machten ihm gerechte Vorwürfe über seine Tollkühnheit.

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