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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 38
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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32. Ankunft Don Pedro's de Alvarado in Quito und Vergleich mit Diego de Almagro. Ermordung des indianischen Heerführers Quizquiz.

Während Pizarro und seine Hauptleute mit Glück die Unterwerfung des peruanischen Reiches fortsetzten, landete in Puerto Viejo ein anderer spanischer Abenteurer, Don Pedro de Alvarado, welcher schon bei der Eroberung Menco's große Tapferkeit bewiesen hatte und dafür mit der Statthalterschaft Guatimala belohnt worden dar. Die Nachrichten von den in Peru vorhandenen Gold- und Silbermassen hatten seine Habsucht rege gemacht und da er glaubte, Quito läge außer dem Bereiche des von dem Könige von Spanien dem Pizarro zugetheilten Landstriches, so machte er sich mit 500 Man Fußvolk und Reiterei, die er angeworben hatte, von Puerto Viejo aus auf den Weg um geradezu in östlicher Richtung auf Quito loszugehen. Bekanntlich ist dieser Landstrich einer der unwegsamsten Theile Peru's und man kann sich leicht eine Vorstellung von den Mühseligkeiten machen, welche Alvarado mit seinen Leuten zu erdulden hatte. Die ganze Gegend ist bergig und mit so dichtem Gesträuch bewachsen, daß man sich mit der Axt und dem Degen den Weg bahnen mußte. Dabei litt man nicht wenig durch Hunger und Durst und die meisten wären sicher verschmachtet, wenn man nicht in großen Röhren von der Dicke eines Mannsschenkels süßes trinkbares Wasser, welches sich während der Nacht durch den Thau in denselben sammelte, gefunden hätten; ein einziger Stengel lieferte gewöhnlich über eine Pinte. Der Hunger dagegen zwang sie mehrere ihrer Pferde abzuschlachten, um deren Fleisch unter die Mannschaft zu vertheilen. Zudem geriethen sie in die Nahe eines feuerspeienden Berges, der sie mit seiner Asche überdeckte. – Doch mehr als alle diese Beschwerlichkeiten setzte ihnen der Uebergang über die Berge von Quito zu, die ganz mit Schnee bedeckt waren und auf denen eine solche Kälte herrschte, daß 60 Mann erfroren. Als sie mehr in die Thäler herabstiegen, geriethen sie wieder in eine andere Gefahr und mußten jeden Augenblick fürchten von den durch den geschmolzenen Schnee angeschwollenen Bergströmen verschlungen zu werden. – Don Diego de Almagro, der in der Provinz Quito den Hauptmann Benalcazar zurückließ, hatte sich zu derselben Zeit auf den Rückmarsch nach Cuzco begeben, ohne etwas von dem Einrücken Don Pedro's erfahren zu haben. Don Diego stieß auf seinem Marsche auf ein bedeutendes Indianerheer; er schlug es trotz der tapfersten Gegenwehr und nahm einen der vornehmsten indianischen Häuptlinge gefangen. Von ihm erfuhr er, daß Don Pedro 15 Stunden vom Kampfplatz eine indianische Festung belagere. Don Diego setzte seinen Weg fort und stieß bei Liribamba auf Don Pedro. Es kam zwischen beiden, obschon sie sich zur Schlacht gerüstet hatten, zu einem Vertrage des Hauptinhalts, daß Don Diego de Almagro an Don Pedro de Alvarado 100.000 Pesos Gold, die letzterer zur Ausrüstung seiner Expedition verwendet hatte, zurückzahle und daß sich beide zu dem Statthalter Pizarro begeben sollten, damit durch ihn der Vertrag vollzogen und die bedungene Summe bezahlt würde. Sie erfuhren, daß Pizarro sich von Xauxa nach Pachacama begeben habe um sie daselbst zu empfangen und machten sich deßhalb nach dieser Stadt auf den Weg. Auf dem Marsche erfuhren sie durch den Caziken der Canares, daß Quisquis, ein Feldherr Atabaliba's, mit einem Heere von mehr als 12.000 Indianern heranrücke und alles sowohl Menschen als Vieh, das er unterwegs antreffe, mit fortschleppe. Nachdem die Spanier die Vorhut der Indianer erreicht und geschlagen und deren Anführer Sotaurco gefangen genommen hatten, eilte Alvarado dem Feldherrn Quisquis, der das Hauptcorps des indianischen Heeres anführte, entgegen. Sobald Quisquis die Spanier erblickte, zog er mit allen Frauen und allem zum Kampfe untauglichen Volke nach einer festen Stelle zurück und stellte Guaypalcon, einen Bruder Atabaliba's, mit dem ganzen Heere an einen unzugänglichen Ort. Don Almagro rückte am Abhange eines Berges vor um die Indianer anzugreifen, obschon seine Pferde vor Ermüdung die Reiter nicht tragen konnten, sondern am Zügel geführt werden mußten. Die Indianer schleuderten große Steine von dem Abhange herab, die im Fortrollen eine Masse anderer Steine mit sich fortrissen. Trotz dieser Schwierigkeiten griffen die Spanier den Guaypalcon an und nöthigten ihn, sich in das Gebirge, wo Quisquis stand, zurückzuziehen. Hier nahmen die Indianer eine hoch gelegene und so feste Stellung ein, daß die Spanier ohne großen Verlust befürchten zu müssen keinen Angriff wagen durften. Auf ihrem Rückzuge auf dem schwierigen Boden wurden sie von den Indianern verfolgt und hatten am ersten Tage mehrere Verwundete. Am folgenden Morgen fand man, daß die Indianer ihre Stellung aufgegeben hatten, um sich noch weiter ins Gebirge an einen festen Ort zurückzuziehen. Vorher hatten sie all ihr Gepäck verbrannt und die Spanier trafen in ihrem Lager 15.000 Schafe und über 4000 Indianer und Indianerinnen, welche Quisquis mit Gewalt auf seinem Marsche aufgehoben und fortgeschleppt hatte. Quisquis wandte sich nun nach Quito hin; in der Nähe dieser Stadt wurde seine Vorhut von Benalcazar angegriffen und vernichtet. Er kam durch diesen Verlust in eine schlimme Lage, seine Officiere riethen ihm zum Frieden mit Benalcazar, aber er wurde über diesen Vorschlag so sehr in Wuth versetzt, daß er jedem, der noch ein Wort vom Frieden spreche, mit dem Tode drohte. Da stiftete Guaypalcon eine Verschwörung an, trat mit mehreren andern Hauptleuten zu Quisquis und stellte ihm vor, daß sie in dem öden Lande vom Hunger aufgerieben werden müßten, und als er ihren Vorstellungen kein Gehör gab, stieß ihm Guaypalcon seine Lanze in die Brust, die übrigen Verschwörer schlugen ihn mit ihren Streitkolben zu Boden und hieben seinen Leichnam mit Aexten in Stücke, dann verabschiedeten sie das Heer und ließen jeden hingehen, wohin es ihm beliebte.

Don Diego und Don Pedro wurden von dem Statthalter Pizarro zu Pachacama freundlich empfangen und Don Pedro ging, nachdem ihm die versprochene Summe ausbezahlt worden war, ruhig in seine Statthalterschaft Guatimala zurück. Pizarro beschäftigte sich jetzt eifrig damit, die Stadt de los Reyes (Lima) zu bevölkern, indem er die Colonie, die er früher zu Xauxa angelegt hatte, in diese Stadt übersiedelte. Während dieser Bemühungen erhielt er plötzlich die Nachricht, daß Don Diego de Almagro den Versuch gemacht habe, sich zum Herrn von Cuzco zu machen. Juan und Gonzalo Pizarro, die Brüder des Statthalters, leisteten aber Diego de Almagro und dem Hauptmann Soto, der dessen Partei ergriffen hatte, kräftigen Widerstand; es kam zwischen beiden Parteien täglich zu Streitigkeiten, aber Don Diego konnte seinen Plan nicht durchsetzen, weil ein großer Theil des Rathes der Sache des Statthalters und seiner Brüder treu blieb. Sobald Franzisco Pizarro die Nachricht von dem Beginnen Don Diegos erhalten hatte, eilte er nach Cuzco und stellte daselbst durch seine Gegenwart die Ruhe wieder her. Er verzieh Don Diego sein unsinniges Beginnen, erneuerte den alten Freundschaftsbund und schloß mit ihm aufs neue einen Gesellschaftsvertrag, in dessen Folge Don Diego de Almagro ausziehen sollte um weiter nach Süden hin Entdeckungen zu machen; fände er ein gutes Land, so würde man bei Seiner Majestät dem Kaiser darum nachsuchen, daß er als Statthalter desselben eingesetzt würde; träfe er dagegen eine Gegend, die der Besitznahme nicht werth sey, so wollten sie die Statthalterschaft Peru unter sich theilen. Beide, Francisco Pizarro und Diego de Almagro, beschworen diesen Bund und Diego rüstete sich sogleich zu dem Zuge nach Süden.

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