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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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31. Pizarro nimmt Cuzco in Besitz. Der Hauptmann Benalcazar erobert Quito.

Während Pizarro in Caxamalca Atabaliba gefangen nahm und die ihn begleitenden Indianer niedermetzeln ließ, hatte Ruminagui, der Befehlshaber des außerhalb der Stadt aufgestellten Nachtrabs, als er den Donner des Geschützes hörte und den Indianer, welchen er als Wache auf eine Anhöhe gestellt hatte um ihm, wenn es Zeit sey, das Zeichen zum Vorrücken zu geben, durch einen Christen herabstürzen sah, mit seinem 5000 Mann starken Heere die Flucht ergriffen und war unaufhaltsam bis in die Provinz Quito, welche mehr als 250 Meilen vom Schlachtfelde liegt, fortgeeilt. Hier warf er sich zum Beherrscher des Landes auf. bemächtigte sich der Kinder Atabaliba's und verweigerte als dieser sie ihm durch seinen Bruder Illescas abfordern ließ, die Freilassung derselben. Als später mehrere Häuptlinge den Leichnam Atabaliba's nach dessen letzten Willen nach Quito brachten um ihn in dem Grabe seines Vaters Guainacaba beizusetzen, wurden sie von Ruminagui ehrenvoll und freundlich empfangen, aber nach der feierlichen Leichenbestattung bei einem Gastmahle ermordet. Atabaliba's Bruder Illescas ließ er lebendig schinden, seine Haut über eine Trommel spannen und an derselben Trommel den abgeschnittenen Kopf befestigen.

Nichts konnte den Spaniern erwünschter und vortheilhafter seyn als die Zwietracht unter den Indianern selbst, und sie durften hoffen, den Häuptlingen, welche sich hie und da mit einzelnen Abtheilungen des zerstreuten Heeres Atabaliba's festgesetzt hatten, bald die Lust zum Widerstände zu legen. Der bedeutendste und gewandteste dieser Anführer war der schon oben erwähnte Quisquis, welcher offenbar die Absicht hatte, die Spanier durch Märsche und Gegenmärsche in einzelnen Haufen zu trennen und auf diese Weise sie zu vertilgen. Pizarro brach also, nachdem er mit der Vertheilung des Goldes und Silbers zu Caxamalca zu Ende gekommen war, gegen ihn auf und schickte den Hauptmann Soto mit einiger Reiterei voraus. Dieser wurde in der Provinz Viscacinga von einer großen Anzahl Indianer mit solcher Wuth angegriffen, daß er kaum das Schlachtfeld behaupten konnte und einige Leute verlor. Die Indianer, welche sich beim Anbruche der Nacht auf das Gebirg zurückzogen und, weil das Wetter trüb und nebelig war, eine unter dem Befehle Don Diego's de Almagro angekommene Verstärkung nicht bemerkten, erneuerten am folgenden Morgen den Kampf, waren aber durch keine List zu verführen, in die ihnen der Reiterei wegen gefährliche Ebene herabzukommen. Nur durch eine ungewöhnliche Anstrengung gelang es endlich den Christen, die Indianer aus ihrer festen Stellung herauszuwerfen und eine bedeutende Anzahl derselben zu tödten.

Als nach Beendigung des Kampfes Pizarro mit dem Hauptcorps auf dem Schlachtfeld ankam, fand sich ein Bruder Atabaliba's, Pauli Juca genannt, welchen man nach dessen Tod als Beherrscher des Landes anerkannt und mit der Stirnbinde geschmückt hatte, bei ihm ein, machte Friedensvorschläge und sagte ihm, daß sich in Cuzco eine große Menge Kriegsvolk versammelt habe und nur einen Befehl ins Feld zu rücken oder sich zu unterwerfen erwarte. Man brach also sogleich auf und als man sich nach einigen Tagreisen der Stadt näherte, sah man aus derselben dicke Rauchwolken aufsteigen. Der Statthalter welcher glaubte, die Indianer wollten Cuzco in Brand stecken, schickte, um dieß zu verhindern, in großer Eile einige Hauptleute mit Reiterei voraus. Diese wurden aber von den Indianern, welche einen Ausfall machten, so tapfer empfangen, daß sie sich schnell zurückziehen mußten, und erst als das ganze während dieser Zeit angekommene Truppencorps auf die Indianer losstürzte, wurden diese mit großem Verluste in die Stadt zurückgeworfen. Am folgenden Tage öffnete Cuzco die Thore und man fand hier eine nicht geringere Beute an Gold und Silber als in Caxamalca. Pizarro vertheilte diese unter die Spanier und stellte jedem derselben frei sich in dieser Stadt anzusiedeln; nur wenige aber machten von diesem Anerbieten Gebrauch, denn die meisten wünschten mit den erworbenen Schätzen in ihr Vaterland zurückzukehren und dort den Lohn ihrer Anstrengung und Mühseligkeiten in Ruhe zu genießen. Wahrend Pizarro mit diesen Anordnungen beschäftigt war, erfuhr er, daß der unermüdliche Quisquis das Land durchziehe und einen Angriff auf eine kleine Abtheilung Spanier, welche als Wache bei dem Gepäck und dem erbeuteten Schatze in Xauxa zurückgeblieben waren, gemacht habe. Er schickte sogleich den Hauptmann Soto und später auch seinen Bruder mit Reiterei gegen ihn ab; er entschlüpfte ihnen aber glücklich und schlug seinen Weg nach der Provinz Quito hin ein. Die Spanier in Xauxa hatten sich und das ihnen anvertraute Gut durch ihre unermüdliche Wachsamkeit und durch ihre kühne Entschlossenheit gerettet.

Mit eben so gutem Erfolg wurde der Zug gegen den indianischen Häuptling Ruminagui, welcher sich in Quito der Herrschaft bemächtigt hatte, gekrönt. Der Hauptmann Benalcazar machte sich von der Colonie S. Miguel aus mit dem größten Theil der Spanier, welche, wie wir schon gehört haben, wahrend des Aufenthaltes Pizarro's in Caxamalca an der Küste gelandet waren auf den Weg und trieb das indianische Heer unter Ruminagui trotz aller Anstrengungen, welche dieser machte und trotz aller List die er anwandte, vor sich her bis nach Quito. Gegen die Reiterei welche die größte Furcht einflößte und der man nirgends Stand hielt, hatten die Indianer die Wege mit breiten Gräben durchschnitten, in diese spitze Pfähle eingegraben und das Ganze wieder mit Rasen bedeckt; an andern Stellen hatten sie Löcher von der Größe eines Pferdehufes in den Boden gegraben, um die Reiterei dadurch in Unordnung zu bringen. Die Spanier wichen aber vorsichtig den ihnen gelegten Schlingen aus und zogen siegreich in Quito ein. Ruminagui ergriff, nachdem er den Palast, worin sich die Kostbarkeiten der Incas befanden, in Brand gesteckt hatte, die Flucht und betrog so die Eroberer um den Lohn ihrer Anstrengung. Vor seinem Abzuge versammelte er seine zahlreichen Weiber und sprach zu ihnen »Bald werdet ihr das Vergnügen haben die Christen ankommen zu sehen; ihr könnt euch dann nach Herzenslust mit ihnen vergnügen.« Sie hielten dieß für Scherz und fingen an zu lachen, mußten aber alle ihre Unvorsichtigkeit mit dem Leben büßen.

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