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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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29. Anklage und Hinrichtung Atabaliba's. Franco de Weix Shaedlo verkündet die Revolution.

Wir kommen nun zu einer Thatsache, die nothwendig berichtet werden muß. Es erschien nämlich vor dem Herrn Statthalter ein Cazike, der Gebieter der Stadt Caxamalca und sprach zu diesem durch den Dolmetscher: »Ich thue dir zu wissen, daß Atabaliba, seitdem er gefangen ist, Boten nach seinem Lande Quito und nach allen andern Provinzen geschickt und eine Zusammenziehung von Kriegsvolk befohlen hat, um über dich und deine Leute herzufallen und euch alle zu ermorden. Das ganze Heer rückt unter einem großen Feldherrn, welcher Lluminabi heißt, heran; es ist schon sehr nahe und wird des Nachts eintreffen um das Lager anzugreifen und es von allen Seiten in Brand zu stecken. Der erste, welchen sie zu ermorden versuchen werden, wirst du seyn und dann wollen sie ihren Gebieter Atabaliba befreien. Von den Eingeborenen Quito's kommen 200.000 Kriegsleute, ferner 30.000 Cariben, welche Menschenfleisch essen und auch aus einer andern Provinz, welche Pazalta heißt und aus den übrigen Landestheilen kommt eine große Menge Kriegsvolk.« – Als der Statthalter diese Nachricht vernommen und dem Caziken sehr gedankt und viele Ehre erwiesen hatte, befahl er einem Notar alles zu Protokoll zu nehmen und sogleich eine Untersuchung anzustellen. Dieser zog einen Oheim Atabaliba's, einige Häuptlinge und mehrere Indianerinnen ein und fand daß der Cazike und Gebieter von Caxamalca in allem die Wahrheit gesagt hatte. – Der Statthalter stellte nun Atabaliba zur Rede und fragte ihn: »Welchen Verrath führst du gegen mich, im Schilde, da ich dich doch wie einen Bruder geehrt und mich auf dein Wort verlassen habe?« – Er warf ihm nun alles vor was er gehört und herausgebracht hatte, worauf Atabaliba erwiederte: »Treibst du deinen Scherz mit mir? Sagst du mir denn immer nur solche närrische Dinge? Was sind wir, ich und mein ganzes Volk gegen so tapfere Männer wie ihr seyd; und wir sollen euch zum Zorne reizen? Treibe keinen Scherz mit mir.« – Alles dieses sprach er ohne irgendeinen Schein von Bestürzung und lachend, um seine Treulosigkeit besser verbergen zu können. Uebrigens hatte er während seiner Gefangenschaft oft mit der lachenden Miene eines abgefeimten Menschen so arg gelogen, daß die Spanier, welche diese Lügen mit anhörten, erstaunt waren bei einem Wilden so viel Schlauheit zu finden.

Der Statthalter ließ eine Kette herbeibringen und sie ihm um den Hals legen; darauf schickte er zwei Indianer als Spione fort um auszukundschaften, wo das Kriegsheer stehe, weil man ihm hinterbrachte, es sey nur noch sieben Meilen von Caxamalca entfernt. Sie sollten erspähen ob es in einer Gegend stünde, wo man es mit 100 Reitern angreifen könne. Man berichtete aber, daß es in einer gebirgigen Gegend stehe und sich allmählich heranziehe; er erfuhr ferner, daß Atabaliba, nachdem ihm die Kette angelegt worden war, sogleich Boten abgeschickt habe um einem [ **seinem ??] Feldherrn zu melden, daß er von dem Statthalter ermordet worden sey. Auf diese Nachricht habe sich der Feldherr mit einem [ **seinem ??] Heere zurückgezogen. Sogleich hinter diesem Boten habe aber Atabaliba andere mit dem Befehle an ihn abgesendet sogleich und ohne Verzug anzurücken, weil er noch am Leben sey und weil er ihn, wenn er länger zögere, todt finden werde; dabei gab er ihm Nachricht, wie, wo und zu welcher Stunde er das Lager angreifen solle. Als der Statthalter alles dieß erfahren hatte, ließ er in dem Lager alle möglichen Vorsichtsmaaßregeln anordnen und die ganze Reiterei die ganze Nacht hindurch Runde machen. In jeder Nacht wurde dreimal abgelöst. Während jeder Nachtwache machten 50 Reiter und bei der Morgenwache 150 Reiter die Runde. In allen diesen Nächten schliefen weder der Statthalter noch seine Hauptleute, indem sie die Runden untersuchten und überall nachsahen, wo es nöthig war. Selbst die abgelöste Wache, welche schlafen durfte, legte ihre Waffen nicht ab und die Pferde standen fortwährend gesattelt.

Während man ununterbrochen diese Vorsichtsmaaßregeln im Lager beobachtete, kamen am Samstage bei Sonnenuntergang zwei von den Indianern, welche im Dienste der Spanier standen, an und meldeten dem Statthalter, daß das Kriegsheer, vor welchem sie die Flucht ergriffen hätten, nur noch drei Meilen entfernt sey und in dieser oder in der folgenden Nacht erscheinen werde, um das Lager der Christen anzugreifen, denn es rücke den von Atabaliba erhaltenen Befehlen zufolge in großer Eile vor. Der Statthalter verurtheilte nun sogleich im Einverständnisse mit den Beamten Seiner Majestät, den Hauptleuten und andern erfahrenen Personen den Atabaliba zum Tode und bestimmte in seinem Urtheile, daß er des vergangenen Verrathes wegen lebendig solle verbrannt werden, wenn er sich nicht zum Christenthum bekehre und zwar zur Sicherheit der Christen, zum Wohl des ganzen Landes und zur schnelleren Eroberung und Beruhigung desselben; denn wenn Atabaliba todt sey, würde sich alles Kriegsvolk zerstreuen und nicht den Muth haben anzugreifen und die von ihm gegebenen Befehle zu befolgen. Man holte ihn also herbei, um Standrecht über ihn zu halten. Als er auf dem Richtplatz ankam, verlangte er ein Christ zu werden und man meldete dieß sogleich dem Statthalter, der ihn zu taufen befahl. Der sehr ehrwürdige Vater, Bruder Vicenti di Valverde, taufte ihn und sprach ihm Muth ein. Der Statthalter befahl nun ihn nicht zu verbrennen, sondern ihn an einen Pfahl auf dem Platze zu hängen was auch geschah. Er blieb daran hängen bis zum Morgen des folgenden Tages, wo die Mönche und der Statthalter nebst den übrigen Spaniern ihn nach der Kirche brachten und ihn mit großer Feierlichkeit und mit aller möglichen Ehre, die man ihm erweisen konnte, begruben. So endete dieser Mann, der so viele Grausamkeiten verübt hatte; er starb mit vielem Muthe ohne Schmerz zu zeigen und empfahl seine Söhne dem Statthalter. Als man ihn fortbrachte, um ihn zu beerdigen, erhoben die Weiber und Diener seines Hauses ein großes Jammergeschrei. Er starb an einem Samstage in derselben Stunde, in welcher er besiegt und gefangen worden war. Manche behaupteten, er sey seiner Sünden wegen an demselben Tage und in derselben Stunde, in welcher er gefangen worden sey, gestorben. Ihm wurde auf diese Weise für die großen Verbrechen und Grausamkeiten, die er an seinen Unterthanen verübt hatte, vergolten; denn alle bezeugten einstimmig, er sey der blutdürstigste und grausamste Mann gewesen, den je die Menschen gesehen. Der geringsten Ursache wegen zerstörte er eine ganze Stadt und eines geringen Vergehens wegen, das sich ein einziger Bewohner derselben zu Schulden kommen ließ, mordete er 10.000 Leute. Durch seine Tyrannei hielt er das ganze Land in Unterwürfigkeit, war aber von allen im höchsten Grade verabscheut.

Der Statthalter nahm sogleich einen andern Sohn des älteren Cuzko, welcher ebenfalls Atabaliba hieß und gegen die Christen freundlich gesinnt schien, und setzte ihn in Gegenwart der Caziken, der Gebieter der umliegenden Orte und vieler andern Indianer in die Herrschaft ein und befahl diesen allen, ihn als ihren Beherrscher anzuerkennen und ihm zu gehorchen wie sie früher Atabaliba gehorcht hätten, da er als rechtmäßiger Sohn des ältern Cuzco ihr angestammter Herrscher sey. Alle versprachen, ihn als ihren Herrscher zu betrachten und ihm zu gehorchen, wie der Statthalter befohlen.

Ich muß hier auch noch einer auffallenden Thatsache erwähnen. Als Atabaliba 20 Tage vor diesen Ereignissen und ehe man noch etwas von dem Heere, welches er hatte zusammenziehen lassen, wußte, eines Nachts sehr munter mit einigen Spaniern schwatzte, erschien unvermuthet am Himmel in der Richtung von Cuzco ein Zeichen, welches einem feurigen Kometen glich und während des größten Theiles der Nacht sichtbar blieb. Als Atabaliba es wahrnahm, bemerkte er, daß in ganz kurzer Zeit in diesem Lande ein großer Fürst sterben würde.

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