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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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22. Hernando Pizarro's Zug nach Xauxa. Beschreibung des Wegs. Netzbrücken.

»Am Tage der Erscheinung des Herrn, gewöhnlich das Fest der heiligen drei Könige genannt, Mittwoch den 5 (6 Januar) des Jahres 1533, brach der Hauptmann Hernando Pizarro mit 20 Reitern und einer Anzahl Flintenschützen von Caxamalca auf und nahm an demselben Tage sein Nachtlager in einigen einzeln stehenden Häusern fünf Meilen von der genannten Stadt. Am andern Tage hielt er an einem Orte, welcher Ychoca heißt, Mittag; er wurde hier gut empfangen, und man versah ihn und seine Leute mit allem was sie nöthig hatten. An diesem Tag übernachtete er in einem kleinen Orte, der den Namen Guancasanga führt und von der Stadt Guamachuco abhängig ist. Am andern Morgen erreichte er Guamachuco, eine große, in einem Thale zwischen Bergen gelegene Stadt von gutem Ansehen und mit schönen Häusern. Der Gebieter derselben hieß Guamanchoro und nahm den Hauptmann und seine Begleiter wohl auf. Hier traf ein Bruder Atabaliba's ein, welcher abgeschickt worden war um die Ankunft des Goldes von Cuzco zu beschleunigen. Von ihm erfuhr der Hauptmann, daß 20 Tagreisen hinter ihm der Häuptling Chilicuchima komme und die ganze Menge Goldes, welche Atabaliba verlangt habe, bringe. Da der Hauptmann bemerkte, wie sehr man mit der Herbeischaffung des Goldes zögerte, schickte er einen Boten an den Statthalter, um von ihm Verhaltungsbefehle zu verlangen und ihm zu sagen, daß er bis zur Ankunft der Antwort an Ort und Stelle bleiben würde. In dieser Stadt erkundigte er sich bei mehreren Indianern, ob Chilicuchima wirklich so weit herkäme, und als er einigen Häuptlingen hart zu Leibe ging, bekannten sie ihm daß Chilicuchima nur sieben Meilen von Guamachuco in dem Orte Andamarca mit einem Heere von 20.000 Mann stehe und heranrücke, um die Christen umzubringen und seinen Gebieter zu befreien; der, welcher dieß eingestand, versicherte, er habe am Tage vorher mit Chilicuchima gegessen. Ein anderer Gefährte dieses Häuptlings, welchen man auf die Seite nahm, machte dieselbe Aussage.«

»Auf diese Nachricht entschloß sich der Hauptmann, Chilicuchima entgegenzugehen, ordnete seine Mannschaft und schlug den bezeichneten Weg ein. Am ersten Tage nahm er sein Nachtlager in einem kleinen Orte, welcher Tambo heißt und von Guamachuco abhängig ist. Hier zog er weitere Erkundigungen ein und alle Indianer, so viele er deren auch fragte, sagten dasselbe aus wie die ersten. In diesem Orte hielt er während der ganzen Nacht gute Wache und setzte am andern Morgen seinen Weg mit großer Vorsicht fort. Schon vor Mittag erreichte er den Ort Andamarca, fand aber daselbst weder den erwähnten Heerführer, noch irgend eine andere Nachricht von ihm als die, welche ihm zuerst der Bruder Atabaliba's mitgetheilt hatte, daß er sich nämlich mit vielem Gold in dem Orte, welcher Xanca (Xauxa) heiße, befinde und allmählich näher komme. Zu Andamarca erreichte ihn auch die Antwort des Herrn Statthalters, worin ihm dieser sagte: da er in Erfahrung gebracht habe, daß Chilicuchima mit dem Golde noch so weit entfernt sey, da er auch wisse, daß er den Oberpriester der Moschee von Pachacama in seiner Gewalt habe, und wie viel Gold ihm dieser versprochen habe, so solle er sich über den Weg, welcher dorthin führe, erkundigen und ihn, wenn er es für gut fände, einschlagen, um das dort befindliche Gold zu holen; unterdessen würde auch wohl das von Cuzco kommende eintreffen.«

»Der Hauptmann zog also Erkundigung über den Weg und die Anzahl der Tagreisen bis zu der Moschee ein, und obschon die bei ihm befindliche Mannschaft schlecht mit Hufeisen und andern auf einem so weiten Weg nöthigen Dingen versehen war, so entschloß er sich doch in Betracht des Dienstes, welchen er Seiner Majestät dadurch leiste, daß er das Gold, ehe es Indianer fortschleppten, hole, und um das Land zu untersuchen, ob es sich zur Ansiedelung der Christen eigne, zu diesem Wagnisse; er machte sich also trotz der noch erhaltenen Nachricht, daß auf dem weiten Weg auch viele Flüsse, über welche nur Netzbrücken führten, und gefährliche Stellen sich fänden, am 14 Januar auf dem Weg und nahm einige Häuptlinge mit, die schon in jener Gegend gewesen waren. An demselben Tage kam er über zwei gefährliche Stellen und über zwei Flüsse und nahm sein Nachtlager in einem Orte, welcher Totopamba heißt und an dem Abhange eines Berges liegt. Die Indianer nahmen ihn wohl auf und gaben sowohl hinreichende Lebensmittel und alles was für die Nacht nöthig war, als auch Träger für das Gepäck. – Am folgenden Tag setzte er seinen Weg fort und übernachtete in einem andern kleinen Orte, welcher Corongo heißt. Auf der Mitte des Weges kam er durch einen mit Schnee angefüllten Engpaß und sah auf dem ganzen Wege eine große Menge Heerden mit ihren Hirten, welche sie bewachten und auf den Bergen wohnten, wie in Spanien. Die Bewohner dieses Ortes, der von Guamachoro abhängig ist, lieferten Lebensmittel, so wie auch sonst alles Nöthige und Träger für das Gepäck. Am andern Tag ging er weiter und nahm sein Nachtlager in einem andern kleinen Orte, welcher Siga heißt, wo man aber niemand fand, weil alle Einwohner aus Furcht entflohen waren. Diese Tagreise war sehr schlimm, denn man mußte an einem Abhange, wo der steile Weg stufenweise in das Gestein gehauen und für die Pferde sehr gefährlich war, herabsteigen. Am andern Tage um die Mittagszeit erreichte er einen großen Ort, welcher in einem Thale liegt. Auf der Hälfte des Weges kam man an einen großen reißenden Fluß, über welchen zwei Brücken neben einander führen, die auf folgende Weise aus Netzwerk gemacht sind. Man erbaut an dem Wasser starke, ziemlich hohe Pfeiler, spannt dann von einem Ufer des Flusses zum andern aus weidenähnlichen Binsen gefertigte Taue, die so dick wie eine Hüfte und auf beiden Seiten an große Steine festgebunden sind; der Zwischenraum von einem Taue zum andern hat ungefähr die Breite eines Wagens und beide sind quer durch starke, gut geflochtene Seile verbunden; unten daran hängen sie große Steine, um durch ihre Schwere die Brücke im Gleichgewicht zu halten. Die eine Brücke dient dem gemeinen Volke als Uebergang und an ihr steht ein Pförtner, welcher das Brückengeld erhebt; über die andere gehen nur die Gebieter des Landes und ihre Häuptlinge. Sie ist immer geschlossen; man öffnete sie aber dem Hauptmann und seinen Leuten; die Pferde kamen ohne alle Schwierigkeit hinüber. – In dem erwähnten Orte rastete der Hauptmann zwei Tage, weil die Mannschaft und Pferde von dem schlechten Weg ermüdet waren. Die Christen wurden hier sehr gut empfangen und mit Lebensmitteln und allem Nöthigen versehen. Der Herr dieses Ortes hieß Pumapaecha.«

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