Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Francisco de Xerez >

Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
Schließen

Navigation:

18. Große Beute. Freilassung der Gefangenen. Einiges über das Kriegswesen der Indianer. Atabaliba's Wohnung im Lager.

Der erste Hauptmann wachte in der Nacht die Runde und untersuchte die Wachposten, welche er an den geeigneten Punkten aufgestellt hatte. Am Morgen des folgenden Tages schickte der Statthalter einen Hauptmann mit dreißig Reitern aus und befahl ihnen das Feld zu durchstreifen und die Waffen der Indianer zu zerbrechen; unterdessen ließ die im Lager gebliebene Mannschaft durch die gefangenen Indianer die Todten von dem Platze fortschaffen. Der Hauptmann mit den Reitern sammelte alles was er in dem Lager und in den Zelten Atabaliba's fand ein und kam vor Mittag mit seiner Beute an Männern, Frauen, Schafen, Gold, Silber und Zeugen in das Lager zurück. Bei der Beute befanden sich achtzigtausend Pesos Gold, siebentausend Mark Silber und vierzehn Smaragden. Das Gold und Silber bestand in ungeheuern Stücken, in großen und kleinen Schüsseln, Krügen, Töpfen, Kohlenbecken, großen Bechern und andern verschiedenen Gegenständen. Atabaliba bemerkte, daß all dieses Geschirr zu den für seine Bedienung bestimmten Geräthen gehört habe, und daß eine noch größere Menge derselben von seinen Indianern, als sie die Flucht ergriffen, müsse mitgenommen worden seyn. Der Statthalter befahl die Schafe, welche in so großer Menge vorhanden waren daß sie im Lager hinderten, alle loszulassen und jeden Tag nur so viele zu schlachten als man nöthig hätte; die in der vorhergehenden Nacht gefangenen Indianer ließ er auf den Platz führen und jeden Christen so viele auswählen, als er zu seiner Bedienung bedurfte. Die übrigen ließ er frei und befahl ihnen nach Hause zu gehen, denn sie waren aus verschiedenen Provinzen und Atabaliba hatte sie zum Kriegsdienste und zur Bedienung seines Heeres herbeigezogen.

Manche waren der Ansicht, man solle alle Kriegsleute tödten oder ihnen die Hände abschneiden. Der Statthalter gab aber seine Einwilligung nicht und hielt es nicht für gut so grausam zu verfahren. Wenn auch, meinte er, die Macht Atabaliba's groß sey, wenn dieser auch eine bedeutende Anzahl Kriegsvolk zusammenbringen könne, so sey doch die Macht Gottes, unseres Herrn, unvergleichlich viel größer und er leiste in seiner unendlichen Güte den Seinen stets Beistand; sie dürften fest überzeugt seyn, daß der, welcher sie aus der Gefahr des vorhergehenden Tages befreit habe, sie auch in Zukunft nicht verlassen würde, besonders da sie als Christen die gute Absicht hätten, diese ungläubigen Barbaren zum Dienste Gottes und zur Erkenntniß des heiligen katholischen Glaubens zu bringen. Sie sollten also diesen nicht nachahmen und nicht gleich ihnen ihre Kriegsgefangenen schlachten; es sey schon an denen genug, welche in dem Treffen gefallen seyen, und er halte es nicht für wohlgethan, die übrigen, welche man wie Schafe in einen Pferch hereingetrieben habe, zu morden oder ihnen sonst einen Schaden zuzufügen. – Darauf wurden sie in Freiheit gesetzt.

In der Stadt Caxamalca fand man gewisse Häuser, welche mit in Ballen zusammengeschnürten Zeugen bis unter die Dächer angefüllt waren; man sagte es seyen die Vorräthe für die Bedürfnisse des Heeres. Die Christen nahmen davon so viel ihnen behagte, und die Häuser blieben doch immer so voll, daß das Hinweggenommene keine Lücke gemacht zu haben schien. Die Zeuge gehörten zu den besten welche man bis jetzt in Indien gesehen hatte, und bestanden entweder, und zwar größtentheils, aus Wolle, oder aus Baumwolle von verschiedener, sehr haltbarer Farbe. – Ueber die vorgefundenen Waffen, deren sie sich im Kampfe bedienten, und über ihre Art und Weise Krieg zu führen, ist folgendes zu bemerken: den Vortrab bilden die Schleuderer, welche mit ihren Schleudern eigens dazu hergerichtete glatte, eiergroße Kieselsteine werfen; diese Schleuderer führen auch Schilde, welche sie aus dünnen aber sehr starken Brettern verfertigen, und tragen mit Baumwolle gefütterte Wämser. Nach diesen kommen andere mit Keulen und Streitäxten; die Keulen sind anderthalb Klafter lang und so dick wie die Lanze eines Infanteriehauptmanns. Der an dem oberen Ende befestigte Knopf besteht aus Metall, ist so dick wie eine Faust und mit fünf oder sechs spitzen Stacheln von der Größe eines Daumens besetzt. Sie führen diese Keulen mit beiden Händen. Ihre Streitäxte sind von derselben Länge und oft noch länger; die aus Metall bestehende Schneide ist handbreit, wie an einer Hellebarde. Manche Häuptlinge haben solche Streitäxte und Keulen von Gold und Silber. Dieser Abteilung folgt eine andere mit kleinen, Wurfspießen ähnlichen Lanzen, welche zum Schleudern eingerichtet sind. Der Nachtrab endlich besteht aus Pikeniren mit dreißig Fuß langen Piken; sie haben am linken Arm eine aus dichter Wolle bestehende Armschiene, an welcher die Pike widerliegt. Das Heer ist in Haufen mit eigenen Fahnen und Hauptleuten, welche den Befehl führen, eingetheilt und die Ordnung ungefähr gerade so groß wie bei den Türken. Manche tragen auch große Helme, welche den Kopf bis zu den Augen bedecken: sie bestehen zwar nur aus Holz und sind mit Baumwolle ausgefüttert, aus Eisen verfertigte können aber nicht stärker seyn. Das Kriegsvolk, aus welchem Atabaliba sein Heer gebildet hatte, bestand, da es fortwährend im Felde lag, durchaus aus sehr gewandten, krieggeübten, jungen und hochstämmigen Leuten, und tausend von ihnen waren hinreichend, jede Stadt dieses Landes, und wenn sie auch zwanzigtausend Einwohner zählte, zu erobern.

Die Wohnung Atabaliba's, welche in der Mitte seines Lagers stand, war die schönste die man je bei den Indianern gesehen, und obgleich klein, hatte sie doch vier Abtheilungen, in der Mitte derselben einen Hof und in diesem ein Becken, in das durch eine Röhre Wasser fiel, welches so heiß war, daß man die Hand nicht darin leiden konnte. Es entspringt völlig siedend auf einem nahegelegenen Berge. Durch eine andere Röhre läuft kaltes Wasser in die erste und beides fällt vermischt durch eine Röhre in das Becken. Will man nur ein Wasser, so schließt man die Röhre des andern. Das Becken selbst ist groß und aus Steinen erbaut. Außerhalb des Hauses, an der einen Seite des Hofes befindet sich ein anderes Becken, welches nicht so gut gearbeitet ist als das erste, aber steinerne Stufen hat um hineinzusteigen, wenn man sich baden will. Der Ort, wo sich Atabaliba während des Tages aufhielt, war ein nach einem Garten hin gelegener Erker; daran stieß ein Gemach, worin er schlief, mit einem Fenster auf den Hof und das Becken; auch der Erker ging auf den Hof. Die Wände waren mit einem rothen Harze, besser und glänzender als Röthel, getüncht, und auch die Balken, welche die Bedachung des Hauses trugen, waren mit derselben Farbe angestrichen. Eine andere nach außen hin gerichtete Abtheilung besteht aus vier runden glockenförmigen, ineinandergehenden Gewölben mit einem schneeweißen Anstriche. Die beiden andern Abtheilungen waren für die Dienerschaft bestimmt. An der Vorderseite des Hauses strömte ein Fluß vorüber.

 << Kapitel 23  Kapitel 25 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.