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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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15. Abgeordnete gehen in das Lager Atabaliba's. Unterhandlungen mit demselben.

Der Bote entfernte sich mit dieser Antwort, und als es Nacht wurde, kam auch der Hauptmann Hernando Pizarro mit den Christen zurück. Sie begaben sich sogleich zu dem Statthalter und statteten ihren Bericht ab. Auf dem Wege hatten sie eine gefährliche mit Morast gefüllte Stelle gefunden, welche vorher aber gut und gangbar gewesen zu seyn schien, denn eine breite aus Steinen und Erde gebaute Straße lief von der Stadt bis zum Lager Atabaliba's; aber der Theil der Straße, welcher über die gefährliche Stelle führte, war absichtlich zerstört und sie mußten an einem andern Orte den Uebergang versuchen. Ehe sie zu dem Lager gelangten, setzten sie über zwei Flüsse und vor dem Lager selbst strömte ein Fluß, über welchen die Indianer auf einer Brücke gingen, so daß das Lager auf dieser Seite ganz mit Wasser umgeben war. Der zuerst ausgeschickte Hauptmann ließ seine Leute diesseits des Flusses, um die Eingeborenen nicht zu erschrecken, ging aber selbst nicht über die Brücke, weil er sein Pferd der Gefahr durchzubrechen nicht aussetzen wollte, sondern setzte sammt seinem Dolmetscher durch das Wasser. Er ritt durch eine Schaar Kriegsvolk, welches schlagfertig dastand, und kam dann zu der Wohnung Atabaliba's, wo er auf einem Platze 400 Indianer antraf, welche die Leibwache zu bilden schienen. Der Tyrann saß an der Thüre seiner Wohnung auf einem niedrigen Stuhle und vor ihm standen eine Menge Indianer und Weiber, welche ihn beinahe einschlossen. An der Stirne trug er eine zwei Hände breite Quaste von Wolle, welche wie carmoisinrothe Seide aussah; sie war an dem Kopfe mit Schnüren, die bis auf die Augen herabhingen, befestigt und gab ihm ein weit würdevolleres Aeußere, als er wirklich hatte. Als der Hauptmann nun bis zu ihm gekommen war, sagte er ihm durch seinen Sprecher oder Dolmetscher, daß er ein Hauptmann des Statthalters und von diesem zu ihm geschickt sey, um ihn in seinem Namen zu benachrichtigen, welch großes Verlangen er trage ihn zu sehen, und daß es ihn sehr freuen würde, wenn es ihm gefällig wäre ihn zu besuchen. Auf diese und andere Reden erwiederte Atabaliba nichts, er hob nicht einmal den Kopf auf, um den Hauptmann anzusehen, sondern ein Häuptling antwortete diesem auf das was er vorgebracht hatte.

Während dieser Zeit erreichte der zweite Hauptmann den Ort, wo der erste seine Mannschaft zurückgelassen hatte, und fragte diese nach ihrem Anführer; er erhielt den Bescheid, daß dieser sich zu einer Unterredung mit Atabaliba begeben habe, worauf auch er seine Leute zurückließ, über den Fluß ging und an dem Orte, wo sich Atabaliba aufhielt, erschien. Der Hauptmann, welcher sich bei diesem befand, rief sogleich: »Hier ist ein Bruder des Statthalters; sprich mit ihm, denn er kommt, dich zu besuchen.« – Jetzt erst erhob der Cazike die Augen und sprach: »Maizabilica, ein Häuptling, der mir am Flusse Turicara dient, hat mir durch einen Boten sagen lassen, wie arg ihr die Caziken mißhandeltet und sie in Ketten legtet; auch hat er mir ein eisernes Halsband geschickt und gemeldet, daß er drei Christen und ein Pferd getödtet habe. Nichtsdestoweniger bin ich entschlossen, morgen frühe den Statthalter zu besuchen und der Freund der Christen zu werden, weil sie gut sind.« – Hernando Pizarro erwiederte: »Maizabilica ist ein Großsprecher und ein einziger Christ würde ihn und alle Indianer an jenem Fluß tödten; wie könnte er aber Christen oder ein Pferd umbringen, da diese Leute doch alle feige Memmen sind? Weder der Statthalter noch die Christen mißhandeln die Caziken, wenn diese nicht Krieg mit ihnen suchen; im Gegentheil erweisen sie denen, welche ihre Freunde zu seyn wünschen, alles Gute; mit denen aber, welche Krieg wünschen, wird er so lange geführt, bis sie vertilgt sind. Wenn du dich einmal überzeugt hast was die Christen, wenn sie dir im Kriege gegen deine Feinde Beistand leisten, vermögen, wirst du leicht einsehen, daß dich Maizabilica belogen hat.« – »Wohlan, nahm Atabaliba das Wort, ein Cazike hat mir den schuldigen Gehorsam versagt; mein Kriegsvolk soll mit euch ausziehen, um ihn zu bekämpfen.« – »Um einen Caziken, entgegnete Hernando Pizarro, ist es, wenn er auch noch so viele Krieger hat, nicht der Mühe werth deine Indianer ins Feld rücken zu lassen, zehn christliche Reiter reichen hin um ihn zu vertilgen.« – Atabaliba lachte und lud sie zu einem Trunke ein; die Hauptleute erwiederten, um nicht sein Getränk verschlucken zu müssen, daß sie fasteten; als er aber weiter in sie drang, nahmen sie seine Einladung an. Sogleich erschienen Frauen mit goldnen Gefäßen, welche mit Maischicha gefüllt waren. Als Atabaliba sie gewahrte, warf er ihnen einen Blick zu ohne ein Wort zu sagen, und sogleich entfernten sie sich und kamen mit andern größeren goldenen Gefäßen wieder, aus welchen sie die Spanier trinken ließen. Darauf verabschiedeten sich diese und Atabaliba blieb bei seinem Versprechen, daß er den Statthalter am folgenden Morgen besuchen werde. – Das Lager der Indianer war auf dem Abhange eines Hügels aufgeschlagen und die aus Baumwollenzeug verfertigten Zelte, in deren Mitte sich das des Atabaliba erhob, nahmen einen meilelangen Raum ein; das sämmtliche Kriegsvolk war vor den Zelten aufgestellt und die Waffen, nämlich Spieße von der Länge einer Reiterlanze, stacken in dem Boden. In dem Lager schienen über 30.000 Mann versammelt zu seyn.

Als der Hauptmann von allem was geschehen war, Kenntniß erhalten hatte, befahl er, während der Nacht im Lager sorgfältig auf der Hut zu seyn, und gab seinem ersten Hauptmann den Auftrag, die Wachen zu untersuchen und während der ganzen Nacht Runden um das Lager gehen zu lassen, was auch geschah. Am Morgen des folgenden Tages, welcher ein Samstag war, erschien vor dem Statthalter ein Bote Atabaliba's und sprach in dessen Namen zu ihm: »Mein Gebieter läßt dich benachrichtigen, daß er dich zu besuchen und seine Mannschaft bewaffnet mitzubringen wünsche, weil du auch die deinige gestern bewaffnet geschickt habest, und daß du ihm einen Christen senden mögest, um ihn hierher zu geleiten.« – »Sage deinem Gebieter, erwiederte der Statthalter, daß er zur guten Stunde kommen möge und wie es ihm beliebe und daß ich ihn, wie er auch immer komme, als Freund und Bruder empfangen würde; daß ich ihm aber keinen Christen schicken könne, weil es bei uns nicht gebräuchlich sey, einen solchen von einem Herrn zu einem andern zu schicken.« – Der Bote entfernte sich mit diesem Bescheid. Kaum war er im Lager angekommen, als die Wachen schon das ganze Kriegsvolk ausrücken sahen. Nach kurzer Zeit langte ein zweiter Bote an und sprach zu dem Statthalter: »Atabaliba läßt dir sagen, daß er doch nicht sein Kriegsvolk, wohl aber weil er dieses zurücklasse, viele andere unbewaffnete Leute mitbringen wolle, weil er diese bei sich zu haben und in der Stadt unterzubringen wünsche, daß man ihm selbst aber ein Gebäude auf dem Platze zu seiner Wohnung überlassen möge, nämlich das Gebäude, welches man das Schlangenhaus nenne, weil sich darin eine steinerne Schlange befinde.« – Der Statthalter erwiederte, daß dieses alles nach seinem Wunsche geschehen solle und daß er nur recht bald kommen solle, weil er großes Verlangen habe ihn zu sehen. – Bald darauf bemerkte man, wie sich das Feld mit Leuten anfüllte und wie diese bei jedem Schritte vorwärts wieder stehen blieben, um die aus dem Lager nachkommenden zu erwarten. Das Vorrücken der Leute auf dem Wege dauerte bis gegen Abend und sie hielten sich stets in Haufen beisammen. Sobald sie über die schon erwähnte gefährliche Stelle gekommen waren, machten sie auf dem Felde in der Nähe des christlichen Lagers Halt, bis alles Volk das indianische Lager verlassen hatte. Der Statthalter befahl jetzt heimlich allen seinen Leuten, sich in ihren Wohnungen zu bewaffnen und die Pferde gesattelt und aufgezäumt zu halten; darauf theilte er sie in drei Schaaren und untersagte, daß irgend einer sich aus seiner Wohnung auf den Platz begebe. Den Artilleriehauptmann ließ er seine Geschütze auf den Sammelplatz der Feinde richten und befahl ihm, wenn es Zeit seyn würde, zu feuern. In die Straßen, welche zu dem Platze führten, legte er Mannschaft in Hinterhalt; er selbst aber behielt 20 Fußgänger bei sich in seiner Wohnung, um mit ihrer Hülfe sich der Person Atabaliba's zu bemächtigen, wenn dieser bei seinem Besuche Hinterlist zeigen sollte, was wirklich der Fall zu seyn schien, weil er eine so große Menge Leute mit sich brachte. Er trug ihnen auf, den Caziken lebendig fest zu nehmen, allen übrigen aber befahl er, selbst wenn sie die Feinde in den Platz einrücken sahen, ihren Standort nicht eher zu verlassen, als bis sie den Donner des Geschützes hörten. Er würde, sagte er ihnen ferner, Wachen ausstellen und, sobald man Hinterlist bemerke, den Befehl zum Angriffe geben; alsdann sollten bei dem Rufe »Santiago« die Fußgänger aus ihren Wohnungen hervorbrechen und die Reiter herbeisprengen.

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