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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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14. Einzug in Caxamalca. Beschreibung dieser Stadt. Die Spanier besetzen einen Theil derselben und die Festung.

Am nächsten Tag setzte der Statthalter seinen Weg fort und schlug sein Nachtlager in einer mit Gras bedeckten Fläche auf, um am folgenden Nachmittage zu Caxamalca, wovon er, wie man ihm sagte, nicht mehr weit entfernt war, einzutreffen. Hier erschienen wirklich die Boten Atabaliba's mit Lebensmitteln für die Christen. Am folgenden Morgen erhob sich der Statthalter mit Tagesanbruch und rückte mit seiner Mannschaft in geschlossenen Reihen bis eine Meile von Caxamalca vor, wo er den Nachtrab erwartete und Fußvolk und Reiterei sich in schlagfertigen Zustand setzen ließ. Er richtete alles zum Einzüge in die Stadt her, theilte seine Leute in drei Haufen und setzte in dieser Ordnung seinen Weg fort, während er Atabaliba benachrichtigen ließ, er möge zu einer Unterredung mit ihm nach Caxamalca kommen. Als man vor der Stadt eintraf, sah man das Lager Atabaliba's eine Meile davon am Abhange eines Berges. – Der Statthalter rückte an einem Freitage zur Stunde der Vesper am 15. November des Jahres 1532 in Caxamalca ein. In der Mitte der Stadt ist ein großer mit Wohnhäusern besetzter und mit einer Erdmauer eingefaßter Platz; da der Statthalter nirgends einen Menschen fand, so ergriff er Besitz von dem Platz und schickte einen Boten zu Atabaliba mit der Nachricht von seiner Ankunft und mit dem Ersuchen, er möge zu einer Unterredung mit ihm herbeikommen und ihm zeigen, wo er seine Wohnung nehmen solle. Unterdessen ließ er die Stadt besichtigen, ob sich nicht irgend eine andere bessere und festere Stelle, um das Lager aufzuschlagen, finde, und befahl, daß Niemand sich aus dem Platz entfernen und die Reiterei nicht eher absteigen solle, als bis man wisse ob Atabaliba komme. Bei der Besichtigung fand man, daß nirgends bessere Wohnungen zu finden seyen.

Diese Stadt, welche die bedeutendste dieses Thales ist, liegt auf dem Abhange eines Berges und nimmt einen Flächenraum von einer Meile ein. Zwei Flüsse strömen durch das nirgends unterbrochene Thal, welches auf der einen Seite von einer gutbevölkerten Gegend, auf der andern von Bergen umgeben ist. Die Stadt hat 2000 EinwohnerHier muß im Original ein Fehler seyn. und am Eingange, wo die beiden Flüsse vorüberströmen, kommt man über zwei Brücken. Der Platz ist größer als irgend einer in Spanien, ringsum eingefaßt und hat zwei Thore, welche in die Straßen der Stadt führen. Die Häuser reichen mehr als 200 Schritte weit, sind sehr gut gebaut und mit starken drei Klafter hohen Erdmauern umgeben. Die Dächer sind mit Stroh und Balken, welche sich auf die Mauern stützen, bedeckt. Unter diesen Häusern befinden sich einige Wohnungen, welche in acht Gemächer abgetheilt und weit besser eingerichtet sind als die übrigen. Die Mauern derselben bestehen aus gutbehauenen Steinen, die einzelnen Gemächer sind alle durch gemauerte Zwischenwände geschieden und jedes hat seine Thüre; in den Höfen befinden sich Becken, in welche das Wasser von außen her durch Röhren zum Gebrauche der Bewohner geleitet ist. – Auf der einen Seite nach dem Felde hin hängt mit dem Platze eine aus Steinen erbaute Festung zusammen, zu welcher man auf einer aus behauenen Steinen bestehenden Treppe hinaufsteigt; auch kann man von außen her auf der Seite nach dem Felde hin durch eine kleine verdeckte Thüre und eine enge Stiege hinaufkommen, ohne durch den ummauerten Platz gehen zu müssen. Ueber der Stadt nach dem Berge hin, gerade da wo die Häuser anfangen, erhebt sich eine andere Festung, welche auf einem größtentheils senkrechten Felsen steht; sie ist größer als die erste und von einer dreifachen Mauer umgeben; eine Wendeltreppe führt zu ihr hinauf. Man hatte solche Festungen vorher bei den Indianern noch nirgends gesehen. Zwischen dem Berge und dem großen Platze ist ein anderer ganz mit Häusern eingefaßter kleinerer, wo eine Menge Weiber zum Dienste Atabaliba's wohnten. Vor dem Eingange in die Stadt sieht man ein mit Erdmauern eingefaßtes und von einem mit Bäumen bepflanzten Hofe umgebenes Gebäude; die Eingeborenen nannten es das Sonnenhaus, wie sie denn überhaupt in jeder Stadt der Sonne Moscheen errichtet haben. Man findet an diesem Orte so wie allenthalben im ganzen Lande noch viele andere Moscheen; sie zollen denselben große Verehrung, und wenn sie hineingehen, lassen sie ihre Fußbekleidung an der Thüre. – Sobald man in das Gebirg eintritt, bemerkt man, daß die Bewohner aller Orte Vorzüge vor allen übrigen haben, durch deren Gebiet man bereits gekommen war, denn sie sind reinlich und verständig und die Frauen ehrbarer. Diese gürten ihre Kleider mit schön gearbeiteten Schnüren, welche auf dem Leibe geknüpft sind. Darüber tragen sie einen Ueberwurf, welcher von dem Haupte bis zur Mitte der Hüfte reicht und einem Damenmantel ähnlich ist. Die Männer tragen Hemden ohne Aermel und darüber Mäntel. Alle Frauen weben in ihren Wohnungen Wolle und Baumwolle und verfertigen daraus die nöthigen Kleidungsstücke und die Fußbekleidung für die Männer, welche Strümpfen gleicht.

Nachdem der Statthalter lange Zeit mit den Spaniern auf dem Platze gestanden und auf die Ankunft Atabaliba's oder eines Bevollmächtigten desselben, der ihm Wohnung anweisen würde, gewartet hatte, und als er bemerkte, daß es bereits spät war, schickte er einen Hauptmann mit zwanzig Reitern zu Atabaliba, um ihn zu einer Zusammenkunft mit ihm einzuladen. Er befahl ihm sich ruhig zu benehmen und sich mit den Leuten in keinen Streit einzulassen, sie müßten ihn denn suchen, dagegen alle Mühe anzuwenden, um mit Atabaliba selbst zu sprechen und sodann mit der Antwort zurückzukehren. Als der Hauptmann die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, stieg der Statthalter auf die Spitze der Festung und gewahrte von da vor den Zelten auf dem Felde eine große Menge Kriegsvolk. Damit nun die Christen, welche ausgezogen waren, nicht zu Schaden kommen möchten und sich bei einem Angriffe zu ihrer Rettung einander besser unterstützen und sich vertheidigen könnten, schickte er ihnen einen andern Hauptmann, seinen Bruder, mit noch zwanzig Reitern nach und befahl ihm sich ebenfalls ruhig zu verhalten. Als es kurz darauf zu regnen und zu hageln anfing, ließ er seine Leute von den Gemächern des Palastes Besitz nehmen und legte den Artilleriehauptmann mit den Geschützen in die Festung. Während man diese Einrichtung traf, langte ein Bote Atabaliba's mit dem Bescheide an, der Statthalter möge seine Wohnung nehmen wo es ihm beliebe, nur solle er sich nicht in der Festung des Platzes lagern; Atabaliba selbst könne im Augenblicke nicht kommen, weil er faste. Der Statthalter erwiederte, er wolle dieß thun und er habe bereits seinen Bruder zu seinem Gebieter abgesendet, um ihn zu einer Unterredung einzuladen, weil er des vielen Guten wegen, was er von ihm gehört habe, sehr ihn zu sehen und kennen zu lernen wünsche.

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