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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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13. Zurückkunft des von Pizarro abgeschickten indianischen Botschafters und Bericht desselben.

Der Statthalter entließ sie und setzte am folgenden Tag seinen Weg immer noch durch das Gebirge fort und nahm sein Nachtlager in einigen Wohnungen, die er in einem Thale fand. Kurz nach seiner Ankunft traf der Häuptling, welchen Atabaliba zuerst als Botschafter mit dem Geschenke der beiden Festungen geschickt hatte, auf dem Wege von Caxas nach Çaran ein. Der Statthalter zeigte große Freude über sein Erscheinen und fragte ihn nach den Absichten Atabaliba's. Er erwiederte, diese seyen gut und er schicke ihn mit zehn Schafen, um sie den Christen zu überliefern. Dieser Gesandte drückte sich mit vieler Leichtigkeit aus und schien seinen Aeußerungen nach ein sehr gewandter Mann zu seyn. Als er seine Rede geendigt hatte, fragte der Statthalter die Dolmetscher was er gesprochen habe. Sie erklärten, daß er dasselbe wie der Botschafter am Tage vorher gesagt und ebenfalls mit vielem Wortgepränge die große Macht seines Gebieters, die bedeutende Stärke seines Heeres gerühmt und endlich betheuert und versichert habe, daß Atabaliba den Statthalter friedlich empfangen würde und ihn als seinen Freund und Bruder zu betrachten wünsche. Der Statthalter antwortete ihm mit wohlwollenden Redensarten, wie er auch bei dem andern gethan hatte. Der Gesandte hatte ein fürstliches Gefolge bei sich und fünf oder sechs Gefäße von feinem Gold, aus welchem er das mitgebrachte ChichaEin aus Mais bereitetes gegohrenes Getränk. trank und den Spaniern zu trinken gab. Er äußerte auch, daß er in der Gesellschaft des Statthalters nach Caxamalca zurückzugehen wünsche.

Am Morgen des nächsten Tages brach der Statthalter auf und zog, wie am vorhergehenden, stets durch das Gebirg, bis er zu einigen Atabaliba angehörenden Wohnungen gelangte, wo er einen Tag Rast machte. Am folgenden Tage traf der indianische Häuptling aus der Provinz San Miguel, welchen der Statthalter als Botschafter zu Atabaliba geschickt hatte, ein. Als er den Gesandten Atabaliba's, welcher gegenwärtig war, erblickte, stürzte er sich auf ihn, nahm ihn bei den Ohren und zog ihn tüchtig, bis der Statthalter ihm befahl ihn los zu lassen, denn wenn er ihnen nicht gewehrt hätte, so wäre zwischen beiden ein ernster Kampf entstanden. Er fragte nun den Häuptling, warum er den Gesandten seines Bruders Atabaliba auf diese Weise behandle, worauf dieser erwiederte: »Dieser Mann ist ein Taugenichts, ein Aufhetzer Atabaliba's, der nur hierher kommt, um sich als eine bedeutende Person zu gebärden und Lügen zu schwatzen, denn Atabaliba rüstet sich auf der Ebene vor Caxamalca zum Kampfe und hat zahlreiches Kriegsvolk um sich versammelt; die Stadt fand ich menschenleer, und als ich in das Lager kam, traf ich eine Menge Kriegsleute mit vielem Vieh und vielen Zelten an, und alle waren schlagfertig. Sie zeigten sogar Lust mich umzubringen; ich bemerkte ihnen aber, daß man, wenn sie mich umbrachten, auch ihre Gesandten umbringe und daß man diese nicht eher als bis ich zurückgekommen seyn würde loslasse, worauf sie mich gehen ließen; doch gaben sie mir keine Lebensmittel,Es war bei den Bewohnern Peru's Sitte den Abgesandten Lebensmittel zu verabreichen, es mußte also als eine große Beleidigung Pizarro's gelten, wenn man sie seinem Abgeordneten verweigerte. sondern ich mußte mir diese eintauschen. Ich bemerkte ihnen, daß ich Atabaliba zu sehen und ihm meine Aufträge auszurichten wünsche; sie gestatteten es aber nicht, indem sie vorgaben er halte die Fasten und könne Niemand sprechen. Einer seiner Oheime kam endlich herbei, um mit mir zu sprechen; ich sagte ihm, daß ich dein Botschafter sey und überhaupt alles was du mir auszurichten befohlen hast. Er fragte mich: »»Was sind die Christen für Leute und welche Waffen führen sie?«« – Ich erwiederte ihm, daß es tapfere, kriegerische Männer seyen, daß sie Pferde mit sich führten, welche schnell seyen wie der Wind, daß die darauf Sitzenden lange Speere führten, womit sie wen sie wollten niederstießen, weil sie mit zwei Sprüngen an ihm seyen, und daß die Pferde noch mehr Leute durch ihre Füße und ihre Mäuler tödteten. »Die Christen, welche zu Fuß gehen, sagte ich ihnen weiter, sind sehr gewandt, tragen an einem Arme eine hölzerne Scheibe, womit sie sich vertheidigen, starke mit Wolle gefütterte Wämser und sehr scharfe Schwerter, womit sie mit jedem Hiebe einen Menschen in der Mitte entzweispalten und einem Schafe den Kopf abschlagen. Damit durchschneiden sie alle Waffen, deren sich die Indianer bedienen; andere tragen Armbrüste, welche weithin reichen und womit sie auf jeden Schuß einen Menschen tödten, und wieder andere Donnerbüchsen, die feurige Kugeln schleudern, wodurch eine Menge Volk niedergeworfen wird.« – Dieß alles, erwiederten sie, habe nichts zu bedeuten, die Christen seyen nur in geringer Anzahl und die Pferde nicht bewaffnet; sie wollten diese schon mit ihren Spießen niederstechen.– Ich bemerkte ihnen, daß die Pferde eine harte Haut hatten, durch welche ihre Spieße nicht dringen könnten. Vor den Donnerbüchsen, meinten sie, dürften sie sich nicht fürchten, denn die Christen hätten deren nicht mehr als zwei. – Noch in dem Augenblicke, als ich abreisen wollte, bat ich sie mich Atabaliba sehen zu lassen, da ja doch auch seine Abgesandten vor dem Statthalter, der doch größer als er sey, erscheinen und mit ihm sprechen dürften. Sie gestatteten mir aber keine Unterredung mit ihm und ich kam deßhalb zurück. Ueberlege nun, ob ich nicht mit Recht diesen da tödten wollte, der, obschon er, wie man mir gesagt hat, ein Zwischenträger Atabaliba's ist, mit dir spricht und an deinem Tische speist, und mir, einem Häuptlinge, gestattete man nicht mit Atabaliba zu sprechen, noch gab man mir zu essen, und nur meinen guten Gründen habe ich es zu verdanken, daß man mich nicht ermordete.«

Der Gesandte Atabaliba's war sehr erschrocken, als er den andern Indianer mit so großem Eifer sprechen sah und erwiederte: »Wenn sich keine Einwohner in der Stadt Caxamalca befanden, so hat dieß keine andere Ursache, als um die Wohnungen zur Aufnahme der Christen zu räumen, und Atabaliba steht nur deßhalb im Felde, weil er es seit dem Beginne des Krieges so gewöhnt ist; wenn man dir keine Unterredung mit Atabaliba gestattete, so geschah es aus keiner andern Ursache, als weil er fastete, wie es seine Gewohnheit ist; man ließ ihn dich nicht sehen, weil er an seinen Fasttagen ganz zurückgezogen lebt und zu dieser Zeit mit Niemand spricht. Keiner wagte deßhalb ihm zu melden, daß du angekommen seyst, denn wenn er es gewußt hätte, so hätte er dich vorgelassen und dir zu essen gegeben.« – Außer diesen Gründen führte er noch viele andere an und betheuerte fortwährend, daß Atabaliba die Christen in friedlichen Absichten erwarte. Wollte man alle Gespräche, welche zwischen diesem Indianer und dem Statthalter gewechselt wurden, ausführlich aufzeichnen, so würde eine große Schrift daraus werden; wir geben also der Kürze wegen nur den Hauptinhalt. Der Statthalter erwiederte dem Gesandten, er glaube, daß sich alles so verhalte wie er sage, weil er es nicht anders von seinem Bruder Atabaliba erwarten könne. Er verfehlte demnach nicht ihn fernerhin ebenso gut zu behandeln wie vorher, grollte dagegen seinem eigenen indianischen Botschafter und gab ihm zu verstehen, daß er über ihn ungehalten sey, weil er den Gesandten in seiner Gegenwart mißhandelt habe. Für sich jedoch war er vollkommen überzeugt, daß sein Indianer die Wahrheit gesprochen habe, denn er kannte schon hinlänglich das hinterlistige Benehmen der Indianer.

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