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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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11. Absendung eines Caziken als Gesandten an Atabaliba. Fortsetzung des Wegs.

Der Statthalter blieb hier noch vier Tage mit seiner Mannschaft. Am Tage vor seinem Aufbruch hatte er eine Unterredung mit einem indianischen Häuptling der Provinz San Miguel und fragte ihn: ob er sich getraue als Spion nach Caxamalca zu gehen und über das was in jener Gegend vorginge Nachricht einzuziehen. Der Indianer erwiederte, daß er als Spion nicht hinzugehen wage, daß er aber als Gesandter zu Atabaliba sich verfügen und mit ihm sprechen wolle; er würde dann erfahren, ob sich Kriegsvolk im Gebirge befinde und welche Absichten Atabaliba habe. Der Statthalter gab ihm sonach den Auftrag, so wie ihm gut dünke zu thun und ihn, wenn sich, wie er vernommen, Kriegsvolk im Gebirge befinde, sogleich durch einen der ihn begleitenden Indianer davon zu benachrichtigen. Er solle ferner mit Atabaliba und seinen Leuten sprechen und ihnen erzählen, wie die friedlich gesinnten Caziken von ihm und den Christen gut behandelt würden und daß diese nur solche bekämpften, welche sich ihnen feindlich entgegenstellten. Er solle über alles was er gesehen die Wahrheit sagen und daß er, wenn Atabaliba sich redlich benehmen würde, sein Freund und Bruder werden, ihn begünstigen und mit ihm in den Krieg ziehen wolle. – Mit diesem Bescheide reiste der Indianer ab, der Statthalter aber setzte seinen Weg durch die Thäler weiter fort und erreichte jeden Tag einen Ort mit einem gleich einer Festung ummauerten Hause. Nach drei Tagen kam er an einen Ort, welcher am Fuße des Gebirgs liegt, und hier ging er rechts von dem Wege ab, welchem er bis jetzt gefolgt war, denn dieser lief durch die Thäler weiter fort bis nach Chincha, der andere aber führte gerade nach Caxamalca. Der Weg nach Chincha, an welchem stattliche Wohnorte lagen, war, wie man erfuhr, bis zum Flusse San Miguel als Heerstraße hergerichtet, und an ihm lief auf beiden Seiten eine Erdmauer hin. Er war so breit, daß zwei Wagen nebeneinander fahren konnten und reichte von Chincha bis nach Cuzco; an vielen Stellen war er an beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt, um ihn schattig zu machen. Cuzco der Aeltere hatte ihn angelegt und dieser reiste auf ihm, wenn er sein Land besuchte und nahm in den erwähnten ummauerten Häusern sein Nachtlager. Einige Spanier waren der Ansicht, daß der Statthalter besser thue, wenn er mit ihnen den Weg nach Chincha einschlage, denn auf dem anderen Wege müsse man, ehe man nach Caxamalca gelange, ein schwieriges Gebirge übersteigen, welches Atabaliba mit Kriegsvolk besetzt habe und wo man auf dem Durchzuge leicht Schaden leiden könne. Der Statthalter aber erwiederte, Atabaliba wisse bereits, daß er ihm, seit er vom Flusse San Miguel aufgebrochen, entgegengehe; wenn er nun einen andern Weg wähle, so würden die Indianer sagen, er wage nicht ihnen entgegenzukommen, und der Hochmuth, den sie jetzt schon hätten, würde sich noch steigern; aus dieser und aus vielen andern Ursachen hielte er es für besser von dem einmal eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen, sondern Atabaliba aufzusuchen, wo er sich befände; sie sollten nur alle den Muth zeigen, welchen er von ihnen erwarte, und sich nicht durch die Nachrichten über die Menge Kriegsvolk, welche Atabaliba bei sich habe, schrecken lassen; seyen auch die Christen der Zahl nach weniger, so sey doch der Beistand unseres Herrn hinreichend die Feinde zu besiegen und diese zur Erkenntniß des heiligen katholischen Glaubens zu führen; er habe noch jeden Tag unsern Herrn bei andern weit größeren Gefahren als die gegenwärtige sey Wunder thun sehen, und außerdem kämen sie ja auch in der guten Absicht, diese Ungläubigen zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen, ohne irgend einem andern ein Leid oder Schaden zuzufügen, als denen, welche sich ihrem Willen zu widersetzen oder sie mit den Waffen zu bekämpfen versuchten.

Nachdem der Statthalter auf diese Weise seine Gründe dargelegt, erklärten alle, er möge nur den Weg, welchen er für den geeignetsten halte, einschlagen, sie würden ihm alle beherzt folgen, und wenn die Zeit zum Handeln gekommen sey, so solle er sehen, was jeder von ihnen zu leisten vermöge. – Nach der Ankunft am Fuße des Gebirges rasteten sie einen Tag, um die zum Uebergange nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Nachdem der Statthalter mit sachverständigen Leuten Berathung gepflogen hatte, entschloß er sich eine Nachhut mit dem Gepäcke zurückzulassen und nahm nur 40 Reiter und 60 Fußgänger mit sich; die andern übergab er einem Hauptmanne mit dem Befehle, ihm stets in gleicher Entfernung nachzufolgen, und mit dem Bedeuten, daß er ihm stets würde Bescheid zukommen lassen, wie er sich zu verhalten habe. Nach dieser Verständigung fing der Statthalter an aufwärts zu steigen; die Reiter führten ihre Pferde an der Hand. Um Mittag kam man an eine ummauerte Festung auf einer Anhöhe in einem so schwierigen Passe, daß sich hier wenige Christen gegen ein großes Kriegsheer vertheidigen könnten, denn der Weg war so steil, daß man an manchen Stellen wie auf Leitern aufwärts klettern mußte, und man konnte an keinem andern Punkte das Gebirg übersteigen, als nur auf diesem einzigen Wege. Man zog durch den Paß, ohne daß ihn Jemand vertheidigte; die Festung ist durch eine Steinmauer eingeschlossen und liegt auf einer von Felsspitzen umgebenen Anhöhe; der Statthalter ruhte hier aus und nahm sein Mittagsmahl ein. Auf dieser Höhe war es so kalt, daß manche von den Pferden, welche schon die in den Thälern herrschende Hitze gewöhnt waren, sich erkälteten. Von hier ging der Statthalter weiter, um an einem anderen Orte zu übernachten, zuvor aber schickte er einen Boten an die Nachkommenden und ließ ihnen melden, daß sie völlig sicher durch den Paß ziehen könnten, daß sie sich aber eilen sollten, um die Nacht in der Festung zubringen zu können. Er selbst schlug sein Nachtlager an dem erwähnten weiteren Orte auf, in einem festen Hause, das mit einer aus gut behauenen und verbundenen Steinen erbauten, mit Thoren versehenen Mauer, gleich einer der besten Festungen in Spanien, umgeben war; und hätte man in diesem Lande spanische Bauleute und Werkzeuge verwendet, so würde die Einfassungsmauer nicht besser gerathen seyn. Die Einwohner des Ortes waren entflohen, mit Ausnahme einiger Weiber und weniger Indianer. Der Statthalter befahl einem Hauptmanne einige der letzteren aufzuheben, und dieser ergriff zwei der angesehensten; man fragte jeden derselben einzeln über die Beschaffenheit des Landes, wo Atabaliba stehe und ob er friedliche oder kriegerische Absichten hege? Der Hauptmann erfuhr von ihnen, daß sich Atabaliba seit drei Tagen zu Caxamalca befinde und viel Kriegsvolk bei sich habe; seine Absichten kennten sie zwar nicht, wohl aber hätten sie stets gehört, daß er mit den Christen Frieden zu halten wünsche; die Einwohnerschaft des Ortes, wo man sich eben befinde, stände übrigens auf der Seite Atabaliba's.

Als die Sonne schon am Untergehen war, langte ein Mann von dem Gefolge des indianischen Häuptlings, welchen man als Botschafter abgesendet hatte, an und meldete, daß er aus der Gegend von Caxamalca als Bote zurückkomme, weil man dort zwei Gesandten Atabaliba's begegnet sey, welche ihm folgten und am andern Tage schon eintreffen würden, daß Atabaliba sich zu Caxamalca befinde und daß sein Gebieter nicht rasten wolle, bis er mit diesem gesprochen habe und die Antwort zurückbringen könne; auf dem Wege habe er übrigens nirgends Kriegsvolk angetroffen. Der Statthalter ließ sogleich den Hauptmann, welcher mit dem Gepäcke ihm nachfolgte, durch ein Schreiben alles dieses wissen, so wie auch, daß er am nächsten Tage nur eine kleine Strecke vorrücken würde, um ihn zu erwarten, und daß dann die ganze Mannschaft wieder zusammen weiterziehen solle. Am Morgen des folgenden Tages setzte er mit seinen Leuten den Weg fort, erstieg vollends das Gebirge und blieb auf der Hochebene, in der Nähe einiger Bäche, um die Nachkommenden zu erwarten. Die Spanier lagerten sich unter ihren baumwollenen Zelten, welche sie mit sich führten, und zündeten Feuer an, um sich gegen die große Kälte, welche man auf dem Gebirge empfand, zu schützen, denn in den Ebenen von ganz Castilien herrscht nirgends eine solche Kälte, wie auf dieser Höhe, welche eine zusammenhängende Fläche bildet und mit einer Pflanze, welche kurzem PfriemengrasEsparto corto; stipa tenacissima Lin. gleicht, durchaus bedeckt ist. Nur wenige Bäume stehen hie und da zerstreut, und das Wasser ist so frisch, daß man es nicht ungewärmt trinken kann. Man hatte erst kurze Zeit gerastet, als der Nachtrab ankam und von der andern Seite die Gesandten eintrafen, welche von Atabaliba geschickt waren und zehn Schafe (Lamas) mitbrachten. Nachdem sie sich dem Statthalter genähert und ihn begrüßt hatten, meldeten sie, daß Atabaliba diese Schafe den Christen sende und zu wissen wünsche, an welchem Tage sie zu Caxamalca einträfen, um ihnen Lebensmittel auf den Weg entgegenschicken zu können. Der Statthalter empfing sie wohlwollend und erwiederte ihnen, daß er sich über ihre Ankunft sehr freue, weil sie von seinem Bruder Atabaliba geschickt seyen, und daß er so schnell als möglich vorrücken werde.

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