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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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10. Pizarro setzt seinen Marsch fort. Der Ort Motur. Einiges über die Sitten und Gebräuche der Peruaner.

Nach der Abreise des Gesandten blieb der Statthalter noch zwei Tage, weil die von Caxas gekommene Mannschaft von dem Marsche ermüdet war, und erstattete während dieser Zeit an die Colonisten der Stadt San Miguel Bericht über die Beschaffenheit des Landes so wie über die Nachrichten, welche er von Atabaliba vernommen hatte, und schickte ihnen die beiden Festungen und im Lande gefertigte wollene Zeuge, die von Caxas gekommen waren. – In Spanien wußte man später diese Zeuge nicht genug zu rühmen und zu schätzen, weil man sie eher für Seide denn für Wolle halten konnte, so wie auch der furchtbaren Arbeit und der aus Gold geschlagenen Figuren wegen, welche sehr kunstreich in das Zeug eingewirkt waren. – Nachdem der Statthalter die Boten nach der Stadt San Miguel befördert hatte, brach er auf und rückte drei Tage vorwärts, ohne einen Ort oder ein Wasser anzutreffen, mit Ausnahme einer geringen Quelle, aus der man sich nur sehr mühsam mit dem nöthigen Vorrath versehen konnte. Am Abend des dritten Tages erreichte man einen großen ummauerten Platz, in dem man aber keine Bewohner fand; man erfuhr übrigens, daß er dem Caziken, welcher Gebieter eines in einem nahen Thale liegenden Ortes sey, der Copiz heiße, angehöre und daß die Festung aus Mangel an Wasser verlassen sey. Am folgenden Tage brach der Statthalter beim Mondscheine auf, weil der nächste Ort eine große Tagreise weiter lag; um Mittag erreichte er ein mit einer Mauer umgebenes Haus mit sehr schönen Gemächern, aus welchem ihm einige Indianer zu seinem Empfange entgegenkamen; weil aber daselbst weder Wasser noch Mundvorrath anzutreffen war, ging er zwei Meilen weiter bis zu dem Orte des Caziken und ließ nach seiner Ankunft daselbst die ganze Mannschaft an einer Stelle beisammen ihr Lager nehmen. Er erfuhr hier von den indianischen Häuptlingen des Dorfes, welches Motur hieß, daß sich der Cazike zu Caxamalca befinde und dreihundert Kriegsleute ausgehoben habe; auch traf er daselbst einen von Atabaliba bestellten Befehlshaber. Er rastete hier vier Tage und während derselben besuchte er einen Theil der Besitzungen des Caziken, welche sich weithin in einem fruchtbaren Thale auszudehnen schienen.

Alle Oerter von hier bis zur Stadt San Miguel sind in Thälern erbaut, und ebenso verhält es sich mit allen übrigen, von denen man Kenntniß erhielt und welche bis zu dem Berge in der Nähe von Caxamalca hin liegen. Auf diesem ganzen Wege hat die Bevölkerung eine und dieselbe Lebensweise; die Frauen tragen ein weites Kleid, welches bis zum Boden herabreicht, gerade wie es bei den Frauen Castiliens Sitte ist, die Männer aber kurze Hemden. Das ganze Volk ist schmutzig, ißt Fleisch und Fische völlig roh und nur den Mais gekocht oder geröstet. Ebenso abscheulich sind seine Opfer und seine Moscheen,Zur Zeit der Eroberung Peru's waren kaum dreißig Jahre seit der Vertreibung der Mauren aus Spanien verflossen, und die Spanier waren immer noch gewöhnt alle nichtchristlichen Völker als Moslems zu betrachten und ihre Tempel mit dem ihnen am geläufigsten Namen Moscheen zu benennen. welchen es große Verehrung zollt und darin stets das Beste seiner Habe darbringt. Diese Leute opfern jeden Monat ihre eigenen Angehörigen und Kinder, bestreichen mit dem Blute derselben die Gesichter der Götzen und die Thüren der Moscheen und sprengen davon auch auf die Gräber der Verstorbenen. Die zur Opferung Bestimmten weihen sich gern dem Tode, lachen, tanzen und singen und verlangen selbst, nachdem sie erst weidlich getrunken haben, daß man ihnen die Köpfe abschlage. Uebrigens werden auch Schafe geopfert. Die Moscheen unterscheiden sich dadurch von den übrigen Häusern, daß sie mit Mauern aus Steinen oder Erde umgeben, sehr gut gebaut und stets auf dem höchsten Punkte des Ortes errichtet sind. Zu Tumbez und an den übrigen Orten haben die Bewohner dieselbe Tracht und dieselben Opfer. Sie bestellen ihr Feld dicht an den Flüssen und vertheilen das Wasser in Canälen. Sie ernten viel Mais und andere Saatfrucht und Wurzeln, die ihnen zur Nahrung dienen. Es regnet nur sehr wenig in diesem Lande.

Der Statthalter setzte seinen Weg zwei Tage lang durch sehr bevölkerte Thäler fort und nahm nach jedem Tagmarsche sein Nachtlager in einem befestigten, mit einer Erdmauer umgebenen Hause. Die Befehlshaber der einzelnen Orte sagten, daß der ältere Cuzco in diesen Häusern rastete, wann er auf der Reise war. Die Bevölkerung dieser Gegend benahm sich friedfertig. Am folgenden Tage kam man durch eine sandige, dürre Gegend, bis man wieder zu einem gut bevölkerten Thale gelangte, durch welches ein großer reißender Fluß strömt. Da dieser sehr angeschwollen war, so schlug man das Nachtlager am diesseitigen Ufer auf, und der Statthalter befahl einem Hauptmanne mit einigen des Schwimmens kundigen Leuten hinüberzuschwimmen und sich an einem der Wohnplätze des andern Ufers festzusetzen, damit die Eingeborenen nicht etwa den Uebergang streitig machten. Der Hauptmann Hernando Pizarro setzte über den Fluß; die Indianer eines am andern Ufer liegenden Ortes kamen ihm friedlich entgegen und er nahm seinen Aufenthalt in einer ummauerten Festung. Obschon einige Indianer sich ihm friedlich nahten, so bemerkte er doch bald, daß die Bewohner der Umgegend, im Aufstande begriffen, alle Orte verlassen und die Hausgeräthe fortgeschafft waren. Er erkundigte sich nach Atabaliba und fragte, ob dieser friedlich oder mit den Waffen in der Hand die Christen erwarte. Niemand wagte aber aus Furcht vor Atabaliba ihm die Wahrheit zu sagen, bis er einen Häuptling auf die Seite nahm und ihn auf die Folter legte, von welchem er dann erfuhr, daß Atabaliba sie mit einem Kriegsheere erwarte, welches aus drei Abtheilungen bestehe, von denen die eine am Fuße des Berges, die andere auf der Höhe und die letzte zu Caxamalca lagere. Der Häuptling versicherte auch selbst gehört zu haben, wie Atabaliba sich mit großem Uebermuthe rühmte alle Christen umbringen zu wollen. – Am Morgen des folgenden Tages setzte der Hauptmann den Statthalter von dem was er gehört hatte in Kenntniß, und dieser befahl sogleich an beiden Ufern Bäume zu fällen, um die Mannschaft und das Gepäck überzusetzen. Es wurden drei Floße erbaut, auf denen während des ganzen Tages die Truppen übersetzten; die Pferde mußten schwimmen. Während dieser ganzen Arbeit blieb der Statthalter anwesend, bis die gesammte Mannschaft das andere Ufer erreicht hatte. Nachdem er endlich selbst über den Fluß gegangen war, schlug er sein Lager in der Festung auf, wo sich der Hauptmann bereits befand und ließ einen Caziken zu sich kommen, von welchem er erfuhr, daß Atabaliba auf dem Wege nach Caxamalca zu Guamachuco mit einem großen Kriegsheere, das sich auf 50.000 Mann belaufe, stehe. Als er von dieser großen Truppenzahl hörte, glaubte er der Cazike irre sich in der Zählung. Er erkundigte sich also nach seiner Art und Weise zu zählen und erfuhr, daß diese Leute von eins zu zehn und von zehn zu hundert zählen, für tausend sagen sie zehnhundert und das Heer Atabaliba's bestand aus fünfmalzehn zehnhundert (50.000). Der Cazike, von welchem der Statthalter diese Auskunft erhielt, war der bedeutendste von allen an diesem Flusse; er erzählte, daß er sich zur Zeit als Atabaliba in sein Land kam aus Furcht verborgen gehalten habe, und dieser habe ihm, als er ihn an seinen Wohnplätzen nicht fand, von 5000 Indianern, die ihm unterthan gewesen seyen, 4000 getödtet und 600 Weiber und 600 Kinder hinweggenommen, um sie unter sein Kriegsvolk zu vertheilen. Der Cazike, sagte er ferner, welcher Herr des Ortes und der Festung, wo sie sich aufhielten sey, heiße Cinto und befinde sich bei Atabaliba.

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