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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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7. Fortsetzung des Wegs bis zum Flusse Turicarami. Freiwillige Unterwerfung der Caziken. Züchtigung einiger Caziken im Gebirge und an der Küste. Gründung der Colonie San Miguel de Piura.

Am ersten Tage der Abreise von Tumbez, welcher auf den 16 Mai 1532 fällt, kam der Statthalter an einen kleinen Ort und nach den drei folgenden Tagen an einen Ort, der zwischen Bergen lag. Der Cazike und Herr desselben erhielt den Namen Juan. Hier rastete er drei Tage und nach wieder drei Tagen erreichte er das Ufer eines Flusses, wo er eine zahlreiche Bevölkerung, eine Menge von Landeserzeugnissen und Heerden von Schafen (Lamas) fand. Die Straße war ganz von Menschenhänden angelegt, breit, gut gebaut und an einigen schwierigen Stellen gepflastert. Als an diesem Flusse, welcher den Namen TuncaramiEr heißt jetzt Rio de Piura oder Rio de Sechura. führt, angelangt war, schlug er in einem Orte, der Puetschio hieß, sein Lager auf. Fast alle Caziken, welche am Flusse abwärts wohnten, kamen friedlich zu dem Statthalter und die Bewohner des Ortes eilten ihm schon auf dem Wege zum Empfange entgegen. Er nahm sie alle mit vielem Wohlwollen auf und verkündete ihnen den ihm von Sr. Majestät gewordenen Auftrag, sie zur Erkenntniß des wahren Glaubens so wie zum Gehorsam gegen die Kirche und Se. Majestät hinzuführen. Nachdem ihnen die Anrede des Statthalters durch die Dolmetscher klar geworden war, erwiederten sie, daß sie seine Vasallen seyn wollten; er nahm sie als solche mit den erforderlichen Feierlichkeiten an und sie leisteten von jetzt an Dienste und lieferten Lebensmittel. Ehe man zu dem erwähnten Orte gelangt, ungefähr in der Entfernung eines Armbrustschusses, liegt ein großer Platz mit einer von einem Walle umgebenen Festung und vielen Gemächern im Innern; hier ließen sich die Spanier nieder, um den Einwohnern nicht zur Last zu fallen. Der Statthalter ließ auch unter Androhung schwerer Strafe verkünden, daß Niemand weder diesen, noch allen andern, die sich friedlich nahten, irgend einen Schaden an ihrem Leibe oder au ihrem Gute zufüge; daß man nicht mehr Lebensmittel nehme, als sie selbst freiwillig zum Unterhalte der Spanier lieferten und daß die Strafe an den Zuwiderhandelnden alsbald solle vollzogen werden, da die Eingeborenen jeden Tag so viel Lebensmittel und Futter für die Pferde herbeibrachten, als nöthig war und überhaupt alles thaten, was ihnen befohlen wurde.

Da der Statthalter sah, daß das Ufer des Flusses fruchtbar und sehr bevölkert war, so ließ er die Umgegend untersuchen und nachforschen, ob sich ein Hafen an einer vortheilhaften Stelle finde; man entdeckte einen sehr guten Hafen an der Küste nicht weit von dem Ufer des Flusses, und Caziken, welche über eine zahlreiche Bevölkerung herrschten, und zwar an Orten, von wo man leicht zur Dienstleistung an den Fluß gelangen konnte. Er besuchte auch selbst alle Orte, und die Gegend schien ihm, nachdem er sich von ihrem Zustande überzeugt hatte, zur Anlegung einer spanischen Colonie geeignet. Um nun dem Willen Sr. Majestät nachzukommen und die Eingeborenen zur Bekehrung und zur Erkenntniß unseres heiligen katholischen Glaubens hinzuleiten, schickte er einen Boten nach Tumbez, um die Spanier, welche dort zurückgeblieben waren, herbeizurufen, damit die Colonie im Einverständniß mit den von Sr. Majestät dazu bestimmten Leuten an einer seinem Dienste und dem Wohl der Eingebornen am besten entsprechenden Stelle angelegt würde. Vor der Absendung des Boten überlegte er wohl, daß die Ankunft der Leute sich sehr verzögern würde, wenn dieser nicht ein Mann wäre, der dem Caziken und den Indianern von Tumbez hinlängliche Furcht einzuflößen wisse, um sie zur Förderung des Marsches der Mannschaft zu bewegen; er schickte deßhalb seinen Bruder, den Generalcapitän Hernando Pizarro. Unterdessen erfuhr der Statthalter, daß einige Caziken, welche in dem Gebirge wohnten, von einer friedlichen Annäherung nichts wissen wollten, obschon sie durch die Befehle Sr. Majestät dazu waren aufgefordert worden; er schickte also einen Hauptmann mit 25 Reitern und einer Anzahl Fußvolk ab, um sie zum Dienste Sr. Majestät zu zwingen. Der Hauptmann fand sie außerhalb ihrer Wohnorte und ließ sie auffordern sich ihm friedlich zu nähern; da sie aber mit den Waffen in der Hand anrückten, so machte der Hauptmann einen Angriff auf sie und verwundete und tödtete in kurzer Zeit so viele Indianer, daß die übrigen sich durch die Flucht retteten. Er ließ sie nun wiederholt auffordern sich friedlich zu nähern, wenn er sie nicht bis zu ihrer gänzlichen Ausrottung bekriegen solle. Sie kamen darauf friedlich herbei und er empfing sie. Nachdem auf diese Weise die ganze Provinz beruhigt war, kehrte er nach dem Orte, wo sich der Statthalter aufhielt, zurück und führte die Caziken mit sich. Der Statthalter empfing sie mit vieler Zuvorkommenheit und befahl ihnen in ihre Wohnorte zurückzukehren und ihr Volk wieder darin zu sammeln. Der Hauptmann berichtete, daß er in den Orten der Caziken des Gebirgs Minen seinen Silbers, welches die Anwohner ausbeuteten und von dem er Proben mitbrachte, angetroffen habe und daß diese Minen zwanzig Meilen von ihrem jetzigen Aufenthaltsorte entfernt seyen.

Der Hauptmann, welcher zur Abholung der Mannschaft nach Tumbez geschickt worden war, kehrte mit derselben nach dreißig Tagen zurück; ein Theil derselben kam mit dem Gepäcke zur See in einem größeren Schiffe, einer Barke und auf Flößen. Diese Fahrzeuge waren von Panama mit Waaren angelangt, brachten aber keine Mannschaft, weil der Hauptmann Diego de Almagro in diesem Hafen eine Flotte ausrüstete, mit welcher er nach Tumbez segeln wollte, um daselbst auf eigene Hand eine Colonie anzulegen. Als der Statthalter die Ankunft der Schiffe erfuhr, ging er, um das Ausladen des Gepäcks zu beschleunigen und es stromaufwärts zu schaffen, mit einiger Mannschaft von dem Orte Puetschio an dem Flusse hinab. Als er an die Küste kam, wo ein Cazike, der Latschira hieß, wohnte, fand er eine Anzahl Christen, welche bereits ausgeschifft waren und sich beklagten, daß der Cazike sie schlecht behandelt habe und daß sie die vergangene Nacht aus Furcht nicht hätten schlafen können, weil sie die Indianer in großer Aufregung und mit ihren Anführern an der Spitze hin- und hergehen sahen.

Der Statthalter zog Erkundigungen bei den Indianern des Landes ein und erfuhr, daß der Cazike von LatschiraDie älteren spanischen Geschichtschreiber legten den Caziken oft den Namen ihres Landes so wie umgekehrt den Ländern die Namen ihrer Caziken bei; deßhalb heißt es hier abwechselnd bald der Cazike Latschira und bald der Cazike von Latschira. mit seinen Häuptlingen und ein anderer Cazike, welcher Almotache hieß, die Uebereinkunft getroffen hatten, die Christen gerade an dem Tage, an welchem er angekommen war, zu ermorden. Auf diese Nachricht hin ließ er den Caziken von Almotache und die indianischen Häuptlinge heimlich aufheben, er selbst nahm den Caziken von Latschira gefangen nebst einigen seiner Häuptlinge, welche das Verbrechen eingestanden. Der Statthalter befahl auf der Stelle Gerechtigkeit zu üben und den Caziken von Almotache sammt seinen Häuptlingen und einigen andern Indianern, so wie auch alle Häuptlinge von Latschira zu verbrennen. An dem Caziken von Latschira selbst wurde diese Strafe nicht vollzogen, weil keine so große Schuld auf ihn zu fallen und er von seinen Häuptlingen gezwungen zu seyn schien; auch wollte man nicht diese Oerter dadurch, daß man beide ohne Oberhaupt ließ, zu Grunde richten. Man bedeutete ihm aber, daß er sich fernerhin gut aufführen möge, weil man ihm bei dem ersten Vergehen nicht mehr verzeihen würde; daß er ferner sowohl seine Unterthanen als auch die des Almotache wieder sammeln und sie beherrschen solle, bis der Erbe der Herrschaft des Almotache, ein unmündiges Kind, das erforderliche Alter erreicht hätte, um selbst regieren zu können. Diese Züchtigung verbreitete übrigens in der ganzen Gegend einen solchen Schrecken, daß ein Bündiß, welches, wie man sagte, alle Bewohner des Landes geschlossen hatten, um über den Statthalter und die Spanier herzufallen, sich auflöste und fernerhin alle weit bereitwilliger und mit größerer Furcht als vorher Dienste leisteten. Nachdem diese Handlung der Gerechtigkeit vollbracht und die ganze von Tumbez gekommene Mannschaft nebst ihrem Gepäck beisammen war; nachdem ferner der ehrwürdige Vater Vicente de Valverde, ein Mönch aus dem Orden des heil. Dominicus, und die Beamten Sr. Majestät die Gegend und das Ufer untersucht hatten, so schuf und gründete der Statthalter (weil die Stelle alle Bedingungen und Eigenschaften eines von den Spaniern anzubauenden Landes in sich vereinigte und weil man auf die Erhaltung der Eingeborenen nach dem Willen Sr. Majestät besondere Rücksicht nehmen mußte) mit Uebereinstimmung der genannten Leute und nach den Befehlen und im Namen Sr. Majestät eine Stadt. Sie lag am Ufer des erwähnten Flusses, sechs Meilen von dem Hafen am Meere, in einem von einem Caziken beherrschten Gebiete, welches Tangarara hieß und erhielt den Namen San Miguel.Die von Pizarro im Jahr 1531 im Gebiete Tangarara (noch andern Targasola) gegründete Stadt San Miguel de Piura wurde später ihrer ungesunden Lage wegen verlassen und an ihren jetzigen Ort am Rande der Sandebene von Sechura verlegt. Um die Schiffe, welche von Panama gekommen waren, nicht durch Verlängerung ihres Aufenthalts Gefahren auszusetzen, ließ er im Einverständniß mit den Bevollmächtigten Sr. Majestät das Gold, welches die eben genannten Caziken und der Cazike von Tumbez als Geschenk gegeben hatten, einschmelzen, schied davon den fünften Theil, welcher Sr. Majestät gehört, und nahm den Rest, welcher der Gesellschaft zukam, von seinen Gefährten als Anlehen, das mit dem ersten Golde, welches man erhalten würde, zurückerstattet werden sollte. Mit dem geliehenen Golde beförderte er die Schiffe und bezahlte das Miethgeld; die Kaufleute setzten ihre Waaren ab und traten die Rückreise an. Seinem Gefährten, dem Hauptmanne Almagro, ließ er andeuten, wie wenig er durch sein Vorhaben, eine neue Stadt zu gründen, Gott und Sr. Majestät diene, indem dadurch alle seine Pläne vereitelt würden. Nachdem der Statthalter die Schiffe abgefördert hatte, vertheilte er unter die Leute, welche sich in der neuen Colonie niederließen, die Ländereien und Bauplätze. Da aber die Ansiedler ohne die Hülfe und Dienstleistung der Eingeborenen nicht bestehen und den Ort nicht anbauen konnten, die Eingeborenen aber bei ihren Dienstleistungen großen Nachtheil hätten leiden müssen, wenn die Caziken nicht unter den Augen von Leuten, die ihnen gebieten konnten, gewesen wären, und nur dann ihre gute Behandlung und ihre Sicherheit gewährleistet ist, wenn die Spanier mit den Indianern, welche die Regierung führen, in näherem Verhältnisse stehen, so übergab der Statthalter, weil es so dem Dienste Gottes und dem Wohl der Eingeborenen am angemessensten schien, in Uebereinstimmung mit dem Dominicanermönche und den Beamten den Ansiedlern des Otis die Caziken und die Indianer, und zwar sollten diese zur Erhaltung jener beitragen, die Christen aber diese nach dem Willen Sr. Majestät in unserem heiligen Glauben unterrichten, und dabei solle es verbleiben, bis man etwa Geeigneteres zum Dienste Gottes, zum Frommen des Königs, der Colonie und der Landeseingeborenen verfügen würde. Auch wurden Gerichtsvorsteher, Schöffen und andere öffentliche Beamten ernannt und diesen Verhaltungsbefehle, nach denen sie sich zu richten hatten, gegeben.

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