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Gerettet aus Sibirien

Sophie Wörishöffer: Gerettet aus Sibirien - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleGerettet aus Sibirien
authorSophie Wörishöffer
year1890
firstpub1885
publisherFerdinand Hirt & Sohn
addressLeipzig
titleGerettet aus Sibirien
pages224
created20111118
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vorrede.

In einem französischen Werke finde ich die Schilderungen desjenigen entsetzlichen Elends, welches solche Unglückliche erleiden, die von der russischen Regierung nach Sibirien verbannt werden. Ich biete sie Euch, meine jungen Leser, im Gewande einer Erzählung, nicht allein, um Eure Mußestunden auszufüllen, sondern hauptsächlich, um Euch zu zeigen, wie unendlich vieles und großes Ihr vor den Unterthanen anderer Länder voraus habt. In Deutschland wird der Verbrecher – und sei er auch der verruchteste – vor öffentlicher Versammlung, nach Gesetz und Recht verurteilt; seine Schuld oder Unschuld wird genau erwogen und endlich seine Strafe menschlich bemessen; die Ausführung derselben geht niemals über in Grausamkeit, nie werden Luft, Licht, Nahrung und Kleidung dem Gefangenen willkürlich entzogen, nie ihm der Trost der Religion, der Aufenthalt im Vaterlande versagt! – Wie es dagegen den russischen Verbannten ergeht, das schildert Euch mein Buch. Es soll die wärmste Liebe zu Kaiser und Reich in Euren jungen Seelen erwecken, es soll Euch zeigen, welch einen Schatz Ihr in Eurer deutschen Nationalität thatsächlich besitzt.

Um aber gerecht zu sein, muß ich hinzufügen, daß sich die Dinge in Rußland auf dem Wege der Besserung befinden. Der verewigte Kaiser Alexander der Zweite hat nicht allein die Leibeigenschaft beseitigt, sondern auch in den sibirischen Verhältnissen mancherlei Wandel geschafft – sein Sohn, Kaiser Alexander der Dritte, ist bemüht, überall auszubauen und die Gerechtigkeit an Stelle der Willkür treten zu lassen. Hoffen wir, daß das namentlich in den baltischen Provinzen seine schönen Früchte tragen möge, daß die schlimmen Deutschenhetzen aufhören und an ihre Stelle jene wahre Verbrüderung trete, die allein der gebildeten Nationen würdig scheint. Um zu tauschen und ergänzend zu geben, zu empfangen, wurden den Völkern die verschiedenen Fähigkeiten, den Ländern die verschiedenen Erzeugnisse geschenkt – aber nicht, damit ein Teil der Kinder Gottes den anderen hasse und verfolge, sondern auf daß die Völker lernen, sich untereinander zu achten und in gegenseitigem Wettstreit nach den höchsten Zielen der Menschheit zu streben, nach Gesittung.

Möge das starke, friedliebende Deutschland diesen seinen leitenden Gedanken hinaustragen in alle Lande und zu allen Nationen! Das walte Gott!

Altona, im Sommer 1884.

S. Wörishöffer.


Bemerkung der Verleger.

Diese neue Auflage ist inhaltlich unverändert geblieben, nur sind die entbehrlichen Fremdwörter durch deutsche Ausdrücke ersetzt worden.

 


 

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