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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Gedichte. Ausgabe letzter Hand

Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte. Ausgabe letzter Hand - Kapitel 314
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Wolfgang von Goethe
titleGedichte. Ausgabe letzter Hand
publisherArtemis-Verlag Zürich
editorErnst Beutler
year1949
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid7bdc9617
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Byrons Don Juan

Mir fehlt ein Held! – »Ein Held, er sollte fehlen,
Da Jahr und Monat neu vom Neusten spricht?» –
Ein Zeitungsschreiber mag sich schmeichelnd quälen,
So sagt die Zeit: es sei der rechte nicht.
Von solchen mag ich wahrlich nichts erzählen,
Da nehm ich mir Freund Juan ins Gesicht;
Wir haben in der Oper ihn gesehen,
Früher als billig war, zum Teufel gehen.

Vernon, der Metzger Cumberland und Wolfe so mit,
Auch Hawke, Prinz Ferdinand, Burgoyne aufs beste,
Keppel und Howe, sie hatten ihre Feste
Wie Wellesley jetzt – Der Könige Schattenschritt
Vom Stamme Bancos – Raben aus Einem Neste! –
Der Ruhm, die Lust zu herrschen reißt sie mit.
Dumouriez', Bonapartes Kampfgewinsten,
Die Zeitung steht den Herren gleich zu Diensten.

Barnave kennt und Brissot die Geschichte,
Condorcet, Mirabeau und Petion auch;
Cloots, Danton, Marat litten viel Gerüchte,
Selbst Lafayette er ging beinahe in Rauch,
Dann Joubert, Hoche, vom Militär-Verpflichte,
Lannes, Desaix, Moreau. Es war der Brauch
Zu ihrer Zeit, an ihnen viel zu preisen;
Doch will das nichts für meine Lieder heißen.

Nelson war unser Kriegsgott, ohne Frage,
Und ist es noch dem herzlichsten Bekenntnis;
Doch von Trafalgar tönet kaum die Sage,
Und so ist Flut und Ebbe wetterwendisch.

Aus griechscher Jungfrau nie entschlafnem Geist
Antwort und Schicksal. Das Geliebteste
Hatt er gemordet, wußte nicht, wen er traf;
Starb ungesühnt. Wenn er auch schon zu Hülfe
Den milden Zeus berief, Phigaliens
Arkadische Beschwörer aufrief, zu gewinnen
Vom aufgebrachten Schatten sein Verzeihen,
Auch eine Grenze nur des Rächens. Die versetzte
Mit zweifelhaftem Wortsinn; doch erfüllt wards.

Und hätt ich nie gelebt! das, was ich liebe,
Wäre noch lebendig; hätt ich nie geliebt!
Das, was ich liebe, war noch immer schön
Und glücklich, glückverspendend. Und was aber,
Was ist sie jetzt? Für meine Sünden büßte sie –
Ein Wesen? Denk es nicht – vielleicht ein Nichts.
In wenig Stunden frag ich nicht umsonst,
In dieser Stunde fürcht ich, wie ich trotze,
Bis diese Stunde schreckte mich kein Schauen
Der Geister, guter, böser. Zittr' ich nun?
Und fühl am Herzen fremden kalten Tau!
Doch kann ich tun was mich im tiefsten widert,
Der Erde Schrecken ruf ich auf. – Es nachtet!

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