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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Gedichte. Ausgabe letzter Hand

Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte. Ausgabe letzter Hand - Kapitel 312
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typepoem
authorJohann Wolfgang von Goethe
titleGedichte. Ausgabe letzter Hand
publisherArtemis-Verlag Zürich
editorErnst Beutler
year1949
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Drei Palinodien

 

1

 

»– Weihrauch ist nur ein Tribut für Götter
Und für die Sterblichen ein Gift.«

 

 

Soll denn dein Opferrauch
Die Götter kränken?
Du hältst die Nase zu –
Was soll ich denken?
Den Weihrauch schätzet man
Vor allen Dingen;
Wer ihn nicht riechen kann,
Soll ihn nicht bringen.

Mit starrem Angesicht
Verehrst du Puppen;
Und riecht der Priester nicht,
So hat Gott den Schnuppen.

 

2. Geist und Schönheit im Streit

Herr Geist, der allen Respekt verdient
Und dessen Gunst wir höchlich schätzen,
Vernimmt, man habe sich erkühnt,
Die Schönheit über ihn zu setzen;
Er macht daraus ein großes Wesen.
Da kommt Herr Hauch, uns längst bekannt
Als würdiger Geistsrepräsentant,
Fängt an, doch leider nicht galant,
Dem Luderchen den Text zu lesen.
Das rührt den Leichtsinn nicht einmal,
Sie läuft gleich zu dem Prinzipal:
Ihr seid ja sonst gewandt und klug,
Ist denn die Welt nicht groß genug!
Ich laß Euch, wenn Ihr trutzt, im Stich;
Doch seid Ihr weise, so liebt Ihr mich.
Seid versichert, im ganzen Jahr
Gibts nicht wieder so ein hübsches Paar.

ΑΛΛΩΣ

Die Schönheit hatte schöne Töchter,
Der Geist erzeugte dumme Söhne;
So war für einige Geschlechter
Der Geist nicht ewig, doch das Schöne.
Der Geist ist immer Autochthone.
So kam er wieder, wirkte, strebte
Und fand, zu seinem höchsten Lohne,
Die Schönheit, die ihn frisch belebte.

 

3. Regen und Regenbogen

Auf schweres Gewitter und Regenguß
Blickt' ein Philister zum Beschluß
Ins weiterziehende Grause nach,
Und so zu seinesgleichen sprach:
Der Donner hat uns sehr erschreckt,
Der Blitz die Scheunen angesteckt,
Und das war unsrer Sünden Teil!
Dagegen hat, zu frischem Heil,
Der Regen fruchtbar uns erquickt
Und für den nächsten Herbst beglückt.
Was kommt nun aber der Regenbogen
An grauer Wand herangezogen?
Der mag wohl zu entbehren sein,
Der bunte Trug! der leere Schein!

Frau Iris aber dagegen sprach:
Erkühnst du dich zu meiner Schmach?
Doch bin ich hier ins All gestellt
Als Zeugnis einer bessern Welt,
Für Augen, die vom Erdenlauf
Getrost sich wenden zum Himmel auf
Und in der Dünste trübem Netz
Erkennen Gott und sein Gesetz.
Drum wühle du, ein andres Schwein,
Nur immer den Rüssel in den Boden hinein
Und gönne dem verklärten Blick
An meiner Herrlichkeit sein Glück.

 

Valet

Sonst war ich Freund von Narren,
Ich rief sie ins Haus herein;
Brachte jeder seinen Sparren,
Wollten Zimmermeister sein.
Wollten mir das Dach abtragen,
Ein andres setzen hinauf,
Sie legten das Holz zu Schragen
Und nahmens wieder auf
Und rannten hin und wider
Und stießen einander an;
Das fuhr mir in die Glieder,
Daß ich den Frost gewann.
Ich sagt: Hinaus, ihr Narren! –
Sie ärgerten sich drob;
Nahm jeder seinen Sparren,
Der Abschied, der war grob.

Daher bin ich belehret.
Ich sitze nun an der Tür;
Wenn einer sich zu mir kehret:
Geh, ruf ich, für und für!
Du bist ein Narr, so greulich! –
Da macht er ein flämisch Gesicht:
»Du Hausherr! Wie abscheulich!
Was gibst dir für ein Gewicht!
Wir faseln ja durch die Straßen,
Wir jubeln auf dem Markt,
Wird einer wegen Unmaßen
Gar selten angequarkt;
Du sollst uns gar nichts heißen!«

*

Nun endet meine Qual!
Denn, gehn sie vor die Türe –,
Es ist besser als in den Saal.

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