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August von Platen: Gedichte - Kapitel 88
Quellenangabe
titleGedichte
authorAugust von Platen
year1968
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000291-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170915
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Hymnus aus Sizilien

(1835)

            Gestirnerleuchtete Nacht, o geuß
In mein Gemüt tiefsinnigen Gesanges unerschöpflichen reichen Quell!
Denn der Natur gleich sei das Festlied,
Die den Tag nicht bloß, den erfreulichen, uns
Durch farbige Gebilde reizend ausschmückt,
Nein, dem Dunkel sogar der Lichtfunken stets wachen Glanz verlieh.

Es bangt die Seele zur ernsten Zeit,
Des fremden Eilands Küste, die umdunkelte, betrachtend im Mondenlicht,
Welche voreinst glanzhell umstrahlt war,
Als die Luft, durch griechische Lieder bewegt,
Sanft bebete dem Saitenspiel Apollons,
Den Päane des Volks am buschreichen Bergquell verherrlichet:

Es bangt des Späteren Seele, der
Sich selber mißtraut, nordischen Gefilden an den eisigen Seen entsproßt,
Wenn er im Wettstreit soll der Vorwelt
Kunstbegabt nachringen, ein ernstlicher Kampf!
Doch reifere Genüsse beut der Herbst ja,
Wenn das üppige Veilchen auch nie zurückbringt den Würzeduft.

Es scherzt, Proserpina, länger nicht
Um dich die Schar braunlockiger Gespielinnen im öderen Ennatal;
Dornen umblühn jetzt jenen Bergschlund,
Den der zweizackmächtige Gatte verließ,
Als dunkle Hyazinthen pflückend harmlos
Dich der Liebende fand, des fraunschönen Eilandes höchste Zier.

Der Nymphen Klage verscholl umsonst,
Am Flammenberg anzündete die mütterliche Fackel umsonst der Schmerz,
Streifend umher stets. Jener Gott hob
Aufs Gespann schwarzmähniger Hengste die Braut:
Hochwipflige Zypressen nahmen auf dich,
Durch Asphodeloswiesen quoll dir der lichtscheue Lethestrom.

Die Insel aber erhieltest du
Von Zeus zur Mitgift. Mütterlich umpflegete sie deiner Erzeugerin
Reichliche, füllhornmilde Hand stets;
Denn es liebt inbrünstige Liebe den Ort,
Wo zärtlichen Ergusses einst gepflegt sie,
Auf verlassener Stelle rückwünschend Niewiederkehrendes.

Und seit entlediget dieses Land
Der holden Obhut, schmachtet es in trägem, unermeßlichem Zauberschlaf:
Heimischer Gottheit ist's beraubt nun.
Nach des Nords reizloseren Triften entfloh
Tatkräftige Gewalt und reger Kunstfleiß:
Auch die spröde Natur bezwingt, traun! der niemüde Menschengeist.

Germaniens Helden eroberten
Das Nordgefild samt wonnigeren Auen an dem Strand des Oreto selbst.
Dieses Gestad' ist noch des Ruhmes voll,
Den zurückließ ihre gewaltige Faust:
Wo Friederich im Grabe schläft und Heinrichs
Frühbestatteter Leib zugleich ruht im porphyrnen Sarkophag.

Erlauchte Taten begleite stets
Des Sängers Wort, das rühmlichem Beginnen unerschwinglichen Lohn verheißt,
Der der Gemeinheit nicht erreichbar.
Schön erwuchs Deutschland in heroischer Kraft;
Doch schöner, die entwölkte Stirn mit Weisheit
Krönend, stehet es jetzt, und stolz hebt's den wahnfreien Blick empor.

So darf der redliche Dichter nicht
Verzagen, der ehmaliger Bekränzungen entblätterten Raum betritt:
Hellas erscheint nicht mehr so furchtbar. -
Mich des Hochmuts zeihen die meisten, und doch
War keiner so bescheiden, weil ich langsam
Hob der Fittige Schwung, und spät erst die kunstreichste Form ergriff.

 


 

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