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August von Platen: Gedichte - Kapitel 84
Quellenangabe
titleGedichte
authorAugust von Platen
year1968
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000291-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170915
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Acqua Paolina

(1827)

            Kein Quell, wieviel auch immer das schöne Rom
Flutspendend ausgießt, ob ein Triton es sprützt,
    Ob sanft es perlt aus Marmorbecken,
        Oder gigantischen, alten Schalen:

Kein Quell, soweit einst herrschte der Sohn des Mars,
Sei dir vergleichbar, auf dem Janiculum
    Mit deinen fünf stromreichen Armen
        Zwischen granitene Säulen plätschernd.

Dort winkt mir Einsamkeit, die geliebte Braut,
Von dort beschaut, vielfältig ergötzt, der Blick
    Das Rom des Knechts der Knechte Gottes
        Neben dem Rom der Triumphatoren.

Kühn ragt, ein halbentblätterter Mauerkranz,
Das Kolosseum; aber auch dir, wie steigt
    Der Trotz der Ewigkeit in jedem
        Pfeiler empor, o Palast Farnese!

Wo sonst des finsterlockigen Donnergotts
Siegreicher Aar ausbreitete scharfe Klau'n,
    Da hob sich manch Jahrhundert über
        Giebel und Zinne das Kreuz und herrschte.

Bis jüngst, der Schicksalslaune gewaltig Spiel,
Ein zweiter Cäsar lenkte den Gang der Welt,
    Der pflanzte sein dreifarbig Banner
        Neben den schönen Koloß des PhidiasD. h. auf dem Quirinal, wo Pius VII. wohnte. ;

Ein Sohn der Freiheit; aber uneingedenk
Des edlen Ursprungs, einem Geschlechte sich
    Aufopfernd, das ihn wankelmütig
        Heute vergötterte, morgen preisgab.

O hätte dein weitschallendes Kaiserwort
Dem Volk Europas, was es erfleht, geschenkt,
    Wohl wärst du seines Lieds Harmodius,
        Seines Gesanges Aristogiton!

Nun ist verpönt dein Name, Musik erhöht
Ihn nicht auf Wohllautsfittigen; nur sobald
    Dein Grab ein Schiff umsegelt, singen
        Müde Matrosen von dir ein Chorlied.

Und Rom? Es fiel nochmaliger Nacht anheim,
Doch schweigt's, und lautlos neben der herrschenden
    Sechsrossig aufgezäumten Hoffart
        Schleicht der Beherrschten unsäglich Elend.

Nicht mehr das Schwert handhaben und nicht den Pflug
Quiriten jetzt, kaum pflegt die entwöhnte Hand
    Den süßen Weinstock, wurzelschlagend
        Über dem Schutte der alten Tugend.

Im Flammenblick nur, oder im edlen Bau
Des schönen, freiheitlügenden Angesichts
    Zeigt Rom sich noch, am Scheideweg noch,
        Aber es folgte dem Wink der Wollust!

 


 

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