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August von Platen: Gedichte - Kapitel 82
Quellenangabe
titleGedichte
authorAugust von Platen
year1968
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000291-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170915
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Florenz

(1826)

                Dich hat, Florenz, dein altes Etruskervolk
Mit wahrem Fug dich blühende Stadt genannt,
    Nicht weil der Arno nagt an Hügeln,
        Deren der kahlste von Wein und Öl trieft:

Nicht weil die Saat aus wucherndem Boden keimt,
Nicht weil des Lustparks hohe Zypressen und
    Steineichen, samt Oliv' und Lorbeer,
        Neben der Pinie nie verwelken:

Nicht weil Gewerbfleiß oder Verkehr dir blüht,
Den andre Städte missen, indes du stolz
    Freiheit genießest, Ruhm genießest
        Unter der milden Gesetze Weisheit:

Nicht weil im Prunksaal Schätze der Kunst du häufst,
Vor denen jetzt stummgaffende Briten stehn;
    Wie manches Denkmal ist, Florenz, dir
        Fremder geworden als selbst dem Fremdling!

Nie wieder tritt die Sonne der Medicis,
Was auch geschehen mag, über den Horizont,
    Längst schläft Da Vinci, Buonarroti,
        Machiavell und der alte Dante:

Allein du blühst durch deine Gestalten fort,
Und jener Kunst Vorbilder, sie wandeln am
    Lungarno heut wie sonst, sie füllen
        Deine Theater noch an, wie vormals.

Kaum hat der Blick, vor zögerndem Unbestand
Sich scheuend, freudvoll eine Gestalt erwählt,
    Als höchste Schönheit kaum gefeiert:
        Wandelt die schönere schon vorüber!

Und hat das florentinische Mädchen nicht
Von frühster Jugend liebend emporgestaunt
    Zur Venus Tizians, und tausend
        Reize der Reizenden weggelauschet?

Und deiner Söhne Mütter, o sprich, Florenz!
Ob nie die sehnsuchtsvolleren Blicke sie
    Gesenkt vor Benvenutos Perseus,
        Oder dem himmlischen Apollino?

Wohl mag der Neid euch zeihen der Üppigkeit,
Frei spricht die Lieb' euch. Liebt und genießt, und stets
    An seiner Göttin Busen kühle,
        Kühle die leuchtende Stirn Adonis!

Hier tändle Glück und Jugend, den Dichter nur,
Zum strengsten Ernst anfeuert die Zeit nur ihn,
    Und ihm zerbricht sein frühres Leben
        Unter den Händen, wie Knabenspielzeug.

Er rafft sich auf, dem reifere Stunden grau'n,
Ihm naht der Wahrheit wehender Flügelschlag,
    Und mehr und mehr Zukunft im Herzen,
        Lernt er entsagen der kalten Mitwelt.

Du aber blühe, glückliche Stadt, hinfort
In solcher Schönheit, solchem Gefühl der Kraft,
    Wie auf dem Springquell hier der Meergott
        Jenes unsterblichen Gian Bologna
!

 


 

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