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August von Platen: Gedichte - Kapitel 146
Quellenangabe
titleGedichte
authorAugust von Platen
year1968
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000291-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170915
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Saul und David

                  Der König sitzt auf seinem Throne bang,
Er winkt, den Sohn des Isai zu rufen:
»Komm, Knabe, komm mit deinem Harfenklang!«
Und jener läßt sich nieder auf die Stufen.

»Der Herr ist groß!« beginnt er feierlich,
»Geschöpfe spiegeln ihres Schöpfers Wonne;
Der Morgen graut, die Wolken teilen sich,
Und wandelnd singt ihr hohes Lied die Sonne.

Die schwere Krone löse dir vom Haupt
Und tret hinaus in reine Gotteslüfte!
Die Lilie prangt, der Busch ist neu belaubt,
Die Reben blühen und verschwenden Düfte.

Zwar bin ich nur ein schlichter Hirtensohn,
Doch fühl ich bis zum Himmel mich erhoben;
Was mußt du fühlen, König, auf dem Thron,
Wie muß dein Herz den Gott der Väter loben!

Doch deine Wimper neigst du tränenschwer,
Daß sie des Auges schönen Glanz verhehle –
Wie groß ist Jehova! o blick umher!
Und welche Ruhe füllt die ganze Seele!

So laß dein Herz an Gott, so laß dein Ohr
An meiner Töne Harmonie sich laben!«
Allein der König springt in Wut empor
Und wirft den Spieß nach dem erschrocknen Knaben.

 


 

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