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August von Platen: Gedichte - Kapitel 122
Quellenangabe
titleGedichte
authorAugust von Platen
year1968
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000291-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170915
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Kassandra

(1832)

            Deinem Los sei'n Klagen geweiht, Europa!
Aus dem Unheil schleudert in neues Schrecknis
Dich ein Gott stets; ewig umsonst erflehst du
        Frieden und Freiheit!

Kaum versank allmählich, im trägen Zeitlauf,
Jener Zwingburg südlicher Bau zu Trümmern,
Wo des Weltherrn Zepter dem Inquisitor
        Schürte den Holzstoß:

Sieh, da keimt schon, unter dem Hauch des Nordpols,
Frischen Unheils wuchernder Same leis auf:
Hoch als Giftbaum ragt in die Luft bereits dies
        Riesige Scheusal!

Selbst dem Beil fruchtloser Begeisterung trotzt
Dieser Stamm, der alles erdrückt, und keiner
Wolke, weh uns, rettender Blitz zerschmettert
        Wipfel und Ast ihm!

Ketten dräu'n, wie nie sie geklirrt, der Menschheit
Bangen Hals zuschnürend, und parrizidisch
Reiht im Wettlauf mächtiger Ungeheur sich
        Frevler an Frevler!

Noch einmal, wie's kündet die alte Fabel,
Überm Haus blutgieriger Tantaliden
Sein Gespann rückwärts mit Entsetzen lenkend,
        Schaudert Apollo!

Zwar der Hahn kräht; aber er weckt die Welt nicht!
Selbst des Einhorns' Stachel vielleicht zersplittert:
Adler Deutschlands, doppelter, kreise wachsam,
        Schärfe die Klau'n dir!

 


 

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