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August von Platen: Gedichte - Kapitel 121
Quellenangabe
titleGedichte
authorAugust von Platen
year1968
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000291-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170915
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Der Rubel auf Reisen

(1833)

      Der Rubel reist im deutschen Land,
Der frommen Leuten frommt,
Und jeder öffnet schnell die Hand,
Sobald der Rubel kommt.

Ihn speichert selbst der Pietist,
Und gibt den Armen mehr:
Seit außer Kurs die Tugend ist,
Kursiert der Rubel sehr.

Der Tugend wird bloß Ruhm zuteil,
Es ist ein hohler Schall;
Doch wem die Welt um Rubel feil,
Dem klingt ein rein Metall!

Da wird die Nacht gescholten Tag,
Der Teufel wird so gut!
Was nicht ein heller Klang vermag,
Was nicht ein Rubel tut!

Des Nordens Sternbild wird bekränzt
Vom Sängerchor des Teut:
Es ist der Rubel, der so glänzt,
Der so das Aug' erfreut.

Wohl ist er ein an jedem Strand
Süßangegrinzter Gast:
Verkaufe nur dein Vaterland,
Wofern du eines hast!

Der Rubel klirrt, der Rubel fällt,
Was ist der Mensch? Ein Schuft!
Und wenn die Welt dir nicht gefällt,
So steig in deine Gruft!

Erst gab's nur einen Kotzebu',
Jetzt gibt's ein ganzes Schock;
Und schüttelst du das Haupt dazu,
So leg es auf den Block!

Der Teufel siegt, der Gott verliert,
Der blanke Rubel reist:
So ward von je die Welt regiert,
Solang die Sonne kreist.

 


 

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