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Jakob van Hoddis: Gedichte - Kapitel 9
Quellenangabe
titleGedichte
authorJakob van Hoddis
typepoem
created20120819
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170830
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Die Himmelsschlange

        Sonne glüht und Nächte schweigen,
Aus den hellen Fenstern steigen
Die Gespenster,
Unzucht treibend
In der Luft.
Und die Stadt
Verhüllt der Duft
Ihrer Schnapsgesichter.

»Laßt uns durch die großen Hallen
Der betörten Himmel wallen;
Denn der Mond ist doch schon fern.
Es verglomm der Grimm der Sterne.
Ist es Funkel, ist es dunkel,
Ist es Sang, Gebet, Gemunkel,
Sind's Paläste oder Plunder?
Schweigt, wir sind im Reich der Wunder.«

Hunderttausend Heere ziehen
Durch die Wolkenplane.
Hunderttausend Freunde fliehen
Vor der Wolken Karawane.
Ach, dem Denker wird es übel,
Der das Heut' bedenken soll.
Steckt ihn in den Wasserkübel.
Er ist toll.

Die Wolken winden sich wie Leinentuch,
Im Himmel spür' ich gräßliche Exzesse.
Die Engel fürchten sich vor Gottes Fluch
Und haben Zigaretten in der Fresse.

Denn Luzifer ist heute eingeladen
Und geht mit einem sicherlich zu Bett.
Durch sieben Himmel zieht in dicken Schwaden
Dampf von Tabak und Armesünder-Fett.

 


 

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