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Jakob van Hoddis: Gedichte - Kapitel 13
Quellenangabe
titleGedichte
authorJakob van Hoddis
typepoem
created20120819
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170830
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Der Teufel spricht:

                »Ein alter Leichnam kriecht aus seinem Loche
Im Eisenkleid nach alter Krieger Art.
Er tut es jeden Sonntag in der Woche.
Die Glocke dröhnt. Im Winde weht sein Bart.
Zum Morde hebt er die verfallne Linke,
Ihr wißt ja nicht, wie wohl das Geistern tut.
Mit seiner Rechten macht er Winke-Winke.
Aus sieben Wunden strömt er Rauch und Glut.«

Ein kleiner Engel knaut und will nicht essen.
Fürwahr! Er hat den Teufel so geliebt.
Doch jetzt beschließt er, seiner zu vergessen.
Da er ihm nicht mal 'ne Zigarre gibt.
Doch jener sieht ihn an mit blassen Blicken.
Und freut sich sehr, daß sich der Kleine kränkt.
»Wie werden wir uns heute Nacht erquicken,
Doch die Zigarre kriegst'te nicht geschenkt.«

Im Saale weiße Fliegenschwärme,
Der Dunst von Wein schlägt aus dem Mund der Zecher.
Im Saale taumeln weiße Fliegenschwärme,
Berauscht vom Zorn und vom Atem der Zecher.
Berauscht vom Atem der Zecher Scharen weißer Fliegen.

Schwirren wie verrückte Tanten
Zu Bekannten
Und Folianten
Und zu unbekannten Kanten,
Schnatternd auf der Eisenbahn.

Siehste woll!
Der Mann ist toll.
Seine Nase glüht und thront
Durch die Dünste wie der Mond,
Wenn er aufgeht.
Ob er, schrecklich zugerichtet,
Immer unerhörter dichtet,
Bis er draufgeht?

Ich rauch die Zigarette
Und geh im Zimmer rum.
Der Teppich ist so kokette,
Ihn ziert gar manche Blum.

Der Mond ist meine Tante,
Er schmoddert durch die Nacht.
Die Sonne, meine Großmama,
Hat nie an mich gedacht.

 


 

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