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Gedichte

Friedrich Haug: Gedichte - Kapitel 61
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Haug
modified20170830
typepoem
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Auf dem Lande

                Wohl mir in diesen belaubten Hallen,
Wo Niemand Französisch spricht.
    Die lieben Nachtigallen
        Politisiren nicht.

Hier streiten weder, noch schimpfen die Blätter,
Man fordert sie nie vor Gericht.
    Der Baum steigt ohne Vetter;
        Das kann der Kohlkopf nicht.

Den Löwenmäulern, den Rittersporen,
Den Veilchen entströmet Duft,
    Ob auf dem Berg geboren,
        Ob in der niedern Schluft.

Storch ist mit keinem Paß zum Reisen,
Und Biene mit Zoll nicht beschwert;
    Dompfaff von Waldameisen
        Den Zehnten nie begehrt.

Eichhörnchen turnen und machen Faxen,
Ohn' Aufruhrs verdächtig zu seyn.
    Bei aller Frösche Koaxen
        Fällt mir kein Ultra ein.

Der Mühlbach treibt vom Morgen bis Abend
Rundum die Räder mit Macht;
    Doch hab' ich, da mich labend,
        An Umtrieb nie gedacht.

Mir brech' ich ein Blümchen zum Ordenssterne,
Ein Reislein zum Feldherrnstab:
    Er hält mir Wespen ferne
        Und wehrt Geschmeiß mir ab.

Auch werd' ich von Niemand zur Tafel gezogen;
Ich ziehe die Tafel zu mir;
    Denn weder Demagogen
        Gibt's, noch Servile hier.

Mich liebt mein König. Mit sondrer Güte
Legt selber der Herr ja mir vor.
    Ich dank ihm mit der Blüthe
        Und froher Vögel Chor.

Fern bin ich, Gottlob! vom Erdgetümmel,
Das Thoren so wohl gefällt.
    Ich bin – zwar nicht im Himmel,
        Doch auch nicht – in der Welt.

 


 

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