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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 99
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Zuchthaus

März 1870

                Du Fürst auf deinem Siegerthron,
So glaubensstark, so bibelfest,
Der, trotzend einer Nation,
Nach Gottes Wort uns köpfen läßt;

Ihr winzigen Vasallen auch,
In eurem Purpur, halbzerlumpt,
Die ihr zu souveränem Brauch
Vielleicht die Guillotine pumpt;

Gespenster der Vergangenheit,
Die man kaum noch mit Namen nennt,
Die ihr von Gottes Gnaden seid –
Ja wohl, und keine Gnade kennt –;

Wenn ohne Henker euer Witz
Verloren ist, so gebt im Staat
Dem Henker einen Ehrensitz
Und macht ihn zum Geheimerat!

Es hat schon mancher schlechtre Mann,
Auf dessen Brust kein Orden fehlt,
Den Genius, der Wolle spann,
Im Zuchthaus langsam totgequält.

Langsam, ganz langsam – Glied für Glied!
Ich preis des Henkers milde Hand;
Doch euer Zuchthaus – – Schweig, mein Lied;
Mal nicht den Teufel an die Wand!

 


 

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