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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 98
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Xenien und Aphorismen

1841-1849

Die Zeit

                Eiliger flöge mein Wagen, von mutigen Rossen gezogen,
Aber es schleppen ihn auch Ochsen und Esel zum Ziel.

Der Philosoph

»Freund, ich liebe nun schon seit 20 Jahren die Weisheit!«
Und sie hat noch kein Kind? Sentimentaler Patron!

Fortschritt – Fortschritt ruft die Schnecke
Und bleibt nach wie vor im Drecke.

Heuchlerisch Kreuz! Du Schwert, des Spitze sich gegen die Erde,
Statt in männlicher Faust gegen den Himmel gekehrt.

Alles lindert die Zeit, selbst dem Sklaven macht sie die Kette süß.

Man vergoldet uns die Ketten, um sie vor dem Roste zu sichern.

Nicht am freundlichen Tag will sich der Samen entfalten,
Nur im Dunkel der Nacht wirft er die Hülle von sich;
Nur im Dunkel der Nacht schwillt ein Erlösungsgedanke,
Und in Kerkern allein wurzelt die Blume der Tat.

O hätt ich die Posaune des Engels am Jüngsten Tag, ich
würde nicht so lange damit warten, jetzt schon blies ich darein: Erwachet!

Was geht euch doch der Himmel an,
Beschränkt euch auf die Erde,
Die Knecht und Herrn hinausgetan,
Daß sie zum Himmel werde!

Betet ihr Fürsten zum Kreuz, ihr habt ihm alles zu danken,
Während das Volk nur euch leider dem Kreuze verdankt.

Das fromme Pack läßt auf Erden die Kronen gelten, weil es im Himmel selbst danach verlangt.


Wie verhaßt wird den Reichen das Christentum werden, wenn die Armen damit argumentieren. So wird es durch seine anscheinende Restitution fallen.


Abschaffung der Freiheit ist dem Philister nicht so fürchterlich wie Abschaffung des Eigentums.


Die Freiheit der Welt ist solidarisch Wo man für oder gegen sie kämpft, kämpft man für oder gegen die Freiheit der ganzen Welt.


        O Land der Orden und der Titel,
O Land der Federfuchserei –
Wann gibt dir Gott mehr Bauernkittel
Statt der Bedientenliverei!

Ein Volk, das nicht frei sein will, hat auf keinen Zoll Land oder Wasser Anspruch, so auch nicht auf das linke Rheinufer.


        Ihr könnt euch heiser schrein,
Der Rhein ist unser, der Rhein
Als müßte der Franke mit Willen
Dulden die Fürstenbastillen,
Bereit, ihm die Kehl zuzuschnüren,
Wenn er sich wieder sollt rühren
Drum still, kein Zoll gehört dem Knecht,
Seid frei – dann habt ihr' recht!

        Freiheit! rufen wir wohl, doch weniger, traun! als der Knabe
Für ein Vogelnest wagt, haben wir alle getan.

Wenn ihr keine Hände mehr habt, dann erst ist es Zeit, das Schwert im Maul zu führen.


        Fliehe wohin du willst, selbst im Paradiese besitzt noch
Unsere Diplomatie deutsche Spione genug.

            Und doch trägt jeder unbewußt
Den Jakobiner in der Brust;
Es wird, solange Menschen leben,
Auch ewig eine Linke geben;
Und gar bei Hofe sitzt, o Schreck,
Das Herz nie auf dem rechten Fleck.

Was hat die liebe deutsche Kunst
Doch mit der Politik zu schaffen?
»Sie blüht durch der Monarchen Gunst« –
Da hört doch die bezahlten Laffen.
Der Unsinn soll uns nicht erschüttern
Und unter seine Herrschaft beugen.
Wahr ist's: Tyrannen können groß sie füttern,
Doch Freiheit nur kann Kunst erzeugen.

Paläste sind Ballast geworden. Man wirft sie über Bord, um leichter zu segeln.


Just als Künstler protestiere gegen diese Gegenwart! Die Kunst ist erst möglich, wenn ein Volk einen sozialen Ruhepunkt gefunden hat.


Die roten Tage (im Kalender) liebt ich schon als Kind –' es waren die freien Tage.


Die Menschheit wird durch die geschmähte Hefe in die Höhe getrieben werden.


Nur das Volk kann das Volk retten.


Prometheus hat das Feuer vom Himmel gestohlen, wir tragen' s in den Himmel.


Ich wollte allein frei sein – es geht nicht! Die Freiheit ist solidarisch. Freisein heißt bis jetzt befreien.


Dem Volke

        Daß auch der Staub nicht mehr am Boden bleibt,
Schickt Gott den Sturm, der ihn zum Himmel treibt.

Doch das Volk, der Lazarus, liegt zu lange begraben,
Und ich begreif's, der Gestank treibet die Herren hinweg
Aber Geduld, der Tag wird kommen, an dem ihr dahinsinkt
Und der Lazarus euch allen zum Schrecken ersteht.

Der Glaube der Kommunisten an die Sache. Kein Philosoph geht für sein System in den Tod, aber das Volk!


Völker, versteht euch doch und reicht euch freudig die Hände. Immer wart ihr doch die Betrogenen! und ihr hab euch zerfleischt, statt vereinigt gegen den gemeinsamen Feind.


Nicht geopfert hat man die deutschen Völker, sondern im Haus geschlachtet


In Frankreich hat die Revolution ihre Kinder verschlungen, in Deutschland die Kinder die Revolution.


Nero spielte den Policinell, und Policinelle haben seitdem wie oft den Nero gespielt.


Die rote Fahne erschreckt euch? dazu? Gabt ihr nicht die Farbe dazu?


Wer nicht den Mut hat, Sozialist zu sein, wird notwendig Reaktionär.

 


 

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