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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 88
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Er tröste sich

Oktober 1856

                Die Pourtalès in Neuchâtel
Die wollten mal Policinell
Zu ihrem König machen –
Ha! Ha! das war zum Lachen.

Der Punch schrieb aus Germanien,
Sie sollten die Kastanien
Ihm aus dem Feuer holen –
Sie taten, wie befohlen.

Und eines Morgens um die drei
Probierten sie die Meuterei,
Des andern Tags jedoche
War schon ein Graf im Loche.

Auf seinem Thron saß eben Fritz
Und trank sich wieder einen Spitz,
Der König und seine Kujone –
Der Wein, der war nicht ohne.

Die Pfropfen flogen hin und her,
Der Flaschen wurden immer mehr,
Und Fritz, der Hohenzoller,
Der wurde immer voller.

Und als man ihm die Mär gebracht,
Da hält er sich den Bauch und lacht:
»Sie ist verrückt, ich glaube,
Die fromme Pickelhaube!

So wird man seiner Feinde Spott,
Eine feste Burg bist du, o Gott;
Alleene mich verläßt er,
Und Neuenburg ist fester.

Indes der Schaden ist nicht groß,
Fahr wohl, fahr wohl, du luftig Schloß!
Wenn ich Berlin behalte,
So bleib ich doch der alte.

Denn mein Berlin, das kennt mir schon
Von wegen seiner Rebellion
Gerät mein Volk in Hitze,
So zieh ich nur die Mütze.

Und alles ruft: es lebe Punch!
Und alles tanzt nach meinem Wunsch:
Wir singen im Mondenscheine
Die Freiheit, die ich meine.

's ist keine Ordnung in der Schweiz,
Im Winter regnet's, im Sommer schneit's,
Es ragen die Berge, die Lümmel,
So unverschämt zum Himmel.

Und zudem auch – bedenk ich's recht
Ist ihr Champagner herzlich schlecht;
Dem Lande fehlt der Glauben,
Und sauer sind die Trauben.«

Da riefen die Kujone Oh,
Der König ist ein Cicero!
Champagner, Herr von Keller!
Doch keinen Neuchâteller.

 


 

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