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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 86
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Tod Napoleons II.

              Könnt ich an eines Königs Grabe weinen,
Hier flösse endlos meiner Tränen Zoll,
Ich rief den Lüften, flehte zu den Steinen
Und bät die Erde, daß sie weinen soll.

Nicht weinen, weil sie dich so früh begraben,
Begraben, ehe eine Welt noch dein;
Nicht darum – größer ist es, nichts zu haben,
Noch größer, als ein Herr der Welt zu sein!

Ich weinte nicht, weil etwa du gewaget
Und dann verloren ein gewaltig Spiel,
Ich habe niemals noch den Stern beklaget,
Der nächtlich aus dem dunkeln Äther fiel.

Wozu? ist doch der Wünsche Ziel hienieden
Zu sagen: Seht, ich leuchtete einmal!
Man läßt sich willig an den Felsen schmieden,
Wenn man das Feuer erst vom Himmel stahl.

Doch Schwingen haben und nicht fliegen können,
Weil schon ein andrer flog zu hoch hinan;
In eignen Gluten tatenlos verbrennen,
Weil schon ein anderer zu viel getan –

Das ist's, was dir mein Mitleid zugewendet;
O tief, o tief beklagenswerter Fluch,
Daß, weil der Vater schon als Held geendet,
Deckt einen Frühling hier das Leichentuch!

Allein – ihr seid ja beide nicht die Meinen;
Mein ist das Herz, das in der Hütte bricht;
Um einen Bettler darf die Muse weinen,
Du warst ein Kaiserssohn ich weine nicht.

 


 

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