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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 59
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Kein Preußen und kein Österreich!

1848

        Kein Preußen und kein Österreich!
Ein Deutschland! wie vermessen!
Der Jungfer wurd das Herz so weich,
Sie freut sich wie besessen;
Ein Prinz hat ihr den Hof gemacht
Und beim Dessert an sie gedacht.
Steh auf, Germania,
Dein Bräutigam ist da!

Kein Preußen und kein Österreich!
Und Österreich soll thronen?
Er ist ein Mann – wir sind ihm gleich,
Und wir – sind Millionen.
Und Millionen schwören hoch
Und rufen laut: Kein neues Joch
Und keine Fürsten mehr!
Dem Volk allein die Ehr!

Kein Preußen und kein Österreich!
Was helfen uns die beiden?
Das eine ist schon totenbleich,
Das andre am Verscheiden.
Wir brauchen solche Sonnen nicht
Und folgen unserm eignen Licht,
In unsrer Brust dem Stern;
Wir wollen keinen Herrn.

Kein Preußen und kein Österreich!
Und tränk er ganze Bäche
Auf unser Wohl – o Schelmenstreich!
Das Volk bezahlt die Zeche.
Und Fürstenwein ist teurer Wein,
Drum schenkt uns einen andern ein:
Gut Wind und gut Geschick
Der deutschen Republik!

Kein Preußen und kein Österreich!
Dem Wort soll Recht verbleiben.
Und geht's uns schief, so wolln wir gleich
Durch Thurn und Taxis schreiben.
Indes, Herr Johann ohne Land,
Verzeiht der Deutschen Unverstand
Und denkt beim nächsten Glas.
In vino veritas!

 


 

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