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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 57
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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»Ich hatt einen Kameraden«

Ein altes Thema mit neuen Variationen

Oktober 1867

          Was donnern die Kanonen drein
Bei Solferino und Magenta?
Wer stürzt sich in des Feindes Reihn,
Dem Feind verhaßt an Po und Brenta?
Drob freut Viktor Emanuel sich:
Du stolzes Östreich, beuge dich!
Kennst du, die ich geladen,
Die rote Bluse nicht? –
Ich hab einen Kameraden,
Einen bessern findst du nicht.

Und als du dann mit Appetit
Sizil'sches Vesperbrot gegessen;
Als vor der Bluse Bomba flieht –
Hat dir sein Staatskleid nicht gesessen?
Denkst du daran, mein tapfrer Re,
Wer dir gebahnt St. Elmos Höh?
Denkst du, von wessen Gnaden
Du – – wie sagt das Gedicht?
»Ich hatt einen Kameraden,
Einen bessern findst du nicht.«

Heißt mich nicht reden, heißt mich schrein,
Cavour ist jetzt ein Mann, ein stiller.
»Dank vom Haus Östreich« – nein, o nein,
Vom »Haus Savoyen« meinte Schiller!
Bei Aspromonte schießt man sich –
Emanuel, ich kenne dich!
Ha! wie freut er sich Schaden!
Ich schrei dir ins Gesicht:
Du hattst einen Kameraden,
Einen bessern findst du nicht!

Und jetzt, da Pi Sand verrinnt,
Da bald es heißt: »Petri am letzten –«
Seht, die Ratazzia beginnt
Auf ihn, den nimmer müd sie hetzten!
Ob ihr ihn auch in Ketten legt,
Der hoch der Einheit Fahne trägt,
Der von der Freiheit Gnaden,
Italia, für dich ficht –
Du hast einen Kameraden,
Einen bessern findst du nicht.

 


 

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