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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 42
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Golgatha

Januar 1873

              An dem einen Kreuz die Liebe,
Ihr zur Seiten in Gestalt
Zweier Mörder oder Diebe –
Kleiner Diebe – die Gewalt!

Wenn ich so in unsern Tagen
Mir betrachte dieses Bild,
Muß ich mich im stillen fragen,
Wem der Menschen Inbrunst gilt,

Ob nicht manchmal sich beim Beten
Unsrer Frommen Blick verirrt
Und ein Strolch statt des Propheten
Gegenstand der Andacht wird.

Auf der Höhe thront im Leben
Und erringt sich Ruhm und Preis,
Wer das Kreuz des Schächers neben
Christi Kreuz zu ehren weiß;

Wer vor einem gnadenreichen
Heiland niederkniet im Staub,
Aber Leichen türmt auf Leichen,
Um zu sichern seinen Raub.

Schade, daß ich nie begriffen,
Schwarz und weiß zugleich zu sein!
Hat mich drum auch ausgepfiffen
Mancher Preuße, groß und klein.

 


 

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