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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 34
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Fragmente und Aphorismen

1870-1875

        Ich liebe Deutschland, glaubt es mir,
Doch ganz entsetzlich ist
Mir solch ein Patriot beim Bier,
Wenn er Franzosen frißt.

Siehst du, Herr, spricht der Minister,
Alles können wir probieren,
Immer werden die Philister,
Wenn du siegst, illuminieren.

Deutschlands Erbfeind ist Preußen.

Gott, König, Vaterland, – die Umkehr
    von Liberté, Egalité, Fraternité.

Sooft das Blut wie Wasser floß,
Sprachst du ein fromm Gebet
Und riefest: Gott ist groß,
Und Krupp ist sein Prophet.

Von dem Thron der Kinderstube
Stieg er auf den Thron der Macht.
Ach, 's ist nicht der erste Bube,
Den zum König man gemacht.

Ob der letzte? Trübe Frage,
Der das Schicksal sich vermummt,
Da nach jedem Siegestage
Aller Widerspruch verstummt.

Doch wohin bin ich geraten?
Klüger ist's, die Politik
Überlaß ich den Soldaten
Und den Ausgang dem Geschick.

Gottesfurcht und fromme Sitte
Rufen mir gebietrisch Halt,
Deutschland hoch! Bei jedem Schritte
Stößt man auf den Staatsanwalt.


Man treibt die Völker Knall und Fall
Wie eine Herde Vieh
Aus einem in den andern Stall
Und nennt es Strategie.

Und hat man dann das Heldentum
Mit frommer Hand gepflegt –
Wer heilt die Wunden, die der Ruhm
Daheim der Freiheit schlägt?


O ja – Wir reichen am Schluß
Die Hände zum Völkerbunde –
Wenn wir's auf sechzig Schuß
Gebracht in der Sekunde.

Lustig, dank dem Uckermärker,
Lustig blüht das Reich empor,
Die Kasernen und die Kerker
Stehn im allerschönsten Flor.

Gegen äußere Bedrängnis
Sind wir demantfest geeint,
Und zum Schweigen im Gefängnis
Bringen wir den innern Feind.

Wenn er klagt, daß man mit Haber
Ihn dort füttre – 's ist nicht wahr;
Soll man ihn mit Gänselaber
Stopfen wie die Gründerschar?

Wenn er klagt, daß man dem Geiste
Jede Nahrung dort entzieh –-
Eine Lüg ist's, eine dreiste,
Und Barbaren sind wir nie

 


 

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