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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 27
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Ihr lieben Herren von Eisenach!

»Kladderadatsch«

September 1859

        Deutschland spielt eine traurige Roll,
In unserm Herzen wohnt Scham und Groll,
Drum laßt uns machen ein Protokoll,
Das jeglicher unterschreiben soll!
So habt ihr gesprochen, ihr Weisen, ach!
Ihr lieben Herren von Eisenach!

Ihr wart nicht erhitzt und nicht bespitzt,
Ihr habt nicht gedonnert und nicht geblitzt.
Wenn ihr im Parlamente sitzt,
Könnt ihr das tun – doch müßt ihr itzt
Der Mäßigung euch befleißen, ach!
Ihr lieben Herren von Eisenach!

Staatsmännisch wird alles angebahnt
Es wird nicht geturnert und nicht gejahnt;
Der Michel, wenn er wieder zahnt
Und greinen will, wird zur Ruh, ermahnt.
Ihr werdet doch auch nicht beißen, ach!
Ihr lieben Herren von Eisenach.

Der Michel, wenn er im Fieber liegt,
Der wird gar sänftlich eingewiegt!
Und wenn ihr euch mal zu hoch verfliegt,
Mit einem Korbe, den ihr kriegt,
Könnt ihr viel Zeitungen speisen, ach!
Ihr lieben Herren von Eisenach.

Germania, die hohe Braut,
Wird nächstens einem Mann getraut,
Der Bräutigam ist sehr erbaut
Und läßt sich sagen: Sprecht nicht zu laut,
Sonst schicken sie euch auf Reisen, ach!
Ihr lieben Herren von Eisenach.

Ich dank euch gleichfalls für die Ehr,
Euer deutsches Vertrauen rührt mich sehr.
Und wenn ich der Kladderadatsch nicht wär,
Wollt ich euch danken noch viel mehr,
Hör ich mein Vaterland preisen, ach!
Ihr lieben Herren von Eisenach.

 


 

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