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Gedichte

Georg Herwegh: Gedichte - Kapitel 14
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Herwegh
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020619
modified20170830
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Die Arbeiter an ihre Brüder

Frei nach dem Türkischen

1866

        Wir schüren in den Essen
Die Feuer Tag und Nacht,
Am Webstuhl, an den Pressen
Steht unsre Friedenswacht.

Wir schürfen in dem Qualme
Der Gruben nach Metall,
Den Segen goldner Halme
Dankt uns der Erdenball.

Doch wenn das Korn gedroschen,
Dann heißt es: Stroh als Lohn,
Dann heißt's – für uns den Groschen,
Den Taler dem Patron.

Dann heißt's: für uns den Schragen,
Das weiche Bett dem Gauch!
Dann heißt's: Nichts in den Magen
Und Kugeln in den Bauch!

Vergebens aus der Tiefe
Steigt der Beraubten Chor,
Mit seinem Vollmachtsbriefe
Ans Glück, zum Licht empor.

Was hilft es, daß wir trotzen,
Solang noch mordbereit
Ihr gegen uns den Protzen
Die starken Arme leiht?

O weh, daß ihr im Bunde
Mit ihnen uns verließt
Und daß ihr uns wie Hunde
Auf ihr Geheiß erschießt!

Ach, wenn sie euch nicht hätten,
Wär alles wohlbestellt;
Auf euren Bajonetten
Ruht die verkehrte Welt.

An euren Bajonetten
Klebt aller Zeiten Fluch;
Wir trügen keine Ketten,
Trügt ihr kein buntes Tuch;

Wir brauchten nicht zu fronen
Für Sultan und Vezier,
Nicht länger für die Drohnen
Zu darben brauchten wir.

Wir hätten nicht zu beben
Vor Pascha oder Scheik
Und könnten bald erleben
Den großen Fürstenstreik.

Durch euch sind wir verraten,
Durch euch verkauft allein
Wann stellt ihr, o Soldaten,
Die Arbeit endlich ein?

 


 

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