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Christian Friedrich Hebbel: Gedichte - Kapitel 462
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Hebbel
modified20170830
typepoem
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Einsprache aus München

              Faselst du? Dies Pasquill verleumdet die nobelsten Helden,
    Wie es der rohste Poet nie noch vermeßner gewagt,
Äschylos nicht einmal, der doch der Prinzessin von Troja
    Bilder vom Stier und der Kuh legt in den sittigen Mund.
Nein, wir kennen sie besser, die edlen Burgunder, und willst du
    Reine Geschichte, so leih unserm Tragöden das Ohr.
Wie er den Lindwurm gänzlich beseitigt, weil Raff ihn nicht kannte
    Und auch Cuvier nicht seine Gebeine entdeckt,
Also hat er zugleich die Recken des Eisens entkleidet,
    Und sie zu Menschen gemacht, wie wir sie lieben bei uns.
Hagen wütet nicht blind, er ist ein besonnener Hofmann,
    Der den Rivalen ersticht, weil er die Gnade ihm stiehlt,
Siegfried selber ist nichts, doch büßt er das schwere Verbrechen,
    Daß er sich doppelt verlobt, was die Moral nicht erlaubt,
Kriemhild verbessert die Reden der Thekla und macht sie prosodisch,
    Denn im Metrischen war Schiller bekanntlich ein Kind;
Brunhild allein blieb wild, und Gunther muß ringen und springen,
    Aber es wird uns erklärt: weil sie die Mutter verlor!
Dennoch stört es ein wenig, und wenn der Dichter auch glücklich
    Sich der Kappe des Zwergs, welche den Helfer verbarg,
Durch das natürliche Mittel der simplen Verkleidung erledigt,
    Menschlicher wär' es vielleicht, spielten die beiden nur Schach!
Tilg' er denn unverweilt in souveräner Verachtung,
    Wie das übrige, auch diesen barbarischen Rest!

 


 

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